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Analyse und Vergleich zweier Kinderbücher zum Thema "Tod und Trauer": E. Kübler-Ross / M. Rothmayr, Die unsichtbaren Freunde - I. Hermann, C. Solé-Vendrell, Du wirst immer bei mir sein.

Examination Thesis, 2003, 189 Pages
Author: Dipl.-Soz.-Päd. Renate Lohmann
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2003
Pages: 189
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 111  Entries
Language: German
Archive No.: V51452
ISBN (E-book): 978-3-638-47423-8

File size: 581 KB


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität
Fachbereich Philologie
Institut für die deutsche Sprache und Literatur
und ihre Didaktik

E. Kübler-Ross / M. Rothmayr, Die unsichtbaren Freunde –
I. Hermann / C. Solé-Vendrell, Du wirst immer bei mir sein.
Analyse und Vergleich der Kinderbücher zum Thema  Tod und Trauer′

Schriftliche Hausarbeit, vorgelegt im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für Primarstufe

von: Renate Lohmann
Münster, 03. März 2003

 

 

I. Einleitung ... 1
 

II. Theoretischer Teil ... 3

1. Sterben, Tod und Trauer ... 3
1.1 Sterben und Tod ... 3
1.1.1 Definition ... 3
1.1.2 Sterbephase nach ELISABETH KÜBLER-ROSS ... 5
1.1.3 Der Übergang vom Leben zum Tod nach ELISABETH KÜBLER-ROSS und RAYMOND A. MOODY ... 8
1.2 Trauer ... 10
1.2.1 Definition ... 10
1.2.2 Trauerphasen nach YORICK SPIEGEL ... 12
1.2.3 Der Sterbeprozess von KÜBLER-ROSS und der Trauerprozess nach YORICK SPIEGEL im Vergleich ... 16
1.2.4 Beeinflussende Faktoren für den Verlauf der Trauerarbeit ... 17

2. Tod und Trauer in der Gesellschaft ... 20
2.1 Todesvorstellungen im kulturellen und geschichtlichen Wandel ... 20
2.2 Todesverständnis in der heutigen westeuropäischen Gesellschaft ... 20
2.2.1 Der verbotene Tod ... 21
2.2.2 Der akzeptierte Tod ... 24

3. Psychologische Aspekte von Tod und Trauer ... 25
3.1 Begriffsbestimmung der Thanatopsychologie ... 25
3.2 Die Entwicklung des Todeskonzeptes bei Kindern und Jugendlichen ... 26
3.2.1 Kognitive Entwicklung ... 26
3.2.2 Affektiv-dynamischer Aspekt ... 29
3.2.3 Emotionale Komponente ... 29
3.2.3.1 Todesangst und Todesfurcht ... 29
3.2.3.2 Todeserleben und Todesangst bei Kindern und Jugendlichen ... 30
3.2.3.3 Todesbedrohung und Todesangst im Erleben sterbenskranker Kinder und ihrer Eltern ... 32
3.3 Religiöse Einflüsse auf die Vorstellungen von Tod ... 33
3.4 Das kindliche Trauerverhalten ... 34
3.4.1 Das kindliche Trauerverhalten nach dem Tod einer nahestehenden Person ... 34
3.4.2 Antizipatorische Trauerarbeit bei lebensbedrohlich erkrankten Kindern und ihren Familienangehörigen ... 36

4. Tod und Trauer als soziale Ereignisse ... 37
4.1 Statuswechsel ... 37
4.2 Neustrukturierung ... 39
4.3 Die Bedeutung des Rituals ... 42

5. Tod als Thema in der Erziehung ... 44
5.1 Pädagogische Überlegungen zur Entwicklung des kindlichen Todeskonzeptes ... 44
5.2 Rolle der Eltern ... 44
5.3 Rolle der Schule ... 45

6. Konsequenzen für Kinder und Jugendliche bei Krankheit und Tod ... 47
6.1 Konsequenzen für Kinder und Jugendliche nach dem konkreten Verlust eines Elternteils ... 47
6.2 Probleme und Möglichkeiten bei der Begleitung sterbender Kinder ... 48

7. Einfluss der Massenmedien ... 49

8. Tod und Trauer in der Kinderliteratur ... 50
8.1 Das realistische und problemorientierte Kinderbuch ... 50
8.2 Entstehung der Darstellung von Tod und Trauer im Kinderbuch ... 51
8.3 Darstellung von Tod und Trauer im Märchen ... 52
8.4 Das Bilderbuch ... 54
8.4.1 Begrifflichkeit ... 54
8.4.2 Geschichtlicher Überblick ... 54
8.4.3 Inhalte und Gattungsformen ... 55
8.4.4 Das Verhältnis zwischen Bilderbuch und Entwicklung des Kindes ... 56
8.4.5 Illustration und Text im Bilderbuch ... 56
8.5 Farbsymbolik ... 57
8.5.1 Wirkung von Farben ... 57
8.5.2 Ausdrucksvermögen der einzelnen Farben ... 59
8.6 Bedeutung und Funktionen des Bilderbuches ... 61
8.7 Funktionen problemorientierter Kinderbücher zum Thema Tod und Trauer ... 63
8.7.1 Modellfunktion ... 63
8.7.2 Förderung der Kommunikation ... 63
8.7.3 Förderung der Kritikfähigkeit ... 64
8.7.4 Therapie / Hilfe für das trauernde Kind ... 64
 

III. Praktischer Teil ... 66

1. Analyse des Bilderbuches Die unsichtbaren Freunde ... 66
1.1 Vorüberlegungen ... 67
1.2 Informationen über den Autor ... 67
1.3 Inhaltsangabe ... 69
1.4 Inhaltsanalyse ... 70
1.4.1 Kommunikationsstrukturen ... 70
1.4.2 Todesvorstellungen ... 73
1.4.3 Determinanten für die Trauerarbeit ... 76
1.4.4 Realismusgehalt ... 81
1.4.5 Inhaltliche Leitmotive ... 83
1.5 Strukturanalyse ... 84
1.5.1 Äußere Aufmachung ... 84
1.5.1.1 Umschlaggestaltung ... 84
1.5.1.2 Bebilderung ... 86
1.5.1.3 Schriftbild ... 87
1.5.1.4 Altersangaben ... 87
1.5.1.5 Preis ... 88
1.5.2 Aufbau der Erzählung ... 88
1.5.2.1 Erzähl- und Wahrnehmungsperspektive ... 88
1.5.2.2 Handlungsverlauf ... 89
1.5.2.3 Spannungsverlauf ... 90
1.6 Sprachanalyse ... 91
1.7 Bildanalyse ... 95
1.7.1 Personengestaltung ... 95
1.7.2 Hintergrundgestaltung ... 97
1.8 Rezeptionsanalyse ... 99
1.9 Ideologie- und wertekritische Textuntersuchung ... 101
1.10 Funktionen des Buches zum Thema Tod und Trauer ... 103
1.11 Fazit ... 104

2. Analyse des Kinderbuches Du wirst immer bei mir sein ... 106
2.1 Vorüberlegungen ... 107
2.2 Informationen über den Autor ... 107
2.3 Inhaltsangabe ... 108
2.4 Inhaltsanalyse ... 109
2.4.1 Kommunikationsstrukturen ... 109
2.4.2 Todesvorstellungen ... 112
2.4.3 Determinanten für die Trauerarbeit ... 113
2.4.4 Realismusgehalt ... 117
2.4.5 Inhaltliche Leitmotive ... 119
2.5 Strukturanalyse ... 120
2.5.1 Äußere Aufmachung ... 120
2.5.1.1 Umschlaggestaltung ... 120
2.5.1.2 Bebilderung ... 123
2.5.1.3 Schriftbild ... 124
2.5.1.4 Altersangaben ... 124
2.5.1.5 Preis ... 125
2.5.2 Aufbau der Erzählung ... 125
2.5.2.1 Erzähl- und Wahrnehmungsperspektive ... 125
2.5.2.2 Handlungsverlauf ... 126
2.5.2.3 Spannungsverlauf ... 128
2.6 Sprachanalyse ... 129
2.7 Bildanalyse ... 132
2.8 Rezeptionsanalyse ... 137
2.9 Ideologie- und wertekritische Textuntersuchung ... 139
2.10 Funktionen des Buches zum Thema Tod und Trauer ... 141
2.11 Fazit ... 143

3. Vergleichende Analyse der Kinderbücher Die unsichtbaren Freunde und Du wirst immer bei mir sein ... 145
3.1 Inhaltsanalyse ... 145
3.1.1 Kommunikationsstrukturen ... 145
3.1.2 Todesvorstellungen ... 146
3.1.3 Determinanten für die Trauerarbeit ... 147
3.1.4 Realismusgehalt ... 150
3.1.5 Inhaltliche Leitmotive ... 152
3.2 Strukturanalyse ... 152
3.2.1 Äußere Aufmachung ... 152
3.2.1.1 Umschlaggestaltung ... 152
3.2.1.2 Bebilderung ... 154
3.2.1.3 Schriftbild ... 154
3.2.1.4 Altersangaben ... 155
3.2.1.5 Preis ... 155
3.2.2 Aufbau der Erzählung ... 156
3.2.2.1 Erzähl- und Wahrnehmungsperspektive ... 156
3.2.2.2 Handlungsverlauf ... 156
3.2.2.3 Spannungsverlauf ... 157
3.3 Sprachanalyse ... 157
3.4 Bildanalyse ... 158
3.5 Rezeptionsanalyse ... 159
3.6 Ideologie- und wertekritische Textuntersuchung ... 160
3.7 Funktionen der Bücher zum Thema Tod und Trauer ... 161
3.8 Fazit ... 163

IV. Abschluss ... 164

Literatur

 

I. Einleitung

Tod und Trauer sind Themenbereiche, die von der Gesellschaft überwiegend verdrängt und tabuisiert werden, weil die Konfrontation mit dieser Thematik eigene Ängste hervorruft. So ist es nicht verwunderlich, dass Verhaltensunsicherheiten gegenüber trauernden Hinterbliebenen und Sterbenden bestehen. Diese Verhaltensunsicherheiten werden an Kinder weiter gegeben, so dass das Thema ′Tod und Trauer′ ein Tabu bleibt. Jedoch gibt es schon Ansätze in der Gesellschaft, die einen offenen Umgang mit ′Tod und Trauer′ fördern. Hierzu gehört auch die Kinderliteratur, welche die verdrängte Thematik als Gegenstand aufnimmt und thematisiert, so dass sie Gesprächsanlässe über ′Tod und Trauer′ bietet.

Diese Arbeit soll anhand einer Analyse von zwei Bilderbüchern mit einem anschließenden Vergleich einen Einblick in das Thema geben und vermitteln, inwieweit Tod und Trauer in der Kinderliteratur aufgegriffen werden können, um diese Phänomene wieder in das Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen und auch Kinder an das tabuisierte Thema heranzuführen. Im Vorfeld der Analyse wird zur Einführung in die Thematik und zum besseren Verständnis theoretisches Hintergrundwissen erläutert, welches in der Analyse wieder aufgegriffen wird. Dabei sollen Tod und Trauer zunächst definiert und wissenschaftliche Erkenntnisse über den Sterbe- und Trauerprozess vermittelt werden. Anschließend wird das gesellschaftliche Todesverständnis vorgestellt, denn gesellschaftliche Todesvorstellungen haben einen starken Einfluss auf Verhaltensweisen des einzelnen bezüglich Tod und Trauer. Um das kindliche Trauerverhalten besser verstehen zu können, werden psychologische Aspekte wie die Entwicklung des kindlichen Todeskonzeptes, Äußerungen des kindlichen Trauerverhaltens und religiöse Einflüsse näher erläutert. Da Tod und Trauer sich aber nicht nur auf einen einzigen Menschen, sondern auch auf das gesamte Umfeld des Betroffenen auswirken und eine Statusveränderung nach sich ziehen, werden Tod und Trauer auch als soziale Ereignisse betrachtet und erörtert. Die Bedeutsamkeit der Erziehung für den Umgang mit Tod und Trauer soll im nachfolgenden Punkt herausgestellt werden. Daraufhin werden konkrete Konsequenzen für Kinder und Jugendliche bei Krankheit und Tod aufgezeigt. Im Anschluss daran wird der Einfluss der Massenmedien geltend gemacht. Als Hinführung zu der Buchanalyse im praktischen Teil soll dann zunächst die divergente Darstellung von Tod und Trauer in der Kinderliteratur und die grundsätzlichen Funktionen eines problemorientierten Kinderbuches zu diesem Thema vorgestellt werden. In Anbetracht der Tatsache, dass die zu analysierenden Bücher zwei Bilderbücher sind, soll außerdem im Allgemeinen die Illustration und Farbsymbolik im Bilderbuch erörtert werden.

Im Anschluss an diesen theoretischen Teil beginnt der praktische Teil mit der eigentlichen Analyse der Bücher. Als erstes wird das Bilderbuch Die unsichtbaren Freunde von ELISABETH KÜBLER-ROSS in einem eigenen Kapitel untersucht. Die Auswahl dieses Buches erfolgte aufgrund der komplexen Kenntnisse und umfangreichen Erfahrungen der Autorin zum Thema. Im Anschluss daran wird INGER HERMANNS Bilderbuch Du wirst immer bei mir sein nach denselben Kriterien wie das erste Buch analysiert. Die Entscheidung für diese Lektüre begründet sich in subjektiven Beweggründen aufgrund der ansprechenden Illustration und der inhaltlichen Darstellung. Beiden Analysen gehen jeweils einleitende Vorüberlegungen und Informationen zum jeweiligen Autor voran. Nach einer Inhaltsangabe der Geschichte folgt schließlich die inhaltliche, strukturelle, sprachliche, bildliche und rezeptionelle Analyse sowie eine ideologie- und wertekritische Textuntersuchung und eine Überprüfung des problemorientierten Bilderbuches auf seine Funktionen zum Thema Tod und Trauer. Eine Zusammenfassung und eine eigene Stellungnahme wird in dem abschließenden Fazit gegeben.

Im letzten Kapitel werden die beiden Bücher auf die analysierten Aspekte hin verglichen und bewertet.

Die Ergebnisse der Analysen und eine mögliche Verwendung werden im Abschluss noch einmal begründet. Mit einer persönlichen Stellungnahme wird die Arbeit dann abgeschlossen.

 

II. Theoretischer Teil

1. Sterben, Tod und Trauer

1.1 Sterben und Tod

1.1.1 Definition

„Sterben nennt die Medizin den Prozeß des Zerfalls der Integrität, der Ganzheit und Einheit des Menschen.“1 Das Sterben endet mit dem Tod, wobei das Bewusstsein bei Eintritt des medizinischen Todes aussetzt. Eine allgemein gültige Definition von ′Sterben′ und ′Tod′ ist allerdings schwierig, denn verschiedene Wissenschaften haben den Todesbegriff unterschiedlich definiert. Es gibt also verschiedene Formen des Todes, und zwar:

  • den sozialen Tod als ein Herausgenommensein aus der gewohnten Umgebung
  • den psychischen Tod, der durch einen Bewusstseinsverlust gekennzeichnet ist
  • den klinischen Tod, der erst dann eintritt, wenn die Lebensfunktionen der Atmung und des Kreislaufes fehlen
  • den juristischen Tod, der mit dem Ausfall der Großhirnfunktion als Hirntod bezeichnet wird und
  • den biologischen Tod, der als biochemischer Tod das Absterben der Zellen und das Einsetzen der Verwesung meint.2

Für den Sterbenden selbst hat der Tod vor allem eine existenzbedrohende Bedeutung, weil er das Auslöschen sämtlicher Lebensfunktionen bedeutet und damit das Ende des derzeitigen irdischen Lebens ist. Der Glaube an eine Existenz nach dem Tod ist dabei je nach Religion und Einstellung unterschiedlich. Während Christen den Tod als den Anfang des ewigen Lebens betrachten und andere Religionen an die Wiedergeburt glauben, sind Atheisten davon überzeugt, dass es nach dem Tod nichts mehr gibt.


Das Brockhaus-Lexikon definiert den Tod folgendermaßen: Tod: [...]das Erlöschen der Lebensäußerungen des Organismus... Beim Sterben fällt meist eine der lebensnotwendigen Funktionen zuerst aus, dementsprechend spricht man vom Herztod (Herzstillstand), Gehirntod (Gehirnschlag, Schlaganfall) oder Lungentod (Lungenschlag, Lungenembolie)...3

Nachdem lange Zeit das Herz als Zentrum des Lebens angesehen wurde, ist mittlerweile offenkundig, dass „[...] die Aktivität des Gehirns das physische Korrelat unseres Bewusstseins und aller psychischen Funktionen ist.“4 Ein Stillstand von Atmung, Herz und Kreislauf führt zum klinischen Tod, der auch relativer Tod genannt wird, da Wiederbelebungsmaßnahmen den Stillstand ggf. rückgängig machen können. In diesem Zustand wird aber auch die Sauerstoffzufuhr des Gehirns gestört, so dass der klinische Tod ohne äußere Einwirkung definitiv zum Absterben der Hirnzellen und damit zum Hirntod führt. Der Hirntod wird auch als absoluter Tod bezeichnet, weil damit der Sitz des Bewusstseins abgestorben ist. Wenn ein Mensch nur noch physisch am Leben erhalten wird, aber sein Denkvermögen verloren hat, dann hat er der Medizintechnik gemäß auch sein menschliches Wesen verloren, so dass lediglich ein belebter menschlicher Körper am Leben gehalten, der Mensch selbst aber für tot erklärt wird. Der Hirntod wird demzufolge auch als Kriterium für die Frage nach Organentnahmen herangezogen.5

Nachdem mit dem biologischen Tod der gesamte Organismus abgestorben ist, d.h. wenn die Funktionen von Herzschlag, Atmung, Bewegung, Reflexe und Gehirntätigkeit beendet sind, dann treten verschiedene Todeskennzeichen auf, woran man den Tod, den ungefähren Zeitpunkt des Todeseintritts und die Umstände des Todes feststellen kann. Sichere Todeskennzeichen zeigen sich in Form von Leichenflecken, Totenstarre, Fäulnis oder Verletzungen, die mit dem Leben nicht zu vereinbaren sind.6 Blässe, kalte Haut, fehlende Atmung und fehlender Puls weisen zwar auch auf den Tod hin, können aber auch aufgrund eines Scheintods auftreten, so dass diese Zeichen weniger sicher sind.7 Die Blutgerinnung und das Absterben der Zellen beginnen kurz nach dem Tod. Die Organe sterben nach und nach ab und später setzt die Verwesung aufgrund der Autolyse (Selbstzersetzung durch Enzyme und Bakterien) ein.
 

1.1.2 Sterbephasen nach ELISABETH KÜBLER-ROSS

Die meisten Autoren wie z.B. YORICK SPIEGEL beziehen den Trauerprozess auf die Hinterbliebenen, ELISABETH KÜBLER-ROSS hingegen beschreibt in ihrem Konzept die Sterbephasen des Kranken selbst von der Todesnachricht bis hin zur Akzeptanz seiner Situation und seinem Frieden mit der Welt. Die Sterbestadien stellen durchaus auch Trauerphasen dar, denn Trauer ist immer mit Verlusten verbunden, und ein Sterbender verliert mit dem Tod schließlich jeglichen Kontakt und alles, was zu seinem Leben gehört. Auf den Traueraspekt im generellen Sinn werde ich aber erst im nachfolgenden Punkt näher eingehen. Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu veranschaulichen, werde ich zunächst die fünf Sterbephasen nach KÜBLER-ROSS und im Anschluss daran das Vier- Phasen-Modell des Trauerprozesses nach SPIEGEL vorstellen.8

Thanatologen wie KÜBLER-ROSS befassen sich mit der Frage, ob und wie ein sterbender Mensch sich mit dem Tod auseinandersetzt. Der Sterbeprozess stellt dabei eine Entwicklung dar, deren Verlauf bei vielen Menschen ähnlich ist. Diese Muster ermöglichen eine Einteilung in Sterbephasen oder -stadien, die jedoch in ihrer Reihenfolge und Intensität individuell verschieden auftreten, so dass eine Beschreibung der Sterbephasen nicht als ein starres System betrachtet werden kann, da sie in dieser Form nicht auf jeden Menschen zutrifft. Die psychische Verarbeitung des Sterbens ist viel zu unterschiedlich, als dass sie durch ein allgemein gültiges Muster dargelegt werden könnte. Nicht jeder Mensch durchläuft ausnahmslos alle Phasen des Sterbeprozesses und die Phasen in sich sind ebenfalls von Mensch zu Mensch verschieden. Gleichwohl ist das Modell sehr hilfreich, um sich in den sterbenskranken Menschen hinein zu versetzen und sein Verhalten dementsprechend besser verstehen zu können. Dieses Wissen erleichtert auch eine Kommunikation zwischen dem Sterbenden und seinen Angehörigen, was sowohl für den Kranken als auch für seine Mitmenschen im Hinblick auf einen offenkundigen und respektvollen Umgang miteinander von großer Bedeutung ist. Somit werden entsprechende Reaktionen auf bestimmte Verhaltensweisen erleichtert und eine Kontaktaufnahme bzw. -erhaltung gewährleistet. Das Phasenmodell der Ärztin und Sterbeforscherin KÜBLER-ROSS ist somit das bekannteste, aber auch umstrittenste Konzept, weil das Modell nicht auf jeden Menschen in dieser Form zutrifft. Die Phasen können sich verschieben oder in unvollständiger Form auftreten. Zudem kann das Konzept nicht auf alle Kulturkreise bezogen werden, sondern nur auf den westlichen Kulturkreis. Demzufolge vollzieht sich die psychische Verarbeitung des Sterbens bei allen Menschen, die ausreichende Unterstützung erfahren, in nachstehende fünf Phasen:9

1. Phase des Nicht-Wahrhabenwollens und der Isolierung:
In dieser Phase kann der Betroffene seine unheilbare Krankheit noch nicht akzeptieren und möchte die Tatsache, dass er in absehbarer Zeit sterben wird, nicht glauben. Daher drängt er auf neue Untersuchungen oder unterstellt den behandelnden Ärzten Inkompetenz. Deshalb werden auch Verordnungen nicht eingehalten. Durch diese Verleugnung wird der Schock des Betroffenen vorerst gemildert, so dass der Kranke Zeit und Kraft sammeln kann, um die Wahrheit verarbeiten zu können.

[...]


1 Johann Christoph Hampe: Sterben ist doch ganz anders – Erfahrungen mit dem eigenen Tod. 4. Aufl., Stuttgart: Kreuz Verlag 1995, S. 33.

2 Vgl. http://www.altenpflege-tod-und-sterben.de/was_ist_der_tod.html. 28.11.02, S. 1

3 Hildegard Iskenius-Emmler: Psychologische Aspekte von Tod und Trauer bei Kindern und Jugendlichen. Reihe IV, Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang GmbH 1988, S. 10.

4 Ebd. S. 10.

5 Vgl. Ebd. S. 10.

6 Vgl. http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0,1872,2007735,00.html. 28.11.02., 1.

7 Vgl. http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0,1872,2007735,00.html. 28.11.02., S. 2.

8 Vgl. Hildegard Iskenius-Emmler: Psychologische Aspekte von Tod und Trauer bei Kindern und Jugendlichen. S. 96 ff.


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