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Scholary Paper (Seminar), 2005, 20 Pages
Author: Jennifer Brei
Subject: Art - Installation / Action/Performance Art / Modern Art
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Kunstgeschichte)
Tags: Wiener, Aktionismus, Otto, Mühls, Analyse, Offenheitscharakters, Proseminar, Kunstwerk
Year: 2005
Pages: 20
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47783-3
File size: 147 KB
Das Seminar befasste sich mit den kriterien "Offener Kunstwerke", basierend auf dem gleichnamigen Werk und der Theorie Umberto Ecos.
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Excerpt (computer-generated)
Ludwigs-Maximilians-Universität München, Institut für Kunstgeschichte
Proseminar:: „Das offene Kunstwerk“
Wintersemester 2005/2006, 3. Fachsemester
Der Wiener Aktionismus Otto Mühls und die
Analyse seines "Offenheitscharakters"
von: Jennifer Brei
Inhalt
Einleitung Seite 2
I. Zum Wiener Aktionismus allgemein Seite 3
1. Entstehung – geschichtlicher und sozialer Hintergrund Seite 3
2. Thesen und Intentionen der Aktionisten Seite 4
3. Praktische Umsetzung Seite 5
II. Zur Rolle Otto Mühls Seite 7
1. Biographischer Hintergrund Seite 7
2. Aktionistischer Standpunkt Seite 9
3. Werke und Aktionen Seite 9
III. Die Aktionen Otto Mühls in ihrer Beziehung zum Betrachter Seite 11
1. Vorüberlegung zur Verwendung des Kunstbegriffes Seite 11
2. Unter dem Aspekt des „Offenen Kunstwerkes“ Seite 13
3. Potentielle „Leerstellen“ Seite 14
4. In Bezug zur avantgardistischen Theorie Seite 16
Schluss Seite 17
Literaturnachweis Seite 19
Einleitung
Aus dem gesellschaftlichen Hintergrund einer konservativen Nachkriegsgesellschaft, welche viel zu sehr mit sich selbst und der Verarbeitung des Kriegsschreckens beschäftigt war, entsprang der Samen einer neuen, vitalen und kritischen Generation, deren Ausdruck sich schließlich in den 68’ern fand. Auch die damalige Kunstlandschaft konnte dem Einfluss des revolutionären Gedankengutes nicht lange widerstehen und wurde schnell zum Sprachrohr abstrakter Systemkritik. So wuchs auch in Wien eine junge Szene von künstlerischen Aktivisten heran, die sich durch ein, alle Bereiche der gesellschaftlichen Interaktion, hinterfragendes Wesen auszeichnete. Die Kritik an der systemgesteuerten Konstruktion der Schein-Realität führte später in einem weiteren Schritt zur Zielsetzung, dieses Fundament zu sprengen und die moderne Gesellschaft durch die Zerstörung der Zivilzwänge zu liberalisieren.
Dabei schlossen sich die involvierten Künstler im Kreis Wien zu den beiden Hauptbewegungen des Wiener Aktionismus und der Wiener Gruppe zusammen. Erstere wird im Folgenden mit ihrer Konstellation, und der produktiven Abstraktion der philosophischen Grundgedanken, den Schwerpunkt meiner Arbeit bilden. Zu den bekanntesten Teilnehmern der Wiener Aktionisten zählen Hermann Nitsch, Günter Brus, Otto Mühl und Rudolf Schwarzkogler. Die Gruppe fand gegen Mitte der fünfziger Jahre zusammen und Hermann Nitsch vollführt bis heute, die wohl bekannteste seiner Inszenierungen: das Orgien-Mysterien-Theater. Die zahlreichen tabubrechenden und als skandalös bezeichneten Aktionen der vier, teilten das Feld der hiesigen Kunstkonsumenten in zahlreiche Splittergruppen unterschiedlichster Ansichten. Auch heute noch, nach zahlreichen Analysen, ist der Stellenwert des Wiener Aktionismus in der Entwicklungsgeschichte der Kunst nicht eindeutig auszumachen. Noch immer bietet die vielfältige Auslegbarkeit des Materials genügend Stoff für geisteswissenschaftliche Untersuchungen.
Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich die Aktionen der Wiener Aktionisten, und insbesondere die Otto Mühls, unter dem Gesichtspunkt von Umberto Eco’s Theorie des „Offenen Kunstwerkes“1 und Kemp’s „Leerstellen“2, sowie Bürger’s „Theorie der Avantgarde“ 3analysieren. Die dabei zu erschließende Problematik wird sich auf die Beziehung zwischen Werk und Betrachter und die Rolle des letzteren bezüglich der Vollendung des Werkes konzentrieren.
I. Zum Wiener Aktionismus allgemein
1. Entstehung – geschichtlicher und sozialer Hintergrund
Zum allgemeinen Klima in der Wiener Kunstszene der 50er und 60er Jahre kann, wie in der Einleitung bereits erwähnt, gesagt werden, dass die gesamte Gesellschaft derzeit noch von der Verarbeitung des zweiten Weltkrieges geprägt war. Im Versuch, die vorkriegliche Ordnung wiederherzustellen, wurde ein striktes und konservatives Milieu geschaffen, dass jegliche Ansätze abstrakt- innovativer Kunst unterbinden sollte. Im Ausland wuchs diese gerade in unterschiedlichen Formen heran, schaffte es aber tatsächlich nicht, nach Österreich durchzusickern. Andererseits bot aber genau diese regressive, gesellschaftliche Ablehnungshaltung damals den perfekten Nährboden für eine neu aufkommende, systemkritische Kunstszene. 4 Unterstützung fand diese, paradoxerweise, zu Beginn in der Kirche, welche durch den Vertreter Monsignore Otto Mauer, 1954 die Galerie St. Stephan stiftete. Dort fanden kurz darauf die ersten Aktionen statt.5 Aus der anfänglich unstrukturierten Formation von Revolutionskünstlern, bildeten sich später zwei Strömungen heraus, die sich selbst als „Wiener Gruppe“ und „Wiener Aktionisten“ bezeichneten. Beide Bewegungen waren bezüglich der Grundintention sehr ähnlich, schieden sich jedoch am Umgang mit dem „Wirklichkeitsbegriff“6: so rückte für die Wiener Aktionisten mehr und mehr das Ziel in den Vordergrund, im Rahmen der Aktionen die gesellschaftlich konstruierte Realität zu zerstören.7 Während die Wiener Gruppe sich überwiegend mit der poetischästhetischen Analyse des strukturellen Zusammenhanges von Sprache und Realität beschäftigte. 8 Im Folgenden werde ich jedoch ohnehin nur noch auf die Aktionen und Thesen der Wiener Aktionisten eingehen.
2. Thesen und Intentionen der Aktionisten
[...]
1 Eco, Umberto: Das offene Kunstwerk, Frankfurt 1998
2 Kemp, Wolfgang: Verständlichkeit und Spannung. Über Leerstellen in der Malerei des 19. Jahrhunderts, in: Der Betrachter ist im Bild. Kunstwissenschaft und Rezeptionsästhetik, hrsg. von Wolfgang Kemp, Berlin u.a. 1992
3 Bürger, Peter: Theorie der Avantgarde, Frankfurt 1974
4 Vgl. Schmatz, Ferdinand: Sinn & Sinne. Wiener Gruppe, Wiener Aktionismus und andere Wegbereiter, Wien 1992, S. 7-8
5 Vgl. ebd., S. 9
6 Ebd.
7 Vgl. ebd., S. 10
8 Vgl. ebd., S. 22
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