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Die Nibelungen als Fantasy-Stoff am Beispiel von Wolfgang Hohlbeins Hagen von Tronje

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 32 Pages
Author: Gaby Grünsfelder
Subject: German - Literature, Works

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 32
Grade: noch keine
Bibliography: ~ 32  Entries
Language: German
Archive No.: V51302
ISBN (E-book): 978-3-638-47313-2

File size: 270 KB


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutsches Institut
Hauptseminar: Nibelungen-Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert
SS 2005

Die Nibelungen als Fantasy-Stoff am Beispiel
von Wolfgang Hohlbeins Hagen von Tronje

von: Gaby Grünsfelder
 

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Wolfgang Hohlbeins Nibelungen-Roman Hagen von Tronje – ein Vertreter der Fantasy-Literatur  5

2.1. Zum aktuellen Popularitätsgrad der Fantasy-Literatur 5
2.2. Was ist Fantasy? Versuch einer Definition  6
2.3.Einordnung von Hohlbeins Roman innerhalb der Gattungen Fantasy und Phantastik 8
2.4 Die Bedeutung des Mythos für die Fantasy-Literatur und für Hohlbeins Hagen von Tronje 12

3. Unterschiede zwischen dem Nibelungenlied und Hohlbeins Hagen von Tronje 17

3.1. Umfang der Handlung  18
3.2. Psychologisierung  19
3.3. Darstellung der Figuren Siegfried und Hagen von Tronje 20

4. Zusammenfassung und Auswertung  26

5. Literaturverzeichnis  28

6. Anhang  31


 

 

1. Einleitung

Das Nibelungenlied – seine Rezeption hat viele verschiedene Phasen durchlebt und sich damit im Laufe der Jahre immer wieder stark verändert. Jede Zeit hatte eine andere Herangehensweise an die mittelalterlichen Überlieferungen, und jede Interpretation hat bestimmte Aspekte und Thematiken in den Vordergrund des Interesses gerückt, während andere eher in den Hintergrund verschwanden. So ist der Stoff des Nibelungenliedes immer wieder neu dem Zeitgeist angepasst worden – die Menschen haben immer wieder neue, für sie interessante, Aspekte entdeckt und vertieft. Das Nibelungenlied ist also verbunden mit einer vielschichtigen und komplexen Rezeptionsgeschichte. Ende des 18. Jahrhunderts wurde es zur „deutschen Ilias“1 erklärt, und spätestens in der Mitte des 19. Jahrhundert besaß es den Stellenwert eines „deutschen Nationalepos“2. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde besonderer Wert auf die „unbedingte Gefolgsmannstreue“3 gelegt, und für den Zweiten Weltkrieg wurde das Nibelungenlied im Rahmen des deutschen Nationalismus für Propagandazwecke missbraucht4 und dabei „‚Opfer’ einer katastrophalen Fehldeutung“5. Nach 1945 ist ein Bruch in der Nibelungenrezeption zu erkennen; von nun an gibt es viele Versuche, sich dem Nibelungenlied kritisch zu nähern und sich differenziert mit ihm auseinander zu setzen.

Natürlich stellt sich nun die Frage, welche Bedeutung der Nibelungenstoff heute hat - Welche Aspekte des Nibelungenstoffs sprechen heutige Rezipienten an? Was ist es, das ihn für heutige Leser interessant macht? Um auf diese Fragen eine Antwort zu finden, ist zunächst einmal wichtig zu wissen, dass die Grundlage für den Bekanntheitsgrad des Nibelungenstoffs vermutlich durch die Jugend- und Unterhaltungsliteratur gelegt wurde – und zwar bereits Anfang des 19. Jahrhunderts.6 Diese Tendenz des hohen Bekanntheitsgrades aufgrund der Jugend- und Unterhaltungsliteratur ist auch heute noch festzustellen, denn ein nicht ganz unbedeutender Teil der Nibelungenrezeption ist im Bereich der Fantasy-Literatur angesiedelt. Auffällig ist, dass gerade in den vergangenen Jahren der Nibelungenstoff in der Fantasy-Szene äußerst beliebt ist. Um dieses Phänomen zu beleuchten, wird diese Seminararbeit sich mit der aktuellen Rezeption des Nibelungenliedes in der Fantasy-Literatur beschäftigen. Sie wird dabei versuchen, unter anderem die Fragen zu beantworten, welche Bedeutung der Nibelungenstoff heute (vor allem für die Fantasy-Rezipienten) hat, welche (aktuellen) Aspekte heutige Rezipienten ansprechen, und warum die Nibelungen gerade aufbereitet als Fantasy- Stoff einen so hohen Beliebtheitsgrad aufweisen.

Um eine Untersuchung und Beantwortung all dieser Fragen durchführen zu können, soll im Folgenden Wolfgang Hohlbeins Hagen von Tronje exemplarisch als eines der Fantasy-Werke, die auf den Nibelungenstoff zurückgreifen, genauer untersucht werden. Anhand dieses konkreten Werkes wird die Untersuchung und Auswertung der Fragestellungen stattfinden. Hierfür soll – nach einigen generellen Überlegungen zum aktuellen Popularitätsgrad von Fantasy – zunächst versucht werden, eine Definition für diese Gattung vorzustellen, bzw. aufzuzeigen, welche Kennzeichen und Elemente diese überhaupt aufweist. Nach der Einordnung von Hohlbeins Roman innerhalb der Gattungen Fantasy und Phantastik soll untersucht werden, welche Rolle der Mythos für Fantasy im Allgemeinen bzw. auch speziell für Hagen von Tronje spielt. Diese Hausarbeit wird sich genauer mit Hohlbeins Roman beschäftigen, um dabei herauszuarbeiten, wie der Autor den Nibelungenstoff bearbeitet hat, welche Veränderungen er vorgenommen hat, um ihn als Fantasy- Stoff zu adaptieren bzw. tauglich zu machen. Um dies beantworten zu können, werden die Unterschiede zum mittelalterlichen Nibelungenlied untersucht, wobei ein besonderes Augenmerk auf den Umfang der Handlung, die Psychologisierung und die Darstellung der Figuren Hagen und Siegfried gerichtet sein soll.

2. Wolfgang Hohlbeins Nibelungen-Roman Hagen von Tronje – ein Vertreter der Fantasy-Literatur

2.1. Zum aktuellen Popularitätsgrad der Fantasy-Literatur

Ob Harry Potter oder Herr der Ringe - Fantasy-Literatur erfreut sich größter Beliebtheit; wird sogar als „die dominante Gattung der Unterhaltungskultur zur Jahrtausendwende“7 bezeichnet. Die noch relativ junge Gattung8 Fantasy ist in Kinder- und Jugendbüchern9 ebenso vertreten wie in der Erwachsenenliteratur; begeistert also sowohl junge als auch ältere Leser. Um sie hat sich längst „ein beinahe geschlossener Kreis von Fanpublikum, Produzenten und Markt gebildet“;10 sie ist selbst in nichtliterarischen Medien wie Film, Bild, Musik, Spielzeug, Brett- und Computerspiel vertreten11. Seit den 80er Jahren wurde es immer beliebter, vor allem mittelalterliche Stoffe neu aufzubereiten, um aus ihnen Fantasy-Material zu ‚gewinnen’12 - dieser Trend machte schließlich auch vor dem Nibelungenstoff nicht Halt. So entstanden bis heute zahlreiche Fantasy-Werke, die auf die Nibelungen zurückgreifen.13 Hohlbein hat dies gleich mehrfach getan; Hagen von Tronje ist nur eines seiner Werke, die den Nibelungenstoff thematisieren.14

All dies soll Anlass genug sein, die Gattung Fantasy genauer zu beleuchten. Dabei soll der Versuch einer Gattungsdefinition unternommen werden, sowie konkret ihr Bezug zu mittelalterlichen Stoffen wie auch zum Mythos untersucht werden. Ziel ist es dabei zu verstehen, warum sich gerade mittelalterliche Stoffe zur Aufbereitung und ‚Wiederverwertung’ durch die Gattung Fantasy eignen. Dadurch kann sich schließlich auch der Fragestellung nach der Bedeutung von Fantasy und Mythos für Hohlbeins Hagen von Tronje genähert werden.

2.2. Was ist Fantasy? Versuch einer Definition

[...]


1 Bernhard R. Martin: Die Nibelungen im Spiegelkabinett des deutschen Nationalbewusstseins. Studie zur literarischen Rezeption des Nibelungenliedes in der Jugend- und Unterhaltungsliteratur von 1819-2002. München: IUDICIUM, 2004. S. 9.

2 Martin: Die Nibelungen im Spiegelkabinett. S. 9.

3 Martin: Die Nibelungen im Spiegelkabinett. S. 10.

4 Martin: Die Nibelungen im Spiegelkabinett. S. 11f.

5 Martin: Die Nibelungen im Spiegelkabinett. S. 11.

6 Martin: Die Nibelungen im Spiegelkabinett. S. 13.

7 Hans-Edwin Friedrich: Was ist Fantasy? Begriff – Geschichte – Trends. S. 4. In: 1000 und 1 Buch (2004) H. 1, S. 4-10.

8 Erster Gebrauch des Wortes fantasy als Name für eine literarische Gattung ab den 60er und 70er Jahren in den USA, später auch in Deutschland. (Harenbergs Lexikon der Weltliteratur. Autoren, Werke, Begriffe. Hg. v. Bodo Harenberg. Dortmund: Harenberg Lexikon-Verlag, 1989 (2. Coc-Hea). S. 919.

9 JuLit 1/04 (S. 1): „Auf jeden Fall hat der aktuelle Phantastik-Boom inzwischen die gesamte Kinder- und Jugendliteratur erfasst.“

10 Harenbergs Lexikon der Weltliteratur (2. Coc-Hea). S. 919.

11 Harenbergs Lexikon der Weltliteratur (2. Coc-Hea). S. 919.

12 Martin: Die Nibelungen im Spiegelkabinett. S. 179.

13 z.B. Bernhard Hennen: Das Nachtvolk. Ein Nibelungen Roman. 2. Auflage. München: Piper, 2003. oder Alexander Nix: Das Drachenlied. München: Econ, 1996. oder Helmut W. Pesch: Die Kinder der Nibelungen. Wien: Ueberreuter, 1998. etc., etc.

14 Sein zweites: Wolfgang Hohlbein: Der Ring der Nibelungen. München: Heyne, 2004.


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