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Irrationalismus in nationalsozialistischen Erziehungsvorstellungen und Ideologie

Termpaper, 2006, 23 Pages
Author: Eva Wittmann
Subject: Pedagogy - History of Pedagogy

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 23
Grade: keine Note - bestanden
Bibliography: ~ 37  Entries
Language: German
Archive No.: V52523
ISBN (E-book): 978-3-638-48216-5
ISBN (Book): 978-3-638-65199-8
File size: 222 KB
Notes :
Dichter Text - kleine Schrift


Abstract

Durch das Aufzeigen von Irrationalismus in nationalsozialistischen Erziehungsvorstellungen und Ideologie erfolgt innerhalb dieser Auseinandersetzung der Versuch, damalige Vorgänge, Hintergründe und Zusammenhänge verständlich und nachvollziehbar zu gestalten. Anstelle vorschneller Abstemplung des Nationalsozialismus bedarf es unbedingt Verständnis und einer Aufarbeitung, auch um ein „weiteres Auschwitz“ verhindern zu können. Pädagogische Vorstellungen bekannter nationalsozialistischer Ideologen sollen dafür in Erinnerung gerufen werden und deren kritische Reflexion eine Wiederholung derartiger Geschehnisse, wie etwa die brutale Ermordung und Deportation von Juden und Minderheiten, verhindern. Der Schwerpunkt dieser Betrachtung liegt auf pädagogischen und ideologischen Überlegungen. Zur zeitlich-historischen Analyse muss weitere Literatur herangezogen werden. Anschließend an Hitlers Gedankengut und Massenpsychologie werden Ideen und Philosophie Alfred Rosenbergs erwähnt. Sein rassistisches Denken und die propagierte Rassentheorie inkludieren irrationale Momente dabei aufkommender biologischer Begründungsversuche und darwinistischer Elemente. Eine durch Pädagogen der damaligen Zeit, wie etwa durch Alfred Baeumler, passierte „Nazifizierung“ und zweckdienliche Vereinnahmung Nietzsches wird erläutert. Nietzsches „Der Wille zur Macht“ rechtfertigte scheinbar den Antisemitismus, führte jedoch auch zu unterschiedlichen Auffassungen und Positionen innerhalb der nationalsozialistischen Ideologie. Die Erziehung zum „Heroischen Realismus“ bildete sich um eine Gruppe von Vertretern wie unter anderem Alfred Baeumler, Werner Best und Ernst Jünger. Sichtweisen dieser und die Stellung des Krieges als „verherrlichter Zustand“ bedürfen einer kritischen Rückschau. Trotz unterschiedlicher nationalsozialistischer Erziehungsvorstellungen und Betrachtungen lässt sich in den Gesetzmäßigkeiten dieser Ideologie eine irrationale Weltanschauung erkennen. Aktuelle Entwicklungen und Geschehnisse mögen nicht nur Assoziationen zu derartigen Begründungselementen der damaligen Zeit erlauben, sondern ebenso gegenwärtig irrationale Momente in der Erziehung deutlich und eine Auseinandersetzung notwendig machen.


Excerpt (computer-generated)

Irrationalismus in nationalsozialistischen
Erziehungsvorstellungen und Ideologie

von: Eva Wittmann

 


INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DER BEGRIFF DES IRRATIONALEN UND IRRATIONALISMUS 

2.1 Irrationalismus und Mythen im Nationalsozialismus

3 IDEOLOGISCHES UND PÄDAGOGISCHES DENKEN HITLERS

4 INDOKTRINIERUNG EINES VÖLKISCHEN RASSESTOLZES

4.1 Alfred Rosenberg als Propagandist 

5 NIETZSCHE ALS „KULTFIGUR“ UND „VORREITER“ DES NATIONALSOZIALISMUS 

5.1 Vereinnahmung und „Nazifizierung“ des Philosophen 

6 „HEROISCHER REALISMUS“ – BAEUMLER, BEST UND JÜNGER ALS EXPONENTEN

7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 

8 LITERATURVERZEICHNIS


 

 

1. EINLEITUNG

Keinesfalls rechtfertigt sich eine Abwertung des Nationalsozialismus als nur negativ, „schlecht“ oder „dunkel“, anstelle der Abstemplung bedarf es unbedingt Verständnis und einer Aufarbeitung, um ein „weiteres Auschwitz“ verhindern zu können. In dieser Arbeit erfolgt der Versuch, durch das Aufzeigen von Irrationalismus in nationalsozialistischen Erziehungsvorstellungen und Ideologie, Vorgänge, Hintergründe und Zusammenhänge dieser Zeit verständlich und nachvollziehbar zu machen. Zuerst werden im Kapitel 2 die Begriffe irrational und Irrationalismus, auch in Unterscheidung zu Rationalismus, deklariert. Im Weiteren erfolgt eine Beschreibung der Auffassung und Auswirkung von Irrationalismus im Kontext zum Nationalsozialismus. Eine zeitlich-historische Betrachtung passiert in Kürze und eine Separierung dieser Zeit muss als ausgeschlossen resümiert werden. Im Kapitel 3 wird auf das pädagogische und ideologische Denken Adolf Hitlers eingegangen, wobei der Schwerpunkt auf dessen Massenpsychologie und Erziehungseinstellungen liegt. Einige Stellen aus seinem Buch: „Mein Kampf“ werden in Zusammenhang zitiert, auf praktische Umsetzung nationalsozialistischer Erziehung wird verwiesen.

Das rassistische Denken und die im Nationalsozialismus propagierte Rassentheorie wird im Folgenden in Kapitel 4 aufgezeigt und das Irrationale dabei aufkommender biologischer Begründungsversuche und darwinistischer Elemente herausgestellt. Im Unterschied zu Hitlers Denken werden dann Ideen und Philosophie Alfred Rosenberg als einem extremen Vertreter der Rassentheorie erwähnt, der wesentlich zur Ermordung und Deportation beitrug. In Kapitel 5 wird der Frage nachgegangen wie es zu einem Bezug zwischen Nationalsozialismus und Friedrich Nietzsche kommen konnte und wie sich dessen Denken in den Irrationalismus des Nationalsozialismus fügte. Eine durch Pädagogen der damaligen Zeit, wie etwa durch Alfred Baeumler, passierte „Nazifizierung“ und Vereinnahmung Nietzsches wird verdeutlicht und in diesem Kontext auf „Der Wille zur Macht“ von Nietzsche eingegangen. Durch dieses Werk rechtfertigte sich scheinbar der Antisemitismus und Rassewahn, brachte jedoch zugleich Schwierigkeiten mit sich und eine zwiespältige Position zeigt sich durch unterschiedliche Auffassungen von Nationalsozialisten sowie auch noch nach deren Zeit. Abschließend wird in Kapitel 6 die Erziehung zum „Heroischen Realismus“ herausgestellt, welche sich um eine Gruppe von Vertretern wie u. a. Baeumler, Best und Jünger bildete. Sichtweisen dieser und die Stellung des Krieges als „verherrlichter Zustand“ werden aufgezeigt.

2. DER BEGRIFF DES IRRATIONALEN UND IRRATIONALISMUS

In Enzyklopädien muss häufig unter Rationalismus nachgeschlagen werden, um den Irrationalismus sodann als Gegensatz beschrieben zu finden. Rationalismus „bezeichnet im gängigen Gebrauch den Glauben an den gesunden Menschenverstand, den jeder hat, an die Vernunft, ihre logischen Prinzipien [...], wissenschaftlich [...] die epistemologische Überlegenheit der Modelle von Rationalität, die, fortschreitend über alle anderen geistigen Aktivitäten, erarbeitet wurden [...], philosophisch [...] der Tradition nach die metaphysischen Systeme, die nacheinander und unter verschiedenen Formen der Vernunft den absoluten Wert eines ontologischen und gnoseologischen Prinzips zuerkannt haben (Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften 1990, S. 23f.)“. In der Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie (1984, S. 297) definiert sich „Irrational / Irrationalismus [...] im Gegensatz zu >rational < bzw. >Rationalismus <“ als „Bezeichnung für Verhältnisse und Orientierungen, die ohne auf Rationalität gestützte Geltungsansprüche sind bzw. gegen derartige Geltungsansprüche vertreten werden“. Dabei lässt sich als Maßstab eine oppositionelle Bedeutung der Vernunft, auch des Verstandes, herausstellen. Der Vernunft werden im Irrationalismus Glaube, Natur oder Irrationales entgegengestellt (vgl. auch Hübner 1981, S. 11f.; Reich 1995, S. 16). Irrationalismus kann jedoch nicht schlicht oppositionell zu Rationalismus verstanden werden. Schnädelbach stellt fest: „Weil der Irrationalismus ziemlich viel Rationalität voraussetzt, ist es so schwer, ihn genau zu identifizieren und gegen ein eindeutiges Gegenteil abzugrenzen. Nie wird sich darum ein Irrationalist seine eigene Rationalität absprechen lassen, und er tut auch recht daran; wer bloß irrational ist, kann auch kein Irrationalist sein (1981, S. 157)“. Eine Asymmetrie lässt sich dadurch herausstellen, da ein Vertreten des Rationalismus als methodisches Prinzip im Gegensatz zum Irrationalismus möglich ist und der Rationalismus, anders als der Irrationalismus, Grenzen aufweist (näher in: Schnädelbach 1981, S. 155f.). Irrationalismus ist von Irrationalität zu unterscheiden: „Irrationalität ist ein Faktum, Irrationalismus hingegen eine theoretische Position, die sich auf dieses Faktum bezieht (1981, S. 156)“ und macht das Irrationale zum Prinzip (in: Schnädelbach 1981, S. 157f.). Obwohl Irrationales dasjenige definiert, welches sich, so Erdheim, „der wissenschaftlichen Erklärung entzieht (1981, S. 505)“, kann es nicht gleichgesetzt werden mit Unbekanntem. Zudem kann eine wissenschaftliche Bezeichnung eines Phänomens erst erfolgen, wenn es auch von nicht-wissenschaftlichen Kategorien erfasst wird. Versteht man Irrationales als im Spannungsfeld Stehendes und erst in die Wissenschaft Hereinzuholendes, verliert es danach jedoch die Qualität des Irrationalen (vgl. dazu Erdheim 1981, S. 505f.). Erdheim bringt dies auf folgenden Nenner: „Das Irrationale taucht dort auf, wo die wissenschaftliche Erklärung aufgrund anderer Bewältigungsversuche der Realität in Frage gestellt wird (1981, S. 505)“. Irrationalismus und Mythen im Nationalsozialismus

Irrationalismus kann keinesfalls als selbstständige, einheitliche philosophische Strömung verstanden werden, sondern ist vielmehr Moment und Bestandteil der verschiedensten philosophischen, und im Weiteren politischen, Strömungen und Systeme (vgl. Schnädelbach 1981, S. 158). Mit wissenschaftlichen Mitteln vollzogene Erkenntnis durch den Menschen wird durch den Irrationalismus für unmöglich erklärt und dem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsgedanken wird entgegnet. Die Realität, oder bestimmte ihrer Bereiche, etwa psychische oder geschichtliche Prozesse, wird ihrem Wesen nach als nicht von Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten beherrscht verstanden. Wissenschaftliches Denken wird zugunsten höherer Erkenntnisfunktionen, auch zugunsten der Intuition, abgebaut und Vorstellungen orientieren sich an außerrationalen Formen menschlicher Erkenntnis zur individuellen Gewissheit des Seins (vgl. u.a. Schnädelbach 1981, S. 155f.).

Irrationalismus ist nach Schnädelbach demnach als Weltanschauung zu verstehen: „Weltanschauungen sind universelle, sich immer selbst bestätigende Weltdeutungsschemata, die ihren Inhabern zu einem Lebenssinn verhelfen, nach dem sie zu leben bereit sind. In diesem Sinne ist der Irrationalismus eine Weltanschauung. (Daneben existiert auch ein bloß theoretischer Irrationalismus, der sich als bloßes Kontrastprogramm mit dem praktischen Rationalismus ganz gut verträgt.) (1981, S. 161)“.

2.1 Irrationalismus und Mythen im Nationalsozialismus

[...]


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