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Termpaper, 2002, 29 Pages
Author: Magister Artium Mathieu Schade
Subject: Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient
Details
Institution/College: Technical University of Braunschweig (Institut für Sozialwissenschaften)
Tags: Ägypten, politisches System, Nahost, Arabien, Mubarak, Demokratie
Year: 2002
Pages: 29
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-13176-6
ISBN (Book): 978-3-638-63891-3
File size: 319 KB
Die Demokratisierung in den Staaten des Nahen Osten hat zwar begonnen, doch ist momentan eher eine Rückkehr zur Anarchie den ein Abschluss dieses Prozesses ersichtlich. In der vorliegenden Arbeit wird eine detaillierte Betrachtung der Theorie und Praxis des politischen Systems Ägyptens vollführt und der ägyptische Staat hinsichtlich des, in dieser Arbeit ebenso definierten, westlichen Demokratiebildes bewertet - folglich also die Frage beantwortet: Demokratie oder Diktatur?
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Abstract
Im Verlauf von Globalisierung und Fundamentalisierung der Welt haben sich auch die Spannungen zwischen dem "zivilisiertem Westen" und der "rückständigen" Staatenwelt um ein Vielfaches verstärkt. Die Staaten des "Westens" fordern von ihren Partnern in Nahost, Afrika und Asien die Achtung und Durchsetzung von ihren für sich definierten grundlegenden Rechten und Freiheiten, die ihrer Ansicht nach einem Individuum von Natur aus zustehen. Gewährt ein Staat seinen Bürgern sämtliche dieser durch den "Westen" angemahnten Freiheiten so wird er als Demokratie klassifiziert, sieht der "Westen" allerdings seine Vorgaben als nicht erfüllt an, so verteufelt er den Staat als Diktatur. Doch lässt diese Vorgehensweise einige Fragen unbeantwortet. Wann ist ein Staat Demokratie, wann Diktatur? Kann man überhaupt von der Demokratie sprechen? Wie sieht diese "Eine" Demokratie aus? Bei Beachtung welcher Grundsätze hat sich ein Staat die Bezeichnung "Demokratie" verdient? Und wann ist sie nur eine Floskel, mit dem Ziel die Realität zu verbergen? Die Regierung Ägyptens gibt auf ihrer Internetseite im Hinblick auf das durch sie vertretene Regierungssystem eine eindeutige, wenngleich auch einfache Antwort: "Currently the democratic practice in Egypt is represented in the rule of the law, unleashing of freedoms, respect of human rights, multiparty system and a strong legislative assembly. It is a living translation of a rich heritage and a continual long march throughout history, through institutions which had a significant role in protecting the values of democracy : freedom, justice and equality." (http://www.uk.sis.gov.eg) Diese Aussage der Ägyptischen Regierung legt die Vermutung nahe, dass sich alle Voraussetzung, die für die Charakterisierung als die "Eine" Demokratie unumgänglich sind, auch in der Wirklichkeit des politischen Systems und Prozesses in Ägypten widerspiegeln. Somit liegt also der Schluss nahe, dass die Realität der "jungen" Demokratie Ägypten nicht mit der durch ihre Regierung gegebenen Situationsbeschreibung in Einklang steht. Im Verlauf dieser Arbeit soll nun ein Abgleich zwischen Verfassungsvorgaben und Verfassungswirklichkeit, Regierenden und Regierten sowie Teilhabern und Teilnahmslosen unternommen werden mit dem übergeordneten Ziel, die sich aus den vielen zuvor gestellten Fragen herauskristallisierende Frage zu beantworten: Ägypten - Demokratie oder Diktatur?
Excerpt (computer-generated)
Ägypten: Demokratie unter Diktatoren
von Mathieu Schade
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beurteilungsmaßstab: Das "westliche" Demokratiebild
3. Demokratische Entwicklungsgeschichte Ägyptens
4. Ägyptens politisches System: Die Theorie
4.1 Verfassung
4.2 Staat und Verwaltung
4.3 Parteien
5. Ägyptens politisches System: Die Realität
5.1 Gewaltenteilung
5.2 Grund- und Menschenrechte
5.3 Regierung und Opposition
5.4 Partizipation
6. Demokratie oder Diktatur?
7. Anhang
1. Einleitung
Im Verlauf von Globalisierung und Fundamentalisierung der Welt haben sich auch die Spannungen zwischen dem "zivilisiertem Westen" und der "rückständigen" Staatenwelt um ein Vielfaches verstärkt. Die Staaten des "Westens" fordern von ihren Partnern in Nahost, Afrika und Asien die Achtung und Durchsetzung von ihren für sich definierten grundlegenden Rechten und Freiheiten, die ihrer Ansicht nach einem Individuum von Natur aus zustehen. Gewährt ein Staat seinen Bürgern sämtliche dieser durch den "Westen" angemahnten Freiheiten so wird er als Demokratie klassifiziert, sieht der "Westen" allerdings seine Vorgaben als nicht erfüllt an, so verteufelt er den Staat als Diktatur. Doch lässt diese Vorgehensweise einige Fragen unbeantwortet.
Wann ist ein Staat Demokratie, wann Diktatur? Kann man überhaupt von der Demokratie sprechen? Wie sieht diese "Eine" Demokratie aus? Bei Beachtung welcher Grundsätze hat sich ein Staat die Bezeichnung "Demokratie" verdient? Und wann ist sie nur eine Floskel, mit dem Ziel die Realität zu verbergen?
Die Regierung Ägyptens gibt auf ihrer Internetseite im Hinblick auf das durch sie vertretene Regierungssystem eine eindeutige, wenngleich auch einfache Antwort:
"Currently the democratic practice in Egypt is represented in the rule of the law, unleashing of freedoms, respect of human rights, multiparty system and a strong legislative assembly. It is a living translation of a rich heritage and a continual long march throughout history, through institutions which had a significant role in protecting the values of democracy : freedom, justice and equality." (http://www.uk.sis.gov.eg)
Diese Aussage der Ägyptischen Regierung legt die Vermutung nahe, dass sich alle Voraussetzung, die für die Charakterisierung als die "Eine" Demokratie unumgänglich sind, auch in der Wirklichkeit des politischen Systems und Prozesses in Ägypten wiederspiegeln.
Doch impliziert diese strikt auf das Erfülltsein "westlicher" Demokratievorstellungen ausgerichtete Aussage nicht auch, dass die tatsächliche Situation eine andere oder zumindest eine spannungsgeladenere ist? Kann überhaupt eine der "alten" Demokratien Europas für sich behaupten, die Vorgaben dieses Demokratiebildes gänzlich verwirklicht zu haben?
Somit liegt also der Schluss nahe, dass die Realität der "jungen" Demokratie Ägypten nicht mit der durch ihre Regierung gegebenen Situationsbeschreibung in Einklang steht.
Im Verlauf dieser Arbeit soll nun ein Abgleich zwischen Verfassungsvorgaben und Verfassungswirklichkeit, Regierenden und Regierten sowie Teilhabern und Teilnahmslosen unternommen werden mit dem übergeordneten Ziel, die sich aus den vielen zuvor gestellten Fragen herauskristallisierende Frage zu beantworten: Ägypten - Demokratie oder Diktatur?
Um eine korrekte, alle Aspekte berücksichtigende Antwort zu geben, sind jedoch einige Vorbereitungen unerlässlich, die helfen zu einem eindeutigen Fazit hinzuführen und ein Verständnis des Spannungsfeldes zwischen "westlicher" Demokratiemissionierung und nahöstlicher Demokratieskepsis zu erzeugen.
So muss zuallererst eine genaue Definition des, eben sooft beschworenen, "westlichen" Demokratieverständnisses, die für Ägypten anzulegenden Bewertungsmaßstäbe klären.
Ebenso sollte auch ein Blick auf die historische Entwicklung von Demokratie und Demokratiebild im Ägyptischen Volk nicht unbearbeitet bleiben, da "demos", wie auch aus dem Wort Demokratie ersichtlich ist, die Stütze des Systems darstellt. Die vorbildhaften "alten" Demokratien sind nicht in einer Nacht entstanden, sondern haben sich in einem teils mehrere Jahrhunderte dauernden Prozess gegen andere Formen politischer Herrschaft durchgesetzt und ihre Sichtweisen im Volk etabliert.
Die eben skizzierten Vorbereitungen eröffnen die Möglichkeit anhand eines Abrisses über die Ägyptische Verfassung und die aus ihr zu folgernde Systemstruktur den Übergang zur Beantwortung der Fragestellung zu finden.
Gestattet es die Realität dem ägyptischen Staat den Titel "Demokratie" zu verleihen?
2. Beurteilungsmaßstab: Das "westliche" Demokratiebild
Wenn man die Frage stellt, ob ein Staat als Demokratie oder Diktatur zu bezeichnen ist, muss zunächst geklärt werden, welche Begriffsdefinition der Beurteilung zugrunde liegt. Wie bereits aus der Einleitung ersichtlich, ist im folgenden die in den Staaten Europas und Nordamerikas entwickelte Sicht- und Interpretationsweise dieser Begriffe maßgebend, weshalb zuvor vom "westlichen" Demokratiebild bzw. -verständnis gesprochen wurde.
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