Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: M.A. Birk Töpfer
Fach: Politik - Pol. Systeme - Politisches System Deutschlands
Details
Tags: Kultur-, Transformationsforschung, Ost-West-Differenzen, Innere, Einheit, Deutschland, Eine, Betrachtung
Jahr: 2005
Seiten: 112
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 149 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 424 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47374-3
ISBN (Buch): 978-3-638-86236-3
Zusammenfassung / Abstract
Vierzehn Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung scheinen die Deutschen in Ost und West von der so genannten „Inneren Einheit“ weiter entfernt zu sein als je zuvor. Insbesondere nationale Reformprojekte, die mit Einschnitten im Sozialsystem verbunden sind, machen dies immer wieder deutlich. Die Transformationsforschung und die politische Kulturforschung hat im Laufe dieser eineinhalb Jahrzehnte eine Vielzahl von Erklärungsansätzen geliefert, die im einzelnen keine zufriedenstellende Erklärung des Problems liefern können und sich zum Teil sogar diametral gegenüberstehen, einander widersprechen oder gar das Problem der inneren Einheit als solches in Frage stellen. Obwohl die empirischen Befunde über das Transformations- und Einheitsprojekt im Prinzip recht eindeutig sind, wird die deutsche Einheit unterschiedlich bilanziert. Jede Vereinigungsbilanz in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bringt auch eine spezifische Position zum Stand der inneren Einheit hervor. Die Positionen verteilen sich dabei, je nach Blickwinkel des Betrachters, über ein weites Spektrum. Angefangen beim Standpunkt einer gelungenen Einheit, die auf dem richtigen Weg ist, bei der Wert- und Einstellungsdifferenzen zwischen den Deutschen im Osten und Westen des Landes als marginal bezeichnet werden und kaum über andere regionale Differenzen hinaus gehen, über die Position einer kulturellen Differenzierung über eine ostdeutsche Sonderidentität, die eine Normalisierung und Bereicherung der politischen Kultur der Bundesrepublik darstellt, bis hin zur Bilanz, dass fundamentale Wertunterschiede und eine Abgrenzungsidentität auf Seiten der Ostdeutschen ein hohes anomisches Potential besitzen, die die demokratische politische Kultur Deutschlands gefährden. Ziele dieser Arbeit sind, den Stand der Forschung und die theoretische Debatte zur inneren Einigung Deutschlands zu reflektieren und zu klären, inwieweit die inzwischen weitgehend marginalen sozialwissenschaftlichen Bemühungen um diesen Untersuchungsgegenstand gerechtfertigt werden können, wo Bedarf nach weitergehender Forschung besteht und an welchen theoretisch-methodischen Modellen diese anknüpfen sollten. Die gesamte Darstellung soll schließlich eine Einschätzung ermöglichen inwieweit die inzwischen weitgehend marginalen Forschungsanstrengungen zur Vereinigung in Deutschland als gerechtfertigt gelten können oder ob weiterer Forschungsbedarf besteht und an welche Konzepte dieser anknüpfen sollte.
Textauszug (computergeneriert)
M A G I S T E R A R B E I T
Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig Institut für Politikwissenschaft
Kultur- und Transformationsforschung über Ost-West-Differenzen und Innere Einheit in Deutschland. Eine metatheoretische Betrachtung
vorgelegt von Birk Töpfer
2005
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung ... 5
1 DIE OSTDEUTSCHLANDFORSCHUNG ... 8
1.1 Historischer Verlauf ... 9
1.2 Die Entwicklung der theoretisch-methodischen Konzepte ... 13
1.3 Bilanzen der deutschen Einheit ... 18
2 BEGRIFFSKLÄRUNG UND THEORETISCHE ZUGÄNGE ... 20
2.1 Transformationsforschung ... 20
2.2 Transformationstheorie ... 25
2.3 Theoretische Konzepte der Transformationsforschung ... 27
2.3.2 Systemtheoretische Konzepte ... 29
2.3.2.1 Kritische Anmerkungen ... 30
2.3.2.2 Vereinigungsbilanzen ... 31
2.3.2.3 Validität ... 31
2.3.3 Modernisierungstheoretische Konzepte ... 32
2.3.3.1 Kritische Anmerkungen ... 35
2.3.3.2 Vereinigungsbilanzen ... 37
2.3.3.3 Validität ... 40
2.3.4 Akteur- und institutionentheoretische Konzepte ... 41
2.3.4.1 Kritische Anmerkungen ... 43
2.3.4.2 Vereinigungsbilanzen ... 43
2.3.4.3 Validität ... 47
2.3.5 Handlungstheoretische Konzepte ... 48
2.3.5.1 Kritische Anmerkungen ... 50
2.3.5.2 Vereinigungsbilanzen ... 50
2.3.5.3 Validität ... 51
2.4. Zwischenbilanz zu Transformationstheorie und –forschung ... 51
3. INNERE EINHEIT ... 53
3.1 „Innere Einheit“ – Begriffsklärung ... 53
3.2 Positionen der Forschung ... 55
3.2.1 Die vollzogene innere Einheit ... 57
3.2.2 Kulturelle Differenz als Chance ... 60
3.2.2.1 Wurzeln der politisch-kulturellen Differenz ... 63
3.2.2.2 Zwei politische Kulturen der Einheit? ... 65
3.2.3 Ostdeutsche Teilgesellschaft als Entwicklungsblockade ... 69
3.2.4 Ostdeutsche als postfordistische Avantgarde ... 71
3.3 Gründe für die Ost-West-Differenzierungen ... 73
3.3.1 Sozialisationsthese ... 74
3.3.2 Situationsthese ... 76
3.3.3 Kompensationsthese ... 78
3.4 Zwischenbilanz zu innerer Einheit ... 78
4 OSTDEUTSCHE IDENTITÄT ... 80
4.1 Personale Identität ... 82
4.2 Kollektive und kulturelle Identität ... 84
4.3 Gedächtnis und kulturelle Erinnerung ... 86
4.3.1 Gedächtnis ... 86
4.3.2 Erinnerung ... 88
4.3.3. Geteilte kollektive Erinnerung der Deutschen ... 90
4.4. Soziale Identität ... 93
4.4.1. Ostdeutsche soziale Identität ... 94
4.4.2. Ost-Nostalgie ... 98
4.5 Bilanz: Ostdeutsche Identität – ein multidimensionales Phänomen ... 100
5. SCHLUSSBETRACHTUNGEN ... 103
Literaturverzeichnis ... 105
Verzeichnis der Sammelbände ... 112
Einleitung
Vierzehn Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung scheinen die Deutschen in Ost und West von der so genannten „Inneren Einheit“1 weiter entfernt zu sein als je zuvor. Insbesondere nationale Reformprojekte, die mit Einschnitten im Sozialsystem verbunden sind, machen dies immer wieder deutlich.
Die Transformationsforschung und die politische Kulturforschung hat im Laufe dieser eineinhalb Jahrzehnte eine Vielzahl von Erklärungsansätzen geliefert, die im einzelnen keine zufriedenstellende Erklärung des Problems liefern können und sich zum Teil sogar diametral gegenüberstehen, einander widersprechen oder gar das Problem der inneren Einheit als solches in Frage stellen. Obwohl die empirischen Befunde über das Transformations- und Einheitsprojekt im Prinzip recht eindeutig sind, wird die deutsche Einheit unterschiedlich bilanziert.
Jede Vereinigungsbilanz in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bringt auch eine spezifische Position zum Stand der inneren Einheit hervor. Die Positionen verteilen sich dabei, je nach Blickwinkel des Betrachters, über ein weites Spektrum. Angefangen beim Standpunkt einer gelungenen Einheit, die auf dem richtigen Weg ist, bei der Wert- und Einstellungsdifferenzen zwischen den Deutschen im Osten und Westen des Landes als marginal bezeichnet werden und kaum über andere regionale Differenzen hinaus gehen,2 über die Position einer kulturellen Differenzierung über eine ostdeutsche Sonderidentität, die eine Normalisierung und Bereicherung der politischen Kultur der Bundesrepublik darstellt,3 bis hin zur Bilanz, dass fundamentale Wertunterschiede und eine Abgrenzungsidentität auf Seiten der Ostdeutschen ein hohes anomisches Potential besitzen, die die demokratische politische Kultur Deutschlands gefährden.4
Es stellen sich folgende zentrale Fragen, die sehr unterschiedlich beantwortet werden: Wie verschieden sind, denken und handeln die Menschen in Ost und West? Wie notwendig ist eine Angleichung? Mit welchen Begriffen sind die Unterschiede zu fassen und wie wirkungsmächtig sind diese? Doch worin sind diese inkohärenten Urteile begründet, die als Antworten auf die gleichen Fragen mit der gleichen empirischen Datenbasis angeboten werden?
Ein Grund dafür stellt die mehrfach kritisierte mangelnde theoretische Fundierung der sozialwissenschaftlichen Analysen dar. Eine verbindliche Theorie liegt weder für die Transformation in Ost- und Mitteleuropa vor, noch für den spezifischen deutsch-deutschen Transformationsfall, weshalb Erfolg und Misserfolg beider Fälle nicht genau definiert werden können. Hinzu kommt, dass sich einzelne wirtschaftliche, soziale und kulturelle Tendenzen der Vereinigung überlagern und zum Teil widersprechen. Deshalb können sie nicht eindeutig klassifizieren werden.5 Solche unterschiedlichen Urteile wären in einem pluralen Wissenschaftsbetrieb kein Problem. Sie treten jedoch auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene dort auf, wo sie auffällig mit dem jeweiligen Standort des Urteilenden und dessen wahltaktischen Kalkülen korrelieren. Deshalb ist ein konzeptioneller und praktischer Bewertungsmaßstab mit nachvollziehbaren Indikatoren gefordert. Dazu gibt es allerdings weder eine gesamtdeutsche noch eine internationale Einigung in den Sozialwissenschaften und darüber hinaus.
Nach einem immensen Forschungsboom bis Mitte der neunziger Jahre, der eine große Anzahl empirischer Forschungen und einige tausend Publikationen zum Thema der postsozialistischen Transformation und der deutschen Einheit hervorgebracht hat, ist in den letzten Jahren die sozialwissenschaftliche Forschung und Theorienbildung zu diesen Themen nahezu zum Erliegen gekommen, obwohl – wie einige Wissenschaftler anmerken – noch immer weiterer Forschungsbedarf besteht und man nicht von einem wissenschaftlichen Konsens über Bilanz und Perspektiven von Transformation und Einheit auf Grund erschöpfender empirischer Datenbasis und theoretischer Fundierung sprechen kann.
In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, einen Überblick über die Forschungen zur deutschen Einheit und postsozialistischen Transformation in Ostdeutschland in ihrem historischen Verlauf und ihren theoretischen Debatten zu skizzieren. Wegen der großen Zahl von Forschungsarbeiten und Publikationen zu diesem Themenkomplex muss eine erschöpfende Darstellung ausgeschlossen und eine Fokussierung auf die politikwissenschaftliche Forschung, insbesondere auf die politische Kulturforschung sowie die Soziologie, vorgenommen werden. Eine weitere Spezifizierung findet die Arbeit in der Konzentration auf die Erforschung und die theoretische Debatte zur sozialen und kulturellen Einheit Deutschlands. Für diese Studie wurden Veröffentlichungen zum Thema innere Einheit respektive den damit zusammenhängenden Begrifflichkeiten wie (ostdeutsche) Sondermentalität oder (kollektive) Identität untersucht, um eine theoretische Spurensuche nach sozialwissenschaftlich operationalisierbaren Begriffen zu unternehmen, auf deren Grundlage eine Einschätzung von Stand und Perspektiven der Einheit Deutschlands erst ermöglicht wird. Zusätzlich wurden multidisziplinäre Ansätze in den Blick genommen und herausgearbeitet, inwieweit diese ein höheres Erklärungspotential besitzen als unidisziplinäre Zugänge.
Ziele dieser Arbeit sind, den Stand der Forschung und die theoretische Debatte zur inneren Einigung Deutschlands zu reflektieren und zu klären, inwieweit die inzwischen weitgehend marginalen sozialwissenschaftlichen Bemühungen um diesen Untersuchungsgegenstand gerechtfertigt werden können, wo Bedarf nach weitergehender Forschung besteht und an welchen theoretisch-methodischen Modellen diese anknüpfen sollten.
Im Einzelnen werden dafür zunächst die Ostdeutschlandforschung in ihrer Entwicklung seit 1989/90 und die dabei zu Grunde gelegten theoretisch-methodischen Fundierungen sowie Bilanzen des Einigungsprozesses resümiert. (Kap. 1) Im Anschluss werden die theoretischen Konzepte der Transformationsforschung und die Aufspaltungen in die verschiednen Theorieschulen vorgestellt. Dieser Darstellung wird eine kritische Beleuchtung der Modelle und Konzepte und ihre jeweils spezifischen Vereinigungsbilanzen gegenübergestellt. (Kap. 2)
Das dritte Kapitel widmet sich dem Begriff der „Inneren Einheit“ und den entsprechenden Positionen der Forschung. Für die Einschätzungen zum Status quo der inneren Einheit in Deutschland sind im Wesentlichen drei Modellannahmen bestimmend, die – der einschlägigen Literatur zum Thema folgend – zusammenfassend als Sozialisationsthese, Situationsthese und Kompensationsthese bezeichnet werden. Alle drei werden hier kurz vorgestellt. Vor dem Hintergrund der Zuordnung der Positionen der Forschung zur jeweiligen methodischen Konzeption soll eine Zwischenbilanz zum Stand der inneren Einheit versucht werden. Dabei wird der folgenden These nachgegangen: Das Problem der kulturellen und sozialen Einheit Deutschlands wird durch die Beobachtung der Herausbildung eigenständiger „Wir“-Gruppen besser erfasst als mit dem Begriff der „Inneren Einheit“ oder dem bloßen Instrumentarium der politischen Kulturforschung über die Untersuchung von Wert- und Einstellungsdifferenzen. (Kap. 3)
Um die Bedingungen der Möglichkeit dieser „Wir“-Gruppen untersuchen zu können, werden die Ergebnisse der politischen Kulturforschung interdisziplinär betrachtet. Eingang finden besonders historische und sozialpsychologische Ansätze der kulturellen respektive sozialen Identität. In dieser Weise wird versucht einen operationalisierbareren Begriff zu finden und damit dem Umstand Rechnung getragen, dass der Identitätsbegriff auf Grund seiner semantischen Breite vielfach als diskreditiert gilt. Verschiedene Forschungsansätze, bei denen der Identitätsbegriff bereits Eingang gefunden hat, werden aufgegriffen und auf ihr Potential zur Erklärung ostdeutscher Wir-Gruppen-Identifikation untersucht. (Kap. 4)
Die gesamte Darstellung soll schließlich eine Einschätzung ermöglichen inwieweit die inzwischen weitgehend marginalen Forschungsanstrengungen zur Vereinigung in Deutschland als gerechtfertigt gelten können oder ob weiterer Forschungsbedarf besteht und an welche Konzepte dieser anknüpfen sollte.
[...]
1 Der Begriff „Innere Einheit“ tritt in zahlreichen Facetten auf und ist vorwiegend ein politischer, insofern auch eine erst sozialwissenschaftlich zu füllende Worthülse. Dieser Tatsache wird mit den Anführungszeichen Rechnung getragen. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird, aus praktischen Gründen, auf diese besondere Kennzeichnung verzichtet.
2 Vgl. Zapf, Wolfgang (2000): Wie kann man die deutsche Vereinigung bilanzieren?, in: Noll, Heinz-Herbert und Roland Habich (Hrsg.), Vom Zusammenwachsen einer Gesellschaft, Frankfurt am Main, New York, S. 15 f.
3 Vgl. Ahbe, Thomas & Gibas, Monika (2001): Der Osten in der Berliner Republik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. B 1-2/ 2001.
4 Vgl. Meulemann, Heiner (2002): Werte und Wertewandel im vereinigten Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. B 37-38.
5 Vgl. Reißig, Rolf (2000a): Die gespaltene Vereinigungsgesellschaft, Berlin, S. 54 f.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: