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Peter L. Berger und Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 26 Pages
Author: Dipl.-Soz. Susanne Dera
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 26
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V52247
ISBN (E-book): 978-3-638-48007-9
ISBN (Book): 978-3-638-68034-9
File size: 177 KB
Notes :
Die folgende Arbeit befaßt sich mit Peter L. Berger und Thomas Luckmanns Werk „Die gesell-schaftliche Konstruktion der Wirklichkeit". Berger und Luckmann fassen die Entstehung der gesellschaftlichen Wirklichkeit als einen dialektischen Prozess auf, welcher aus verschiedenen simultan ablaufenden Elementen besteht und die Welt konstruiert. Dieser Prozess wird in all seinen Elementen detailliert geschildert.


Abstract

Eine zentrale Frage innerhalb der Soziologie ist, wie Wirklichkeit entsteht. Die folgende Arbeit versucht unter Rückgriff auf das Werk von Peter L. Berger und Thomas Luckmann „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ eine Antwort darauf zu finden. Berger und Luckmann stellten das vortheoretische Alltagswissen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen und machen es so zum Kernproblem ihrer Wissenssoziologie. Damit wollen sie die für die Gesellschaft zentrale Rolle des Wissens herausstellen und dasselbe innerhalb des gesellschaftlichen Entstehungsprozesses verorten. Die Entstehung der gesellschaftlichen Wirklichkeit wird hier verstanden als dialektischer Prozess, der aus verschiedenen simultan ablaufenden Elementen besteht und die Welt konstruiert. Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Sozialisation und die Tradierung sowie Transformierung des gewonnenen Wirklichkeitsbegriffs. Erst die Weitergabe des Wissens über die verschiedenen Codes der Wirklichkeit machen diese erfahrbar und somit auch existent. Diesen Prozess näher zu beleuchten und in seinen Facetten zu verdeutichen, hat sich das vorliegende Werk vorgenommen.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Soziologie
Hauptseminar: Wissenssoziologie

Peter L. Berger und Thomas Luckmann:
Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit

von: Susanne Dera

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung   2

2. Biographie und wissenschaftlicher Hintergrund 2

3. Schlüsselbegriffe  4

3.1. Der Doppelcharakter der relativen Wirklichkeit der Alltagswelt 4
3.2. Der dialektische Prozeß  6
3.3. Das Wissen  8

4. Der dialektische Prozeß der Wirklichkeitsentstehung 10

4.1. Externalisierung als Notwendigkeit des Menschen 10
4.2. Objektivation der Lebenswelt  11
4.3 Mittel der Objektivation 12

4.3.1 Sprache als Mittel der Sinnvermittlung 12
4.3.2 Institutionalisierung 15
4.3.3 Legitimierung der Objektivation 17

4.4 Internalisierung der Wirklichkeit  19

4.4.1 Primäre Sozialisation 20
4.4.2 Sekundäre Sozialisation 21

5. Wirklichkeitssicherung und -transformation 22

6. Schlussbemerkung 23

Literaturverzeichnis 25


 

 

1. Einleitung

Die folgende Arbeit befaßt sich mit Peter L. Berger und Thomas Luckmanns Werk „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“1. Die Autoren verfolgen darin weder die Absicht, einen historischen Überblick zu geben noch, einen umfassenden Abriß der Wissenssoziologie darzustellen. Sie waren der Meinung, dass die bisherige Wissenssoziologie in eine Sackgasse lief. Sie diente Autoren wie Scheler und Mannheim „als Instrument der Verteidigung eines interessefreien Erkennens gegen ideologische Verzerrung und puren Pragmatismus“2. Berger und Luckmann stellten anstelle des Ideologieproblems das vortheoretische Alltagswissen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen und machen es so zum Kernproblem ihrer Wissenssoziologie. Sie haben keinen historischen Zugang zur Wissenssoziologie und versuchen den Ansatz zu einer systematischen Theorie des Alltagswissens zu schaffen. Damit wollen sie die für die Gesellschaft zentrale Rolle des Wissens herausstellen und dasselbe innerhalb des gesellschaftlichen Entstehungsprozesses verorten.

Die Arbeit beginnt mit einem kurzen Blick auf die biographischen und wissenschaftlichen Wurzeln der beiden Autoren vor allem bzgl. des vorliegenden Buches. Anschließend wird auf die von ihnen verwendeten Schlüsselbegriffe eingegangen und ein erster Abriß der Theorie vorgestellt. Berger und Luckmann fassen die Entstehung der gesellschaftlichen Wirklichkeit als einen dialektischen Prozeß auf, welcher aus verschiedenen simultan ablaufenden Elementen besteht und die Welt konstruiert. Dieser Prozeß wird unter Punkt 3 differenziert behandelt. Ein wichtiger Aspekt der Theorie von Berger und Luckmann ist der der Sozialisation. Die Notwendigkeit derselben im Prozeß der Wirklichkeitskonstruktion wird in Punkt 4 dargestellt. Besteht einmal das Konstrukt gesellschaftliche Wirklichkeit ist es stets nötig, dieses zu sichern bzw. es möglicherweise zu transformieren und veränderten Bedingungen anzupassen. Diesen Mechanismen der Wahrung von gesellschaftlicher Wirklichkeit wird in Punkt 5 nachgegangen. Zum Schluss werden die gewonnenen Erkenntnisse über die vorgestellte Theorie nochmals kurz dargestellt und eine kurze kritische Würdigung formuliert.

2. Biographie und wissenschaftlicher Hintergrund

Der Soziologe Peter Ludwig Berger wurde am 17.03.1929 in Wien geboren und lebt seit den 40er Jahren in Amerika. Berger studierte Soziologie, Theologie und Philosophie an der New School of Social Research in New York, wo er auch promovierte. Nach einigen Professuren an verschiedenen Universitäten ist er heute Direktor des Institute for the Study of Economic Culture an der Universität Boston, Massachusettes und hat sich, in Anlehnung an die Phänomenologie Alfred Schütz‘, sehr um die Entfaltung einer wirklichkeitsnahen Soziologie verdient gemacht. Thomas Luckmann wurde am 14.10.1927 in Jesnice/Slowenien geboren. Er studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Innsbruck. In den 50er Jahren studierte er, ebenso wie Berger, an der New School of Social Research, wo er 1956 den Ph.D. in Soziologie erwarb. Nach einigen Professuren in Amerika (New School) und Deutschland ist er mittlerweile Professor für Soziologie in Konstanz und seit 1990 gleichzeitig an der Universität Ljublejana. Nach intensiver Beschäftigung mit dem Bereich der Religionssoziologie hat er sich sprachsoziologischen Fragestellungen zugewandt, von deren Lösung er sich eine Klärung der Entstehung von Deutungsmustern erhofft, die für ihn den Kern des Religiösen ausmachen.3

Beide Autoren waren in Amerika Schüler des Phänomenologen Alfred Schütz, der auch beider Arbeit stark beeinflußt. Thomas Luckmann brachte den wissenschaftlichen Nachlaß von Alfred Schütz „Strukturen der Lebenswelt“ heraus, für welche er die Notizen Schütz‘ ordnete und in einen großen Zusammenhang stellte. Das in dieser Arbeit darzustellende Werk von Berger und Luckmann findet seine wissenschaftlichen Wurzeln in verschiedenen Richtungen. Großer Einfluß ging von ihrem bereits genannten, gemeinsamen Lehrer Alfred Schütz aus, von welchem sie unter anderem die Grundlagen des Wissens in und über die Alltagswelt übernommen haben.4 Die Auffassung vom Wesen der Gesellschaft und deren Wirklichkeit ist an Durkheim angelehnt.5 Auch Max Weber beeinflußte Berger und Luckmann und zwar dergestalt, dass sie betonen, dass der „subjektiv gemeinte Sinn“ ein wichtiger, die gesellschaftliche Wirklichkeit begründender, Faktor ist.6 Ein weiterer Theoretiker, dessen Einfluß nicht verneinbar ist, ist der Amerikaner George Herbert Mead. Gerade seine Theorie der Identitätsbildung ist ein grundlegender Baustein der hier vorliegenden Theorie.7 Auch andere Soziologen und deren Werke beeinflußten Berger und Luckmann. So wären bspw. noch die Institutionenlehre Arnold Gehlens und die Anthropologie Helmuth Plessners zu erwähnen. 8 Dies sollte nur einen kurzen Einblick in die Ideengeschichte des hier zu behandelnden Werkes gewähren. Bei Stellen, an welchen der Einfluß der jeweiligen Theoretiker explizit zum Tragen kommt, wird nochmals genauer darauf eingegangen.

3. Schlüsselbegriffe

Die Ausgangsüberlegung von Berger und Luckmann bildet die Feststellung, dass es innerhalb verschiedener Gesellschaften aufgrund eines unterschiedlichen allgemeinen Wissensvorrats jeweils andere Wirklichkeiten gibt. Das bedeutet, dass der spezifische Wissensbestand einer Gesellschaft dieselbe prägt und ausbildet. Ihre Auffassung ist es, dass die Wirklichkeit ein vom Menschen konstruiertes Produkt und somit nicht naturgegeben ist. Damit ist für Berger und Luckmann das Gebiet der Wissenssoziologie derart gefaßt, dass sie sich „mit allem zu beschäftigen habe, was in einer Gesellschaft als ‚Wissen‘ gilt (...)“9. Demnach muß sie sich auch damit befassen, warum und „auf Grund welcher Vorgänge ein bestimmter Vorrat von Wissen gesellschaftlich etablierte Wirklichkeit werden konnte“10. Anders ausgedrückt bedeutet das, die Wissenssoziologie hat die Aufgabe, zu analysieren, wie und wodurch es zur gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit kommt und muß sich deshalb mit all dem beschäftigen, was in der Gesellschaft als Wissen gilt.

3.1. Der Doppelcharakter der relativen Wirklichkeit der Alltagswelt

[...]


1 Berger, Peter L. und Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Frankfurt 1980.

2 Plessner, Helmuth: Zur deutschen Ausgabe. In: Berger und Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, S. XII.

3 Vgl. Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie. 4. überarbeitete und ergänzte Aufl., Stuttgart 1994, Stichwörter: Berger und Luckmann. Vgl. außerdem Treibel, Annette: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen 1993, S. 124.

4 Zur Soziologie von Alfred Schütz und seinem Begriff von Wissen und respektive Alltagswissen vgl. Schütz, Alfred und Thomas Luckmann: Die Strukturen der Lebenswelt. Neuwied 1979.

5 Zum Einfluß Durkheims auf die Wissenssoziologie vgl. De Gré, Gerard L.: Society and Ideology. New York 1943.

6 Zum „subjektiv gemeinten Sinn“ Webers vgl. Weber, Max: Soziologische Grundbegriffe. 6. erneut durchges. Aufl., Tübingen 1984.

7 Zur Theorie Meads und seinen Nachfolgern vgl. Mead, George Herbert: Mind, Self and Society. Chicago 1934.

8 Vgl. Berger und Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, S. 18. Vgl. Mikl-Horke, Gertraude: Soziologie. Historischer Kontext und soziologische Theorie-Entwürfe. München, Wien 1994, S. 261.

9 Berger und Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, S. 3.

10 Ebenda.


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