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Ästhetisierung der Körper

Termpaper, 2000, 23 Pages
Author: Dr. Jürgen Budde
Subject: Psychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology

Details

Event: Das Verhältnis von Körper und Psyche in Arbeitsprozessen
Institution/College: University of Hamburg (Fachbereich Psychologie)
Tags: Körper, Verhältnis, Körper, Psyche, Arbeitsprozessen
Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 23
Grade: 1
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V51338
ISBN (E-book): 978-3-638-47340-8

File size: 195 KB
Notes :
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welchen Transformationen der Körper - in sozialen Prozessen hergestellt - momentan unterliegt. Dabei wird ausgehend von den Theorien von Foucault und Butler gezeigt, dass es momentan zu eine Aesthetierung von Männer- und Frauenkörpern kommt



Excerpt (computer-generated)

Ästhetisierung der Körper

von: Jürgen Budde

 


Inhalt

0. GESCHICHTE EINER IDEE

1. FOUCAULT

1.1. Repression und Hervorbringung
1.2. Das Dispositiv der Sexualität
1.3. Die Strategien

2. GRAU, MEIN FREUND, IST ALLE THEORIE

2.1. „Die Seele ist das Gefängnis des Körpers“
2.2. „Männerpanzer“
2.3. Existenzweisen
2.4. „Die Seele ist die Oberfläche, die auf den Körper eingeschrieben wird“
2.5. Disko

3. WAS HEISST HIER ÜBERHAUPT ÄSTHETIK

3.1. Männerkörper im Wandel
3.2. Ästhetisierung als Figur
3.3. Appell, Prozeß und Zwang

4. WO LIEGT DER WEG?

4.1. Einarbeitung in Foucault
4.2. Die Anderen

5. BUNTE BASTELWELT
 



 

0. DIE GESCHICHTE EINER IDEE

Körper, Männerkörper, Ästhetisierung, Panzerung. Angeregt durch die Lektüre Foucaults „Sexualität und Wahrheit“ kam ich auf die Frage, ob die von Foucault beschriebenen Strategien des Sexualitätsdispositives ausschöpfend oder beispielhaft seien. Was wären mögliche weitere Strategien? Modernere? Diese Frage blieb auf der Ebene einer Gedankenspielerei, bis Maihofer im Rahmen eines Vortrages auf die Ästhetisierung von Männerkörpern zu sprechen kam, auf den im 19. Jhd. postulierten Zusammenhang von Physiognomie und Psychologie. Von hier liefen Gedanken in verschiedene Richtungen, die Lektüre Theweleits fiel mir wieder ein und die Rede vom „soldatischen Mann“ und vom „Männerkörperpanzer“, moderne Zurichtung der Körper durch gleichermaßen rigiden und flexiblen Appell und Zwang an die Körper, sich dem anzunähern, was landläufig „Schönheitsideal“ heißt. Ist dieser Appell für Frauenkörper different zu dem der Männerkörper, verändert sich die Differenz? Brücken schlugen sich zu der Frage der Bedeutung, der Gewichtigkeit von Körperkonstruktionen verschiedener Ansätze zur Geschlechterforschung, Maihofers Kritik an Butler und deren Wertung von Text und Körper. Und letztendlich, ist die Frage nach der Ästhetisierung nicht schon die von Foucault gedachte produktive Seite der Macht, nicht die Repression der Körper, sondern der schöpferische Effekt des Diskurses? Kann - unter der zu prüfenden Voraussetzung, daß die Ästhetisierung der Körper ein bedeutsames Gewicht in der Konstruktion von Geschlecht hat - kann also diese These in Foucault hineingelesen werden, oder ist es möglich, unter Zuhilfenahme eines selbstgebastelten Rahmens zwischen Theweleit, Maihofer und Butler eine weitere Strategie im Sexualitätsdipositiv zu beschreiben?

Diesen Versuch, und nur bei einem Versuch wird es bleiben können, möchte ich in der folgenden Arbeit unternehmen. Dabei werde ich aus persönlichem Interesse mein Hauptaugenmerk auf den Männerkörper, seine Ideale und Entwicklungen legen, diesem Körper, der, gepanzert im Soldaten oder in eine kalte Ästhetik bei Fidus gemeißelt, ein wesentlicher Bestandteil bei der Durchsetzung von männlicher Dominanz und hegemonialer Männlichkeit1 war und ist. Diesen Versuch zu strukturieren werde ich folgendermaßen vorgehen: Unter 1 werde ich Foucaults Thesen aus dem ersten Band von „Sexualität und Wahrheit“ zusammenfassen. 2 beschäftigt sich mit verschiedenen theoretischen Blickwinkeln auf die Vorstellung eines Körpers. Unter 3 versuche ich, den Appell und den Zwang zur Ästhetisierung zu beschreiben. 4 versucht, diese als mögliche Lesart Foucaults einzuführen und auf der Grundlage von 3. zu diskutieren, während unter 5 einige abschliesenden Worte geschrieben werden.

1. FOUCAULT

1.1. Repression und Hervorbringung

Ein wesentliches Moment des Buches „Sexualität und Wahrheit“ ist die Verwerfung der sogenannten Repressionshypothese. Diese Verwerfung bezieht sich auf eine These, die behauptet, Sexualität sei unterdrückt und repressiv unterworfen worden. Demgegenüber kehrt Foucault gerade den schöpferischen Charakter der Diskurse über die Sexualität seit dem 18. Jhd heraus. In „Überwachen und Strafen“ entwickelt Foucault ein Körpermodell, das stark auf den Gedanken der Formung durch Repression, z.B. im Gefängnis, abhebt. Foucaults Anliegen ist es, „die Geschichte des Gefängnisses mit all den politischen Besetzungen des Körpers“2 zu schreiben. In „Sexualität und Wahrheit“ wird dieses Verständnis insofern verändert, als daß der Fokus stärker auf die positive Seite der Macht und auf die Bedeutung des Wissens abzielt und die seit der Aufklärung in stetig zunehmenden Diskursen die Wahrheit der Sexualität hervorbringt. Eine Wahrheit die der Diskurs vorgibt zu suchen und durch die Verkündung der Existenz dieser einen - je veränderlichen - Wahrheit, diesen Begriff erst an die Sexualität binden kann. Gerade durch die enge Verknüpfung von Wahrheit, Wissen, dem vermeintlichen Paradies der Befreiung vom Joch der Repression und von Körpern, die diese Wissenskonfiguration, einmal in Stellung gebracht, verkörpern, verbirgt sich die List der Hervorbringung im Diskurs hinter dem, Männlichkeit, die andere unterdrückt, beeinflußt, dominiert. Männlichkeiten sind also vielfältiger zu denken als z.B. als allgemeingültiges Bild des „Chauvis“. was sie als Ursprung, als „Ewig-Entscheidendes“ erst erschafft. Gerade durch die Verschleierung, durch die schamhafte Besetzung des Sexes wird er zum dunkelsten Geheimnis, zur Quelle allen Übels und höchster Lüste, zum Kern, der behütet, verborgen, aber gerade deswegen auch kontrolliert und gebeichtet und gestanden werden muß.

Nicht Unterdrückung und Verschwinden, „sondern im Gegenteil ein(en) Mechanismus zunehmenden Anreizes (...); die auf den Sex einwirkenden Machttechniken nicht einem Prinzip strenger Selektion, sondern einem Prinzip der Ausstreuung und der Einpflanzung polymorpher Sexualitäten gehorcht haben“ und sich „eine Wissenschaft von der Sexualität“3 entwickelt. Denn es wirkt viel weniger eine Macht der Unterdrückung auf den Sex ein als eher ein Spiel von Gewinnversprechung, von der Schimäre der Befreiung4; ein Spiel der Anreizung.

1.2. Das Dispositiv der Sexualität

[...]


1 Zum Konzept der hegemonialen Männlichkeit hat Robert Lee Connell viel geforscht. Hier ist sicherlich nicht der Ort, um dieses Konzept auszuführen, nur soviel: Connell beschreibt, daß es nicht nur ein starres Männlichkeitsideal gibt, sondern eine Hegemonie innerhalb der Konstruktion von Männlichkeit, die andere unterdrückt, beeinflußt, dominiert. Männlichkeiten sind also vielfältiger zu denken als z.B. als allgemeingültiges Bild des „Chauvis“.

2 Foucault, 1994, S. 42

3 Foucault, 1992, S. 23

4 vgl. ders. 1992, S.46


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