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Hauptseminararbeit, 2006, 28 Seiten
Autor: Mirko Berger
Fach: Politik - Int. Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Otto-Suhr Institut)
Tags: Selbstmordattentat, Genese, Motivation, Publizität, Politik, Religion, Gewalt
Jahr: 2006
Seiten: 28
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 24 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-47895-3
ISBN (Buch): 978-3-638-66192-8
Dateigröße: 186 KB
Der Aufsatz beleuchtet das wieder in Mode gekommene Phänomen des Selbstmordattentats punktuell. Steht zu Beginn vor allem die kurze Betrachtung der geschichtlichen Herkunft im Zentrum, welche mit dem Schwerpunkt der Analyse des religiöse motivierten, radikal islamistischen Selbstmordattentats unserer Zeit endet, schließt der Aufsatz mit einer Untersuchung der Publizität des S. Im Anhang findet der Leser eine Übersicht militanter Gruppierungen mit Selbstmordkommandos.
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Zusammenfassung / Abstract
Kaum ein Tag vergeht an dem wir in den Medien nicht von neuerlichen Selbstmordanschlägen erfahren. Spätestens seit den Anschlägen von New York und Washington im Herbst 2001 ist das Phänomen des Selbstmordattentats reger Inhalt der westlichen Medien, des wissenschaftlichen Diskurses und der öffentlichen Diskussion. Das Datum markiert weiterhin eine Zäsur des internationalen Terrorismus hin zu einem transnationalen Terrorismus. Die Tatsache, dass Attentäter die Türme von Manhattan und das Pentagon angegriffen hatten, war für viele Beobachter ein Schock, besonders nachdem bekannt wurde, dass es sich bei den Attentätern nicht um gescheiterte Persönlichkeiten aus ärmlichsten Verhältnissen handelte, sondern teilweise um studierte und dem Mittelstand angehörige Mitglieder unserer – der westlichen - Gesellschaft. Djerba, Karatschi, Mombasa, Riad, Casablanca, Kabul – das sind seit den Anschlägen in den USA nur einige Tatorte auf der Karte des Terrors. Diese waren offenbar darauf ausgerichtet, hohe Opferzahlen zu generieren und alle nutzten hierfür das Mittel des Selbstmordattentats. Das Selbstmordattentat als postmoderne und globalisierte Waffe will nicht so recht von Menschen der westlichen Welt begriffen werden, egal wie viele Artikel auch immer sich um eine Annäherung an das Phänomen bemühen. Es steht heute mehr als je zuvor in der Geschichte als sinnbildliche, ultimative Macht der Ohnmächtigen. Terroristen begehen das Attentat mit der Gewissheit, bei Erfüllung der gestellten Aufgabe sterben zu können. Und sie taten es aus tiefster Überzeugung und mit Stolz erfüllt. Der Aufsatz soll das wieder „in Mode“ gekommene Phänomen des Selbstmordattentats punktuell beleuchten. Steht im nächsten Kapitel vor allem die kurze Betrachtung der geschichtlichen Herkunft im Zentrum, welche mit dem Schwerpunkt der Analyse des religiöse motivierten, radikal islamistischen Selbstmordattentats unserer Zeit endet, schließt der Aufsatz im Kapitel 3 mit einer Untersuchung der Publizität der Selbstmordstrategie terroristischer Vereinigungen. In den Medien waren zahlreiche Stimmen zu hören, die den Islam insgesamt brandmarkten und dieser Religion die Verantwortung für das grausame Verhalten der muslimischen Terroristen gaben. Auch diesem Vorurteil soll der Aufsatz entgegenwirken. Im Anhang findet der Leser eine Übersicht militanter Gruppierungen mit Selbstmordkommandos.
Textauszug (computergeneriert)
Freien Universität Berlin, Institut für Politikwissenschaft
Hausarbeit zu dem Seminar: „Politik, Religion und Gewalt"
Das Selbstmordattentat - Genese,
religiöse Motivation und Publizität
von: Mirko Berger
Inhaltsverzeichnis
1. Erkenntnisinteresse
2. Genese und religiöse Motivation des Selbstmordattentats – von den Assassinen zu den Attentätern des 11. September
3. Publizität des Selbstmordattentats – die symbiotische Beziehung zwischen Terroristen und Medien
4. Quellen, Literatur
5. Anhang: Militante Gruppen mit Selbstmordkommandos im Überblick
1. Erkenntnisinteresse
In den letzten 20 Jahren haben 17 Gruppierungen aus nicht weniger als 14 verschiedenen Ländern der Welt auf die eine oder andere Weise das Instrument des Selbstmordattentats eingesetzt. Sie haben rund 400 Operationen durchgeführt, bei denen über 5000 Menschen getötet, weiter etwa 20000 Menschen verletzt worden sind und ein beträchtlicher wirtschaftlicher Schaden entstanden ist.1 Kaum ein Tag vergeht an dem wir in den Medien nicht von neuerlichen Selbstmordanschlägen erfahren. Mal ist es Irak, mal Israel, aber immer öfter sind auch Orte betroffen, die auf der Weltkarte einst als frei von sich selbst opfernden Terror und politischer Gewalt bezeichnet werden durften.
Spätestens seit den Anschlägen von New York und Washington im Herbst 2001 ist das Phänomen des Selbstmordattentats reger Inhalt der westlichen Medien, des wissenschaftlichen Diskurses und der öffentlichen Diskussion. Das Datum markiert weiterhin eine Zäsur des internationalen Terrorismus hin zu einem transnationalen Terrorismus2. Keine High-Tech-Armeen mit Atomwaffen waren nötig, um die Anfangskatastrophe des 21. Jahrhunderts zu bewirken, sondern bloß 19 junge, religiös fehlgeleitete, Männer mit Teppichmessern. Die Tatsache, dass Attentäter die Türme von Manhattan und das Pentagon angegriffen hatten, war für viele Beobachter ein Schock, besonders nachdem bekannt wurde, dass es sich bei den Attentätern nicht um gescheiterte Persönlichkeiten aus ärmlichsten Verhältnissen handelte, sondern teilweise um studierte und dem Mittelstand angehörige Mitglieder unserer – der westlichen - Gesellschaft.
Das Ausmaß der Zerstörung, welche die Attentate vom 11. September 2001 anrichteten, haben islamistische Terroristen bisher nicht wieder erreicht, doch dafür hat die Methode der Männer um Mohammed Atta Karriere gemacht, denn auch nach dieser Zäsur haben wir es immer wieder mit großen Anschlägen zu tun bekommen, wenn auch nicht mit weiteren entführten Flugzeugen, so doch mit ähnlicher tödlicher Effizienz. Djerba, Karatschi, Mombasa, Riad, Casablanca, Kabul – das sind seit den Anschlägen in den USA nur einige Tatorte auf der Karte des Terrors. Diese waren offenbar darauf ausgerichtet, hohe Opferzahlen zu generieren und alle nutzten hierfür das Mittel des Selbstmordattentats.3 In den letzten Monaten wurde aber besonders Irak immer und immer wieder durch Autobomben erschüttert. Am Steuer des Unglücksfahrzeugs saß meist ein Mann, der bereit war, für diese Mission sein Leben zu opfern. Aber auch Frauen werden immer öfter für Himmelfahrtskommandos vorgesehen und erfüllen diese auf ebenso überzeugende und erschreckende Weise, wie der Anschlag von Tschetschenen auf die Moskauer Oper im Oktober 2002 zeigte.
Das Selbstmordattentat als postmoderne und globalisierte Waffe will nicht so recht von Menschen der westlichen Welt begriffen werden, egal wie viele Artikel auch immer sich um eine Annäherung an das Phänomen bemühen. Es steht heute mehr als je zuvor in der Geschichte als sinnbildliche, ultimative Macht der Ohnmächtigen.4 Der Wille oder die Bereitschaft, sich für eine bestimmte „Sache“, für eine bestimmte Idee oder ein übergeordnetes Ziel zu opfern, ist den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa seit den vernichtenden Weltkriegen im 20. Jahrhundert zu Recht verloren gegangen. Ein Glück, muss man sagen, aber gerade diese Tatsache macht ein Verstehen der jüngsten Terrorakte in New York, Beslan, Bali, Djerba, Istanbul, Madrid oder London, welche nur die medienwirksamsten Beispiele für brutale Attentate in unserer Zeit sind, kaum möglich. Auch wenn nicht in allen Fällen ein Selbstmordattentat für den unmittelbaren Anschlag vorgesehen war (z.B. London, Madrid), waren die Täter doch in allen Fällen dazu bereit, ihr Leben für „ihre“ Mission zu opfern. Sie begingen das Attentat mit der Gewissheit, bei Erfüllung der gestellten Aufgabe sterben zu können. Und sie taten es aus tiefster Überzeugung und mit Stolz erfüllt.
Den eigentlichen „Kulturschock“ erleidet der Westen daher nicht durch die Morde der Attentäter als solche, sondern durch den radikal verstörenden Umstand, dass der Vernichtungswille dieses Feindes offenbar über den eigenen Lebenstrieb triumphiert, dass er für den Untergang seines Gegners offenbar jeden Preis zu zahlen bereit ist.5 Der Aufsatz soll das wieder „in Mode“ gekommene Phänomen des Selbstmordattentats punktuell beleuchten. Steht im nächsten Kapitel vor allem die kurze Betrachtung der geschichtlichen Herkunft im Zentrum, welche mit dem Schwerpunkt der Analyse des religiöse motivierten, radikal islamistischen Selbstmordattentats unserer Zeit endet, schließt der Aufsatz im Kapitel 3 mit einer Untersuchung der Publizität der Selbstmordstrategie terroristischer Vereinigungen. In den Medien waren zahlreiche Stimmen zu hören, die den Islam insgesamt brandmarkten und dieser Religion die Verantwortung für das grausame Verhalten der muslimischen Terroristen gaben.6 Auch diesem Vorurteil soll der Aufsatz entgegenwirken. Im Anhang findet der Leser eine Übersicht militanter Gruppierungen mit Selbstmordkommandos.
2. Genese und religiöse Motivation des Selbstmordattentats – von den Assassinen zu den Attentätern des 11. September
[...]
1 Vgl. Kümmel, Gerhardt: Das Lächeln der Freude - Selbstmordattentate als Selbstopfer, in: IFDT, Nr. 1/2004, S. 1.
2 Zum Wandel vom internationalen zum transnationalen Terrorismus vgl.: Schneckener, Ullrich: Netzwerke des Terrors. Charakter und Strukturen des transnationalen Terrorismus, in: Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), S 42/02.
3 Vgl. Schneckener, Ullrich: Selbstmordanschläge als Mittel asymmetrischer Kriegsführung, in: SWP- Aktuell 27, Juli 2003, S. 1.
4 Vgl. Bittner, Jochen: Jung, rebellisch, explosiv, in: Die Zeit vom 21. Juli 2005, S. 8.
5 Vgl. Jongen, Marc: Bluthochzeit mit Gott, in: Der Tagesspiegel vom 30. Juli 2005, S. 23.
6 So findet der „Clash Of Civilizations“, der Kampf der Kulturen, den der Autor Samuel P. Huntington in seinem gleichnamigen Buch beschwört, in erster Linie in den Feuilletons der Zeitungen von New York bis Islamabad statt.
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16.04.2007 13:15:50
danke für den super text der ist toll aber ich möchte noch mehr bitte