Lebensgeschichtliches Erzählen - "Sinn, Kultur und Ich-Identität" von Jerome Bru... close Bitte warten
Lebensgeschichtliches Erzählen - "Sinn, Kultur und Ich-Identität" von Jerome Bruner

Autor: Graciette Justo
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit

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Details

Veranstaltung: Lebensgeschichtliches Erzählen im psychosozialen Beratungskontext
Institution/Hochschule: Universität Kassel
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 24
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 2  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 245 KB
Archivnummer: V51164
ISBN (E-Book): 978-3-638-47206-7
ISBN (Buch): 978-3-638-66150-8
Anmerkungen :
Was sind die Merkmale des Erzählens, was die Funktion des biographischen Erzählens? Was ist über das Fiktive und Faktische in jeder Erzählung zu sagen (übertriebenes und sachliches Erzählen)? Diesen Fragen widmet sich diese Arbeit und beschreibt darüber hinaus, was die Art des Erzählens über den Erzähler selbst aussagt, denn Erzählung bedeutet immer bereits subjektive Interpretation.

Zusammenfassung / Abstract

Was sind die Merkmale des Erzählens, was die Funktion des biographischen Erzählens? Was ist über das Fiktive und Faktische in jeder Erzählung zu sagen (übertriebenes und sachliches Erzählen)? Diesen Fragen widmet sich diese Arbeit und beschreibt darüber hinaus, was die Art des Erzählens über den Erzähler selbst aussagt, denn Erzählung bedeutet immer bereits subjektive Interpretation.

Textauszug (computergeneriert)

Lebensgeschichtliches Erzählen - in Anlehnung an das Buch
"Sinn, Kultur und Ich-Identität" von Jerome Bruner

von: Graciette Justo

SS 02/03

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

I.1. Das Wort
I.2. Narrative Struktur der Alltagspsychologie (Was ist Alltagspsychologie?)

II. Narration

II.1. Merkmale des Erzählens (Wie funktioniert das Erzählen?)

II.1.a) Inhärente Sequentialität
II.1.b) Indifferenz gegenüber Fakten
II.1.c) Das Außergewöhnliche und das Kanonische

II.2. Die Bereitschaft des Erzählens (Woher kommt das Erzählen?)
II.3. Fiktionales und empirisches Erzählen (Warum erzählen wir)

III. Narrative Bedeutung

III.1. Die Bereitschaft der Bedeutungszuschreibung (Warum geben wir Dingen einen Sinn?)
III.2. Narration und Kultur (Welche narrativen Ursachen führen zu einem Kulturzusammenbruch?)

IV. Narrative Praktiken von Kindern

IV.1. Interpretation (Wodurch wird das Interpretieren ausgelöst?)
IV.2. Narrative Umwelt (Wie sehr sind Kinder mit Erzählungen konfrontiert)
IV.3. Sozialisation des Erzählens (Was können Geschichten bewirken?)
IV.4. Das narrative Bedürfnis von Emily (Warum führt Emily Selbstgespräche?)

V. Narrative Lebensgeschichte

V.1. Sich selbst erzählen (Was ist die wirkliche Geschichte einer Person?)
V.2. Das Verstehen des Ich (Wie erfasst man das Ich?)

V.2.a) Selbstpräsentation (Vorlesung)
V.2.b) Erzählung und Beschreibung (Vorlesung)

V.3. Schlusssatz




 

I. Einleitung

I. 1. Das Wort

Ich habe mich in der Literatur umgeschaut nach Begriffen wie Sprache, Wort, Rede...usw. Und ich bin mehr als fündig geworden, es scheinen Themen zu sein, die die Menschheit sehr beschäftigen. Das früheste Zitat, was ich finden konnte, war etwa 2150 v. Chr. in "Die Lehre für König Merikare" (Ägypten), wo es heißt: "Die Kraft eines Menschen ist die Zunge. Reden ist bezwingender als Kämpfen.".

Jedem bekannt ist sicherlich auch folgender Auszug aus der Bibel:
"Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort..." (Die Heilsbotschaft nach Johannes im neuen Testament, Kapitel 1,1-5).

Andere Zitate sind z.B. von Shankara (um 800 n. Chr.) in "Die Sutra´s des Vedanta": "Ein Netzwerk von Worten ist ein großer Wald, in dem die Phantasie sich herumtreibt." oder von Honore de Balzac (1832): "Das Wort hat nichts Absolutes: Wir wirken mehr auf das Wort, als es auf uns wirkt; seine Kraft kommt aus den Vorstellungen, die wir erworben haben und nun hineinlegen." oder Francois Marie de Voltaire schrieb (1740 in einem Brief an König Friedrich von Preußen): "Geben Sie ruhig zu, dass der Streit um Worte mehr Unheil auf diesem Globus angerichtet hat als Pest und Erdbeben." Als letztes noch Romano Guardini (1930 "Briefe über Selbstbildung"): "In den Worten liegt eine eigene Gewalt. Wenn sie ins Laufen kommen, dann rollen sie wie die Steine den Hang hinunter, ganz von selbst."

I. 2. Narrative Struktur der Alltagspsychologie

(Was ist Alltagspsychologie?)

Ich beginne zunächst mit einer kurzen Einleitung in die Alltagspsychologie, da sie mit der Narration zusammenhängt und die Narration mit ihr. Jerome Bruner geht in seinem Buch "Sinn, Kultur und Ich-Identität", mit dessen Buch ich mich für diese Hausarbeit befasst habe, auf die Kulturpsychologie ein. Er sagt, dass zur Basis jeder Kulturpsychologie auch eine Alltagspsychologie gehören muss. Doch was bedeutet Alltagspsychologie eigentlich? Man könnte sie als Laien-Psychologie des Volkes im Alltag beschreiben. Sie handelt von elementaren Überzeugungen und Vorannahmen, wie z.B. dass einige Dinge mehr Wertigkeit besitzen als andere. Sie beschreibt nicht nur Dinge, wie sie sind, sondern auch wie sie sein sollten (Moral). Es handelt sich um kulturell geformte Begriffe, mit deren Hilfe sich die Menschen ein Bild von sich selbst, von anderen und von der Welt machen. Die Beziehung zwischen dem in der Welt Wahrgenommenen und den inneren Wünschen beeinflussen sich gegenseitig:

Zustände der Welt können Gründe für Wünsche oder Überzeugungen sein, und umgekehrt können unsere Überzeugungen uns dazu bringen, Bedeutungen in Dingen zu finden, wo andere Menschen keine erkennen können.

Der Begriff "Ich" wird in allen Alltagspsychologien erstaunlich komplex definiert. Doch dieser Begriff entsteht nicht aus einem "inneren" Sein heraus, der von der sozialen Welt unabhängig ist, sondern: "...die Komplexität entsteht dabei aus der Gestaltung persönlicher Anforderungen durch die Kultur.", so Bruner (Bruner, S. 59). Die Definition "Ich" läuft also über die Erfahrung in einer Welt der Bedeutungen, Bilder und sozialen Bedingungen, in die alle Menschen eingebunden sind.

Hazel Markus und Paula Nurius, so erwähnt Bruner, vertreten die Auffassung, dass nicht von einem Ich, sondern von mehreren Formen des Ich ausgegangen werden sollte: "Die möglichen Ich-Formen sind die Vorstellungen der Individuen von dem, was sie werden könnten, was sie gerne werden möchten und was sie zu werden fürchten." Bruner äußert die Kritik, dass: "...die kognitive Revolution ihr zentrales Thema der `Schaffung von Sinn bzw. Bedeutungen´ aufgegeben und sich statt dessen für `Informationsverarbeitung´ und Berechnung entschieden hat". (Bruner, S. 144) Er plädiert dafür, dass man in der Erforschung menschlicher Existenz unbedingt die Alltagspsychologie berücksichtigt; also all die kulturell geformten Begriffe, mit denen Menschen die Welt "organisieren". Die Alltagspsychologie ist so zu berücksichtigen, weil ihre Grundannahmen unsere Institutionen nicht nur beeinflussen, sondern auch schaffen. Andersherum verändert sich auch die Alltagspsychologie durch einen Wandel unserer Institutionen. Die Alltagspsychologie ist jedoch keine "Menge logischer Propositionen", sie besteht vielmehr aus dem ständigen Erzählen und Machen von Geschichten. Und sie wird durch die mächtige narrative Kultur unterstützt; durch Mythen, Geschichten, literarische Gattungen...

II. Narration

II.1. Merkmale des Erzählens (Wie funktioniert das Erzählen?)

Nun möchte ich die Erzählung, die Narration näher betrachten. Das Wort "narrativ" kommt aus dem Spätlateinischen, und bedeutet soviel wie "erzählend". Zunächst gehe ich auf die (nach Bruner drei) charakteristischen Merkmale des Erzählens ein.

II.1.a) Inhärente Sequentialität

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