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Spracherwerb im Kleinkindalter

Hauptseminararbeit, 2001, 30 Seiten
Autor: Simone Kaletsch
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 30
Note: 1-
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V51154
ISBN (E-Book): 978-3-638-47197-8
ISBN (Buch): 978-3-638-67815-5
Dateigröße: 207 KB

Zusammenfassung / Abstract

Wenn man sich mit dem Spracherwerb beim Kleinkind auseinandersetzt, so stellt man fest, dass es sich dabei um einen sehr komplexen Themenbereich handelt. Die Arbeit befasst sich mit relevanten Punkten des Spracherwerbs beim Kleinkind. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den verschiedenen Spracherwerbsstilen. Nach einem einem theoretischen Teil, wird am Beispiel eines kleinen Jungen versucht, die Theorie in der Praxis zu überprüfen. Zu Beginn ist es wichtig, erst einmal zu klären, was Sprache überhaupt ist. Danach wird sich mit dem Verlauf und den Theorien des Spracherwerbs befasst. Nach einer Einführung, die nur kurz den Zeitpunkt des Spracherwerbs darstellt, kommen die verschiedenen Theorien der Spracherwerbsforschung zur Sprache. An die Erläuterung der verschiedenen Ansätze schließt sich dann ein Kapitel über die Phasen des Spracherwerbs an. In diesem Teil tauchen dann noch einmal etwas ausführlicher die relevanten zeitlichen Abläufe auf. Während sich die Theorien und die Phasen des Spracherwerbs mit Aspekten befassen, die bei allen Kindern gleich sind, liegt bei der Erforschung von Spracherwerbsstilen der Schwerpunkt auf den Unterschieden zwischen individuellen Kindern. Dieses Thema wird als Abschluss für das zweite Kapitel gewählt. Die Existenz einer an das Kind gerichtete Sprache kommt im letzten Kapitel zur Darstellung. Im zweiten Teil der Arbeit sind noch einmal die Spracherwerbsstile thematisiert. Es wird ein kleiner Junge beobachtet, um herauszufinden, ob er auf solche verschiedenen Strategien zurückgreift. Anschließend finden sich einige Anmerkungen sowie das Literaturverzeichnis.


Textauszug (computergeneriert)

Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für deutsche Sprache und mittelalterliche Literatur „Spracherwerb“
Sommersemester 2001, 3. Semester

Spracherwerb im Kleinkindalter

von: Simone Kaletsch

 


Inhalt

0. Einleitung  3

Teil I: Theorien zum Spracherwerbsprozess

1. Was ist Sprache?  4

2. Verlauf und Theorien des Spracherwerbs  6

2.1. Zeitpunkt des Spracherwerbs  6
2.2. Positionen in der Spracherwerbstheorie  7

2.2.1. Nativistischer Ansatz  7
2.2.2. Lerntheoretischer Ansatz  10
2.2.3. Kognitivistischer Ansatz  11
2.2.4. Interaktionistischer Ansatz  12

2.3. Phasen des Spracherwerbs  13

2.3.1. Vorstufen des Spracherwerbs  13
2.3.2. Einwortäußerungen und erste Wortkombinationen  14
2.3.3. Ausbau des Systems: die Drei- und Mehrwortphase  15

2.4. Spracherwerbsstile  17

3. Die an das Kind gerichtete Sprache (KGS)  21

Teil II: Angewandte Theorie

4. Beobachtungen zu Spracherwerbsstilen  24

5. Anmerkungen  30

6. Literatur  30

 


 

0. Einleitung

Wenn man sich mit dem Spracherwerb beim Kleinkind auseinandersetzt, so stellt man fest, dass es sich dabei um einen komplexen Themenbereich handelt. Aus diesem Grunde konnten wir uns natürlich nicht mit allen interessanten Punkten dieses Bereiches auseinandersetzen. Letztendlich einigten wir uns darauf, einen theoretischen Teil und einen eher praktisch orientierten Teil zu verfassen. Im ersten Teil der Arbeit haben wir uns der Theorie zugewandt. Wir befanden es als wichtig, erst einmal zu klären, was Sprache überhaupt ist. Danach haben wir uns mit dem Verlauf und den Theorien des Spracherwerbs befasst. Nach einer Einführung, die nur kurz den Zeitpunkt des Spracherwerbs darstellt, haben wir uns den verschiedenen Theorien der Spracherwerbsforschung gewidmet. An die Erläuterung der verschiedenen Ansätze schließt sich dann ein Kapitel über die Phasen des Spracherwerbs an. In diesem Teil tauchen dann noch einmal etwas ausführlicher die relevanten zeitlichen Abläufe auf. Während sich die Theorien und die Phasen des Spracherwerbs mit Aspekten befassen, die bei allen Kindern gleich sind, liegt bei der Erforschung von Spracherwerbsstilen der Schwerpunkt auf den Unterschieden zwischen individuellen Kindern. Wir haben dieses Thema als Abschluss für unser zweites Kapitel gewählt. Die Existenz einer an das Kind gerichtete Sprache kommt im letzten Kapitel zur Darstellung. Im zweiten Teil unserer Arbeit kommen wir noch einmal auf die Spracherwerbsstile zurück. Wir haben einen kleinen Jungen beobachtet und versucht herauszufinden, ob er auf solche verschiedenen Strategien zurückgreift. Anschließend finden sich einige Anmerkungen sowie das Literaturverzeichnis.

Teil I: Theorien zum Spracherwerbsprozess

1. Was ist Sprache?

Der Spracherwerb im Kleinkindalter gilt als eine der bemerkenswertesten Leistungen des Menschen. Obwohl sie nur wenig systematische Anleitung und oft sogar falsche Informationen erhalten, erwerben gesunde Kinder innerhalb weniger Jahre ausgezeichnete Sprachkenntnisse. (vgl. Zimbardo 19956: 67) Um sich aber mit diesem Thema näher auseinanderzusetzen, ist es durchaus sinnvoll, sich vorab Gedanken über den Begriff Sprache zu machen. Allgemein gesehen kann man einen Gegenstand sowohl nach seiner Beschaffenheit als auch nach seiner Funktion bestimmen. Auch die menschliche Sprache läßt sich erstens nach ihrer Beschaffenheit bzw. ihrer Struktur und zweitens nach ihrer Funktion definieren. Im ersten Fall kann man sagen, dass menschliche Sprechorgane wie Lippen und Zunge, Sprache als Sequenz von sinusförmigen Schwingungen erzeugen. (vgl. Vater 19962: 12) Die Sprechwerkzeuge dienen aber nur „nebenbei“ zur Spracherzeugung, denn in erster Linie sollen sie ihren Zweck als Werkzeug zum Atmen, Kauen, Schmecken usw. erfüllen. Zum Artikulieren wird vorwiegend ausgeatmete Luft benutzt, in einigen Fällen auch die Einatmungsluft. Beim Atmen weiten sich die Lungen, wenn das Zwerchfell gesenkt wird und die Rippen heben sich. Durch diese Volumenvergrößerung der Lungen kommt es zu einer Druckabnahme der Luft in den Lungen, was wiederum Luftzufuhr durch Mund- und Nasenhöhe über die Luftröhre bewirkt. Hebung des Zwerchfells und Senkung der Rippen erhöhen den Druck auf die Lunge, was zu einer Volumenverkleinerung und zum Ausstoß der Luft aus den Lungen führt. Von den Lungen gelangt die Luft durch die Luftröhre in den Kehlkopf, an dem die Stimmbänder befestigt sind. Die Stimmbänder können verschiedene Positionen einnehmen. Einige dieser Positionen sind relevant für die Lautproduktion. Beispielsweise werden bei geöffneten Stimmbändern stimmlose Laute erzeugt während z.B. Flüsterlaute erzeugt werden können, wenn die Stimmbänder nur am hinteren Ende geöffnet sind. (vgl. Vater 19962: 33) Auf diese Weise kann ein Mensch ohne Mißbildungen oder Schäden an den Sprechwerkzeugen Geräusche bzw. Laute erzeugen. Diese Laute können nach einem bestimmten Regelsystem zu Wörtern zusammengesetzt werden. Jedes zusammengesetzte Lautbild ist zwar willkürlich, aber unlösbar mit einem Begriff verbunden. Der Sprecher einer Sprache weiß um die Bedeutung dieses Lautbildes, er ist eingeweiht in das System. Er beherrscht es normalerweise, Wörter nach den grammatikalischen Regeln einer Sprache zu Sätzen mit einer bestimmten Bedeutung zusammenzusetzen. (vgl. Vater 19962: 11-18) Auf diese Art und Weise kann er mit anderen in sein Sprachsystem eingeweihten Menschen kommunizieren. An dieser Stelle wird deutlich, dass man Sprache nicht nur nach ihrer Beschaffenheit bzw. Struktur beurteilen kann, sondern auch in ihrer Funktion als Kommunikationsmittel. Denn Sprache ist sowohl Erzeugung von Schallwellen als auch Kommunikation in sozialen Gruppen. (vgl. Vater 19962: 12) Eine soziale Gruppe die über dieselbe Sprache verfügt, nennt man Sprachgemeinschaft. Ein normal entwickelter und sozialisierter Mensch, der in dieser Gemeinschaft aufwächst, ist in der frühen Kindheit in der Lage, sich das gesamte syntaktische, morphologische und semantische Regelsystem einer Sprache anzueignen. Er muß sich folglich nicht nur durch häufig unzulängliche Gesten und Zeichen mit seinen Mitmenschen verständigen, sondern er kann durch sprachliche Äußerungen mit Ihnen kommunizieren. Diese sprachlichen Grundfähigkeiten sind nicht von den Sprachgewohnheiten und –normen bestimmter Schichten oder Gruppen abhängig, sie stehen noch nicht einmal im direkten Zusammenhang mit über- oder unterdurchschnittlicher Intelligenz. (vgl. Volmert 19993: 208f)

Wenn wir von Sprache als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung reden, dürfen wir nicht vergessen, dass der Begriff mehrdeutig ist. Sprache kann sowohl die (allgemeine) menschliche Kommunikationsfähigkeit als auch ein spezielles menschliches Kommunikationssystem einer Sprachgemeinschaft meinen. Auch die Gesamtheit der Ausdrucksmittel einer Sprache sowie die Art und Weise wie man von ihr Gebrauch macht, sind von Bedeutung. Zusätzlich kann Sprache noch im metaphorischem Sinne gebraucht werden. Von Metaphorik spricht man, wenn ein sprachlicher Ausdruck nicht im „wörtlichen“ Sinne verwendet wird, so dass nur einige Merkmale des Ausdrucks erhalten bleiben. Die letzte Bedeutung von Sprache kommt aber nicht als Gegenstand der Sprachwissenschaft in Frage. Es ist ebenfalls noch wichtig zu erwähnen, dass zur Beschreibung der natürlichen Sprache (Objektsprache) einer Gemeinschaft eine Sprache zweiter Stufe (Beschreibungssprache) benutzt wird, die sogenannte Metasprache. (vgl. Vater 19962: 12ff)

Nachdem wir uns näher mit dem Sprachbegriff auseinandergesetzt haben, werden wir uns in den nächsten Kapiteln mit unserem Hauptthema beschäftigen, nämlich dem Spracherwerb beim Kind. Der Ausdruck Spracherwerb suggeriert, dass ein kleiner Mensch allmählich ein Instrument bzw. eine spezielle Fertigkeit der Gesellschaft, nämlich die Sprache und ihren Gebrauch, übernimmt. (vgl. Volmert 19993: 207)

2. Verlauf und Theorien des Spracherwerbs

2.1. Zeitpunkt des Spracherwerbs

[...]


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