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Interkulturalität in Joseph Conrads 'Herz der Finsternis'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 24 Pages
Author: B.A. Yvonne Hoock
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 34  Entries
Language: German
Archive No.: V51195
ISBN (E-book): 978-3-638-47226-5

File size: 236 KB


Excerpt (computer-generated)

Interkulturalität in Joseph Conrads ′Herz der Finsternis′

von: Yvonne Hoock

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Joseph Conrad 3

2.1 Realität und Fiktion 4

3. Herz der Finsternis 5

3.1 Erzähler 6
3.2 Handlung 7
3.3 Sprache 8
3.4 Imperialismus 9

4. Interkulturalität 11

4.1 Selbsterfahrung durch Fremderfahrung 13
4.2 Rassismus 14

4.2.1 Vorwurf an Autor 14
4.2.2 Analyse des Textes 15

4.3 Kurtz 18

5. Zusammenfassung 20

6. Literaturverzeichnis 21




 

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit zu Joseph Conrads Herz der Finsternis möchte ich mich in erster Linie mit den kulturellen Aspekten des Textes befassen. Dabei möchte ich zeigen, dass Herz der Finsternis zwei literarischen Traditionen angehört: einer überzeitlichen und einer zeitlich fixierten. Die überzeitliche umfasst alle Texte, die sich mit dem Thema Alterität bei Kongoreisen beschäftigen, die zeitlich fixierte ist den Texten zuzuordnen, die auf das konkrete Kolonialgeschehen im Kongofreistaat (EIC) eingehen. Der Kongo in Herz der Finsternis ist also – paradoxer Weise - „ein literarischer Ort, der […] rassistisch und kolonialkritisch zugleich ist“1. Ich möchte in dieser Hausarbeit auf beide Sichtweisen eingehen, das Thema Alterität und Interkulturalität aber stärker gewichten. Dazu werde ich mich eingehend mit dem Rassismus im Text beschäftigen. Zuvor möchte ich allerdings auf den Autor und seine persönlichen Erfahrungen im Kongo eingehen, die Erzählstruktur und den Handlungsverlauf des Textes verdeutlichen, sowie die Funktion von Sprache im Text analysieren.

Einen zentralen Punkt innerhalb der interkulturellen Analyse von Herz der Finsternis bildet die Interpretation von Albert J. Guerard, die ich für das bessere Verständnis des Textes heranziehe. Guerards Sichtweise von Herz der Finsternis ist eine feste Größe in der Conrad-Forschung und bildet die Basis für viele weiterführende Interpretationen – auch zum Thema Interkulturalität. Durch sie lässt sich das zuvor erläuterte Verhältnis von Eigen- und Fremdwahrnehmung direkt im Text erkennen und verdeutlichen. Ich möchte Herz der Finsternis sehr textnah analysieren, trotzdem aber die theoretischen Überlegungen mit einflechten, um die Erzählung in einen umfassenderen Zusammenhang stellen zu können. Den Zugang zu Herz der Finsternis hat mir Nicolas Tredell ermöglicht. In seinem Buch Joseph Conrad. Heart of Darkness legt er die wichtigsten Erkenntnisse der Forschung dar. Dort habe ich mir einen Überblick verschafft, um dann mit anderen Texten, zum Beispiel von Erzgräber, Cox, Miller und Gehrmann mein Wissen zu vertiefen. Die theoretische Seite des Themas habe ich mir durch Beiträge von Wierlacher und Thum zu Alterität, Interkulturalität und Fremdwahrnehmung erschlossen.

2. Joseph Conrad

Der polnische Schriftsteller Joseph Conrad wurde am 3. Dezember 1857 als Jósef Teodor Konrad Korzeniowski in der ukrainischen Stadt Berditschew geboren. Sein Vater, der Schriftsteller Apollo Korzeniowski, wurde 1861 wegen antirussischer Aktivitäten zuerst im Warschauer Gefängnis interniert, ein Jahr später wurde die ganze Familie nach Wologda verbannt. Dort starb im Jahr 1865 Ewa Korzeniowska, Jósefs Mutter, und auch der Vater Apollo verstarb vier Jahre später. Der erst 12 Jahre alte Jósef kam daraufhin zu seinem Onkel Taeusz Bobrowski und dessen Frau Jósefa, die ihn wie ihr eigenes Kind erzogen2.

Im Jahr 1874 brach Jósef nach Marseille auf, um Seemann zu werden. Er bereiste unter anderem die westindischen Inseln, Südamerika und die spanische Küste. 1878, nach fehlgeschlagenen Schmuggelgeschäften und einem missglückten Selbstmordversuch, startet er seine Seemannskarriere erneut und sehr erfolgreich unter britischer Flagge. Er bereiste, ab 1887 sogar als Erster Offizier, das Mittelmeer, den Fernen Osten, Australien und schließlich, 1890, den Kongo, von wo er mit schwerer Krankheit zurückkehrte. Auf Grund dieser Beeinträchtigung fuhr er immer seltener zur See, dafür weitete er seine schriftstellerischen Tätigkeiten aus – 1889 begann er seinen ersten Roman Almayer’s Folly –und heiratet 1896 seine Verlobte Jessie George (1898 und 1906 werden seine Söhne Borys und John geboren). In den kommenden Jahren entstanden Conrads berühmte Romane Lord Jim, Nostromo, und Der Geheimagent, zu dem in der ersten deutschen Übersetzung Mitte der zwanziger Jahre Thomas Mann ein enthusiastisches Vorwort verfasste. Es folgten zahlreiche Erzählungen, weitere Romane und seine Autobiografie – der Erfolg ließ allerdings bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg auf sich warten, bis dahin plagten Conrad oft Geldsorgen. Joseph Conrad starb am 3. August 19243. Da Conrad schon 1886 die britische Staatsangehörigkeit erworben hatte und auch seitdem, mit häufig wechselnden Wohnsitzen, in Großbritannien wohnte, ist es nicht verwunderlich, dass er schon Almayer’s Folly in Englisch schrieb. „In Wahrheit ist meine Fähigkeit, in englischer Sprache zu schreiben, ebenso angeboren wie jede andere Fertigkeit, mit der ich etwa zur Welt gekommen bin“4.

2.1 Realität und Fiktion

Es lässt sich nicht leugnen, auch wenn ich mich in meiner Arbeit keineswegs auf eine biografische Deutung der Erzählung beschränken möchte, dass es einige Parallelen zwischen der fiktiven Geschichte Marlows und der realen Kongofahrt Conrads gibt – von der allgemeinen Atmosphäre bis hin zu Einzelheiten der Charaktere. Marlow träumte - wie Conrad- schon seit frühester Kindheit von einer Reise in den Kongo. Sogar der Wortlaut, mit dem dieser Wunsch ausgedrückt wird, ist in Herz der Finsternis und Über mich selbst der gleiche: „Wenn ich einmal groß in, gehe ich dorthin“ (vgl. S. 12)5, beziehungsweise „Dort will ich hin, wenn ich mal groß bin.“ 6. Beide können diese Reise schließlich antreten und für beide wird sie eine Enttäuschung werden, die sogar mit schwerer Krankheit7 endete (S. 115). Conrad geriet in die gleiche „ihn abstoßende Gesellschaft von Spekulanten, Agenten, zweifelhaften Geschäftemachern, in die trübe Welt der Zivilisation, der Händlertaktik“8, wie sie auch Marlow beschreibt (S. 100/01). Marlow erkennt, dass er sich, geblendet von seinem Jugendtraum, einer verwerflichen Sache verschrieben hat und im Kongo „notwendig schuldig werden“9 musste.

[...]


1 Gehrmann, Susanne: Kongo-Greuel. Zur literarischen Konfiguration eines kolonialkritischen Diskurses (1890- 1910). In: Corbineau-Hoffmann, Angelika/ Link-Heer, Ursula/ Nicklas, Pascal (Hrsg.): ECHO. Literaturwissenschaft im interdisziplinären Dialog. Band 3. Hildesheim 2003. S. 119.

2 Wiggershaus, Renate: Joseph Conrad. Leben und Werk in Texten und Bildern. Frankfurt am Main 1990. S. 38- 41, 45/46, 53, 56, 58.

3 Wiggershaus Leben und Werk. S. 226, 236-238.

4 Conrad, Joseph: Über mich selbst. Frankfurt am Main 1982. S. 7/8.

5 Conrad, Joseph: Herz der Finsternis. München 2004. Alle folgenden Angaben in Klammern beziehen sich auf diese Ausgabe.

6 Conrad: Über mich selbst. S. 40.

7 Conrad: Über mich selbst. S. 41.

8 Stresau, Hermann: Joseph Conrad: Der Tragiker des Westens. Hannover 1947. S. 47.

9 Weiand, Hermann J.: Joseph Conrad. Werk und Leben. Düsseldorf 1979. S. 138.


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