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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 21 Pages
Author: Mag. Carsten Wilhelm
Subject: History - World War I, Weimar Republic
Details
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen
Tags: Proklamierung, Weltordnung, Woodrow, Wilsons, Punkte, Weltpolitik
Year: 1999
Pages: 21
Grade: 1
Bibliography: ~ 23 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47811-3
ISBN (Book): 978-3-638-77321-8
File size: 200 KB
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Abstract
Am 8.Januar 1918 verkündete Präsident Wilson in einer Botschaft an den Kongreß seinen 14 Punkte-Plan zur Beendigung des Ersten Weltkrieges. Nur wenige Monate nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten suggerierte Wilsons Plan die Möglichkeit eines fairen Friedens und einer gerechten Nachkriegsordnung. Er nährte sowohl die Hoffnung der deutschen Linken auf eine Republik, als auch später die Hoffnung des autokratischen Deutschlands glimpflich aus dem Krieg herauszukommen.1 Nur wenigen Dokumenten amerikanischer Außenpolitik ist fürderhin soviel Aufmerksamkeit zuteil geworden. Bis heute sind die Folgen von Wilsons 14 Punkte-Plan zutiefst umstritten. Die Würdigung Wilson`scher Politik reicht von der Verleihung des Friedensnobelpreises 1919 bis zur zugespitzten These des amerikanischen Historikers Murray L. Eiland, der Wilsons Politik mitverantwortlich macht für das Entstehen des faschistischen Deutschlands. Hat also Woodrow Wilsons 14 Punkte-Plan seinem eigenen Anspruch die Welt „...save for democracy“ zu machen genüge getan ? Handelt es sich in erster Linie um einen propagandistischen Erfolg, der inhaltlich in der Kontinuität amerikanischer Außenpolitik steht ? Oder muß man sich gar Eilands These anschließen, die Wilson Verantwortung für nachfolgende Entwicklungen aufbürdet ?
Excerpt (computer-generated)
Justus Liebig Universität Gießen
Hauptseminar : Die Weltpolitik der USA (1898-1920)
Sommersemester 1999
Die Proklamierung einer neuen Weltordnung :
Woodrow Wilsons 14 Punkte
von: Carsten Wilhelm
Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Vorgeschichte 4
a. The Inquiry 4
b. Lenins „Frieden ohne Sieg“-Plan 6
c. Lloyd George`s Rede vom 5. Januar 1918 7
3. Präsident Wilsons 14 Punkte 7
a. Allgemeine Punkte 7
b. Mittelmächte 8
c. Gründung eines Völkerbundes 9
4. Die Reaktion auf Wilsons 14 Punkte 10
a. USA 10
b. Die Reaktion auf Wilsons 14 Punkte in England, Frankreich und Italien 11
c. Die Reaktion Deutschlands und der Mittelmächte 12
d. Die Reaktion auf Wilsons 14 Punkte in Sowjetrussland 12
5. Murray L. Eilands Wilson-Thesen – Eine Kritik 13
6. Schlußwort 15
7. Anhang 17
Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
Am 8.Januar 1918 verkündete Präsident Wilson in einer Botschaft an den Kongreß seinen 14 Punkte-Plan zur Beendigung des Ersten Weltkrieges. Nur wenige Monate nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten suggerierte Wilsons Plan die Möglichkeit eines fairen Friedens und einer gerechten Nachkriegsordnung. Er nährte sowohl die Hoffnung der deutschen Linken auf eine Republik, als auch später die Hoffnung des autokratischen Deutschlands glimpflich aus dem Krieg herauszukommen.1 Nur wenigen Dokumenten amerikanischer Außenpolitik ist fürderhin soviel Aufmerksamkeit zuteil geworden. Bis heute sind die Folgen von Wilsons 14 Punkte-Plan zutiefst umstritten. Die Würdigung Wilson`scher Politik reicht von der Verleihung des Friedensnobelpreises 1919 bis zur zugespitzten These des amerikanischen Historikers Murray L. Eiland, der Wilsons Politik mitverantwortlich macht für das Entstehen des faschistischen Deutschlands.2 Hat also Woodrow Wilsons 14 Punkte-Plan seinem eigenen Anspruch die Welt „...save for democracy“ zu machen genüge getan ? Handelt es sich in erster Linie um einen propagandistischen Erfolg, der inhaltlich in der Kontinuität amerikanischer Außenpolitik steht ? Oder muß man sich gar Eilands These anschließen, die Wilson Verantwortung für nachfolgende Entwicklungen aufbürdet ?
Um sich diesen Fragestellungen zu nähern soll zunächst im ersten Abschnitt auf die Vorgeschichte des 14 Punkte-Plans eingegangen werden. Hierbei soll insbesondere auf Wilsons Beratergremium „The Inquiry“ eingegangen werden. Welche Rolle spielten weiterhin Lenins „Frieden ohne Sieg“-Plan und die Rede des englischen Premiers Lloyd George vom 5. Januar 1918 ? Im zweiten Abschnitt werden die vierzehn Punkte en detail vorgestellt . Dafür werden sie den Adressaten entsprechend unterteilt. Diese Unterteilung dient u.a auch dazu deutlich zu machen, daß sich Wilsons Forderungen eben nicht nur an die gegnerischen Mittelmächte richteten, sondern in einem weitaus größeren Zusammenhang gesehen werden müssen.
Im dritten Abschnitt sollen die Reaktionen der am Ersten Weltkrieg beteiligten Mächte offengelegt werden. Wie hat die Politik, aber auch die Öffentlichkeit reagiert ? Wie war die Aufnahme von Wilsons Punkten in der Presse der kriegführenden Staaten ? Im vierten Abschnitt soll die Frage nach den Folgen der Wilson`schen Politik für das Zusammenleben der europäischen Staaten erörtert werden. Dies soll in erster Linie in Form einer Antwort auf die provokativen Thesen Eilands geschehen. Die Arbeit endet in einem Schlußwort, in welchem versucht werden soll die Politik Wilsons, exemplarisch anhand der 14 Punkte, in die Tradition der amerikanischen Außenpolitik einzuordnen und zu bewerten.
2. Vorgeschichte
a. The Inquiry
Anfang September 1917 beauftragte Colonel House auf Weisung Wilsons hin eine Gruppe Wissenschaftler und politische Berater mit der Erstellung eines Memorandums zu den Kriegszielen der USA und den Bedingungen für den Frieden.3 Diese Beratergruppe ist bekannt geworden unter dem Namen „The Inquiry“, was soviel bedeutet wie „die Untersuchenden“ . Sie bestand aus nahezu 150 Mitarbeitern und erarbeitete nicht weniger als 2000 Berichte zu nahezu jeder Weltregion, die für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Bedeutung sein könnte.4 Federführend an der Arbeit des Gremiums beteiligt waren die drei hochrangigen und angesehenen Wissenschaftler Sidney Edward Mezes, David Hunter Miller und Walter Lippmann. Das von der Inquiry gelieferte Memorandum diente Wilson als Grundlage zur Ausarbeitung der 14 Punkte, insbesondere was die territorialen Fragen anbetraf. Die Formulierungen des Inquiry-Memorandums waren deutlich und klar. Die darauf aufbauenden Ausformulierungen Wilsons sind im Ton verbindlicher, moralischen Anspruch erhebend und sollen offenkundig die emotionale Seite des Publikums ansprechen. Gleichzeitig sind sie weitaus vorsichtiger, undeutlicher und damit letztlich unverbindlicher ausgestaltet, was ihnen späterhin auch die Vorwürfe politischer Beobachter einbrachte. Diese kritisierte Undeutlichkeit läßt sich vielleicht am deutlichsten an einem Punkt zeigen, der insbesondere für die deutsche Seite von nicht geringer Bedeutung war. Vergleicht man beispielsweise die Ausgestaltung des achten Punktes, in welchem die Elsaß-Lothringen-Problematik thematisiert wird, so kann man Wilsons Formulierung zwar vom Inquiry-Vorschlag herleiten, Wilsons Variante gibt dem Ganzen jedoch eine indifferente Note.
Im Inquiry-Memorandum lautet die Formulierung :“Every act of Germany towards Alsace-Lorraine for half a century proclaimed that these provinces are foreign territory, and no genuine part of the German Empire. Germany cannot be permitted to escape the stern logic of her own conduct. The wrong done in 1871 must be undone.“ In Wilsons 14 Punkte-Plan lautet die Formulierung dann folgendermaßen :“ All French territory should be freed and the invaded portions restored, and the wrong done to France by Prussia in 1871 in the matter of Alsace-Lorraine, which has unsettled the peace of the world for nearly fifty years, should be righted, in order that peace may once more be made secure in the interest of all.“ 5
[...]
1 Vgl. Wasser, Hartmut (Hrsg.): USA. Wirtschaft-Gesellschaft-Politik, S. 391
2 Eiland, Murray L. : Woodrow Wilson. Architect of World War II
3 Vgl. Levin Jr., N.Gordon : Woodrow Wilson and World Politics. America`s Response to War and Revolution, S. 60ff.
4 Vgl. insbesondere die genauen Ausführungen in : Gelfand, Lawrence E. : The Inquiry. American Preparations for Peace 1917-1919
5 Vgl. Gelfand, S. 141
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