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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 18 Pages
Author: Stefanie Müller
Subject: German Studies - Comparative Literature
Details
Institution/College: Universidad Complutense Madrid (Filología Alemana)
Tags: Goethe-, Faust-Rezeption, Spanien, Lateinamerika, Jahrhundert, Relaciones
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47245-6
ISBN (Book): 978-3-640-19623-4
File size: 118 KB
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Abstract
Schlägt man eine gute spanische Literaturgeschichte auf und sucht darin nach Goethe, so erlebt man eine Überraschung: man findet entweder gar nichts oder eventuell nur eine Bemerkung über Faust oder vielleicht noch den Werther. Weiterhin findet man zahlreiche Übersetzungen und Studien über den wohl größten deutschen Dichter. Eine Würdigung oder gar eine Zusammenfassung über seine Arbeit und seine Bedeutung für die hispanische Welt sucht man jedoch vergeblich. Umso interessanter erschien mir deshalb die Frage, was Goethe und insbesondere der Faust für eine Bedeutung in der spanischen Welt gehabt haben bzw. noch haben. Denn schließlich stellte Goethe nach E. JIMENEZ CABALLERO „für das europäisch gesinnte, romantische Spanien, das nach 1898 heraufgekommen ist...die Aufklärung, den Weltbürger, den Menschen, den Humanisten, den Polygraphen, Wissenschaftler, Dichter, Romancier, Dramatiker, Botaniker, Maler und Physiologen.“(1932) dar. Ob diese Aussage auf die gesamte spanische Welt zutraf und vor allem ab wann sie allgemeine Gültigkeit in Anspruch nehmen durfte, soll in der folgenden Hausarbeit untersucht werden. Besonderes Augenmerk soll bei der Betrachtung auf Goethes Faust gelegt werden. Zugleich soll die Frage Heinrich Heines, weshalb die Legende von Johannes Faustus einen so geheimnisvollen Reiz für die Zeitgenossen ausgeübt hat, auf die hispanische Welt ausgeweitet werden. Waren sie vielleicht ebenso fasziniert von dem „so naiv und fasslich“ dargestellten Kampf im Faust, den sie selber gerade kämpften, „den modernen Kampf zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen Autorität und Vernunft, zwischen Glauben und Denken“? Diesen Fragen soll in der folgenden Hausarbeit nachgegangen werden.
Excerpt (computer-generated)
Goehte- und Faust-Rezeption in Spanien und
Lateinamerika im 19. Jahrhundert
von: Stefanie Müller
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Goetherezeption in der Hispanischen Welt 2
1.1. Goethe und die hispanische Welt – eine Annäherung 2
1.2. Goetherezeption in der spanischen Welt im 19. Jahrhundert 3
1.3. Goetherezeption in Hispanoamerika im 19. Jahrhundert 7
2. Faust-Rezeption in der hispanischen Welt 8
2.1. Zum Fauststoff und zur Entstehung des Faust 8
2.2. Der historische Faust 9
2.3. Faust-Sage und Faust-Tradition 9
2.4. Faustrezeption in Spanien und Hispanoamerika 10
3. Würdigung des Dichters 13
Quellenverzeichnis 15
Einleitung
Schlägt man eine gute spanische Literaturgeschichte auf und sucht darin nach Goethe, so erlebt man eine Überraschung: man findet entweder gar nichts oder eventuell nur eine Bemerkung über Faust oder vielleicht noch den Werther. Weiterhin findet man zahlreiche Übersetzungen und Studien über den wohl größten deutschen Dichter. Eine Würdigung oder gar eine Zusammenfassung seiner Arbeit und seine Bedeutung für die hispanische Welt sucht man jedoch vergeblich. Ebenso erstaunlich fand ich es, dass auch auf deutscher Seite, z.B. in dem Standartwerk zu Goethe, im Goethe-Handbuch, keinerlei Informationen zum Dichter und seiner Wirkung im spanischsprachigen Ausland zu finden waren. Goethe selbst war zwar nie in Spanien, Rezeptionsbeziehungen zu Spanien und Lateinamerika sollte es doch wohl gegeben haben. Umso interessanter erschien mir deshalb die Frage, was Goethe und insbesondere der Faust für eine Bedeutung in der spanischen Welt gehabt hat bzw. noch hat. Denn schließlich stellte Goethe nach E. JIMENEZ CABALLERO für das europäisch gesinnte, romantische Spanien, das nach 1898 heraufgekommen ist, „die Aufklärung, den Weltbürger, den Menschen, den Humanisten, den Polygraphen, Wissenschaftler, Dichter, Romancier, Dramatiker, Botaniker, Maler und Physiologen.“1 (1932) dar. Ob diese Aussage auf die gesamte spanische Welt zutrifft ob und vor allem ob sie für die spanische Welt allgemeine Gültigkeit in Anspruch nehmen darf, soll in der folgenden Hausarbeit untersucht werden. Besonderes Augenmerk soll bei der Betrachtung auf Goethes Faust gelegt werden. Zugleich soll die Frage Heinrich Heines, weshalb die Legende von Johannes Faustus einen so geheimnisvollen Reiz für die Zeitgenossen ausgeübt hat, auf die hispanische Welt ausgeweitet werden. Waren sie vielleicht ebenso fasziniert von dem „so naiv und fasslich“2 dargestellten Kampf im Faust, den sie selber gerade kämpften, „den modernen Kampf zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen Autorität und Vernunft, zwischen Glauben und Denken“.3 Diesen Fragen soll in der folgenden Hausarbeit nachgegangen werden. Die Bezeichnung „spanische Welt“ wird hier allgemein gebraucht für das Mutterland Spanien und das von diesem abhängige Hispano-amerika. Da Letzteres vom Mutterland sprachlich-kulturell wie auch literarisch geprägt war, werde ich zwischen der europäischen und der amerikanischen „spanischen Welt“ nur an denjenigen Stellen eine Unterscheidung vornehmen, wo signifikante Unterschiede bestehen bzw. eine andere Entwicklung in Bezug auf Goethe und dessen Rezeption stattgefunden hat.
1. GOETHEREZEPTION IN DER HISPANISCHEN WELT
1.1. Goethe und die hispanische Welt – eine Annäherung
Der erste Kontakt der spanischen Welt mit dem Werk Goethes erfolgte unter sehr ungünstigen Umständen. Spanien befand sich auf seinem „kulturellen Tiefstand“ und erlebte „eine der dürftigsten Epochen seiner Geschichte“4. Denn die spanischen Völker waren auf ihrem traditionalistisch- rückschrittlichen Stand „stehen geblieben“ und hatten nicht eine annähernd vergleichbare aufgeklärte kulturelle Entwicklung vollzogen wie das nichtspanische Publikum. Demnach war die spanische Welt immer noch geprägt durch ihre religiöse Orthodoxie, Traditionalismus, ihre klerikale und autoritäre „Kollektiv-Kultur“5. Seine Zeit als große Weltmacht und das Goldene Zeitalter waren bereits vorbei. Zensur, Inquisition sowie „el terrible tradicionalismo español”6 bewirkten eine Verkümmerung des geistigen und literarischen Lebens und verhinderten jegliche moderne Entwicklung in Literatur (einzige Blüte erlebte der Essay) und Gesellschaft. Konserviert und gepflegt wurden dagegen traditionalistische literarische Formen, was letzten Endes zu „Starrheit“ und „Künstelei“ führte.7 In Deutschland sah die literarische Welt dagegen ganz anders aus. Die deutsche Literatur war durch einen sehr wechselhaften Verlauf gekennzeichnet, bestand aus unzusammengefügten bruchstückhaften Perioden, welche stets einen Neuanfang wagen mussten und nicht wie in Spanien auf eine lange Tradition zurückgreifen konnten. Trotzdem erlebte die deutsche Literatur gerade mit Goethe – im Gegensatz zur spanischen Welt - seinen literarischen Höhepunkt.8
Bei diesem ersten Kontakt mit dem Werk Goethes – Goethe war zu diesem Zietpunkt bereits nichtmehr am Leben! - mussten also zwei geistige Welten aufeinander prallen. Beide Kulturen waren weiter denn je voneinander entfernt - nicht nur durch die räumliche Entfernung und die Sprachunkenntnis. Gute Übersetzungen und günstigere Ausgaben fehlten. Der erste Kontakt mit Goethe beruhte also auf dem Zufall. Ein Vermittlungsorgan existierte derzeit noch nicht. Ein Zeitgenosse schildert diese Situation folgendermaßen: „Alles fremde Literarische muss gebracht, ja aufgedrungen werden...es muss mit weniger Bemühung zu haben sein, wenn wir danach greifen wollen, um es bequem zu genießen.“9 Aber ein leichterer Zugang zu Goethes Werk ließ auf sich warten, denn gute Übersetzungen und günstigere Ausgaben waren auch lange Zeit später noch nicht zu haben. Zudem fielen viele Werke der Zensur zum Opfer und gelangten so erst gar nicht in die Hände der Leser.10
1.2. Goetherezeption in der spanischen Welt im 19. Jahrhundert
[...]
1 Zitat E. Jimenez Caballero 1932 in Rusker (1958), S. 42.
2 Zitat Heinrich Heine 1847 in Pageard (1958), S. 38.
3 Zitat Heinrich Heine 1847 in Pageard (1958), S. 38.
4 Rusker (1958), S.15.
5 ebenda, S. 15.
6 Zitat Maria Zambrano in Rusker (1958), S. 16.
7 vgl. Rusker (1958), S. 16f.
8 vgl. ebenda, S. 11.
9 Zitat ‚Tag- und Jahreshefte’ in Rusker (1958), S. 42.
10 vgl. Rusker (1958), S. 42.
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