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Autor: Sarah Unthan
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Details
Tags: Pippi, Langstrumpf, Astrid, Lindgren, Erzählung
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 23 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 162 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47415-3
ISBN (Buch): 978-3-638-59793-7
Zusammenfassung / Abstract
Kinder- und Jugendliteratur gibt es seit geraumer Zeit. Die Spuren reichen zurück bis in das Mittelalter. In den Anfängen (um 1650) war es vor allem Tugend- und Anstandsliteratur, die für junge Mädchen und Jungen verfasst wurde. Es waren Bücher, die nicht den Sehnsüchten, Nöten, Ängsten und Träumen der Kinder entsprachen, sondern solche, die die Erwachsenen selbst widerspiegelten. Jugendliteratur, die den besonderen Ansprüchen der jungen Leser entspricht, gibt es erst seit der Romantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In dieser poetischen Welt der Romantik kam Kindern nun eine Sonderrolle zu. Sie wurden nicht mehr als kleine Erwachsene gesehen, verfrühte Bildung der Kinder wurde abgelehnt. Mit Werken wie den "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm wurde eine "kindgerechte" Literatur für die jungen Leser geschaffen. Seit der zweiten Hälfte der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, machte dann mehr und mehr eine neue Art des Kinderbuches Furore: Die Phantastische Erzählung. Fast zeitgleich [Erstausgabe in Deutschland: 1949] hält auch Astrid Lindgrens "Pippi Langstrumpf" Einzug in die deutschen Kinderzimmer, und hat sich seitdem zu einem Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur herausgebildet. Ein zeitgenössischer schwedischer Autor reagierte auf das Erscheinen des ersten Bandes mit Kritik. Er bezeichnete die literarische Figur des Werkes als völlig "unnormales" ja sogar "unnatürliches" Mädchen mit "Zwangsvorstellungen einer Geisteskranken" [Psychologieprofessor/Literaturkritiker Landquist 1946]. Handelt es sich bei "Pippi Langstrumpf" um eine realistische, mit seinen Worten "natürliche" (vgl.oben) Figur? Würde es tatsächlich Eltern geben, die ihre Kinder alleine in einer Villa wohnen lassen? Ein Mädchen das nicht zur Schule gehen muss und ein Pferd auf der Veranda stehen hat? Damit ist eine grundlegende Frage aufgeworfen, die auf die Unterscheidung von realistischer und phantastischer Literatur abzielt. Denn nur wenn man die phantastische Erzählung als eigenständige Gattung nimmt und "Pippi Langstrumpf" als phantastische Geschichte liest, kommt man zu einem angemessenen Verständnis des Buches, das durchsichtig zu machen versteht, warum Astrid Lindgrens Werk zum Klassiker werden konnte. Viele Kinderliteraturforscher haben Astrid Lindgrens Werke daher auch tatsächlich in den Kanon der phantastischen Literatur aufgenommen. Pippi Langstrumpf gilt als Wegbereiterin der phantastischen Kinder und Jugendliteratur. [Nölling-Schweers 1980, 96] Die Fragestellung die sich daraus ergibt, muss daher lauten: Ist dieses Buch wirklich zur Gattung der phantastischen Erzählung zu zählen, oder handelt es sich hier um eine reale Geschichte mit irrealen Elementen? Wo genau manifestiert sich die Phantastik? Die vorliegende Hausarbeit untersucht, inwieweit Pippi Langstrumpf der Gattung der phantastischen Erzählung für Kinder entspricht. Anhand verschiedener Merkmale und Definitionen von (Kinder-)Literaturforschern werde ich zunächst untersuchen, was eine phantastische Erzählung ausmacht und den Kern in der Diskussion um die Gattung herausstellen. In einem zweiten Teil werde ich mich dann analysierend auf die Hauptfigur und ihre besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften beziehen, um in einem dritten Teil schließlich zusammenfassend die Ausgangsfrage zu untersuchen: Pippi Langstrumpf- eine phantastische Erzählung?
Textauszug (computergeneriert)
Westfälische Wilhelms Universität Münster
Institut für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur
WS 2003/2004
′Pippi Langstrumpf′ von Astrid Lindgren –
eine phantastische Erzählung?
von: Sarah Unthan
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur 4
2.1 Entstehung des Begriffes 4
2.2 Definition des Gattungsbegriffes 5
2.3 Funktion der phantastischen Erzählung für Kinder 7
3. Die literarische Figur der Pippi Langstrumpf 8
3.1 Pippis äußeres Erscheinungsbild 9
3.2 Die sprachliche Souveränität 9
3.3 Pippis phantastische Stärke 11
3.4 Die finanzielle Situation 12
3.5 Pippis Verhalten gegenüber Autoritäten 13
3.6 Pippis Selbständigkeit 14
4. „Pippi Langstrumpf“ - Eine phantastische Erzählung 16
4.1 Realistisch oder Phantastisch? 16
4.2 Überlegungen zum Rezeptionsverhalten 17
5. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
Kinder- und Jugendliteratur gibt es seit geraumer Zeit. Die Spuren reichen zurück bis in das Mittelalter. In den Anfängen (um 1650) war es vor allem Tugend- und Anstandsliteratur, die für junge Mädchen und Jungen verfasst wurde. Es waren Bücher, die nicht den Sehnsüchten, Nöten, Ängsten und Träumen der Kinder entsprachen, sondern solche, die die Erwachsenen selbst widerspiegelten. Jugendliteratur, die den besonderen Ansprüchen der jungen Leser entspricht, gibt es erst seit der Romantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In dieser poetischen Welt der Romantik kam Kindern nun eine Sonderrolle zu. Sie wurden nicht mehr als kleine Erwachsene gesehen, verfrühte Bildung der Kinder wurde abgelehnt. Mit Werken wie den „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm wurde eine „kindgerechte“ Literatur für die jungen Leser geschaffen.
Seit der zweiten Hälfte der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, machte dann mehr und mehr eine neue Art des Kinderbuches Furore: Die Phantastische Erzählung. Fast zeitgleich1 hält auch Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ Einzug in die deutschen Kinderzimmer, und hat sich seitdem zu einem Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur herausgebildet. Ein zeitgenössischer schwedischer Autor reagierte auf das Erscheinen des ersten Bandes mit Kritik. Er bezeichnete die literarische Figur des Werkes als völlig „unnormales“ ja sogar „unnatürliches“ Mädchen mit „Zwangsvorstellungen einer Geisteskranken“2. Handelt es sich bei „Pippi Langstrumpf“ um eine realistische, mit seinen Worten „natürliche“ (vgl.oben) Figur? Würde es tatsächlich Eltern geben, die ihre Kinder alleine in einer Villa wohnen lassen? Ein Mädchen das nicht zur Schule gehen muss und ein Pferd auf der Veranda stehen hat?
Damit ist eine grundlegende Frage aufgeworfen, die auf die Unterscheidung von realistischer und phantastischer Literatur abzielt. Denn nur wenn man die phantastische Erzählung als eigenständige Gattung nimmt und „Pippi Langstrumpf“ als phantastische Geschichte liest, kommt man zu einem angemessenen Verständnis des Buches, das durchsichtig zu machen versteht, warum Astrid Lindgrens Werk zum Klassiker werden konnte. Viele Kinderliteraturforscher haben Astrid Lindgrens Werke daher auch tatsächlich in den Kanon der phantastischen Literatur aufgenommen. Pippi Langstrumpf gilt als Wegbereiterin der phantastischen Kinder und Jugendliteratur.3
Die Fragestellung die sich daraus ergibt, muss daher lauten: Ist dieses Buch wirklich zur Gattung der phantastischen Erzählung zu zählen, oder handelt es sich hier um eine reale Geschichte mit irrealen Elementen? Wo genau manifestiert sich die Phantastik? Die vorliegende Hausarbeit untersucht, inwieweit Pippi Langstrumpf der Gattung der phantastischen Erzählung für Kinder entspricht. Anhand verschiedener Merkmale und Definitionen von (Kinder-)Literatur-forschern werde ich zunächst untersuchen, was eine phantastische Erzählung ausmacht und den Kern in der Diskussion um die Gattung herausstellen. In einem zweiten Teil werde ich mich dann analysierend auf die Hauptfigur und ihre besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften beziehen, um in einem dritten Teil schließlich zusammenfassend die Ausgangsfrage zu untersuchen: Pippi Langstrumpf- eine Phantastische Erzählung?
2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur
2.1. Entstehung des Begriffes
Phantastische Geschichten gab es schon bei E.T.A. Hoffmann (1776-1822), doch der Begriff der „phantastischen Erzählung“ ist als Benennung einer literarischen Gattung noch recht jung. 1954 wurde der Typ der phantastischen Abenteuergeschichte zum ersten Mal aus der Gattung der Märchen hervorgehoben.4 Bis dato wurden diese Geschichten zu der Gattung der Märchen gezählt, doch die Welt der Märchen unterscheidet sich auch heute noch stark von der der phantastischen Geschichten. Eine Kinder- und Jugendliteraturforscherin sagt 1959 über die phantastische Geschichte: „Wunderwelt und Wirklichkeit [bestehen] in einem oft merkwürdigen Gegensatz nebeneinander“, und grenzt sie somit eindeutig von der Gattung der Märchen ab, in dem (meist) alle Figuren märchenhafte Elemente aufweisen und der irrealen Welt angehören.5 Als Beispiele nennt sie die „Mary Poppins“ Werke von Pamela L. Travers, Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ sowie die Erzählung „Doktor Dolittle“ von Hugh Lofting.
Die heute als Gattungsbegriff verwendete Bezeichnung „ phantastische Erzählung“ entwickelte sich aus einer Verallgemeinerung des Typs der „phantastischen Abenteuergeschichte“. Mit ihr wurde 1959 der Grundstein für die sich international entwickelnde Forschung über phantastische Kinderliteratur gesetzt.
2.2 Definition des Gattungsbegriffes
[...]
1 Erstausgabe in Deutschland: 1949
2 Psychologieprofessor/Literaturkritiker Landquist 1946
3 Nölling-Schweers 1980, 96
4 Krüger, 1954
5 Koch 1959,55
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