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Details

Veranstaltung: Politik, Kultur und Kommunikation
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Fachbereich Politikwissenschaft)
Tags: Orientalism, Edward, Said, Kritik, Politik, Kultur, Kommunikation
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2000
Seiten: 18
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 21  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 198 KB
Archivnummer: V51335
ISBN (E-Book): 978-3-638-47337-8
Anmerkungen :
Die Arbeit beschäftigt sich mit der hochaktuellen Frage des Blick des Okizends auf den Orient.

Textauszug (computergeneriert)

WAS IST WAS? Orientalism –
Über Edward Said und die nachfolgende Kritik

von: Jürgen Budde

 


Inhalt

Einleitung

Diskurse bei Foucault

Gramscis Hegemoniebegriff

Said: Orientalism

Weitergehende Diskussionen

Orient und Okzident

Zum Ende

Literatur

 

 


EINLEITUNG

„When I use a word,“ Humpty Dumpty said in rather a scornful tone,
„it means just what I choose it to mean – neither more or less.“
„The question is, „ said Alice,“ wheather you can
make words mean different things.“
„The question is,“ said Humpty Dumpty,
„which is to be the master – that’s all.“
(Alice in Wonderland)

Die folgende Arbeit soll sich mit ‚dem Orient‘ beschäftigen. Nicht im Sinne der Vermehrung des Wissens über das, was wir – die europäische Wissenschaft, die europäische Erzählung - für den Orient halten, sondern genau mit den Diskursen, die in einer bestimmten Tradition westlichen Denkens1 den Orient erst hervorbringen. Orient wir hier also nicht verstanden als ein lokalisierbarer Ort, als ein kohärentes Set an religiösen Praktiken, kulturellen, medizinischen, philosophischen oder sprachlichen Eindeutigkeiten, als eine authentische Identität, die es wissenschaftlich zu entdecken gilt. Orient ist hier zuallererst der Diskurs über ihn, der ihn hervorbringt, codiert und recodiert, inszeniert, kurz: konstruiert. Die Hausarbeit möchte zweierlei. In dem ersten Abschnitt geht um die Nachzeichnung der Gedankengänge Saids. Um einen umfassenderen Überblick über die theoretischen Wurzeln des Werkes zu geben, werde ich zuerst Foucaults Diskursbegriff und Gramscis Hegemoniebegriff darstellen, da diese beiden maßgeblich für das Verständnis Saids sind. Nach der Ausführung der wesentlichen Gedanken des Buches Orientalism werde ich verschiedene Stränge in der darauffolgenden Diskussion nachzeichnen. Dabei stelle ich lediglich eine Auswahl an RezipientInnen vor. Neben allgemeinen Kritiken werde ich ein Augenmerk auf die feministische Kritik werfen, da diese gerade viele der theoretischen Annahmen Saids teilt. Darüber hinaus werde ich mich insbesondere dem Verhältnis Orient-Okzident zuwenden. Zu Abschluß werde ich eine eigene Einschätzung vornehmen.

DISKURSE BEI FOUCAULT

Said verwendet in seinem Buch Orientalism den Begriff des Diskurses, um die Redeweisen des Westens über den Orient zu charakterisieren. Angelehnt ist dieser Begriff an Foucault. Gerade in den frühen Arbeiten Foucaults kommt dem Diskursbegriff bei ihm ein erheblicher Stellenwert zu. Diskurse sind in seiner Vorstellung im weitesten Sinne sprachliche Anordnungen, in denen festgelegt wird, was im Bereich eines bestimmten Gegenstandes sagbar und somit ‚wahr‘ ist. Gleichzeitig wird dadurch der Bereich des Nichtsagbaren als Leerstelle beschrieben. Diskurse werden in jeder Gesellschaft kontrolliert, selektiert und verworfen. Dieses geschieht allerdings nicht ungeleitet oder regellos, die Diskurse folgen verschiedenen Praktiken, die zu ihrer Regulierung dienen. Dabei gibt es, neben dem Verbot, des offensichtlichsten Beispiels für Diskursregulierung weitere, Faktoren, nämlich die Ausgrenzung des Wahnsinns; dessen, was kein Recht zum sprechen hat und auf der anderen Seite der Wille zum Wissen, zur Wahrheit. Gerade dieser Punkt gewinnt dabei, nach Foucault im Laufe der Zeit immer stärkere Bedeutung. Denn der Wille zur Wahrheit erscheint produktiv und erschaffend als “Reichtum und Fruchtbarkeit”2 und verschleiert damit gerade seine “gewaltige Ausschließungsmaschinerie”.3 Als sozusagen innere Prinzipien der Diskursregulierung betrachtet Foucault zum Ersten den Kommentar, der den Diskurs nicht durch seine eigenen Gedanken, sondern gerade durch die Wiederholung des ursprünglichen Textes, bannt. Zum Zweiten nennt er den Autor, der Diskurse durch die Einführung der Individualität reguliert. Beide Figuren setzten Identität in Szene, um der Zufälligkeit, dem Ungeleiteten in den Diskursen entgegenzutreten.4 Darüber hinaus wird der Diskurs in verschiedene Disziplinen unterteilt. Als letzte Gruppe von Praktiken zur Diskursregulierung beschreibt Foucault die Verknappung, die Steuerung derjenigen, die in diesem Diskurs zum Sprechen autorisiert sind. Dabei werden gewisse, veränderbaren Qualifikationen bestimmt, die die Subjekte benötigen.

Dabei sind Diskurse nicht ohne Verbindung zu den Individuen zu denken. “Durch die gemeinsame Verbindlichkeit eines Diskursensembles definieren Individuen, wie zahlreich man sie sich auch vorstellen mag, ihre Zusammengehörigkeit. Anscheinend ist die einzige erforderliche Bedingung die Anerkennung derselben Wahrheiten und die Akzeptierung einer (...) Regel der Übereinstimmung mit den für gültig erklärten Diskursen”.5

[...]


1 Wie ‘der Orient’ so wird auch ‘der Westen’ oder westliche Denktraditionen zuallererst als Diskursphänomen betrachtet. Wenn in dieser Arbeit ‘der Westen’ benutzt wird, so bezieht sich diese diskursive Sichtweise mit Said auf die Länder Europas, die USA und Japan. Dabei ist diese Eingrenzung nicht exklusiv, sondern in erster Linie anhand globaler ‘Diskursführerschaft’ orientiert.

2 Foucault 1993, S. 17.

3 Ebd.

4 Vgl., ebd., S. 22.

5 Foucault 1993, S. 28 f..

Kommentare

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