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Ausländische Direktinvestition und Globalisierung in Lateinamerika am Beispiel Argentiniens und Brasiliens

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 33 Pages
Author: Iris Gasch
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 33
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V51833
ISBN (E-book): 978-3-638-47697-3

File size: 271 KB


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT ZU KÖLN
STAATSWISSENSCHAFTLICHES SEMINAR
Hauptseminar: Wirtschafts- und Währungspolitik in Lateinamerika
Sommersemester 2004

Ausländische Direktinvestition und Globalisierung in
Lateinamerika am Beispiel Argentiniens und Brasiliens

von: Iris Gasch

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 1

II. Ausländische Direktinvestitionen – Begriffsbestimmung 2

III. Ausländische Direktinvestitionen in den MERCOSUR- Ländern Brasilien und Argentinien 5

1. Globalisierung in Lateinamerika 5
2. Allgemeine Entwicklung der Direktinvestitionen in Lateinamerika 6
3. Argentinien  10
4. Brasilien  15

IV. Fazit  20

V. Anhang 26

 


 

I. Einleitung

Im Zuge der Internationalisierung der Produktion und der Globalisierung der Wirtschaft haben die ausländischen Direktinvestitionen v.a. seit den 80er Jahren weltweit immer stärker an Bedeutung gewonnen. Seitdem die ausländischen Direktinvestitionen 1997 erstmals den Wert von 400 Mrd. US-Dollar überschritten haben, sind sie zu einem wesentlichen Maßstab der Globalisierung geworden.1

Nach der sogenannten década perdida der lateinamerikanischen Volkswirtschaften in den 80er Jahren, gelang es vielen Ländern Lateinamerikas während der 90er Jahren mit der Abkehr von Staatsinterventionismus und Importsubstitution und der zunehmenden Liberalisierung der Außenwirtschaft ihre wirtschaftliche Lage zu stabilisieren. Durch diese tiefgreifenden wirtschaftspolitischen Reformen gelang es den lateinamerikanischen Ländern, ihre Attraktivität für ausländische Anleger zu verbessern, deren Interesse sich wieder stärker nach Asien verlagert hatte. Vor allem Argentinien und Brasilien gewannen zunehmende Bedeutung als Anlageländer und entwickelten sich während der 90er Jahre zu den Hauptempfängerländern der gesamten Region Lateinamerikas. Seit dem Jahre 2001 zeichnet sich mit dem Konjunktureinbruch in den USA ein weltweiter Rückgang der ausländischen Direktinvestitionszuflüsse ab. Bedingt durch die nationalen Krisen in Brasilien, Argentinien und Venezuela traf der Rückgang der Direktinvestitionen die Länder Lateinamerikas im besonderen Maße.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchenden, in wieweit der drastische Rückgang der ausländischen Direktinvestitionszuflüsse in Argentinien und Brasilien das Ergebnis eines weltweiten Abwärtstrend ist bzw. in welchem Maße die nationalen und intraregionalen Bedingungen zu der Abnahme der Direktinvestitionen beigetragen haben. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen seit Anfang der 90er Jahre in beiden Ländern.

II. Ausländische Direktinvestitionen – Begriffsbestimmung

„Direktinvestitionen sind internationale Kapitaltransfers im Rahmen einer unternehmerischen Tätigkeit im Ausland, d.h. Investitionen in Unternehmen in einem anderen Land als dem Heimatland des Investors.“2 Ziel der Direktinvestition ist es, unmittelbaren Einfluss und Kontrolle auf die Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens im Ausland auszuüben. Darüber hinaus dienen Direktinvestitionen - als langfristige Kapitaltransfers mit einer Bindungsdauer von über einem Jahr - dem Zweck, dauerhafte Wirtschaftsverbindungen zu schaffen. Diese beiden Kriterien, die Schaffung langfristiger Wirtschaftsverbindungen und die unmittelbare Einflussnahme, werden auch in der Terminologie des Internationalen Währungsfonds genannt: „The Fund’s Balance of Payments Manual defines foreign direct investment as investment made to acquire a lasting interest in a foreign enterprise with the purpose of having an effective voice in its management.“3

Generell unterscheiden sich Direktinvestitionen von den sogenannten „Portfolioinvestitionen“, - eine weitere Form der Auslandsinvestition - dadurch, dass letztere lediglich finanzwirtschaftliche Vorteile durch den Kauf ausländischer Wertpapiere oder anderer Kapitalanlagen, wie Investmentzertifikate, festverzinsliche Wertpapiere oder Minderheitsbeteiligungen ohne Einflussmöglichkeit anstreben.4 Die Direktinvestitionen können vielfacher Gestalt sein: Es können Geld- und Sachkapital ins Ausland transferiert werden, aber auch Humankapital, das jedoch aufgrund der Schwierigkeit einer empirischen Messung oft vernachlässigt wird. Die Mindesthöhe einer Kapitalbeteiligung an einem ausländischen Unternehmen für eine Direktinvestition ist von Land zu Land verschieden, liegt aber im allgemeinen zwischen 10% und 25%.5 Je nach Anteil der Kapitalbeteiligung des ausländischen Investors variieren auch seine Einfluss- und Kontrollmöglichkeit auf die Geschäftstätigkeit des ausländischen Unternehmens.

Aufgrund der komplexen Charakteristika der Direktinvestitionen und der entsprechenden Schwierigkeiten ihrer genauen und vollständigen Erfassung und Bewertung, ist es bisher nicht gelungen, das Thema der DI in einen einheitlichen, alle Aspekte umfassenden theoretischen Modellrahmen zu integrieren. Neben zahlreichen makroökonomischen Ansätzen, in denen Direktinvestitionen vorwiegend als internationale Kapitalströme behandelt werden, sind ebenso viele mikroökonomische Ansätze zu finden, die sich eher mit der unternehmensspezifischen Perspektive auseinandersetzen. Neben monetären- und realwirtschaftlichen Aspekten sowie Wettbewerbs- und Internalisierungsaspekten, sind jedoch auch die raumwirtschaftlichen Aspekte der Direktinvestition als mobiler Standortfaktor nicht zu vernachlässigen. (Eine Übersicht über die Eigenschaften und Merkmale von DI findet sich bei Döhrn/ Heiduk, s. Anhang A-6).

Der einzige bisher existierende umfassende Erklärungsansatz der Internationalisierung von Unternehmen, stammt von Dunning. In seiner Theorie, dem sogenannten „eklektischen Paradigma“ verknüpft er Standort-, Wettbewerbs- und Internalisierungsaspekte miteinander. „Dabei erklärt er nicht nur die Entscheidung zur Durchführung von DI, sondern auch andere Arten grenzüberschreitender Unternehmensaktivitäten wie Export oder vertragliche Vereinbarungen (z.B. Lizenzen) in Abhängigkeit von der jeweils vorliegenden Wettbewerbskonstellation.“6 Ein Unternehmen wird nach Dunning dann eine Direktinvestition tätigen, wenn drei Vorraussetzungen erfüllt sind:

(1) „Ownership advantages“, der Besitz unternehmensspezifischer Nettowettbewerbsvorteile gegenüber den auf dem Auslandsmarkt tätigen Unternehmen (z.B.: technisches und betriebliches Know How, Kapitalintensive Produktion).
(2) „Internalization advantages“ Internalisierung der Eigentumsvorteile durch eine Ausweitung der Aktivitäten innerhalb der eigenen Firmenhierarchie, anstatt diese Eigentumsvorteile (technologisches und betriebliche Know-how etc.) durch Lizenzen oder andere vertragliche Vereinbarungen zu vergeben.
(3) „Localization advantages“ Standortvorteile des Gastmarktes gegenüber dem Heimatmarkt. Hierbei spielen Faktoren wie die Liberalisierung der Wirtschaft, die Marktgröße (erweiterte Märkte durch regionale Integration etc), Ressourcen- und Humankapitalausstattung des Landes, Infrastruktur und gesetzliche Regelungen ebenfalls eine wichtige Rolle.

[...]


1 Vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S. 6.

2 Reddig, Bertram (1989), S. 20.

3 IMF (1985), S. 28.

4 Vgl. Bea, Stephan (1995), S. 6.

5 So spricht sich die OECD für eine Mindestbeteiligung von 10% aus, während die Empfehlung des Internationalen Währungsfonds eine Kapitalbeteiligung von 25% an einem Unternehmen in einem anderen Land empfiehlt.(vgl. OECD (1996)

6 vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S. 46.


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