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Autor: Marcel Tenud
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Volkskundliches Seminar)
Tags: Luther, Reformation, Aberglaube, Magie
Jahr: 2002
Seiten: 22
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 263 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-13133-9
ISBN (Buch): 978-3-638-63888-3
Martin Luthers Aussagen zu Magie und Aberglaube anhand einzelner Schriftbeispiele werden dargestellt und auf ihre Rezeption in der Bevölkerung untersucht.
Zusammenfassung / Abstract
Auch in der Frühen Neuzeit bildete die christliche Religion noch den Mittelpunkt des Lebens und ein hergekommenes Deutungsmuster vieler Menschen. Parallel zu den christlich religiösen Riten bewahrte sich auch ein starker Aberglaube sowie der Glaube an die Wirksamkeit von Magie, der sich in der Frühen Neuzeit trotz der beginnenden Reformbewe gung in der katholischen Kirche und der beginnenden lutherischen Reformation erhielt. Vielfach fällt in dieser Epoche die Trennung zwischen religiösen und abergläubischen Kulthandlungen während der Phase der beginnenden Reforma tion schwer, da vielfach Misch- und Parallelformen existierten. Doch wie stellte sich der nun wichtigste auftretende Reformator Martin Luther zum Thema der Aberglauben- und Magie vorstellungen. Er äußerte sich dazu innerhalb seines reichen Schriftwerks. Luthers Auslegung des Dekalogs gibt hier die Möglichkeit, sowohl seine frühe Haltung zu Aberglauben und Magie sowie deren spätere Veränderung aufzuzeigen und in Bezug zu seiner Biografie zu setzen. Zum Ende wird der Versuch gemacht, einen kurzen Ausblick auf die Möglichkeit der Umsetzung seiner postulierten Forderungen in Bezug auf angewandte superstitöse Praktiken zu geben.
Textauszug (computergeneriert)
Aberglaube und Magie im Werk des Reformators Martin Luther
von: Marcel Tenud
Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis 3
II. Einleitung 4
III. Martin Luther - Eine Einführung in sein Leben 5
IV. Begriffsklärung von Aberglaube und Magie 7
IV.I Aberglaube 7
IV.II Magie 8
V. Beispiele von Aberglaube u. Magie in ausgewählten Werken Martin Luthers 9
V.I Das Präzeptorium "Decem praecepta Wittenbergensi praedicata populo" 9
V.II Aberglauben und Magie in der weiteren Dekalogauslegung 14
VI. Umsetzung des lutherischen Verbots superstitiöser Praktiken 17
VII. Schlussbemerkung 20
VIII. Literaturverzeichnis 22
II. Einleitung
Im Rahmen eines Hauptseminars unter dem Thema "Religion und Kultur" bildet die Behandlung der Reformation und ihre Verbindung zu Aberglauben- und Magievorstellungen einen wichtigen Bestandteil, der im Rahmen einer Hauptseminarsarbeit kaum ausreichend abgehandelt werden kann.
Gerade im Rahmen einer Arbeit, die sich mit der Religion, sei es nun Protestantismus oder Katholizismus, der frühen Neuzeit beschäftigt, können Begriffe wie Aberglaube, Magie und Zauberei nicht außer Acht gelassen werden, da sie sich immer wieder in bestimmten Handlungsausformungen feststellen lassen.
Die frühe Neuzeit erfuhr nicht nur viele, die magische Kultur betreffende Veränderungen und Neuerungen, wie Konfessionskonflikte, erste visitatorische Erfassungen und systematische Bekämpfungen der volksmagischen Kultur durch Geistliche, sowie massenhafte Hexenverfolgungen. Sie hat ebenso auch ganz andere Zeugnisse überliefert: Visitationsakten, kirchliche Korrespondenzen, Gerichts-, Hexenprozess- und Injurienakten, sowie herrschaftliche Korrespondenzen und Verhörprotokolle, die sowohl den Standpunkt der Obrigkeit als auch die Eigensicht der Bevölkerung verdeutlichen . Schon an dieser Aufzählung von Quellenmaterial wird deutlich, dass eine verständliche und sinnvolle Annäherung an das Thema nur durch Eingrenzungen möglich wird.
Eine definitive Trennlinie zwischen abergläubischen und religiösen Kulthandlungen ist gerade bei der Behandlung der Reformationszeit schwer zu ziehen. Daher könnte sich für die Volkskunde an dieser Stelle eine Arbeit, die die Aberglauben- und Magievorstellungen eines so wichtigen Reformators und Predigers wie Martin Luther zum Thema hat, als sinnvoll erweisen. Sie gingen in sein reichhaltiges Schriftwerk ein, kamen über die von ihm abgefasste Laienliteratur und Predigten nicht nur Geistlichen, sondern auch der Bevölkerung zu Ohr mit dem Ziel deren Vorstellungen und Handlungsweisen zu beeinflussen. Somit wird der Sinn dieser Arbeit für das Fach Volkskunde ersichtlich, da man sich mit der Untersuchung der Schriften Martin Luthers und im weiteren ihrer Auswirkungen auf die Obrigkeit und die Bevölkerung dicht am Untersuchungsfeld des Faches bewegt.
Das Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, anhand exemplarisch ausgewählter Teile der Schriften Martin Luthers sein Verhältnis zu Aberglauben und Magie, sowie deren Handlungsausformungen zu zeigen, woraus es sich begründet und wie es sich im Laufe seines Lebens wandelt. Zudem soll dargestellt werden, inwieweit von einer Rezeption des lutherischen Gedankenguts in der weltlichen Juridiktion, und somit in direkter Wirkung auf die Bevölkerung, die Rede sein kann. Hierfür wird zunächst eine Definition der in dieser Arbeit immer wieder auftretenden Begriffe Aberglauben und Magie nötig sein; da diese umgangssprachlich oft synonym benutzt werden ist dies als Verständnisgrundlage unumgänglich. Daran wird sich ein kurzer Lebensabriss Martin Luthers schließen, der dem Leser die Verortung der vorgestellten Werksbeispiele vereinfachen soll.
Die anschließenden Kapitel widmen sich den Vorstellungen Luthers anhand mehrerer Beispiele. Der letzte Teil der Arbeit wird sich damit beschäftigen, inwieweit Luthers Vorstellungen von den Gläubigen angenommen wurden und welche Bedeutung sie für die weltliche Obrigkeit einnahmen. Die Schlüsse sollen dem Leser in einem Fazit noch einmal komprimiert vor Augen geführt werden.
III. Martin Luther - Eine Einführung in sein Leben
Martin Luther wurde am 10.11.1483 in Eisleben geboren. 1484 zog er mit seinen Eltern Hans und Margarete Luther nach Mansfeld um, wo er seit 1488 die Kirchenschule, danach Schulen in Magdeburg und Eisenach besuchte. 1501 begann er sein Studium an der Artistenfakultät der Universität Erfurt. Anfang 1505 erhielt Luther dort seinen Magistergrad und begann ein Rechtsstudium. Auf einer Heimreise von Mansfeld an seinen Studienort Erfurt überraschte ihn im Juli 1505 ein Gewitter. Aufgrund eines Gelübdes Mönch zu werden, falls er dieses überstehe, trat Luther in das Kloster der Augustinereremiten in Erfurt ein, wo er 1507 die Priesterweihe empfing. 1510 wird Luther als Vertrauensmann in komplizierten Ordensangelegenheiten nach Rom geschickt, wo er an der augenscheinlich vorherrschenden religiösen Oberflächlichkeit der katholischen Obrigkeit ersten Anstoß nimmt. 1512 promoviert Luther in Wittenberg und übernimmt als Doktor der Theologie die biblische Professur an der Universität Wittenberg. Seinen ersten Vorlesungen 1513 - 1515 über die Psalmen, bis 1518 folgen Vorlesungen zum Römer-, Galater- und Hebräerbrief.
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