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Termpaper, 2004, 26 Pages
Author: Antje Höfs
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology
Details
Institution/College: University of Duisburg-Essen
Tags: Lese-Rechtschreibschwäche, Grundschulkindern, Ursache, Diagnose, Förderung, Spracherwerb, Schulalter
Year: 2004
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-48140-3
File size: 192 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Duisburg-Essen
Sommersemester 2004
4. Semester
Lese-Rechtschreibschwäche bei Grundschulkindern -
Ursache – Diagnose - Förderung
von: Antje Höfs
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie
3. Symptomatik der LRS
4. Ursachen der LRS
4.1 Der genetische Ansatz
4.2 Der neurobiologische/physiologische Ansatz
4.3 Der phonologischer Ansatz
4.4 Der soziologische/pädagogische Ansatz
5. Diagnostik der Lese-Rechtschreibschwäche
5.1 Die klassische Diagnose
5.2 Die pädagogische Diagnose
5.3 Die Förderdiagnose
6. Förderung von lese-rechtschreibschwachen Kindern
6.1 Präventive Fördermaßnahmen
6.2 Innerschulische und außerschulische Fördermaßnahmen
6.3 Förderung des phonologische Bewusstseins
7. Schlussbemerkung
8. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Auch wenn Lesen und Schreiben zu den grundlegenden Kulturtechniken gehören, werden diese Fertigkeiten keinesfalls immer problemlos erlernt und von allen Kindern und Jugendlichen beherrscht. Laut dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie sind etwa 5 % aller Kinder und Jugendlichen von einer Lese- Rechtschreibschwäche betroffen. Auch wenn diese Schwäche nicht mit einer mangelnden Intelligenz einhergeht, kann sie unter Umständen zum Grund für schlechte Schulleistungen werden. Daher ist es zum einen notwendig, die Symptome einer Lese-Rechtschreibschwäche zu kennen, um rechtzeitig mit einer gezielten Förderung zu beginnen. Zum anderen kann das Wissen über mögliche Ursachen die Entstehung gegebenenfalls verhindern, indem man durch präventive Maßnahmen an den richtigen Punkten ansetzt. Schon im Kindergarten kann eine Grundlage für das Erlernen des Lesens und Schreibens gelegt werden. Im folgenden habe ich mich, um eine begriffliche Basis zu schaffen, mit den Begriffen Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie auseinander gesetzt, da diese in der Literatur zum Teil synonym gebraucht werden. Nach einer Zusammenfassung der Symptomatik beschreibe ich die verschiedenen Theorien zur Ursache der LRS, mögliche Diagnoseverfahren und gehe abschließend auf die Förderung von leserechtschreibschwachen Kindern ein.
2. Zum Begriff Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie
Der Legasthenie-Begriff wurde 1916 von dem Pädagogen Ranschburg geprägt, nachdem er als Erster Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche untersuchte. Seiner Ansicht nach entstand die Leseschwäche durch eine geistig zurückgebliebene Entwicklung. Diese Auffassung konnte die Psychologin M. Lindner nicht teilen. In ihren Untersuchungen in den 50er Jahren fand sie heraus, dass Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent sind und die schlechten Lese- und Rechtschreibleistungen aus dem Rahmen der übrigen Leistungen fallen. Lindner definierte die Legasthenie als Teilleistungsstörung bei sonst normaler bis hoher Intelligenz und gab somit den Anstoß, nicht jedes leserechtschreibschwache Kind auf eine Sonderschule zu überweisen. (vgl. Sommer- Stumpenhorst 2000, S. 11 f)
Um die Vorstellung, Legasthenie sei eine Art Krankheit die von Ärzten behandelt werden müsse, zu bekämpfen, beschloss die Kultusministerkonferenz 1978 den Bergriff fortan nicht mehr zu verwenden (vgl. Mann 2001, S. 187) In ministeriellen Erlassen wurde von nun an weitgehend von Lese-Rechtschreibschwäche gesprochen (außer in Bayern). In der Fachliteratur findet man jedoch häufig beide Begriffe, die synonym verwendet werden. Mit diesem begrifflichen Problem setzt sich Jürgen Walter, Professor für Sonderpädagogik mit Schwerpunkt Lernbehinderten- und Förderpädagogik an der Universität in Kiel, in seinem Buch „Förderung bei Lese- und Rechtschreibschwäche“ auseinander. Die von ihm genannten Vertreter der traditionell ausgerichteten Legasthenieforschung wie u. a. Dummer und Schenk- Danziger unterscheiden zwischen „Legasthenikern“ und „Lese- Rechtschreibschwachen“ und ordnen diese qualitativ unterschiedlichen Gruppen zu. (vgl. Walter 2001, S. 13) Dieser Dichotomisierung stimmt Walter jedoch nicht zu. Seine Begründung beruht unter anderem auf 21 von Toth & Siegel durchgeführten Studien in den 1990er Jahren, die Legastheniker mit Leseschwachen verglichen. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass sich innerhalb dieser beiden Gruppen in Hinblick auf die Wortwahrnehmung und des Dekodierens ebenso geringe Unterschiede ergaben wie hinsichtlich des Leseverständnisses, des phonologischen und des orthographischen Bewusstseins. Diese Befunde wurden durch eine vergleichende Studie von Fletcher u. a. (1994) bestätigt. Die Auffassung der empirischen Erziehungswissenschaft, Legasthenie und Lese- Rechtschreibschwäche aufgrund gleicher Symptome synonym zu gebrauchen, schließt sich Walter an. (vgl. Walter 2001, S. 13 ff)
Der Diplompädagoge Bernhard Hofmann weist darauf hin, dass im medizinischen Bereich zumeist von Legasthenie und im pädagogisch-psychologischem Bereich von Lese-Rechtschreibschwäche gesprochen wird. In seinem Buch „Les- Rechtschreibschwäche – Legasthenie“ werden beide Begriffe synonym, bzw. dem Sprachgebrauch der zitierten Autoren entsprechend, verwendet. (vgl. Hofmann 1998, S. 69)
3. Symptomatik der LRS
Die von der Weltgesundheitsorganisation WHO erstellte Klassifikation von Krankheiten ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) gibt eine Übersicht über die Symptomatik der Lese- und Rechtschreibstörung. Zu erwähnen wäre jedoch, dass die WHO zwischen zwei Störungsbildern, der Lese- und Rechtschreibschwäche einerseits und der Isolierten Rechtschreibstörung andererseits, unterscheidet. Die Isolierte Rechtschreibschwäche ist im Wesentlichen durch eine Entwicklungsstörung im Bereich der Rechtschreibung charakterisiert, ohne dass zugleich eine Lesestörung vorliegt. (vgl. Schulte-Körne 2001, S. 3)
Zur Symptomatik der Lesestörung gehört neben einer niedrigen Lesegeschwindigkeit auch die Unfähigkeit, das Gelesene zu wiederholen und Zusammenhänge zu erkennen bzw. Schlussfolgerungen zu ziehen. Des Weiteren werden Buchstaben in Wörtern oder ganze Wörter im Satz vertauscht. Das Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Wörtern sind weitere Symptome. Auch das Auffinden des Satz- oder Zeilenanfangs bereitet häufig Schwierigkeiten. Der Verlust der aktuellen Leseposition und Fehler bei der Gliederung von Sätzen sind ebenfalls Anzeichen, die auf eine Lesestörung deuten könnten.
Die Symptomatik der Rechtschreibstörung ist ebenso vielfältig. Es treten Schwierigkeiten beim Schreiben von Buchstaben und Wörtern auf. Es werden sowohl Buchstaben ausgelassen als auch zusätzliche Buchstaben in ein Wort eingefügt. Teilweise werden Buchstaben durch gleich klingende Buchstaben oder ganze Wörter durch semantisch ähnliche Wörter ersetzt. Ebenso treten auch Grammatik- und Interpunktionsfehler auf. (vgl. Schulte Körne 2001, S. 2 f) Ungeübte Diktate aber auch abgeschriebene Texte weisen eine hohe Fehlerzahl auf. Häufig wird das gleiche Wort innerhalb eines Textes unterschiedlich geschrieben. Hinzu kommt häufig eine unleserliche Handschrift. (Bundesverband Legasthenie und Diskalkulie e. V., Online unter: http://www.legasthenie.net)
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