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Autor: Charlotte Diez
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Tags: Maria, Stuart, Opfer, Machtstreben, Elisabeth
Jahr: 2000
Seiten: 14
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ (33 Fußnoten) Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 174 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47190-9
Textauszug (computergeneriert)
FU Berlin
Maria Stuart:
Ein Opfer des politischen Machtstreben Elisabeth`s
von
Charlotte Diez
Inhalt
I. Einleitung
II. Historischer Verlauf:
II.1. Marias Vorgeschichte - Elisabeths Reaktion
II.2. Entlastungsfaktoren zu Gunsten Marias
III. Elisabeth und Maria als Gegenbilder:
III.1. Elisabeths weibliche Eifersucht auf die Schönheit Marias
III.2. Elisabeths politische Machtgelüste
III.3. Begegnung der beiden Königinnen
IV. Maria als moralische Siegerin:
IV.1. Das Todesurteil - Die Unvereinbarkeit von Moral und Politik
IV.2. Versuch, die historische Realität zu Schillers "Maria Stuart" darzustellen
EINLEITUNG
Friedrich Schillers poetische und dramatische Begabung wurde durch seine Arbeit als Geschichtsprofessor an der Jenaer Universität, die jetzt seinen Namen trägt, richtungsweisend beeinflußt. Er schuf im Verlaufe seiner Entwicklung das große klassische Geschichtsdrama, womit er die Grundlagen für ein deutsches Nationaltheater setzte, das sich nun von den bis dahin französischen (Molière) und englischen (Shakespeare) Vorbildern befreite. Nach "Don Carlos" und der gigantischen Dramentriologie "Wallenstein" entstand im letzten Jahr des 18. Jahrhunderts "Maria Stuart" und wurde im Juni 1800 in Weimar uraufgeführt.
Dieses Trauerspiel stellt erdichtete und tatsächliche historische Vorgänge, private und politische Verwicklungen1 an den zwei antipodischen Hauptgestalten Maria und Elisabeth dar. Die Begegnung der beiden Königinnen im dritten Akt ist der Höhepunkt der symmetrischen Antithetik,2 zugleich aber auch der psychologisch - dramatische Schwerpunkt der Tragödie, in welchem das Schicksal Maria Stuarts scheinbar endgültig entschieden wird, worauf wir im Kapitel III.3. näher eingehen.
Da, wie bereits erwähnt, historische Tatsachen für Schiller als Grundlage für dieses Drama dienten, ist es wichtig, in die Überlegung, ob Maria Stuart tatsächlich ein Opfer des politischen Machtstreben Elisabeths ist, diese geschichtlichen Hintergründe miteinzubeziehen. In nahezu jeder Sekundärliteratur werden gleich zu Beginn die tatsächlichen historischen Verflechtungen erwähnt, um die konträren Verhaltensweisen der beiden Protagonistinnen zu verdeutlichen. Auch wir versuchen, diese realen Geschehnisse in unsere Argumentation miteinzubeziehen, denen Schillers psychologische Dramaturgie zu Grunde liegen.
Natürlich beschreibt die Sekundärliteratur die historischen Vorgänge sehr unterschiedlich. Die Verhaltensweisen von Maria Stuart und Elisabeth werden oft verschieden bewertet, wie auch Marias Schuld am Tode ihres Gatten Darnley. In "Königs Erläuterungen und Materialien" zu Schillers Maria Stuart wird in keiner Weise erwähnt, daß Maria nie offen auf den englischen Thron verzichtet und dadurch Elisabeth natürlich alarmiert hat. Es wird nur gesagt, daß Elisabeth Marias Bitten um Freundschaft kalt ablehnte, aber nicht, weshalb sie das tat.
Wir haben versucht, die Frage, ob Maria Stuart ein Opfer des politischen Machtstreben Elisabeths war, so explizit wie möglich zu klären.
Historischer Verlauf:
Marias Vorgeschichte - Elisabeths Reaktion
Um zu entscheiden, ob Maria tatsächlich nur ein Opfer ist, oder selbst zu dem harten und kühlen Verhalten Elisabeths beigetragen hat, ist es unumgänglich die, durch ihren eigenwilligen Vater verursachten Komplikationen ihres dynastischen Erbanspruches, aufzuzeigen. Es beginnt mit der in Wirklichkeit nie geklärten Streitfrage, ob Elisabeth tatsächlich einen rechtmäßigen Anspruch auf Englands Thron hatte. Je nach Interessenslage führt diese Frage zu unterschiedlichen Auslegungen. 3
Elisabeth stammte aus der zweiten Ehe König Heinrich dem VIII, ihre Mutter war Anna Boleyn. Da der Papst dem König die Scheidung von seiner ersten Frau, Katharina von Aragon, verweigert hatte, galt er in der katholischen Welt als weiterhin mit Katharina verheiratet und Elisabeth damit als Bastard. Zudem erklärte er selber 1536 seine Ehe mit Anna Boleyn als illegitimes Verhältnis und seine Töchter Maria Tudor und Elisabeth zu unehelichen Kindern. Durch Parlamentsbeschluß wurden beide Töchter später zwar zu Thronfolgerinnen erklärt, was der König in seinem Testament bestätigte, doch die Ehe mit Anna Boleyn wurde nicht legalisiert und Elisabeth blieb somit ein illegitimes Kind. Anderseits schloß der König alle ausländischen Mitglieder des Hauses Tudor, d.h. die Stuarts, von der Thronfolge aus. Nach englischem Recht war Elisabeth thronberechtigt, nach kanonischem Recht war sie es nicht. Unter dynastischem Gesichtspunkt hatte Maria einen legitimen Thronanspruch vor Elisabeth, juristisch war ihr Recht zweifelhaft.4
Als Elisabeth 1558 , nach dem Tode ihrer Stiefschwester Maria, den englischen Thron bestieg,5 wählte Maria einen äußerst verhängnisvollen Weg. Statt ihren Thronanspruch zu unterdrücken, oder ihn mit der Waffe zu verteidigen, nahm das schottische Kronprinzenpaar auch die englische Königskrone in sein Wappen auf. Maria ließ sich später öffentlich und in allen Urkunden " Regina Franciae, Scotiae, Angliae et Hiberniae" nennen. Somit erhob sie zwar einen Anspruch, doch verteidigt sie ihn nicht. Durch diese Geste war für Maria Stuart nichts erreicht, jedoch alles verdorben, sie hatte nun die mächtigste Frau Europas zur unversöhnlichen Feindin. Ein offener Kampf hätte die Sachlage wahrscheinlich sofort und endgültig geklärt, doch dieser hinterhältige Zwist, der sich immer wieder erneute, zerstörte schließlich Maria physisch und Elisabeth psychisch.6
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1 Vgl. Gerd Sautermeister: „Maria Stuart“. In: Interpretationen: Schillers Dramen. Hg. v. Walter Hinderer. 1992 Philipp Reclam jun., Stuttgart, S. 282
2 Vgl. Königs Erläuterungen und Materialien: Friedrich Schiller, Maria Stuart. Von Edgar Neis . Hg. v. Klaus Bahners, Gerd Eversberg und Rainer Poppe. 1981 by C. Bange Verlag, Hollfeld, S. 72
3 Vgl. Klett Lektürenhilfe: Friedrich Schiller, Maria Stuart. Von Hansjürgen Popp. Ernst Klett Verlag für Wissen und Bildung. Stuttgart 1995, S. 111
4 Vgl. Ebd S. 110 f.
5 Vgl. Ebd. S. 8
6 Vgl. Stefan Zweig: Maria Stuart. 1951 by S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, S. 32/33
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