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Autor: Gislinde Nauy
Fach: Theaterwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Debussy, Pelléas, Mélisande, Szene, Rezitativkunde
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 78 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47238-8
Eine Interpretation mit musikalischer Analyse.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Theaterwissenschaft
Proseminar ll: Rezitativkunde
SS 2005
Debussy: Pelléas et Mélisande 1. Akt, 1. Szene
von: Gislinde Nauy
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Golauds Monolog 3
3. Mélisandes Entdeckung 5
4. Die Krone 7
5. Äußerlichkeiten 8
6. Die Beziehung zwischen Mélisande und Golaud 9
7. Rapunzel 10
8. Motivik 13
8.1. Das erste Motiv 13
8.2. Das zweite Motiv 14
8.3. Mélisandes Melodie 15
9. Harmonik 16
9.1 Mediantik 16
9.2. Ganztonreihen 16
9.3. Chromatik 17
10. Schluss 18
11. Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Der Titel dieser Arbeit kündigt die Behandlung einer einzigen Szene eines umfangreichen musikalischen Gesamtwerkes an. Da es jedoch nahezu unmöglich ist, eine einzelne Szene aus einem Kontext herauszulösen und gesondert, nur an sich selbst gemessen, zu betrachten und zu verstehen, ist es selbstverständlich, dass sowohl andere Szenen als auch symbolische Hintergründe genannt, beziehungsweise erörtert, werden. Ich habe mich dazu entschlossen, in diesem Rahmen zunächst den Text als solchen in weitgehend chronologischer Reihenfolge, zu analysieren und dieser genauen Betrachtung einige Erläuterungen zur Musik ergänzend hinzuzufügen. Dieses Verfahren erschien mir angemessen, da Maeterlincks Libretto in einer symbolischen und komplexen Sprache gehalten ist, die es erst zu entziffern gilt, um zu verstehen, wie und wo Debussy mit seiner Musik angesetzt hat.
Über den Text hinaus werden als Symbole die Krone und die Blindheit behandelt, wobei letztere anhand eines Vergleichs mit dem Volksmärchen „Rapunzel“ entschlüsselt wird. Anschließend werden die musikalischen Motive vorgestellt, die das Vorspiel und die erste Szene nachhaltig gestalten. Was die Harmonik betrifft, habe ich mich auf wenige, aber auffällige Beispiele beschränkt, die mir, auch im Zusammenhang mit dem zuvor untersuchten, besonders wichtig erscheinen.
2. Golauds Monolog
Die Szene beginnt mit einem kurzen Monolog Golauds, in dem er seine Situation für sich selbst reflektiert: er hat sich auf der Jagd nach einem Eber verirrt und hofft, dass seine eigenen Spuren ihn wieder an seinen Ausgangspunkt zurückbringen werden, denn er ist fremd in dieser Gegend. Während dieses Selbstgesprächs befindet sich auch Mélisande bereits auf der Bühne und im Blickfeld des Zuschauers, wie aus der Szenenanweisung hervorgeht: „Le Rideau ouvert on découvre Mélisande au bord d’une fontaine“1. Da Golaud sie jedoch erst im weiteren Verlauf entdeckt, ist anzunehmen, dass er sich alleine wähnt. Die Voraussetzung für einen Monolog, nach dem situativen „Kriterium der Einsamkeit des Sprechers, der seine Replik an kein Gegenüber auf der Bühne richtet“2 wäre laut Manfred Pfister also gegeben.
Es stellt sich nun die Frage nach der Funktion dieses Selbstgesprächs. Im klassischen Drama „dient der Monolog häufig dazu, dem Zuschauer in ökonomisch geraffter Form Informationen über die Vorgeschichte oder über Handlungsabsichten zu übermitteln“3. Tatsächlich geben Golauds erste Worte einen kurzen und informativen Einblick in die Situation auf der Bühne. Man könnte also davon ausgehen, dass es sich hier um einen Monolog handelt, der auf einer Übereinkunft zwischen Autor und Rezipient beruht, „daß eine Dramenfigur im Gegensatz zu einem wirklichen Charakter laut denkt“4, um dem Rezipienten den Einstieg in das Dramengeschehen zu erleichtern. Allerdings wird Golauds Situation im darauf folgenden Gespräch mit Mélisande noch einmal wiederholt, als sie ihn fragt wer er ist und warum er an diesen Ort kam. Dieser Umstand macht Golauds Monolog im Grunde genommen überflüssig – zumindest für die Informationsvergabe an den Zuschauer.
Darum ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass Debussys Oper in einer Zeit entstanden ist, die bereits mit den alten Konventionen des Monologs gebrochen hatte: „So verzichtete die klassische französische Tragödie auf die besonders eklatant gegen die Normen des Natürlichen verstoßenden erzählenden Monologe [...]“5 und legte somit die Weichen für die weitere Entwicklung, denn „im Rahmen einer realistischen und naturalistischen Ästhetik muß [...] der Monolog als Konvention völlig fallen und wird nun auch explizit poetologisch abgelehnt“6
Der Monolog bleibt insofern ein Bestandteil des Dramas, als er „realistisch motiviert ist – das heißt, als knapper, spontaner Ausruf, als Selbstgespräch eines pathologischen Individuums oder unter besonderen Bedingungen [...]“7. Golaud übernimmt am Anfang der ersten Szene nicht die Funktion eines Erzählers, der ins dramatische Geschehen einführt. Er spricht tatsächlich mit sich selbst – motiviert durch seine außergewöhnliche Situation der Verirrung in einer fremden Gegend.
[...]
1 Pelléas et Mélisande. Drame Lyrique En 5 Actes et 12 Tableaux de Maurice Maeterlinck. Musique de Claude Debussy. Partition Pour Chant Et Piano. Duran & Cie: Paris 1952, S. 2: „Der Vorhang hebt sich, man entdeckt Mélisande am Rand einer Quelle“
2 Pfister, Manfred: Das Drama. 11. erw. Auflage 2001. München: W. Fink 1977, S. 180
3 ebd., S. 186
4 ebd., S. 185
5 ebd., S. 187
6 ebd., S. 187
7 Pfister, Manfred: Das Drama. 11. erw. Auflage 2001. München: W. Fink 1977, S. 187
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