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Der mittelalterliche Totentanz (Unter besonderer Berücksichtigung des Lübecker Totentanzes von 1489)

Scholary Paper (Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Marie-Christin Pollak
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Event: Proseminar Katastrophen in der mittelalterlichen Lebenswelt
Institution/College: University of Stuttgart (Mittlere Geschichte)
Tags: Totentanz, Berücksichtigung, Lübecker, Totentanzes, Proseminar, Katastrophen, Lebenswelt
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V51236
ISBN (E-book): 978-3-638-47259-3
ISBN (Book): 978-3-638-75149-0
File size: 1196 KB

Abstract

Der Tod war im Mittelalter ein allgegenwärtiges Thema. Es dominierte im religiösen genau wie im profanen Bewusstsein. Die Lebensumstände der Menschen sowie ihr Umfeld ließen den Tod ständig gegenwärtig sein. Katastrophen wie zum Beispiel Unwetter, Kriege und Krankheiten, sowie die hygienischen Missstände unter denen die Menschen lebten und die harte Arbeit, die sie seit jungen Jahren zu bewältigen hatten, bedeuteten eine relativ geringe Lebenserwartung. Der Tod war auch durch die Religion allgegenwärtig. Das Leben wurde später nur noch als Übergangsphase zum Leben nach dem Tod gesehen, in der sich der Mensch dem Paradies würdig erweisen musste. Durch die Himmel-Hölle Theorie hatten die Menschen in gewisser Weise Angst vor dem Tod, allerdings nur weil sie die Hölle fürchteten. Der Umgang mit dem Tod war allerdings ein anderer als heute. Man starb sozusagen aktiv. Man bereitete sich sorgfältig auf den eigenen Tod vor. „Der unerwartete, plötzliche Tod war ein Unglück, ein Einbruch in die rituell festgelegte Ordnung des Sterbens“. Der Tod war ein öffentliches Ereignis. Familienangehörige und Freunde standen dem Sterbenden bei. Ein anderes Beispiel ist das Sterben im Kloster. Man zeichnete zum Beispiel nicht das Geburtsdatum auf, sondern das Sterbedatums eines Klosterangehörigen. Dieser Tag war viel bedeutender, da er den Übergang ins Paradies bedeutete. Außerdem gab es bestimmte Regeln und Vorschriften für das Sterben im Kloster, genau wie es für die normalen Menschen feste Rituale gab. Der Tod war somit kein Ereignis vor dem man sich fürchten musste, solange man sich gut darauf vorbereitet hatte. Allerdings brachten Ereignisse wie die Pest zum Beispiel diese Rituale des Sterbens durcheinander. Während der Pestepedemien starben soviel Menschen und das so schnell, dass meist keine Zeit blieb sich vorzubereiten und für die Angehörigen war der Kontakt zu dem Kranken meist auch tödlich. Der Tod war zwar im gesamten Mittelalter allgegenwärtig doch die Pest war anders. Sie entvölkerte ganze Ortschaften und Landstriche. Mit Ritualen und Gebeten allein war diese Katastrophe nicht zu bewältigen. Aus diesem Grund suchten die Menschen andere Wege um ihrer Angst zu begegnen. Ein Beispiel hierfür ist der Totentanz.


Excerpt (computer-generated)

Universität Stuttgart, Historisches Institut
Abteilung Mittlere Geschichte
Proseminar: „Katastrophen in der mittelalterlichen Lebenswelt“
SoSe 2004

Der mittelalterliche Totentanz (Unter besonderer
Berücksichtigung des Lübecker Totentanzes von 1489)

von: Marie-Christin Pollak

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung  3

II. Der mittelalterliche Totentanz 5

II.1 Bedeutung und Entstehung 5
II.2 Die bildliche Darstellung 7
II.3 Die Verse bzw. Bildunterschriften  10

III. Der Lübecker Totentanz von 1489 10

III.1 Vorbemerkung zum Lübecker Totentanz von 1489  10
III.2 Zur Ikonographie 11
III.3 Zu den Versen  13

IV. Reflexion des Themas in der heutigen Zeit  16

V. Anhang  17

Literaturverzeichnis 21





 

I. Einleitung

Der Tod war im Mittelalter ein allgegenwärtiges Thema. Es dominierte im religiösen genau wie im profanen Bewusstsein. Die Lebensumstände der Menschen sowie ihr Umfeld ließen den Tod ständig gegenwärtig sein. Katastrophen wie zum Beispiel Unwetter, Kriege und Krankheiten, sowie die hygienischen Missstände unter denen die Menschen lebten und die harte Arbeit, die sie seit jungen Jahren zu bewältigen hatten, bedeuteten eine relativ geringe Lebenserwartung. Der Tod war auch durch die Religion allgegenwärtig. Das Leben wurde später nur noch als Übergangsphase zum Leben nach dem Tod gesehen, in der sich der Mensch dem Paradies würdig erweisen musste. Durch die Himmel-Hölle Theorie hatten die Menschen in gewisser Weise Angst vor dem Tod, allerdings nur weil sie die Hölle fürchteten. Der Umgang mit dem Tod war allerdings ein anderer als heute. Man starb sozusagen aktiv. Man bereitete sich sorgfältig auf den eigenen Tod vor. „Der unerwartete, plötzliche Tod war ein Unglück, ein Einbruch in die rituell festgelegte Ordnung des Sterbens“1. Der Tod war ein öffentliches Ereignis. Familienangehörige und Freunde standen dem Sterbenden bei. Ein anderes Beispiel ist das Sterben im Kloster. Man zeichnete zum Beispiel nicht das Geburtsdatum auf, sondern das Sterbedatums eines Klosterangehörigen. Dieser Tag war viel bedeutender, da er den Übergang ins Paradies bedeutete. Außerdem gab es bestimmte Regeln und Vorschriften für das Sterben im Kloster, genau wie es für die normalen Menschen feste Rituale gab. Der Tod war somit kein Ereignis vor dem man sich fürchten musste, solange man sich gut darauf vorbereitet hatte. Allerdings brachten Ereignisse wie die Pest zum Beispiel diese Rituale des Sterbens durcheinander. Während der Pestepedemien starben soviel Menschen und das so schnell, dass meist keine Zeit blieb sich vorzubereiten und für die Angehörigen war der Kontakt zu dem Kranken meist auch tödlich. Der Tod war zwar im gesamten Mittelalter allgegenwärtig doch die Pest war anders. Sie entvölkerte ganze Ortschaften und Landstriche. Mit Ritualen und Gebeten allein war diese Katastrophe nicht zu bewältigen. Aus diesem Grund suchten die Menschen andere Wege um ihrer Angst zu begegnen. Ein Beispiel hierfür ist der Totentanz.

Der Totentanz ist eine bildliche Darstellung der Macht des Todes über das Menschenleben. Die Menschen werden dabei in einer Reihe von allegorischen Gruppen, vereint unter dem Bild des Tanzes dargestellt. Der Totentanz erlaubte ein emotional gefärbtes Nachdenken über das menschliche Sein bzw. die Möglichkeit eines sinnerfüllten Lebens. Dies stand im Gegensatz zur rationaltheoretischen Erklärung der gesellschaftlichen Ständelehre. Der spätmittelalterliche Totentanz vereinigt die „profane Welterfahrung und Weltdeutung mit der religiös-erbaulichen Unterweisung und Handlungsorientierung“1 – sowie es in allen Bereichen der mittelalterlichen Lebenswelt war.

Der mittelalterliche Totentanz soll nun Thema dieser Arbeit sein. Untersucht werden sollen in knappen Abrissen die Entstehungsgeschichte, die Bedeutung und der Aufbau von Totentänzen. Im Anschluss soll dies kurz an dem Beispiel des Lübecker Totentanzes von 1489 nachvollzogen werden. Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine Reflexion des Themas Totentanz aus heutiger Sicht. Es sollte noch erwähnt werden, dass die Forschungssituation in vielen Punkten zum mittelalterlichen Totentanz sehr umstritten ist. Aus diesem Grund ist es oft sehr schwierig sich auf konkrete Aussagen festzulegen.

II. Der mittelalterliche Totentanz

II.1 Bedeutung und Entstehung

Die bildliche Darstellung des Todes im Reigen mit den Lebenden kam im 14. Jahrhundert auf. Der Totentanz gehört wie das Memento mori, die Ars moriendi, das Contempus mundi und das Vadomori zur religiösen Bußliteratur1. Der Totentanz ist „ausgerichtet auf das Leben, auf die Selbstverantwortung des Menschen für seine christliche Lebensgestaltung, die sich in und an der Gesellschaft bewähren muss, um ewiges Seelenheil zu erwerben“2. Man könnte dies aber auch als Lebensbejahung auslegen, die nicht auf die christliche Lebensgestaltung abzielt; dann nämlich unter dem Motto „Carpe diem“ - nutze den Tag.

Vordergründig tritt der Tod im Totentanz „als Mahner vor den Eitelkeiten dieser Welt, als Zerstörer aller Lebensfreuden, als apokalyptischer Reiter des massenhaften Seuchensterbens, als großer ‚Gleichmacher‘ angesichts der Ungleichheiten des gesellschaftlichen Lebens“3 auf. Alles eitle Handeln ist sozusagen ein Tanz mit dem Tod. Dies beinhaltet eine gewisse (Selbst)Ironie. Aller Genuss von irdischen Gütern ist letztendlich hinfällig. Der Tod relativiert die Wirklichkeit. Im Tod ist jeder Mensch gleich, egal welche gesellschaftliche Stellung er einnimmt. Dies wird im Totentanzmotiv verdeutlicht und im nächsten Kapitel eingehender behandelt.

Die ersten Totentänze waren vermutlich an Mauern von Franziskaner- und Dominikanerklöstern zu sehen. Man kann sie auf diese Weise als ins Bild gebannte Bußpredigten auffassen. Bußpredigten waren Teil der umfassenden Predigeraufgaben der beiden Orden. Sie riefen zur Umkehr vom sündigen Leben, zur Buße und zu einem neuen gottgefälligen Leben auf. Durch die weit verzweigten Reformbestrebungen beider Orden ergab sich für den Totentanz eine schnelle und weite Verbreitung. Allerdings nahm das Motiv in Europa unterschiedliche künstlerische Ausgestaltungen an.

[...]


1 Assmann, Jan/Trauzettel, Rolf (Hg.): Tod, Jenseits und Identität. Perspektiven einer naturwissenschaftlichen Thanatologie. Freiburg i.Br., München 2002. S.378.

1 Schulte, Brigitte: Die deutschsprachigen spätmittelalterlichen Totentänze. Unter besonderer Berücksichtigung der Inkunabel „Des dodes dantz“. Lübeck 1489. Köln, Wien, Böhlau 1990. S.65.

1 Vgl. Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft (RGG). Galling, K (Hg.). Tübingen 1957-1965. (Bd.6) S.957.

2 Schulte, Brigitte: Die deutschsprachigen spätmittelalterlichen Totentänze. S.4.

3 Ebd. S.7.


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