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Autor: M.A. Birk Töpfer
Fach: Kulturwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Insitut für Kulturwissenschaften)
Tags: Vergangenheit, Identität, Anfänge, Gegenwart, Erinnerung, Deutschland, Kollektive, Erinnerung
Jahr: 2001
Seiten: 25
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 21 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 221 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47375-0
ISBN (Buch): 978-3-638-66161-4
Zusammenfassung / Abstract
In der vorliegenden Arbeit soll nachgezeichnet werden wie es um eine deutsche kollektive oder nationale Identität bestellt ist. Die zentrale Bedeutung des Geschichtsbildes für eine solche Identität anerkennend, wird die Vergangenheitspolitik Deutschlands den Rahmen bilden, an dem dargestellt werden kann, wie sich Geschichtsbilder verändern, wie sie im Laufe der Zeit festgeschrieben werden und sich identitätsbildend auswirken. Das beherrschende Thema deutscher Vergangenheits- und Erinnerungspolitik ist natürlich das Nationalsozialistische Regime unter dessen Regie sich die schlimmsten Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts ereignet haben. Die sich in diesem Zusammenhang aufdrängenden Fragen sind: wie eine solche Vergangenheit überhaupt Gegenstand von Identitätsstiftung sein kann und wenn ja, wie Geschichte in Deutschland gelesen wurde, um eine gemeinsame Identität nicht zu gefährden.In einem ersten Teil sollen die anfänglichen Anstrengungen der fünfziger und sechziger Jahre dargestellt und in einem weiteren Abschnitt die aktuelle Lage umrissen werden. Ein theoretischer Exkurs wird sich mit der Bedeutung von Gedächtnis als Grundlage von Erinnerung auseinandersetzen und damit inwieweit diese einen gemeinsamen kulturellen Wahrnehmungsrahmen produziert und/oder von ihm abhängt. Im letzten vergleichenden Teil wird eine Konklusion versucht, wie spezifisch deutsche Erinnerungspolitik eine deutsche Identität herausgebildet hat und an welchen Punkten eine solche immer noch als problematisch empfunden wird. Die dabei leitende These soll sein, dass auf Grund der schweren historischen Hypothek, die auf den Deutschen lastet, ein Identität weniger an der Geschichte und dem Bild davon festgemacht wird, sondern sich vielmehr an dem spezifischen Umgang damit konstituiert Bei allen Betrachtungen um kollektive, historische oder nationale Identität darf nicht übersehen werden, dass der Identitätsbegriff keineswegs ein homogener ist. Im Rahmen der personalen Identität ist er noch am klarsten umrissen, bei der Gruppen- oder kulturellen Identität fehlt nahezu deutliche Klärung dessen was er umschreiben soll. Die folgende Arbeit orientiert sich im wesentlichen an dem Begriff des kollektiven Gedächtnisses oder historischen Identität, wie er sich in der jüngeren historischen Wissenschaft herausgebildet hat.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig
INSTITUT FÜR KULTURWISSENSCHAFTEN
Seminar: Vergangenheitskultur und Vergangenheitspolitik
10. FS. Kulturwissenschaften
Vergangenheit und Identität: Anfänge und Gegenwart
kollektiver Erinnerung in Deutschland
von: Birk Töpfer
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Die Anfänge der Vergangenheitspolitik 4
II.1. Antinazistische Normsetzung 4
II.2. Schuld und Sühne 6
II.3. Gedächtnis und Erinnerung in den 50er Jahren 8
III. Vergangenheitspolitik heute 10
IV. Kollektives Gedächtnis – Exkurs 13
IV.1. Gedächtnis 13
IV.2. Erinnerung 14
V. Kollektive Erinnerung in Deutschland 17
VI. Vergangenheit und Identität 20
VII. Schlusswort 22
VIII. Literaturverzeichnis 24
I. Einleitung
Vergangenheit wird erst dann zu Geschichte, wenn sie erzählt wird. Das ‘wie’ sie erzählt wird, wie diese Geschichte dann rezipiert und interpretiert wird sowie von wem, dies sind aktuelle Leitfragen interdisziplinärer kulturwissenschaftlicher Forschung. Das Bild von Geschichte wird in Interaktion aller kulturellen Institutionen gezeichnet und ist damit ein kulturimmanentes. Mit dem Geschichtsbild wird die Identität eines wie auch immer gearteten Kollektivs konstruiert und auch gestützt.
In der vorliegenden Arbeit soll nachgezeichnet werden wie es um eine deutsche kollektive oder nationale Identität bestellt ist. Die zentrale Bedeutung des Geschichtsbildes für eine solche Identität anerkennend, wird die Vergangenheitspolitik Deutschlands den Rahmen bilden, an dem dargestellt werden kann, wie sich Geschichtsbilder verändern, wie sie im Laufe der Zeit festgeschrieben werden und sich identitätsbildend auswirken. Das beherrschende Thema deutscher Vergangenheits- und Erinnerungspolitik ist natürlich das Nationalsozialistische Regime unter dessen Regie sich die schlimmsten Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts ereignet haben. Die sich in diesem Zusammenhang aufdrängenden Fragen sind: wie eine solche Vergangenheit überhaupt Gegenstand von Identitätsstiftung sein kann und wenn ja, wie Geschichte in Deutschland gelesen wurde, um eine gemeinsame Identität nicht zu gefährden.
In einem ersten Teil sollen die anfänglichen Anstrengungen der fünfziger und sechziger Jahre dargestellt und in einem weiteren Abschnitt die aktuelle Lage umrissen werden, im Ansinnen den Wandel im Umgang mit der Vergangenheit zu verdeutlichen. Ein theoretischer Exkurs wird sich mit der Bedeutung von Gedächtnis als Grundlage von Erinnerung auseinandersetzen und damit inwieweit diese einen gemeinsamen kulturellen Wahrnehmungsrahmen produziert und/oder von ihm abhängt. Im letzten vergleichenden Teil wird eine Konklusion versucht, wie spezifisch deutsche Erinnerungspolitik eine deutsche Identität herausgebildet hat und an welchen Punkten eine solche immer noch als problematisch empfunden wird. Die dabei leitende These soll sein, dass auf Grund der schweren historischen Hypothek, die auf den Deutschen lastet, ein Identität weniger an der Geschichte und dem Bild davon festgemacht wird, sondern sich vielmehr an dem spezifischen Umgang damit konstituiert. Das soll heißen, es hat sich im Laufe von über fünfzig Jahren Erinnerungspolitik ein Habitus entwickelt, der identitätsprägender ist als das herausgearbeitete Geschichtsbild selber. Bei allen Betrachtungen um kollektive, historische oder nationale Identität darf nicht übersehen werden, dass der Identitätsbegriff keineswegs ein homogener ist. Der häufige alltägliche Gebrauch des Wortes Identität darf nicht über seine mangelnde begriffliche Definition hinwegtäuschen. Im Rahmen der personalen Identität ist er noch am klarsten umrissen, bei der Gruppen- oder kulturellen Identität fehlt nahezu deutliche Klärung dessen was er umschreiben soll. Die folgende Arbeit orientiert sich im wesentlichen an dem Begriff des kollektiven Gedächtnisses oder historischen Identität, wie er sich in der jüngeren historischen Wissenschaft herausgebildet hat.
II. Die Anfänge der Vergangenheitspolitik
Die vom Parlamentarischen Rat verabschiedete Verfassungsordnung einer „abwehrbereiten Demokratie“ spiegelte von Anfang an die Absicht in der Bundesrepublik Deutschland einen Staat zu verwirklichen der sich positiv von seiner Vorgeschichte abhob1. Dabei handelte es sich zunächst um kaum mehr als um eine aus den allgemeinen politischen Anordnungen der Alliierten abgeleitete Generaldistanzierung, die eine spezifische vergangenheitspolitische Abgrenzung erst noch erforderte. Zunächst interpretierten SPD und CDU dieses Prinzip vor allem im Sinne der Schaffung entsprechender Strafvorschriften, denn tatsächlich hatten bereits seit dem Frühjahr 1950 die Veranstaltungen radikaler Agitatoren wieder vermehrt Zulauf, was unter dem Eindruck einer zögerlichen Strafjustiz und dem Fehlen einer Verfassungsgerichtsbarkeit zu einer gestiegenen Bereitschaft administrativer und polizeilicher Maßnahmen führte2.
II.1. Antinazistische Normsetzung
Der Anspruch der abwehrbereiten Demokratie wurde besonders deutlich in dem Verbot und der Auflösung der Sozialistischen Reichspartei (SRP) durch das Bundesverfassungsgericht 1952, welches feststellte, dass die Bestrebungen der SRP gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet sei und konkretisierte dies in seiner Entscheidung in bis heute unübertroffener Weise, indem es sich eingehend mit der Geschichte der SRP ihren organisatorischen und ideologischen Wurzeln beschäftigte und zugleich eine knappe Lektion über die Stellung der Parteien im Grundgesetz und eine historische Analyse der deutschen Parteien unter besonderer Berücksichtigung der Rechtsparteien seit dem ersten Weltkrieg mitlieferte. Das Ziel war zu zeigen wie es die NSDAP unter günstigen Rahmenbedingungen und mit absichtlich unklar gehaltenem Parteiprogramm und vagen Versprechungen geschafft hatte mit formal-demokratischen Mitteln die Macht an sich zu reißen um erst dann ihr wahres Wesen zu offenbaren.
Dabei richtete sich das Verbot nicht gegen frühere Nationalsozialisten allgemein, das im Sinne der Anstrengungen einer Integration jener kleinen Nazis und Mitläufer war, sondern richtete sich speziell gegen solche, die sich nicht darum bemühten positive Kräfte für die Demokratie zu sammeln und statt dessen weiterhin nationalsozialistische Ideen zu erhalten und zu verbreiten suchten.
[...]
1 Hermann Lübbe, Der Nationalsozialismus im Politischen Bewusstsein der Gegenwart., in: Deutschlands Weg in die Diktatur. Internationale Konferenz zur nationalsozialistischen Machtübernahme, Berlin, 1983, S.38ff.
2 Frei, Norbert, Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit. München, 1996, S.326.
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