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Autor: Jana Winkelmann
Fach: Romanistik - Lateinamerik. Sprache, Literatur, Landeskunde
Details
Institution/Hochschule: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Institut für Romanistik)
Tags: Spanisch, Sprache, Neuzeit
Jahr: 2004
Seiten: 26
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 246 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47342-2
Textauszug (computergeneriert)
Ernst-Moritz-Arndt Universität, Institut für Romanistik
Hauptseminar: Die spanische Sprache von der frühen Neuzeit bis heute
SS 2003, 6. Semester
Das argentinische Spanisch
von: Jana Winkelmann
Gliederung
1. Einleitung
2. Faktoren der Herausbildung des argentinischen Spanisch
2.1. Ausgangslage
2.2. Zeitraum der Eroberung und Kolonisierung
2.3. Wege der Eroberung und Kolonisierung
2.4. Substanz und Qualität der von den Eroberern und Kolonen mitgebrachten Sprachen
2.5. Europäische Kontaktsprachen
2.6. Die aktuelle demographische Situation in Argentinien
3. Das argentinische Spanisch
3.1. Phonetik und Phonologie
3.1.1. Vokalismus
3.1.2. Konsonantismus
3.1.3. Prosodie
3.2. Morphosyntax
3.3. Lexik
4. Tango und Lunfardo
4.1. Tango Argentino
4.2. El Lunfardo
4.2.1. Struktur
5. Liedanalyse / Textbeispiel
5.1 „El Ciruja“
5.2 „Buenos Aires/New York ...(hay una manzana en tus gusanos)” von Don Lunfardo
6. Schlussbetrachtung
7. Biliographie
8. Anhang
1. Einleitung
Das Thema dieser Arbeit ist das argentinische Spanisch, da es in meinen Augen eine Besonderheit darstellt. Die spanische Sprache wurde zur Zeit der Kolonisierung nach Südamerika gebracht und dort eingeführt und mit den Sprachen der Einheimischen vermischt, wobei das Spanisch meist alle anderen Sprachen unterdrückte und eine dominierende Rolle übernahm. Diese Dominanz wurde verstärkt mit der wachsenden Zahl der Einwanderer in den folgenden Jahrhunderten aus Europa und in erster Linie aus Spanien. Südamerika bzw. Lateinamerika wurde von den Kolonisatoren als minderwertig gegenüber Europa betrachtet und somit berücksichtigten sie auch keinerlei Besonderheiten der einheimischen Bevölkerung. In Folge dessen, galt Spanisch als Handelssprache zwischen Einheimischen und Kolonisatoren und wurde später auch vollständig von den Einheimischen zusätzlich zu ihrer Muttersprache übernommen.
In Argentinien, wie ich im Folgenden zeigen werde, war der sprachliche Einfluss nicht rein oder vorherrschend spanisch, sondern man findet auch starke Spuren des Italienischen. Aber auch andere europäische Sprachen hatten in Argentinien einen wesentlich höheren Einfluss auf die Sprachentwicklung als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Dadurch zeigen sich auch heute noch Besonderheiten im argentinischen Spanisch, die sonst kaum zu finden sind auf dem Kontinent. Auch die Rolle der Einheimischen ist in Argentinien nicht so dominierend, wie in Mexiko beispielsweise.
Als Sprachbeispiele habe ich Lieder des Tangos genommen, die den Lunfardo beinhalten, den ich im Zuge der Arbeit erläutern möchte. Der Tango und seine Sprache hatte und hat eine besondere Stellung in der argentinische Kultur und da es sehr schwer für mich wäre an originale Tonaufnahmen der gesprochenen Sprache zu kommen werde ich die Musik dazu benutzen, die Charakteristika des Argentinischen, die sich jedoch in erster Linie im mündlichen Sprachgebrauch zeigen, zu verdeutlichen. Ein weiteres Textbeispiel wird eine aktuelle Musikgruppe aus Argentinien sein, da in ihren Texten Besonderheiten auftreten, die ich zuvor als Unterschiede zum Kastilischen Spaniens herausarbeiten werde.
2. Faktoren der Herausbildung im historischen Rückblick
In diesem Abschnitt will ich auf die Einflüsse eingehen, die das Spanische in Argentinien beeinflusst haben zur Zeit des Eroberungs- und Kolonisationsprozess. Dabei werde ich der Unterteilung von Eva-Maria Güida in Studien zum argentinischen Spanisch folgen1. Kubarth formulierte dazu folgendes: „In keinem anderen Land Lateinamerikas haben kulturgeschichtliche Faktoren einen ähnlichen sprachprägenden Einfluss, nirgends sonst findet man eine so enge Verbindung von Sprache und Nationalbewusstsein; die Sprache ist absolutes Symbol der Unabhängigkeit und Eigenart des Argentiniers“2
Wie ich schon angedeutet habe, gab es besonders in Argentinier auch einen bedeutenden Einfluss von europäischen nicht-hispanophonen Einwanderern. Dabei sind fünf Elemente sehr wichtig zu betrachten: die Ausgangslage, der Zeitraum der Eroberung und Kolonisierung, die Wege der Eroberung und Kolonisierung, die Substanz und Qualität der von den Eroberern und Kolonen mitgebrachten Sprachen und die europäischen Kontaktsprachen.
2.1. Die Ausgangslage
Als die Eroberung durch spanische Kolonisatoren in Argentinien begann, traf das mitgebrachte Spanisch auf die Sprachen der indianischen Bevölkerung. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt auf dem Territorium des heutigen Argentiniens keine großen Stämme wie die Azteken in Mexiko oder die Inkas in Peru, vielmehr gab es mehrere kleinere Stämme. Durch die relativ unbedeutende Größe der Stämme war der Einfluss ihrer Sprachen auf das Spanische relativ gering und heutzutage sind kaum noch Spuren zu finden. Den Einfluss kann man auf drei Sprachgruppen beschränken, die zum Zeitpunkt der Eroberung im südlichen Teil des Kontinents gelebt haben, Quichua, Guaraní und Araukanisch. Sie waren die einzigsten, die auch andere kleinere Sprachgruppen überlagerten und daher als „lenguas generales“3 bezeichnet werden. Allerdings findet man auch das Phänomen vor, dass viele Wörter indianischen Ursprungs von den Eroberern vom Norden des Kontinents aus in den Süden mitgebracht wurden, solche Wörter bezeichnet man als „Wanderwörter“4. Meistens betrifft dies bestimmte Bezeichnungen von Nahrungsmitteln oder anderen Dingen, die in anderen Teilen des Kontinents und für die Europäer unbekannt waren. Das Quichua ist eine indianische Sprache, die neusten Forschungen zu folge, zum Zeitpunkt der Kolonisierung und auch vorher schon im Nordwesten und insbesondere in der Provinz Santiago del Estero existiert hat. Heute ist der Einfluss des Quichua auf die Provinzen Santiago del Ester, Salta und Jujuy begrenzt. Jedoch findet man Einflüsse auf das Spanische in der gesamten nordwestlichen Region Argentiniens.
Das Guaraní ist heute auf die nordöstlichen Provinzen Corrientes, Misiones und den Osten der Provinz Chaco und Formosa begrenzt. Zur Zeit der Eroberung trafen die Kolonisatoren in Asunción auf diese Sprache und trugen sie durch ihre von dort ausgehende Eroberung in den Süden des Landes. Das regionale Spanisch in den nordöstlichen Provinzen unterliegt einem beträchtlichen Einfluss des Guaraní insbesondere im Bereich der Lexik. Das Araukanische oder Mapuche hatte einen wesentlich geringeren Einfluss auf das Spanische als die anderen beiden indianischen Sprachen. Es erstreckt sich über die Region Cuyo, die Provinzen Córdoba, Neuquén, La Pampa und die Kordillere entlang nach Süden an der Grenze zu Chile. Besonders Toponyme spiegeln den Einfluss dieser indianischen Sprache wieder.
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die indianischen Sprachen keinen großen Einfluss auf das argentinische Spanisch hatte, abgesehen von lexikalischen Ausnahmen und in den vorher benannten Regionen fallen Einflüsse auf, die sich auf Intonation, Morphologie und Syntax beziehen.
2.2. Der Zeitraum der Eroberung und Kolonisierung
[...]
1 Güida 1993, 12
2 Kubarth 1987, 172-173
3 Güida 1993, 13
4 Güida 1993, 13
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