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Diploma Thesis, 2004, 111 Pages
Author: Diana Klein
Subject: Geography / Earth Science - Economic Geography
Details
Institution/College: Vienna University of Economics and Business Administration
Tags: Dokumentarfilm, Standorte, Firmen, Finanzierung, Märkte, Diplomarbeit
Year: 2004
Pages: 111
Grade: 1
Bibliography: ~ 46 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47249-4
ISBN (Book): 978-3-638-68775-1
File size: 6278 KB
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Abstract
Wie sieht die Dokumentarfilmbrache Österreichs aktuell aus? In welchem Umfeld, bezogen auf Mitbewerber und Produktionsvolumina, agieren die Produzenten? Wie sieht die Verhandlungsstärke der Abnehmer wie z.B. des ORF aus, wer sind diese, was interessiert sie und wofür sind sie bereit zu zahlen? Bei welchen Förderinstitutionen haben dokumentarische Formate die höchsten Chancen auf finanzielle Unterstützung? Welche Verwertungsstrategie können die Produzenten verfolgen und worauf ist bei einer internationalen Ausrichtung zu achten? Diese und weitere Fragen erörtert der vorliegende Band, wobei Daten und Fakten zum österreichischen Dokumentarfilmsektor der Jahre 1999 bis 2003 gesammelt wurden. Neben quantitativen Daten zu Produktionsvolumina, Anzahl und Struktur der Dokumentarfilmproduktionsfirmen werden die Standorte und die Standortwahl der Unternehmen erörtert, da die Nähe zu einem Auftraggeber mitunter Auswirkungen auf den Umsatz und den Gewinn eines Unternehmens haben kann. Im Kapitel „Finanzierung“ werden diverse Fördereinrichtungen vorgestellt und Budgets, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Förderverhalten der Institutionen gezeigt. Ein Abschnitt zu den Vor- und Nachteilen internationaler Koproduktionen sowie drei Fallstudien runden die Arbeit ab.
Excerpt (computer-generated)
Diana Klein
Institut für Wirtschaftsgeographie, Regionalentwicklung und Umweltwirtschaft
Abteilung für Angewandte Regional- und Wirtschaftsgeographie
Wirtschaftsuniversität Wien, Dezember 2004
Inhalt
Abbildungsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis 4
1. Einleitung 5
1.1 Problemstellung 5
1.2 Untersuchungsziel 6
1.3 Begriffe 7
1.4 Theoretischer Bezugsrahmen und Hypothesen 10
1.5 Hauptquellen und Quellenkritik 12
1.6 Arbeitsmethode 13
2. Statistik 15
2.1 Hersteller dokumentarischer Formate in Österreich 15
2.1.1 Allgemeines 15
2.1.2 Standort 19
2.1.3 Finanzdaten 22
2.1.4 Personal 25
2.2 Dokumentarische Formate in Österreich 27
3. Finanzierung 32
3.1 Arten der Finanzierung 32
3.2 Finanzierung dokumentarischer Formate in Österreich 35
3.3 Filmförderung in Österreich 38
3.3.1 Österreichisches Filminstitut 41
3.3.2 Film/Fernseh-Abkommen 44
3.3.3 Fernsehfilmförderungsfonds (FFFF) 48
3.3.4 Bundeskanzleramt Kunstsektion II/3 48
3.3.5 Filmfonds Wien 50
3.3.6 Förderung dokumentarischer Formate in Österreich 53
4. Dokumentarische Formate im österreichischen Fernsehen 57
4.1 ORF 58
4.1.1 ORF-Sendungsprofile 62
4.1.2 Lizenz-, Ko- und Auftragsproduktion im ORF 68
4.2 Spartenkanäle ARTE, 3 Sat, BR alpha 69
4.3 ATVplus 73
1
4.4 Puls TV 73
4.5 EU-Richtlinie ,,Fernsehen ohne Grenzen" 74
5. (Europäische) Zusammenarbeit 75
5.1 Strategien 75
5.2 Koproduktionen 78
6. Fallstudien 83
6.1 Fallstudie 1 83
6.2 Fallstudie 2 85
6.3 Fallstudie 3 91
7. Zusammenfassung 96
7.1 Ergebnisse (Five-Forces-Modell) 96
7.2 Überprüfung der Hypothesen 101
Quellenverzeichnis 103
2
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Rechtsformen der Hersteller dokumentarischer Formate in Österreich 16
Abbildung 2: Gründungsjahre der Hersteller dokumentarischer Formate in Österreich 16
Abbildung 3: Mitgliedschaft der Hersteller dokumentarischer Formate bei Interessensgemeinschaften 17
Abbildung 4: Arbeiten die Hersteller dokumentarischer Formate im Netzwerk oder alleine? 18
Abbildung 5: Verteilung der Hersteller dokumentarischer Formate in Österreich 19
Abbildung 6: Verteilung der Hersteller dokumentarischer Formate in Wien 20
Abbildung 7: Umsatzklassen der Produzenten dokumentarischer Formate in Österreich 22
Abbildung 8: Gewinnklassen der Produzenten dokumentarischer Formate in Österreich 23
Abbildung 9: Beschäftigte nach Bereichen im Dokumentarfilmsektor Österreichs 25
Abbildung 10: Freelancer nach Bereichen im Dokumentarfilmsektor Österreichs 26
Abbildung 11: Tätigkeiten der Produzenten dokumentarischer Formate 27
Abbildung 12: Themen der dokumentarischen Formate vom Autor oder Produzenten? 28
Abbildung 13: Auftragsproduktion oder Eigenproduktion von dokumentarischen Formaten? 28
Abbildung 14: Häufigkeit des Kontaktes während der Produktion dokumentarischer Formate 29
Abbildung 15: Dauer der Realisation eines dokumentarischen Filmes in Monaten 30
Abbildung 16: Eigenvertrieb oder Verwertung durch Dritte bei dokumentarischen Formaten 30
Abbildung 17: Verwertungserlöse dokumentarischer Formate Österreichs 31
Abbildung 18: Finanzierungsquellen für die Herstellung dokumentarischer Formate in Österreich 36
Abbildung 19: Mittelverwendung bei der Herstellung dokumentarischer Formate in Österreich 37
Abbildung 20: Abweichung vom geplanten Budget bei der Herstellung dokumentarischer Formate 38
Abbildung 21: Zeitpunkt der Förderansuchen bei der Herstellung dokumentarischer Formate 54
Abbildung 22: Förderinstitutionen in Österreich 55
Abbildung 23: ARTE-Programmschema Morgens-Abends 2004 71
Abbildung 24: 3Sat-Programmschema 2004 72
Abbildung 25: Koproduktionen von dokumentarischen Formaten 81
Abbildung 26: Budgetverwendung ,,Die Jugendlichen vom Kardinal-Nagl-Platz" 84
Abbildung 27: Five-Forces-Modell 96
3
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Begriffsabgrenzung 9
Tabelle 2: Rücklauf des Fragebogens 14
Tabelle 3: Auswahlkriterien des Standortes 21
Tabelle 4: SPSS-Korrelationsanalysen Personal-Gewinn und Gründung-Gewinn 24
Tabelle 5: Budgets Film/Fernseh-Abkommen 1999-2003 45
Tabelle 6: Durch das Film/Fernseh-Abkommen geförderte Projekte 1999-2003 47
Tabelle 7: (Erfolgreiche) Anträge auf Filmförderung in Prozent 55
Tabelle 8: Die 30 meistgesehenen Sendungen im ORF 2003 60
Tabelle 9: Preise Werbesekunden ORF in Euro im Jahr 2004 61
Tabelle 10: Marktanteile Sonntagabend ORF 63
Tabelle 11: Übersicht ORF-Sendungen 67
Tabelle 12: Finanzierung ,,In the mirror of Maya Deren" 88
Tabelle 13: Budgetverwendung ,,In the mirror of Maya Deren"... 89
Tabelle 14: Kalkulation ,,Almendro" 93
Tabelle 15: Kalkulation ,,Regenwald der Österreicher".. 94
4
1.
Einleitung
1.1
Problemstellung
Selbst in einem vergleichsweise kleinen Land wie Österreich wird der Filmwirtschaft in der
ökonomischen Literatur Beachtung geschenkt. Immerhin verzeichnet sie einen jährlichen
Gesamtumsatz von rund 130 Mio. Euro und beschäftigt, saisonal schwankend, zwischen 700
und 1.400 Personen. (Vgl. DATEN ÖSTERREICHISCHER FILM, S. 2)
Österreichische Produktionen blicken jedoch selten über die Staatsgrenzen, sieht man von
vereinzelten TV-Serien ab. Erweitert man den Betrachtungshorizont jedoch über Indikatoren
wie Einspielergebnisse, Box-Office-Zahlen oder Einschaltquoten, so trifft man auf eine
Anzahl von Dokumentarfilmen, die auf einschlägigen, internationalen Festivals Beachtung
fanden. Dies lenkt den Blick wiederum auf die österreichische Filmwirtschaft im
Allgemeinen, woraus sich positive Imageeffekte ableiten lassen. Es fehlt jedoch an
Grundlagenforschung und Informationsvermittlung zu quantitativen Daten über den
heimischen Dokumentarfilmsektor. Dies lässt sich meiner Ansicht nach auf das mangelnde
Interesse der Verfasser der Literatur zurückführen, die in ihren Arbeiten den Fokus
mehrheitlich auf den künstlerischen Aspekt der Thematik legen oder - falls sich doch
statistisches Material in den Werken findet den non-fiktionalen Bereich der Filmwirtschaft
als zu klein erachten, um gesondert von den restlichen Produktionen betrachtet zu werden.
Trotz der geringen Größe des Marktes erachte ich es dennoch als wichtig, die
quantifizierbaren Rahmenbedingungen, unter denen die Filmschaffenden Dokumentarfilme
produzieren, darzustellen, da erst eine Aufbereitung des Sektors und seiner Strukturen die
Ansatzpunkte für Verbesserungen sichtbar macht.
Seit 1995 war die Dokumentarfilmbranche in Europa Veränderungen unterworfen. (Vgl.
EDN) Man hat gelernt, über die Grenzen hinaus zusammenzuarbeiten und Information
auszutauschen. Dies stellt auch an die österreichischen Produzenten neue Anforderungen.
Bemühungen, nicht nur das Informationspotenzial, sondern auch das Unterhaltungspotenzial
des Dokumentarfilmes herauszustellen, wurden sichtbar. Koproduktionen werden vermehrt
angedacht, da die öffentlichen Fördergelder nun häufiger auch für nicht-lokale Filme und
Stoffe verwendet werden. Da in Europa jedoch immer mehr Produzenten um immer weniger
Finanzmittel kämpfen, ist es vonnöten aufzuzeigen, was am europäischen Markt nachgefragt
wird, welcher Konkurrenz die oftmals Ein-Mann-Firmen am österreichischen Fördermarkt
gegenüberstehen und wo die besten Absatzchancen für non-fiktionale Produkte bestehen.
5
Der eingehenden Betrachtung des österreichischen Dokumentarfilmsektors möchte ich daher
meine Arbeit widmen, wobei ich das Augenmerk weniger auf eine Situationsdarstellung in
qualitativer Hinsicht lege, wie es bereits andere Autoren getan haben, sondern quantitative
Aussagen tätigen und Angaben zu den Geldströmen in der Branche machen möchte. Dies soll
schließlich direkt den heimischen Dokumentarfilmer zugute kommen.
1.2
Untersuchungsziel
Im Speziellen sammle und erörtere ich Daten und Fakten zum Dokumentarfilmsektor in den
Jahren 1999 bis 2003 in Österreich, wie u.a. das Produktionsvolumen oder die Anzahl und
Struktur der Dokumentarfilmproduktionsfirmen. Es soll die Frage beantwortet werden,
welcher Konkurrenz die Firmen gegenüber stehen und wie wirtschaftlich die Unternehmen
arbeiten. Darüber hinaus widme ich einen Teil der Arbeit der Untersuchung der Standorte und
der Standortwahl, da die Nähe zu einem Auftraggeber mitunter Auswirkungen auf den
Umsatz und den Gewinn eines Unternehmens haben könnte.
Hier knüpft das folgende Kapitel an, jenes der Finanzierung. Nach der Vorstellung diverser
Finanzierungsarten werden die einzelnen Fördereinrichtungen vorgestellt, wobei der Fokus
wieder ein wenig auf die qualitativen Kriterien verschoben wird. Es sollen die Budgets,
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Förderverhalten der Institutionen gezeigt werden.
Es folgt eine Analyse der Absatzmärkte für dokumentarische Formate. Hier wird bewusst die
Bezeichnung ,,Dokumentarfilm" ausgespart, da sich die Produktionsfirmen sofern sie an
einer Zusammenarbeit mit einer Sendeanstalt interessiert sind - an Formate zu gewöhnen
haben. Wer die Entscheidungsträger bei Auftragsarbeiten sind und welche Themen sie
interessieren, wird in diesem Abschnitt erklärt.
Das danach folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Organisation, den Vor- und Nachteilen
einer (internationalen) Koproduktion. Drei Fallstudien runden die Arbeit ab.
Die angedachten Problemstellungen zusammenfassend kann ich als Untersuchungsziel die
Beantwortung folgender zentraler Fragenstellung heranziehen:
6
Wie sieht die Dokumentarfilmbrache Österreichs aktuell in Zahlen ausgedrückt aus?
Es soll beantwortet werden:
· In welchem Umfeld, bezogen auf Mitbewerber und Produktionsvolumen, agieren die
Produzenten?
· Wie sieht die Verhandlungsstärke der Abnehmer aus, wer sind diese, was interessiert sie
und wofür sind sie bereit zu zahlen?
· Bei welchen Förderinstitutionen haben dokumentarische Formate die höchsten Chancen
auf finanzielle Unterstützung?
· Welche Verwertungsstrategie können die Produzenten verfolgen und worauf ist bei einer
internationalen Ausrichtung zu achten?
1.3 Begriffe
Es sollen also Daten zum österreichischen Dokumentarfilm im Zeitraum zwischen 1999 und
2003 und insbesondere Fakten zu der Situation der Produzenten erhoben werden.
PRODUZENT
Als Produzent gilt, wer entgeltlich die Erstellung eines Filmes in die Wege leitet und
durchführt, unabhängig davon, ob er selbst die finanziellen Mittel bereitstellt oder diese von
einem Auftraggeber oder einem Dritten zufließen, und der diese Tätigkeit selbständig, also
nicht innerhalb eines Dienstverhältnisses zum Auftraggeber ausübt. Auf das Erfordernis einer
regelmäßigen Übung wurde verzichtet, da den Dokumentarfilmsektor auch eine hohe Anzahl
an Personen ausmacht, die in unregelmäßigen Abständen Projekte durchführen.
EIGENPRODUKTION
Eine Eigenproduktion liegt vor, wenn der Produzent das Projekt auf eigene Rechnung und
Risiko durchführt. Er ist selbst für die Finanzierung des Filmes zuständig.
AUFTRAGSPRODUKTION
Unter Auftragsproduktion versteht man die Erstellung eines Werkes im Auftrag eines
anderen, der auch das wirtschaftliche Risiko trägt. Er bestimmt das Thema und die
Zielsetzung des Projekts, kümmert sich um die Finanzierung und übernimmt die
Verwertung(srechte). Der Filmproduzent führt aber die Filmherstellung als selbständiger
Unternehmer durch.
7
DOKUMENTARFILM vs. SPIELFILM vs. TV-DOKUMENTATION
Um die Daten zu erheben, wurden den Produzenten Fragebögen zugesandt. Ein Unternehmen
war dann für die Befragung relevant, wenn sie entweder ,,Dokumentarfilme" bzw. ,,TV-
Dokumentationen" herstellten. In einem ersten Schritt wird daher zwischen fiktionalem und
nicht-fiktionalem Programm unterschieden.
Laut PERTHOLD kennzeichnet den Dokumentarfilm unter anderem das ,,Prinzip der
Beobachtung", die häufige Anonymität der Personen, das Vorhandensein ,,wirklicher
Personen" und die Darstellung ,,wahrer" Begebenheiten und Schauplätze, die nicht eigens für
die Aufnahmen inszeniert wurden. (Vgl. PERTHOLD 1983, S. 95-97) Zudem erzählt der
Film häufig die ,,wahre" Zeit, und der Originalton dominiert. Hier liegt vermutlich der Grund,
warum Dokumentarfilmer nur ungern auf Synchronisation zurückgreifen.
Im Spielfilm treten dagegen meist bezahlte, ausgebildete Schauspieler in inszenierten,
erfundenen Geschichten auf. Es bleibt wenig Platz für Improvisation, es herrscht vielmehr das
Prinzip der Konstruktion. Die Zeitorganisation ist durch einen Plan festgelegt, die
Spielfilmhandlung entwickelt eine autonome ,,Raum-Zeit-Logik", die eigenen Gesetzen
gehorcht.
Der Dokumentarfilm muss jedoch nicht nur zum Spielfilm abgegrenzt werden, sondern auch
zu diversen TV-Formaten. Unter TV-Format versteht man einen nach bestimmten Mustern
gestalteten Fernsehbeitrag, unter anderem die Reportage oder das Feature. (Vgl. TÖPFER
2004, S. 1) Diese Formate haben sich aus den journalistischen und unterhaltenden
Anforderungen an den Dokumentarfilm heraus entwickelt.
FEATURE vs. DOKUMENTATION vs. REPORTAGE
Das Feature dient meist als Sammelbegriff für die ,,großen" TV-Formate und umfasst unter
anderem die ,,Reportage", die ,,Dokumentation" und das ,,Feature im engeren Sinn". (Vgl.
SCHULT/BUCHHOLZ 2002, S. 199f) Ein Feature im engeren Sinn ist analytisch-deduktiv
aufgebaut, es wird ein Sachverhalt umfassend analysiert. Der Autor konstruiert eine These,
die er dann anhand einzelner Beispiele zu belegen versucht. Demgegenüber ist eine
,,Dokumentation" meist synthetisch-induktiv angelegt. Sie zeigt Begebenheiten und baut die
These darauf auf.
8
Die Reportage will den Zuschauer am Geschehen beteiligen. Der Reporter nimmt also nicht
so sehr die Stellung des unbeteiligten Beobachters ein wie bei einer Dokumentation. Er will
subjektiv zeigen, was passiert, und zwar meist aus aktuellem Anlass.
Führt man die Analyse des non-fiktionalen Sektors weiter, drängt sich eine Unterscheidung
zwischen der ,,(TV-)Dokumentation" und dem ,,Autorendokumentarfilm" auf. Letzterer
grenzt sich von der ,,Dokumentation" dadurch ab, dass in ihm ,,Inhalt, Form und Gestaltung
ohne das Diktat der Vermarktbarkeit, respektive Verwertbarkeit entfaltet sind". (TÖPFER
2004, S. 3) Die Formatlosigkeit trennt somit den Dokumentarfilm von der TV-
Dokumentation, die auf ihre kommerzielle Verwertung hin gestaltet ist. (Vgl. TÖPFER 2004,
S. 23) Der Raum für Improvisation und die Gestaltungsfreiheit sind beim
Autorendokumentarfilm breiter.
GORDON nennt die Dokumentarfilme auch ,,Künstlerische Filme", die eine Realisierung
eines vom Filmautor aufgeworfenen Themas darstellen, und die weder formal noch inhaltlich
an Marktgesichtspunkten orientiert sind. (Vgl. GORDON 1996, S. 25)
Für BLÜMINGER liegt der Unterschied zwischen dem Dokumentarfilm und der TV-
Dokumentation auch in der Produktionsweise, da ihrer Ansicht nach das TV-Produkt durch
geringe Recherche- und Dreh- und Schnittzeit gekennzeichnet ist. Sie zitiert Egon
Netenjakob, der Fernsehfeatures folgendermaßen abgrenzt: ,,Filme, die sich auf das
,,objektive" Sachliche beschränken, die das in der Aufnahme auftauchende unpassende Detail
gar nicht erst zulassen beziehungsweise am Schneidetisch ohne viel Skrupel eliminieren
(...)."(BLÜMLINGER 1996, S. 15)
Feature im weiteren Sinn
(TV-)
Spielfilm
Dokumentarfilm
Dokumentation
Feature
Reportage
fiktional/
fiktional
nicht fiktional
nicht fiktional
Raum für
gering
hoch
mittel
mittel
mittel
Improvisation
objektiv
objektiv
objektiv
xxx
frei wählbar
synthetisch-induktiv analytisch-deduktiv
subjektiv
Methode
kommerziel
künstlerisch
kommerziel
kommerziel
kommerziel
erfolgreich
wertvol
erfolgreich
erfolgreich
erfolgreich
Anspruch
hoch
hoch
gering
gering
gering
Realisierungszeit
Tabelle 1: Begriffabgrenzung (Quelle: Eigene Zusammenstellung)
Um eine möglichst große Stichprobe und ein daraus resultierendes statistisch
aussagekräftiges, repräsentatives Ergebnis zu erzielen, wurde der Begriff ,,Dokumentarfilm"
9
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