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Termpaper, 2003, 15 Pages
Author: B.A. Dominik Burger
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University Karlsruhe (TH)
Tags: Jeschute-Episode, Parzival, Wolfram, Parzival, tumpheit, Männerbild im Mittelalter, Frauenbild im Mittelalter, Orilus, Schuldfrage, Kränkung
Year: 2003
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47724-6
File size: 188 KB
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Abstract
Der folgenden Hausarbeit liegt das Thema „die Jeschute-Episode in Wolframs von Eschenbach Parzival“ zugrunde. Um die gesamte Problematik dieser ersten Begegnung Parzivals mit einer Frau (außer seiner Mutter Herzeloyde) samt all den daraus resultierenden Konsequenzen richtig deuten zu können, soll zunächst das vorherrschende allgemeine Männer- und Frauenbild im Mittelalter skizziert werden. Im Anschluss daran wird die erste- (Buch 3) sowie auch die zweite Begegnung (Buch 5) zwischen Parzival und Jeschute sowie die daraus entstehenden Folgen aus den Szenen-Perspektiven der drei Hauptakteure betrachtet. Als Schwerpunkt wird hierbei Parzivals tumpheit eingehend beleuchtet sowie die Rolle, die die Erziehung durch seine Mutter Herzeloyde dabei spielt. Anschließend wird sowohl das Schicksal und der Leidensweg Jeschutes sowie das Verhalten ihres Mannes Orilus von Lalant dargestellt. Der Schluss stellt die Frage nach einer möglichen Schuldzuweisung.
Excerpt (computer-generated)
Die Jeschute-Episode in Wolframs von Eschenbach ′Parzival′
von: Dominik Burger
Gliederung
1. Einleitung 1
2. Das Männerbild im Mittelalter 1-2
3. Das Frauenbild im Mittelalter 2-3
4. Parzivals ‚tumpheit’ und die Folgen seiner Erziehung 4-7
5. Jeschutes Schicksal und ihr Leidensweg 7-9
6. Orilus: Kränkung des ‚starken Mannes’? 9-11
7. Klärung der ‚Schuldfrage’ 11
8. Literaturverzeichnis 12
1. Einleitung
Der folgenden Hausarbeit liegt das Thema „die Jeschute-Episode in Wolframs von Eschenbach Parzival“ zugrunde. Um die gesamte Problematik dieser ersten Begegnung Parzivals mit einer Frau (außer seiner Mutter Herzeloyde) samt all den daraus resultierenden Konsequenzen richtig deuten zu können, soll zunächst das vorherrschende allgemeine Männer- und Frauenbild im Mittelalter skizziert werden. Im Anschluss daran wird die erste- (Buch 3) sowie auch die zweite Begegnung (Buch 5) zwischen Parzival und Jeschute sowie die daraus entstehenden Folgen aus den Szenen-Perspektiven der drei Hauptakteure betrachtet. Als Schwerpunkt wird hierbei Parzivals tumpheit eingehend beleuchtet sowie die Rolle, die die Erziehung durch seine Mutter Herzeloyde dabei spielt. Anschließend wird sowohl das Schicksal und der Leidensweg Jeschutes sowie das Verhalten ihres Mannes Orilus von Lalant dargestellt. Der Schluss stellt die Frage nach einer möglichen Schuldzuweisung.
2. Das Männerbild im Mittelalter
Der Mann als Mitglied der adelig-ritterlichen Gesellschaft ist im Mittelalter stets darum bemüht, ein äußerst maskulines Männerbild zu verkörpern. Êre, prîs und ruom sind zentrale Leitbegriffe dieser Zeit. „Sie kennzeichnen ein männliches Ideal, d.h. die jemandem aufgrund vortrefflicher Taten und Tugenden wie Tapferkeit, Mut, Stärke und anderer untadeliger Leistungen und Befähigungen entgegengebrachte Achtung, sein Ansehen in der höfischen und politischen Öffentlichkeit1“. Heldentum, Mut, Tapferkeit und Omnipotenz sind demnach die wichtigsten Tugenden, die ein Mann besitzen bzw. erwerben muss, um in den Augen der mittelalterlichen Gesellschaft sowie auch vor den Frauen Ansehen zu erlangen und bestehen zu können. All diese Tugenden lassen sich unter dem Oberbegriff der manheit zusammenfassen. Die wichtigste aller Tugenden und das höchste Ziel, das es zu erlangen gilt, ist jedoch die êre. Sie ist keine Tugend, die man einmal erlangt und dann für immer besitzt. Nein. Sie ist ein äußerst labiles Gut, das sich sehr schnell in unêre, schande, schame, laster und unprîs verwandeln kann. Gründe hierfür können schon Banalitäten wie etwa hohes Alter, Gebrechen, ein nicht erwiderter Gruß, das Nichteinhalten von Versprechen oder auch nur eine abfällige Bemerkung sein. Der Mann im Mittelalter sieht sich also dem unentwegten Druck sowie „ständigen existentiellen Spannungen, aus der Bewahrung der Ehre als hohen schützenswerten Guts und der Furcht vor Schande durch ihren Verlust2“ ausgesetzt.
Êre muss förmlich jeden Tag neu errungen und erstritten werden. In dieser „Kultur der Ehre“ sind die Männer des Mittelalters äußerst anfällig für jede noch so kleine Möglichkeit der Ehrkränkung. Schame und schande, unêre und spot, auch nur die leiseste Befürchtung sich einer beschämenden oder peinlichen Situation aussetzen zu müssen kratzt bereits an der nach außen so rauen ‚Schale’ der höfisch-ritterlichen Helden. All dies nicht zuletzt auch wegen der Furcht, die Sexualehre des Ritters könnte gekränkt werden. Somit würde seine êre und manheit in unêre und schande gewandelt werden. Das Idealbild des ‚starken Mannes’ würde somit unwiderruflich zerstört werden. „Werden die sexuellen Fähigkeiten angezweifelt (…) wird (…) die Kampfkraft in Frage gestellt und umgekehrt, d.h. die Fähigkeit, die eigene Domäne, die Herrschaft, das Haus und zumal den intimsten Ort ehelichen Beisammenseins, das Bett, vor dem Zugriff Fremder zu schützen3“. Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass nur wer êre besitzt, Bestätigung in der mittelalterlich-adligritterlichen Gesellschaft erhält. Er genießt ruom, Ansehen in der Öffentlichkeit und die Zuneigung von vrouwen. Der Mann sieht sich demnach also einem täglichen ‚Kampf’ um den Erhalt, bzw. die Steigerung seiner êre ausgesetzt, die er durch den Einsatz seines lîp im Turnier, Wettstreit gegen andere Ritter oder die Verteidigung seiner Frau, Familie oder Sippe in kämpferisch-draufgängerischer Weise erhalten kann.
3. Das Frauenbild im Mittelalter
Die zentralen Leitbegriffe für das vorherrschende Frauenbild im Mittelalter sind triuwe, schame, kiusche4 und staete. Die Frau in der ritterlich-höfischen Gesellschaft des Mittelalters ist ihrem Manne absolut untergeordnet. Allein der (Ehe-) Mann ist der Herr und Hüter der êre seiner Frau. Er hat die Funktion des Ernährers und, mittels Einsatz seines lîp, Beschützers seiner Frau, mit der er in der so genannten „Minnegemeinschaft5“, in etwa zu vergleichen mit einer Ehe, lebt. Die Frau im Gegenzug ist ihrem Beschützer (=Mann) zu strikter ‚ehelicher’ Treue, der kiusche verpflichtet. „It suggests a complete absence of all immodesty, absolute purity and fidelity in the sexual sphere; thus it is allied to triuwe6 ”.
[...]
1 Burkhardt Krause: ’Wirst meines Hauses Ehre sein’? Orilus de Lalander und der eigentliche Point d´honneur.
2 Burkhardt Krause: ’Wirst meines Hauses Ehre sein’? Orilus de Lalander und der eigentliche Point d´honneur.
3 Burkhardt Krause: ’Wirst meines Hauses Ehre sein’? Orilus de Lalander und der eigentliche Point d´honneur.
4 Bei Wolfram werden jedoch auch Männer als kiusche bezeichnet, wie z.B. Parzival und Trevrizent. Vgl. dazu: David N. Yeandle: Commentary on the Soltane and Jeschute Episodes in Book III of Wolfram von Eschenbach’s Parzival (116,5-138,8), Heidelberg 1985, S. 314 sowie Herbert Kolb: Vielfalt der kiusche. In: Verbum et Signum II, S.233-246
5 Vgl. dazu: Dietmar Peil: Die Gebärden bei Chrétien, Hartmann und Wolfram. Erec-Iwein-Prazival, München 1975. S. 172
6 David N. Yeandle: Commentary on the Soltane and Jeschute Episodes in Book III of Wolfram von Eschenbach’s Parzival (116,5-138,8), Heidelberg 1985, S. 314
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