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Autor: M.A. Saskia Dams
Fach: Kunst - Sonstiges
Details
Tags: Karl, Friedrich, Schinkels, Bühnenbilder, Hoffmanns, Oper
Jahr: 2005
Seiten: 111
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 160 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 459 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47376-7
Interdisziplinäre Arbeit, sowohl für Kunsthistoriker als auch für Germanisten und Musikwissenschaftler sehr interessant.
Textauszug (computergeneriert)
Arbeit zur Erlangung des Grades eines Magister Artium
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Philosophisch Historische Fakultät Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften Institut für Europäische Kunstgeschichte
Karl Friedrich Schinkels Bühnenbilder zu E.T.A. Hoffmanns romantischer Oper „Undine“
vorgelegt von Saskia Dams
2005
INHALT
1. Einleitung ... 4
2. Karl Friedrich Schinkels Verbindung zum Theater ... 8
2.1. Frühe Auseinandersetzungen mit dem Theater-und Dekorationswesen ... 8
2.2. Die symbolischen Bühnendekorationen von 1815-1816 ... 14
3. „Undine. Zauber – Oper in drey Abtheilungen“ ... 19
3.1. Die Entstehung der Oper ... 19
3.2. Die Bedeutung E.T.A. Hoffmanns für die Entstehung der Bühnenentwürfe ... 27
3.3. Operngeschichtliche Hintergründe der „Undine“ ... 30
3.4. Der Handlungsablauf der Operninszenierung ... 34
4. Karl Friedrich Schinkels Bühnenentwürfe zur „Undine“ ... 38
4.1. Entwurf zum I. Bühnenbild „Das Innere einer Fischerhütte mit einem Fenster in der Hinterwand.“ ... 40
4.2. Entwurf zum II. Bühnenbild „Nacht. Wilde Waldgegend im Mondschein [...].“ ... 40
4.2.1. Bildbeschreibung ... 40
4.2.2. Bühnentechnische Umsetzung und Textbezug ... 42
4.2.3. Jacob van Ruisdael – Rezeption in der Romantik ... 45
4.3. Entwurf zum III. Bühnenbild „Großer mit Bäumen umpflanzter Platz in der Reichsstadt, ein Brunnen in der Mitte.“ ... 49
4.3.1. Bildbeschreibung ... 49
4.3.2. Bühnentechnische Umsetzung und Textbezug ... 52
4.3.3. Schinkels Beschäftigung mit der „gotischen“ oder „altdeutschen“ Baukunst ... 53
4.4. Entwurf zum V. Bühnenbild „Großer Prunksaal [...].“ ... 63
4.5. Entwurf zum VII. Bühnenbild „Andere Gegend am Ufer eines Flusses.“ ... 64
4.5.1. Bildbeschreibung ... 64
4.5.2. Bühnentechnische Umsetzung und Textbezug ... 66
4.5.3. Die Brücke im Landschaftsgarten und bei Jacob van Ruisdael ... 67
4.6. Entwurf zum IX. Bühnenbild „Anmuthiger Garten mit der Aussicht nach der Burg.“ ... 68
4.6.1. Bildbeschreibung ... 68
4.6.2. Bühnentechnische Umsetzung und Textbezug ... 70
4.6.3. Burgenromantik und die Laxenburger Franzensburg ... 72
4.7. Entwurf zum X. Bühnenbild „[...] Ein aus Muscheln, Perlen, Korallen und seltsamen Seegewächsen fantastisch zusammengesetztes Portal [...].“ ... 77
4.7.1. Bildbeschreibung ... 77
4.7.2. Bühnentechnische Umsetzung und Textbezug ... 79
4.7.3. Die Rezeption barocker Grottenarchitektur ... 82
4.7.4. Die Darstellung der Wassergeister ... 85
5. Die Oper „Undine“ als romantisches Gesamtkunstwerk ... 91
6. Abschließende Bemerkungen ... 95
7. Anhang
Literaturverzeichnis ... I
1. Einleitung
Durch ihn [Schinkel], darf man sagen, ist die Dekorationsmalerei aus einer todten Aufgabe der Perspektive, oder einer starr geistlosen Darstellung verwirrender Pracht zu einer schönen Kunst geworden. [...] An Schönheit, an phantastischem Reiz hat die Bühne, so weit wir sie kennen, noch heute nichts Aehnliches [wie die Undine] für das Auge geleistet. 1
Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) zählt zu den größten Berühmtheiten der Kunstgeschichte. Sein vielseitiges (?)uvre umfasst sämtliche Gattungen der Architektur, Malerei, Baudenkmalpflege und des Dekorationswesens. Zahlreiche Reisen nach Italien, Frankreich und England prägten sein künstlerisches Schaffen ebenso wie die zeitgenössischen Strömungen des Klassizismus und der Romantik. Schinkel stand mit den romantischen Berliner Kreisen in regem Austausch und war deshalb im Rahmen seiner bühnenbildnerischen Tätigkeit für die romantische Oper von großem Interesse. Vermutlich war dies einer der Gründe dafür, dass E.T.A. Hoffmann beim Komponieren der am 3. August 1816 uraufgeführten Oper „Undine“ sofort an Karl Friedrich Schinkel als Verantwortlichen für die komplex angelegten Dekorationen dachte. Die „Undine“ zählt zu den zahlreichen Wasserfrauen der romantischen Opernbühne, deren phantastische Welt besonders an die Theaterdekorateure große Anforderungen stellte. Alles, und war es noch so phantastisch, sollte in gewissem Maß wirklich erlebbar erscheinen. Raffinierte Lichteffekte erhöhten die zauberhafte Wirkung und ließen den Betrachter noch tiefer in das Geschehen eintauchen. Wie Karl Friedrich Schinkels 1815 und 1816 entstandenen Arbeiten zur Oper „Undine“ zeigen, erforderten die komplexen Inszenierungsansprüche eine in hohem Maße künstlerische Leistung bei den Entwürfen. Zahlreiche wechselnde Dekorationen unterschiedlichster Umgebungen verlangten enormes Einfühlungsvermögen für die Opernhandlung sowie die Fähigkeit diese in eindrucksvollen Bildern festhalten zu können.
Es stellt sich deshalb die Frage, welcher Stellenwert derartigen Arbeiten im (?)uvre eines Künstlers beigemessen werden muss und ob die Art und Weise der Darstellung rein textuelle oder auch davon unabhängige künstlerische Hintergründe haben kann. Schinkel war schließlich nicht nur Theaterdekorateur und Maler, sondern auch Architekt und Denkmalpfleger und bewegte sich im Einflussbereich zahlreicher Kunstlandschaften. Er kannte Europas Kunstschätze, arbeitete mit bekannten Persönlichkeiten seiner Zeit zusammen und beschäftigte sich mit den ihn umgebenden Kunstströmungen.
Dieses breitgefächerte Engagement wurde von Karl Friedrich Schinkels Zeitgenossen sehr gelobt und seine Leistungen als Theaterdekorateur sogar als Aufwertung des Dekorationswesens zu einer der Schönen Künste empfunden. Von der Forschung hingegen wurde seine ausgiebige Beschäftigung mit dem Theater und dem dazugehörigen Dekorationswesen meist nur beiläufig behandelt und einem Werksabschnitt zugeordnet, dem schlicht die architektonischen Aufträge fehlten. Die Festrede Franz Kuglers2 1855 und der Artikel Alfred Gotthold Meyers3 1904 schätzten zwar übereinstimmend den Wert der Dekorationsentwürfe sehr hoch ein, die breite akademische Meinung ist ihnen dennoch nur in Ansätzen gefolgt. Noch 1981 wertet Grisebach Schinkels Theaterdekoration als „angewandte Malerei“4 von geringerem künstlerischen Wert als seine Dioramen.
Die erste Zusammenstellung der Bühnenbilder findet sich im vierten Band des 1864 von Alfred Freiherr von Wolzogen herausgegebenen Werkverzeichnisses; Zuordnungen und Datierungen sind in zahlreichen Fällen allerdings falsch oder lückenhaft. Daneben erschweren zahlreiche Kriegsverluste die heutige Betrachtung. Paul Mahlberg5 hatte sich bereits 1916 ausführlicher mit „Schinkels Theaterdekorationen“ befasst. Rolf Badehausen verfasste schließlich ein Manuskript, das unter dem Titel „Schinkel als Maler lebender Bilder und Bühnenmaler“ Eingang in die Reihe „Karl Friedrich Schinkel. Lebenswerk“ finden sollte. Das Manuskript ging aber in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren. Erst 1974 befasste sich Ulrike Harten6 in ihrer Dissertation „Die Bühnenbilder Karl Friedrich Schinkels“ wieder mit diesem wichtigen Werkkomplex. Im Jahr 2000 wurde diese Dissertation in überarbeiteter Form von Helmut Börsch-Supan und Gottfried Riemann unter dem Titel „Karl Friedrich Schinkel. Die Bühnenentwürfe“7 in der Reihe „Karl Friedrich Schinkel. Lebenswerk“ herausgegeben und bildet nun den Ausgangspunkt für jede allgemeine Beschäftigung mit Schinkel als Bühnenbildner.
Detaillierte Besprechungen der einzelnen Dekorationen finden sich allerdings nur im Fall der klassizistischen Bühnenbildern zu Mozarts „Zauberflöte“. Die Dekorationen zur romantischen Oper „Undine“ hingegen gerieten schnell in Vergessenheit und wurden auch in der Forschung meist nur beiläufig behandelt. Elke Riemer8 schrieb 1971 erstmals einen Aufsatz über diese Dekorationen, die in der Folge 1981 von Dietmar Ponert9 sowie von Friedrich Schnapp10 zusammen mit den Vorzeichnungen ebenfalls bearbeitet wurden. Friedrich Schnapp kommt in diesem Zusammenhang das große Verdienst zu, sämtliche Quellen zum Musiker E.T.A. Hoffmann sowie zur Aufführungsgeschichte der „Undine“ zusammengestellt zu haben. Der Beitrag zur „Undine“ in Hartens Band von „Schinkel Lebenswerk“ (2000) stellt sich als katalogisierende Zusammenstellung von Quellen, Abbildungen und Kurzanalysen dar, die für eine Besprechung der „Undine“ Oper von großer Wichtigkeit sind. Keine dieser Bearbeitungen hatte jedoch das Ziel die Komplexität der Dekorationen zu zeigen, sie in direkten Zusammenhang mit den literarischen Vorgaben zu stellen, ihre Bedeutung innerhalb des künstlerischen (?)uvres Schinkels neu zu bewerten und jede Dekorationen vor ihrem individuellen Hintergrund zu betrachten. Mit dieser Arbeit soll dies nun geleistet werden.
Die Besonderheiten jeder einzelnen Dekoration fanden bereits bei den damaligen Betrachtern große Beachtung. In der Tat verkörpern die Dekorationen zur „Undine“ unterschiedliche Bildmotive, die von ungestümer Natur über idealisierte gotische Stadtarchitektur bis hin zu kulissenhaften Burganlagen oder phantastischen Unterwasserpalästen reichten. Unterstrichen wurden diese einzigartigen Arrangements stets durch das vollständige Ausschöpfen der Möglichkeiten der Bühnentechnik. Da sämtliche Dekorationen beim Brand des Schauspielhauses verloren gingen, kann die hier vorliegende Untersuchung der Dekorationen nur aufgrund der im Kupferstichkabinett zu Berlin aufbewahrten Entwürfe zu den Abschlussprospekten sowie der zahlreichen Rezensionstexte erfolgen, die zusammen mit den ausführlichen Szenenanweisungen oft auch Aufschluss über den Einsatz der Bühnentechnik geben können.
Einleitend soll in dieser Arbeit erörtert werden, welche Erfahrungen Schinkel im Theaterwesen gesammelt hat, welche Ansichten er hinsichtlich des Dekorationswesens vertrat und welche Rolle den Dekorationen zur „Undine“ innerhalb seines bühnenbildnerischen (?)uvres zukommt. Von besonderer Wichtigkeit wird anschließend der Versuch sein, die Entstehung der Oper „Undine“ und die Auftragslage bezüglich der Dekorationsentwürfe zu rekonstruieren. Die Frage nach der Bedeutung E.T.A. Hoffmanns für die Oper und die Bühnendekorationen wird dabei in besonderer Weise berücksichtigt werden. Im Anschluss daran sollen einige Bemerkungen zur Stoffgeschichte der Wasserfrau den historischen und inhaltlichen Kontext der romantischen Oper „Undine“ näher erläutern und die nachfolgenden Bemerkungen zum Handlungsverlauf der Inszenierung verständlicher machen.
Den Schwerpunkt der Argumentation bilden Einzelbetrachtungen der Dekorationsentwürfe, die anhand von Bildbeschreibungen und Bemerkungen zur jeweiligen bühnentechnischen Umsetzung und den entsprechenden Textbezügen ein möglichst detailliertes Bild der Inszenierung vermitteln sollen. Da von ursprünglich zehn ausführten Dekorationen lediglich fünf farbige Entwurfszeichnungen und einige Skizzen erhalten geblieben sind, soll die eigentliche Analyse nur auf diese beschränkt bleiben. Im Fall der ersten und fünften Dekoration kann die Betrachtung nur durch die Auswertung schriftlicher Zeugnisse erfolgen. Die vierte, sechste und achte Dekoration hingegen stammten vermutlich aus dem bestehenden Fundus, wurden nicht von Schinkel neu für die Oper entworfen und sollen deshalb nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Im Anschluss an jede Einzelbetrachtung soll die Frage gestellt werden, welchen direkten Einflüssen Schinkel während seiner Arbeit an der „Undine“ ausgesetzt war, und wo die motivischen Vorbilder zu dem entsprechenden Entwurf zu suchen sind. Besondere Bedeutung wird dabei den zeitgenössischen Strömungen wie der Begeisterung für niederländische Landschaftsdarstellungen, für gotische und romantische Mittelalterarchitektur sowie der Tradition barocker Grottenanlagen zukommen. Es soll versucht werden, diese Motive mit Schinkels (?)uvre in Zusammenhang zu bringen und sie vor dem Hintergrund der Erfahrungen und Projekte zu betrachten, die er auf Reisen und als Dioramenmaler gesammelt hatte und als Architekt verwirklichen wollte. Die abschließende Betrachtung der „Undine“ als romantisches Gesamtkunstwerk soll den künstlerischen Wert des von den berühmten romantischen Persönlichkeiten Hoffmann, Fouqué und Schinkel vollbrachten Gemeinschaftswerks unterstreichen und schließlich den Stellenwert der Dekorationen innerhalb der Inszenierung hervorheben.
[...]
1 Rellstab, Ludwig: Karl Friedrich Schinkel, in: Neuer Nekrolog der Deutschen, hrsg. von Friedrich August Schmidt, 19. Jahrgang, Oktober 1841, Weimar 1843, dasselbe in: Schnapp, Friedrich (Hrsg.): E.T.A. Hoffmann in Aufzeichnungen seiner Freunde und Bekannten. Eine Sammlung, München 1974, S. 356.
2 Kugler, Franz: Die Dekorationsmalerei der Bühne und Schinkel`s Entwürfe. Festrede, gehalten am Schinkelfeste im Architekten-Verein zu Berlin, den 13. März 1855, in: Deutsches Kunstblatt, Nr. 12, Donnerstag 22. März 1855, S. 101 – 105.
3 Meyer, Alfred Gotthold: Schinkels Theaterdekorationen, in: Berliner Architekturwelt, 6. Jg., 1904, S. 330 – 365 und 398 – 403.
4 Grisebach, Lucius: Schinkel als Maler, in: Karl Friedrich Schinkel. Architektur, Malerei, Kunstgewerbe, Katalog anlässlich der Ausstellung der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten und der Nationalgalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Orangerie des Schlosses Charlottenburg, hrsg. von Helmut Börsch-Supan, Berlin 1981, S. 50.
5 Mahlberg, Paul: Schinkels Theaterdekorationen, Zugl. Diss., Düsseldorf 1916.
6 Harten, Ulrike: Die Bühnenbilder Karl Friedrich Schinkels 1798 – 1834, Zugl. Diss., Kiel 1974.
7 Harten, Ulrike: Karl Friedrich Schinkel. Die Bühnenentwürfe, überarb. und hrsg. von Helmut Börsch-Supan und Gottfried Riemann, München/ Berlin 2000 (= Karl Friedrich Schinkel Lebenswerk, Band 17).
8 Riemer, Elke: Karl Friedrich Schinkels Bühnenentwürfe zu E.T.A. Hoffmanns Oper „Undine“, in: Mitteilungen der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft e.V., 17. Heft, 1971, S. 20 – 34.
9 E.T.A. Hoffmann. Ein Preusse? Katalog anlässlich der Ausstellung im Berlin Museum, bearb. von Dietmar Jürgen Ponert, Berlin 1981.
10 Schnapp, Friedrich: Der Musiker E.T.A. Hoffmann. Ein Dokumentenband, Hildesheim 1981 (= Supplement zu: E.T.A. Hoffmann. Ausgewählte musikalische Werke).
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