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"Das Märchen von der Unke" (KHM 105) unter spezieller Berücksichtigung des Seelentier-Motivs

Hauptseminararbeit, 2006, 24 Seiten
Autor: Sonja Loidl
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Veranstaltung: SE Ältere dt. Lit.: Zur Interpretation der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
Institution/Hochschule: Universität Wien (Germanistik)
Tags: Märchen, Unke, Berücksichtigung, Seelentier-Motivs, Interpretation, Kinder-, Hausmärchen, Brüder, Grimm
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 24
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 18  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V52171
ISBN (E-Book): 978-3-638-47954-7
ISBN (Buch): 978-3-638-66200-0
Dateigröße: 568 KB
Anmerkungen :
Was ist ein Seelentier? Ist die Unke im Märchen ein Seelentier? Analyse des Märchens von der Unke! Analyse des Seelentier-Motivs in einem Werk der modernen Kinder- und Jugendliteratur: Harry Potter!



Textauszug (computergeneriert)

"Das Märchen von der Unke" (KHM 105) unter spezieller
Berücksichtigung des Seelentier-Motivs

von: Sonja Loidl

 


Inhalt

1. Seelentiere

1.1. Allgemeines
1.2. Seelentier versus Totemismus
1.3. Tiere, die als Seelentiere fungieren

2. Exkurs: Das Motiv des Seelentiers in einem Werk moderner Populärkultur: Harry Potter

2.1. Allgemeines
2.2. Der Patronus
2.3. Nagini
2.4. Animagi
2.5. Der Seelenvogel

3. Das Märchen von der Unke

3.1. Allgemeines
3.2. Dreiteilung
3.3. I
3.4. II
3.5. III

4. Literaturverzeichnis

4.1. Primärliteraur
4.2. Sekundärliteratur



 

1. Seelentiere

1.1. Allgemeines

Das Wörterbuch der deutschen Volkskunde definiert den Terminus Seele folgendermaßen: „Wenn wir von naturwissenschaftlichen u[nd] kirchlich-dogmatischen Bestimmungen des Wesens der S[eele] absehen, kennt der Glaube des Volkes vor allem drei Vorstellungen: die S[eele] als selbstständiges Wesen im Körper ([…] Animismus), die mit dem Körper untrennbar verbundene […] S[eele] und die S[eele] als Kraftstoff und Lebesprinzip […].“ 1 Mit letzterem verbunden ist der Begriff des Seelentieres: „[V]or allem das Bild des Todes erweck[t] die noch in vielen Brauchhandlungen lebendige Vorstellung von der S[eele], die den Körper vorübergehend oder für immer in Gestalt eines Tieres ([…] „S[seelen]tiere“), eines Hauches oder Rauches verlassen kann.“2

Hier findet sich also eine sehr anschauliche Definition des Begriffes Seelentier: Es ist eine Verkörperung der menschlichen Seele in Tiergestalt, wobei es sowohl die eines Verstorbenen als auch die eines Lebenden sein kann. Es herrscht der Glaube, dass Seelentiere „in der Gebärmutter, wo das neue Leben entsteht“3 hausen. Bevorzugt für Seelentiere gehalten werden Tiere, die Erdlöcher (zum Beispiel Maus und Regenwurm4) - und somit das Inneren der Erde, wo auch die Toten bestattet werden - bewohnen.5 Laut dem Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens spielt der alte Seelentierglaube mit unter dabei eine Rolle, dass uns bestimmte Tiere nicht als essenstauglich erscheinen oder ihnen von Menschen meist mit einer gewissen Scheu begegnet wird. Namhaft zu machen wären in diesem Zusammenhang zum Beispiel Schlange und Maus.6 Die Vorstellung des Seelentieres ist verknüpft mit der des „Sympathietieres“. Dieser Glaube ist seinerseits über ganz Europa verbreitet.7 Sympathietiere existieren als Märchenmotiv und sind auch in der Hexenverfolgung beziehungsweise in neueren Hexenkulten verbreitet. Der englische Terminus hierfür lautet „Familiar“. 8

Dieser Begriff kommt mir passender vor: „Familiar“, worin sowohl family, Familie, als auch familiar, vertraut/bekannt, stecken scheint mir die spezielle Beziehung eines Menschen zu seinem „Sympathietier“ treffender zu beschreiben als eben dieser Terminus. Die historische Bezeichnung Familiar innerhalb des Hexenkultes meint niederrangige Dämonen in Tiergestalt – meist Katzen, Kröten, Eulen, Hunde oder Mäuse. Sie sind beim ausführen von Zaubern - vor allem Schadenszaubern wie zum Bespiel dem Aussenden von Krankheiten - hilfreich. Außerdem haben sie eine Art Schutzfunktion für „ihre“ Hexen. Es heißt sie wurden den Hexen vom Teufel übergeben. Die Bezeichnung Familiar gilt aber genauso für Tiere von „guten“ Zauberern, und Kräuterweiblein. Hier sollen die Tiere die Fähigkeit haben bei der Erkennung von Krankheiten und deren Heilung behilflich zu sein und verlorene Gegenstände oder Schätze zu finden. Diese Art der Sympathietiere wurde von dem jeweiligen Magier beschworen und konnte - in Flaschen oder Ringen eingeschlossen - sogar verkauft werden. Das galt technisch gesehen nicht als illegal.

Sowohl vom Familiar als auch vom Seelentier ist der Glaube zu unterscheiden, dass der Teufel oder die Hexe im Stande sind Tiergestalt anzunehmen. (Diese Vorstellung führte mitunter zu Massenschlachtungen, besonders von Katzen. ) Die moderne Definition von Familiar kommt der deutschen Bezeichnung Sympathietier wesentlich näher als die jenige als Dämonen: Es sind Tiere, die eine Art „Geistesverwandtschaft“ mit ihrer Hexe teilen. Ob sie als Haustier bezeichnet und gesehen werden oder eher als eine Art von magischem Partner, hängt von der Hexe ab. Noch immer gültig ist der Glaube an ihre Funktion als Schutzgeister. Der Familiar-Glaube ist allerdings nicht nur auf den westlichen Hexenkult beschränkt: Im Schamanismus bekommt der Schüler nach seiner Initiation „sein“ Familiar (durch Rituale oder/und Meditation) zugewiesen. 9 Der Begriff ist auch nicht eindeutig allein auf tatsächliche Tiere festzumachen, wenn er wohl doch hauptsächlich so gebraucht wird. Seelentier, Familiar und Totem sind sich zwar in gewissen Punkten ähnlich, aber nicht identisch.

Interessant im Zusammenhang mit Familiar und Totemismus ist, dass sich der Totemismus nie mit Dämonenkult verbindet, was – wie bereits ausgeführt – zumindest in früheren Zeiten beim Familiar sehr wohl der Fall war. Nicht zu verwechseln mit Seelentieren sind Schicksalstiere, die zumeist als Todesboten und Unglücksbringer oder als das genaue Gegenteil, nämlich Schutz- und Glücksbringer, auftreten. 10 Dieselbe Tierart kann im Volksglauben und in Überlieferungen sowohl das eine als auch das andere sein.11 Wieder etwas anderes sind Wana: Tiere, die Menschengestalt annehmen können. Dieses Motiv ist in indianischen Kulturen besonders weit verbreitet, aber auch in unseren Breiten anzutreffen. Ein Beispiel dafür ist etwa das Märchen „Das Eselein“ innerhalb der Sammlung der Brüder Grimm (KHM 144).

1.2. Seelentier versus Totemismus12

[...]


1 Richard und Klaus Beitl: Wörterbuch der Deutschen Volkskunde. S. 730 (Stichwort: Seele).

2 Richard und Klaus Beitl: Wörterbuch der Deutschen Volkskunde. S. 730 (Stichwort: Seele).

3 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Spalte 791 (Bd. VIII, Stichwort: Tier).

4 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Register (Stichwort: Seele).

5 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Spalte 40 (Bd. VI, Stichwort: Maus).

6 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Spalte 793 (Bd. VIII, Stichwort: Tier).

7 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Spalte 790f (Bd. VIII, Stichwort: Tier).

8 Rosemary Ellen Guiley: The Encyclopedia of Witches and Witchcraft. S. 121ff.

9 Rosemary Ellen Guiley: The Encyclopedia of Witches and Witchcraft. S. 121f.

10 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Spalte 914 (Bd. VIII, Stichwort: Tierorakel).

11 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Spalte 912fff (Bd. VIII, Stichwort: Tierorakel).

12 Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Spalte 1034fff (Bd. VIII, Stichwort : Totemismus).


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