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Seminararbeit, 1994, 24 Seiten
Autor: Mag. Manfred Wieninger
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Universität Wien (Institut für Germanistik)
Tags: Allein, Stadt, Albert, Ehrenstein, Karl, Tubutsch, Prosa, Expressionismus
Jahr: 1994
Seiten: 24
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-47759-8
ISBN (Buch): 978-3-638-68793-5
Dateigröße: 148 KB
Literaturwissenschaftlicher Aufsatz über die 1922 erschienene Erzählung "Tubutsch" von Albert Ehrenstein
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Zusammenfassung / Abstract
Schon von Albert Ehrensteins Zeitgenossen wurde der Dichter des "Tubutsch" mit seiner Figur aus der gleichnamigen Erzählung vielfach in einem Atemzug genannt und gleichgesetzt. Stefan Zweig steht hier stellvertretend für so manchen zeitgenössischen Rezipienten, wenn er 1937 diesen biographischen Zugang zum Werk folgendermaßen auf den Punkt bringt: "Tubutsch, dieser verlorene Schlemihl-Schatten seines Dichters Albert Ehrenstein." In diesem Sinne geht es im ersten Teil dieser Arbeit darum, biographische Parallelen zwischen Albert Ehrenstein und seiner Figur Karl Tubutsch aufzuzeigen. In der Folge werden dagegen - unserer Meinung nach entscheidende - Unterschiede zwischen Ehrenstein und Tubutsch herausgearbeitet. Weiters wird in der Arbeit auf Ernst Weiß eingegangen, der Tubutsch vor allem als jüdische Symbolfigur sieht. Außerdem wird versucht, die Wanderungen des Karl Tubutsch ganz konkret nachzuzeichnen und daraus einen Schluss zu ziehen. Das letzte Kapitel der Arbeit sieht die Erzählung quasi auf den Tod zutreiben.
Textauszug (computergeneriert)
"Allein irre ich in der großen Stadt umher".
Albert Ehrenstein und Karl Tubutsch
von: Manfred Wieninger
GLIEDERUNG / INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
1) Der "Schlemihl-Schatten"
2) Diskrepanzen
3) Exkurs über die "Ghettoluft"
4) Spaziergänger, Wanderer, Herumirrender
5) Kommunikationslosigkeit in der großen Stadt
Bibliographie
Verwendete Abkürzungen
Vorwort
Im ersten Kapitel dieser Arbeit wird es darum gehen, biographische Parallelen zwischen Albert Ehrenstein und seiner Figur Karl Tubutsch aufzuzeigen. Im folgenden Kapitel werden dagegen - unserer Meinung nach entscheidende - Unterschiede zwischen Ehrenstein und Tubutsch - der gebotenen Kürze wegen notgedrungen eher skizzenhaft - nachgezeichnet. Im dritten Kapitel wird auf Ernst Weiß eingegangen, der Tubutsch vor allem als jüdische Symbolfigur sieht. Im vierten Kapitel wird versucht, die Wanderungen des Karl Tubutsch ganz konkret nachzuzeichnen und daraus einen Schluß zu ziehen. Das letzte Kapitel sieht die Erzählung quasi auf den Tod zutreiben.
1) Der "Schlemihl-Schatten"1
Schon von Ehrensteins Zeitgenossen wurde der Dichter des "Tubutsch" mit seiner Figur vielfach in einem Atemzug genannt und gleichgesetzt. Stefan Zweig steht hier stellvertretend für so manchen zeitgenössischen Rezipienten, wenn er 19372 diesen biographischen Zugang zum Werk folgendermaßen auf den Punkt bringt:
"Tubutsch, dieser verlorene Schlemihl-Schatten seines Dichters Albert Ehrenstein."3
Wir wollen in diesem Kapitel diese Parallelen zwischen Ehrenstein und seiner Figur nachzeichnen, um dann im folgenden Kapitel einige entscheidende Diskrepanzen aufzuzeigen. Schon der zweite Satz der Erzählung weist auf die materielle Armut des Karl Tubutsch hin, die auch quasi eine Grundkonstante in Albert Ehrensteins Leben gewesen ist.
"Mein Name ist Tubutsch, Karl Tubutsch. Ich erwähne das nur deswegen, weil ich außer meinem Namen nur wenige Dinge besitze..."4
Auf diese Armut wird in der Erzählung immer wieder hingewiesen. Tubutsch lebt zwar im prächtigen und imperialen Wien des Fin de siècle, aber dort wie so viele damals nur im "Souterrain der Armut"5.
"[...] abgesehen von meinem immer chronischer werdenden Mangel an gebräuchlichen Zahlungsmitteln [...]."6
Seine weltliche Habe ist so gering, daß sie in einen Schuhkarton passen würde: "[...] ihm die Sehenswürdigkeiten meiner Wohnung zu weisen:
meinen Stiefelknecht Phillipp und - mit umflorter Stimme - die zwei Fliegen Pollak..."7
Das ist nicht eben viel. Das ist eigentlich nichts an materiellen Besitz, was im Text auch explizit vermerkt wird:
"Oder aber es ist ein Bettler. Denen gebe ich nichts. Erstens habe ich selber nichts [...]."8
Die Armut war wie gesagt auch Albert Ehrenstein sein Leben lang eine überaus treue Begleiterin. 1910 verließ er die Universität Wien und stürzte sich in eine Existenz als freier Schriftsteller.
"[...] und endlich promoviert, versuchte er es nicht einmal mit irgendeinem Aktenberg, hinter dem er als Beamter sein österreichisches Dichterleben verbergen und sichern hätte können.
[...]
1 Stefan Zweig: Wiederbegegnung mit Tubutsch, S. 99
2 Die Erstausgabe des "Tubutsch" erschien 1922. In seiner "Wiederbegegnung mit Tubutsch" schreibt Stefan Zweig: "Fünfzehn Jahre mag es sein, daß Tubutsch, diese allermerkwürdigste Wiener Gestalt, zum erstenmal in die Literatur trat [...] Heute nun, nach fünfzehn Jahren bin ich Tubutschen wieder begegnet." Stefan Zweig: Wiederbegegnung mit Tubutsch, S. 99 Daher datiere ich diesen Aufsatz auf das Jahr 1937.
3 Stefan Zweig: Wiederbegegnung mit Tubutsch, S. 99
4 Albert Ehrenstein: Tubutsch, S. 5 [Im folgenden nur mehr als Tubutsch zitiert.]
5 Karl-Markus Gauß: Wann endet die Nacht, S. 41 [Im folgenden nur mehr als Gauß zitiert.]
6 Tubutsch, S. 10
7 Ebd., S. 44
8 Ebd., S. 44
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