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Das literarische Zeichen und seine methodischen Bezüge zum Deutschunterricht

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 16 Pages
Author: Thomas Oliver Schindler
Subject: German Studies - Didactics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 2
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V51292
ISBN (E-book): 978-3-638-47304-0

File size: 216 KB

Abstract

Zeichen und ihre Beziehung zu ihren Inhalten werden kulturell durch Enkulturation, Sozialisation, Erziehung und Bildung vermittelt. Gemeinsame Sprache bedeutet intersubjektive Verständlichkeit der Zeichenbeziehungen, d.h. ihrer Bedeutungen. Wie steht es jedoch um das Verhältnis von natürlicher Sprache zu Literatur? Was ist der Unterschied zwischen alltäglicher Sprache und Literatur? Ab wann fällt ein Zeichen nicht mehr nur in den Fachbereich der Semiotik, sondern in den der Literatursemiotik? Kurz: Was ist Literatur? Neben dieses grundsätzliche Problem tritt ein zweites grundsätzliches: Literatur besteht ohne Zweifel aus Sprache und Sprache besteht aus Zeichen. Ab wann ist nun ein Zeichen ein literarisches Zeichen bzw. was fungiert in und an literarischen Werken als Zeichen? „Da alles, was ‚bedeutet’, Zeichen sein kann, und da alle Einheiten der Sprache und die Regeln und Konventionen ihrer Verbindung Bedeutung haben, scheint der Umfang des Zeicheninventars, mit dem die Literatur operiert, unbeschreibbar zu sein". Diesem augenscheinlichen Dilemma des unermesslichen Bedeutungsreichtums literarischer Werke zum Trotz, befindet sich die Literaturwissenschaft und im speziellen die Literatursemiotik aber offensichtlich nicht in einer Aporie. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es darum einerseits sein mögliche Antworten für die erläuterte Problematik zu geben, d.h. Literatur im Bereich der Semiotik zu definieren und das literarische Zeichen von der übrigen Zeichenfülle zu scheiden. Dies möchte der theoretische Teil der Arbeit neben einem knappen allgemeinen Überblick zur Semiotik leisten. Andererseits referiert diese Arbeit über eine von der Forschung bereitgestellte Möglichkeit Semiotik und Literatursemiotik als Methode vermitteln, mit welcher Sprache und damit vorrangig literarische Werke als Zusammensetzung von Zeichen intersubjektiv erkannt und verstanden werden können. Vor allem im Bezug auf den Deutsch- bzw. im speziellen den Literaturunterricht soll anhand eines konkreten Beispiels eine mögliche Methodik zum Zugang zum bzw. Verständnis für das literarische Zeichen in der Unterrichtspraxis vorgestellt werden, welche bereits im universitären Seminar an Studenten erprobt wurde. Diese beiden Punkte möchte der praktische Teil dieser Abhandlung bearbeitet wissen. Die wesentlichen Ziele sind also noch einmal kurz zusammengefasst: Begriffsdifferenzierung, praxisorientierte Methodik und Exempel.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität
Institut für Didaktik der deutschen Sprache
Hauptseminar: „Semiotik“
Sommersemester 2005

Das literarische Zeichen und seine methodischen
Bezüge zum Deutschunterricht

von: Thomas Oliver Schindler

 


Gliederung

1. Einleitung 3

1.1. Vorwort  3
1.2. Die Problematik der Literatursemiotik  3
1.3. Ziel und Vorgehensweise der Arbeit  4

2. Theoretischer Teil: Semiotik und Literatursemiotik  4

2.1. Definition von Zeichen  5
2.2. Literatursemiotik und das literarische Zeichen 6

3. Praktischer Teil: Literatursemiotik im Deutschunterricht  9

3.1. Eine wissenschaftliche Methodik des Zeichenerkennens nach Dieter Janik  9
3.2. Kritik zu Janiks Methodik und eigene Vorschläge zum Literaturunterricht 10
3.3. Ein literatursemiotischer Unterrichtsversuch 11

3.3.1. Didaktische und methodische Vorüberlegungen 11
3.3.2. Der Unterrichtsinhalt: literarische Zeichen in Theodor Fontanes „Effi Briest“  12
3.3.3. konkrete Ausführung  13

4. Zusammenfassung  14

5. Quellen und Literatur 15

5.1. Printquellen  15
5.2. Quellen aus dem Netz  15
5.3. Nachschlagewerke  15
5.4. Sekundärliteratur 15

 

 


1. Einleitung

1.1. Vorwort

„Donc quand nous demandons quelle est la valeur objective de la valeur objective de
la science, cela ne veut pas dire: la science nous fait-elle connaître la véritable nature
des choses? mais cela veut dire; nous fait-elle connaître les véritables rapports des
choses?“1

Hernri Poincaré,
La Valeur de la Science

Dieses Zitat von Henri Poincaré über den Wert der Wissenschaft zeigt, dass in der Forschung, wie im Leben, Dinge, Menschen und Sachverhalte, zueinander in Beziehung stehen und demnach immer relativ zueinander betrachtet werden müssen. Die Wissenschaft als Spitze der menschlich-rationalen Kultur manifestiert sich durch Kommunikation, welche sich ihrerseits durch die Verwendung von Zeichen, wie z.B. Sprache, ausdrückt. Und nun schließt sich der Kreis: Zeichen sind wiederum die plakativste Form der Relativität: Ihre Bedeutung ergibt sich nämlich erst aus der Beziehung zwischen Zeichenträger (das eigentliche Zeichen) und Zeicheninhalt (das bezeichnete Objekt). „Weil Wörter Zeichen sind von Inhalten, die letzten Endes aus der Erfahrung gewonnen werden, ist ohne Berücksichtigung dieses dem Wort vorausgehenden Weges kein adäquates Verständnis des Wortes zu gewinnen“2. Die Semiotik als wissenschaftliche Theorie beschäftigt sich nun mit der Darstellung von Zeichenbeziehungen. Die Literatursemiotik als eine differenzierte Teilmenge davon3 beschäftigt sich mit den literarischen Zeichen, ihre Beziehung zu den jeweiligen Zeicheninhalten und dem dekodierenden Rezensenten.

1.2. Die Problematik der Literatursemiotik

Zeichen und ihre Beziehung zu ihren Inhalten werden kulturell durch Enkulturation, Sozialisation, Erziehung und Bildung vermittelt. So sagt Wittgenstein, Abrichtung läge der gemeinsamen Sprache zugrunde4. Gemeinsame Sprache bedeutet intersubjektive Verständlichkeit der Zeichenbeziehungen, d.h. ihrer Bedeutungen. Wie steht es jedoch um das Verhältnis von natürlicher Sprache zu Literatur? Was ist der Unterschied zwischen alltäglicher Sprache und Literatur? Ab wann fällt ein Zeichen nicht mehr nur in den Fachbereich der Semiotik, sondern in den der Literatursemiotik? Kurz: Was ist Literatur? Neben dieses grundsätzliche Problem tritt ein zweites grundsätzliches: Literatur besteht ohne Zweifel aus Sprache und Sprache besteht aus Zeichen. Ab wann ist nun ein Zeichen ein literarisches Zeichen bzw. was fungiert in und an literarischen Werken als Zeichen? „Da alles, was ‚bedeutet’, Zeichen sein kann, und da alle Einheiten der Sprache und die Regeln und Konventionen ihrer Verbindung Bedeutung haben, scheint der Umfang des Zeicheninventars, mit dem die Literatur operiert, unbeschreibbar zu sein.“5

1.3. Ziel und Vorgehensweise der Arbeit

Diesem augenscheinlichen Dilemma des unermesslichen Bedeutungsreichtums literarischer Werke (Polysemiethese, vgl. 2.2.) zum Trotz, befindet sich die Literaturwissenschaft und im speziellen die Literatursemiotik aber offensichtlich nicht in einer Aporie. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es darum einerseits sein mögliche Antworten für die erläuterte Problematik zu geben, d.h. Literatur im Bereich der Semiotik zu definieren und das literarische Zeichen von der übrigen Zeichenfülle zu scheiden. Dies möchte der theoretische Teil der Arbeit neben einem knappen allgemeinen Überblick zur Semiotik leisten. Andererseits referiert diese Arbeit über eine von der Forschung bereitgestellte Möglichkeit Semiotik und Literatursemiotik als Methode vermitteln, mit welcher Sprache und damit vorrangig literarische Werke als Zusammensetzung von Zeichen intersubjektiv erkannt und verstanden werden können. Vor allem im Bezug auf den Deutsch- bzw. im speziellen den Literaturunterricht soll anhand eines konkreten Beispiels eine mögliche Methodik zum Zugang zum bzw. Verständnis für das literarische Zeichen in der Unterrichtspraxis vorgestellt werden, welche bereits im universitären Seminar an Studenten erprobt wurde. Diese beiden Punkte möchte der praktische Teil dieser Abhandlung bearbeitet wissen. Die wesentlichen Ziele sind also noch einmal kurz zusammengefasst: Begriffsdifferenzierung, (unterrichts-) praxisorientierte Methodik und Exempel.

2. Theoretischer Teil: Semiotik und Literatursemiotik

[...]


1 Poincaré, Henri: La Valaeur de la Science. (Bibliothèque de philosophie scientifique) Paris, 1912, S. 125.

2 Arroyabe, Estanislao: Semiotik und Literatur. Philosophische Probleme der Literatur. Bonn 1984, S. 138.

3 Literatursemiotik kann in diesem Zusammenhang als Teilmenge der Semiotik aufgefasst werden, jedoch genauso als Teilmenge der Literaturwissenschaft.

4 Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen, In: Ders., Schriften (Bd. 1), Frankfurt/M 1963, Satz 6.

5 Janik, Dieter: Literatursemiotik als Methode. Die Kommunikation des Erzählwerks und der Zeichenwert literarischer Strukturen. Tübingen 1985, S. 79.


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