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Carl Schmitt und die Politische Romantik

Hausarbeit, 2005, 24 Seiten
Autor: Jochen Steinkamp
Fach: Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 24
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V52203
ISBN (E-Book): 978-3-638-47977-6

Dateigröße: 208 KB
Anmerkungen :
Diese Arbeit befasst sich mit Carl Schmitts Werk "Politische Romantik" und erläutert a) Schmitts Kritik an der politischen Romantik und b) die Konsequenzen, die sich für Schmitt aus einer romantisch-politischen Haltung ergeben und fügt c) diese Erkenntnisse in Schmitts Gesamttheorie ein.



Textauszug (computergeneriert)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Soziologie (IfS)
Hauptseminar: „Die politische Theorie Carl Schmitts“
Sommersemester 2005

Carl Schmitt und die Politische Romantik

von: Jochen Steinkamp

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 4

2. Vorbemerkungen zu Carl Schmitt S. 4

2.1. Carl Schmitt als politischer Denker S. 4-5
2.2. Politische Romantik: Historischer Kontext und Bedeutung im Werk Carl Schmitts S. 5-7

3. Die Romantik: Begriff und Inhalt S. 7-10

4. Carl Schmitts Verständnis der Romantik S. 10

4.1.Romantisierung, Subjektivierung, Formlosigkeit, Ästhetizismus S. 10-12
4.2. Romantik als Reaktion auf die Moderne S. 13-14
4.3.Romantik als subjektivierter Occasionalismus S. 14-17
4.4.Schmitts Kritik an der romantischen Haltung S. 17-20
4.5.Schmitts verdeckte Kritik am liberalen Bürgertum S. 20-21

5. Schlussbetrachtung S. 22-23

Literaturnachweis S. 24

 


 

„Nur in einer individualistisch aufgelösten Gesellschaft konnte das ästhetisch
produzierende Subjekt das geistige Zentrum in sich selbst verlegen, nur in einer
bürgerlichen Welt, die das Individuum im Geistigen isoliert, es an sich selbst verweist
und ihm die ganze Last aufbürdet, die sonst in einer sozialen Ordnung, in
verschiedenen Funktionen hierarchisch verteilt war.

In dieser Gesellschaft ist es dem privaten Individuum überlassen, sein eigener
Priester zu sein, aber nicht nur dass, sondern, wegen der zentralen Bedeutung und
Konsequenz des Religiösen, infolge dessen auch der eigene Dichter, der eigene
Philosoph, der eigene König, der eigene Dombaumeister an der Kathedrale der
Persönlichkeit. Im privaten Priestertum liegt die letzte Wurzel der Romantik und der
romantischen Phänomene.“

(Carl Schmitt: Politische Romantik, S.215)

1. Einleitung

Carl Schmitts Politische Romantik befasst sich mit dem Phänomen der Romantik, dass sich im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelte und bedeutende kulturelle Wirkung entfaltete. Schmitt nimmt nicht eine bloß kunst- oder geisteshistorische Nachzeichnung dieser Epoche vor. Er arbeitet in seinem Buch vielmehr Einstellungsmuster der Romantiker zu ihrer Umwelt heraus und leitet von diesen Konsequenzen für das politische Handeln der Romantiker und ihrem Verhältnis zum Staat ab. Es geht also um die Beschreibung einer Politischen Romantik. Die Arbeit beginnt mit einer überblickartigen Hinführung zu der Person Schmitts, zu seinem Werk und dem historischen Kontext des Buches. Danach soll eine grundlegende Darstellung der Epoche der Romantik vorgenommen werden, bevor die Arbeit sich Schmitts Verständnis der Romantik annähert. Dabei sollen vor allem zusammengefasst werden, welche Ursachen Schmitt für die Entstehung der Romantik nennt, was den romantischen Geist auszeichnet und welche Konsequenzen dies für die politische Ebene hat. Eine Schlussbetrachtung fasst danach die wesentlichen Ergebnisse zusammen.

2. Vorbemerkungen zu Carl Schmitt

2.1. Carl Schmitt als politischer Denker

Carl Schmitt, geboren 1888 und verstorben 1985, gehört bis heute zu einem der umstrittensten und vieldiskutierten politischen Denker. Im Wilhelminismus aufgewachsen wurde seine Biographie geprägt durch Katholizismus, Nationalismus und Etatismus – eine strikt konservative Sozialisierung, die großen Einfluss auf seine Theorie haben sollte. Dem oft als „Kronjuristen des Dritten Reiches“ titulierten Schmitt wird immer wieder vorgeworfen, mit dem Inhalt seiner politischen Theorie die Herrschaft der Nationalsozialisten inspiriert und legitimiert zu haben. Der gelernte Rechtswissenschaftler und Autor zahlreicher Bücher selbst hingegen sah sich in der Position eines apokalyptischen Postmodernen, der das Ende der Geschichte erwartete. Denn mit der historisch vollzogenen Wendung weg vom bürgerlichrechtsstaatlichen Verfassungstyp hin zur Industriegesellschaft befürchtete Schmitt gleichzeitig den Untergang der tradierten politischen Form von Staat, Verfassung und Reich. Diese zu verteidigen machte er zum Anliegen seines Schreibens und Wirkens, was zunächst zur Unterstützung des Weimarer Präsidialsystems und später tatsächlich auch zur Rechtfertigung der politischen Form des Dritten Reiches führte.1

In seinen Büchern, die sich überwiegend mit Staats- und Verwaltungsrecht, aber auch mit philosophischen, geschichtlichen, theologischen und literaturwissenschaftlichen Themen befassten, profilierte er sich zudem als Kritiker des parlamentarischen Parteienstaates und des Pluralismus. Seine Schriften brachte ihm die Rolle eines Vordenkers für faschistische und autoritäre Staatsideologien ein. Schmitt wird außerdem angelastet, vor allem während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur öffentlich als Antisemit hervorgetreten zu sein.2 Lediglich sein katholischer Hintergrund habe ihn vor allzu krassen rassistischen und antiparlamentarischen Äußerungen bewahrt.

Eines der bekanntesten Werke Schmitts ist Der Begriff des Politischen, indem er postulierte, das Politische sei überall dort zu sehen, wo eine klare Unterscheidung von Freund und Feind vorliege. Ferner setzte er in seine Schriften vor allem auf den Dezisionismus als ein konstituierendes Merkmal des Politischen. Weitere wichtige Begriffe seines Werks sind Legalität und Legitimität, souveräne und kommissarische Diktatur, Repräsentation und Identität, Freiheitsrechte und institutionelle Garantie, Politische Theologie, Politische Romantik und Ausnahmezustand. Heute beziehen sich insbesondere rechtskonservative Kreise und Vertreter der so genannten „Neuen Rechten“ auf die Theorie Carl Schmitts.3

2.2. Politische Romantik: Historischer Kontext und Bedeutung im Werk Schmitts

Schmitts „Politische Romantik“ erschien im Jahre 1919. Zu dieser Zeit war Deutschland geprägt von dramatischen politischen Umwälzungen. Der Erste Weltkrieg endete mit einer deutschen Niederlage, dem Zusammenbruch des Kaiserreiches und der Erosion der alten Ordnung. Es folgten Revolution und Revolten, Aufstände und Bürgerkrieg, der „Schandfriede“ von Versailles, Reparationen und Gebietsverluste. Nach der Novemberrevolution am 09.11.1918 fehlte die alte Bindekraft der Monarchie, die bürgerlichgeistige Kultur kam an ihr Ende, alles als Sicher geglaubtes wurde diskutabel und die Zukunft des Gemeinwesens lag im Unklaren.4 In diesem Chaos musste sich die erste deutsche Republik, die so genannte Weimarer Republik, konstituieren. Bis zuletzt sollte sie unter den Makeln dieser „Geburtsstunde“ und ihren Umständen, besonders den Bedingungen von Versailles, leiden müssen.

[...]


1 Vgl. Mehring, Reinhard: S. 13. ff.

2 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt (Stand: 29.09.2005, 22.58 Uhr)

3 http://www.bautz.de/bbkl/s/s1/sczmitt_c.shtml (Stand: 29.09.2005, 23.10 Uhr)

4 Böckenförde, Ernst-Wolfgang: Der Zusammenbruch der Monarchie und die Entstehung der Weimarer Republik, in: Bracher/Funke/Jacobsen (Hrsg.) Die Weimarer Republik 1918- 1933.Politik.Wirtschaft.Gesellschaft. Bonn 1998³, S. 17 ff.


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