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Seminararbeit, 2006, 13 Seiten
Autor: Christian Ritter
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie)
Tags: Märchen, Geschichte, Proseminar
Jahr: 2006
Seiten: 13
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-48254-7
Dateigröße: 166 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Volkskunde / Europäische Ethnologie
Wintersemester 2005/06
ES: Einführung in die Volkskunde
Hausarbeit
Märchen
Geschichte und Überlieferung
Referat: „Das Frauenbild im Märchen“,
gehalten am 12.01.2006
Referent: Christian Ritter
Diplom-Germanistik
Schwerpunkt Journalistik
2. Semester
Gliederung
1. Einleitung 3
2. Spezifizierung: Volksmärchen und Kunstmärchen 4
2.1 Volksmärchen 5
2.2 Kunstmärchen 5
3. Überlieferung 6
3.1 Die Überlieferung der Kinder- und Hausmärchen 6
3.2 Die Überlieferung der Volksmärchen 8
4. Formaler Aufbau von Märchen 10
5. Der Werdegang des Märchens 11
6. Schluss 12
Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
„Das würde ich meinen Kinder nicht vorlesen.“, sagte die arte-Moderatorin Charlotte Roche in der Sendung „Harald Schmidt“ vom 9. Februar 2006 in der ARD. Die Rede war von Hans-Christian Andersens Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Es sei ihr zu brutal, da das Mädchen am Ende stirbt, meinte Roche. Schmidt wollte das Ende zuvor vorlesen, verzichtete dann aber.
Diese scheinbar nebensächliche Beobachtung gibt den Blick frei auf ein besonderes literarisches Phänomen: Das Märchen, das nach wie vor in aller Munde zu sein scheint, selbst in Late Night Shows seine Erwähnung findet. Kaum eine andere literarische Gattung konnte und kann sich über einen derart langen Zeitraum im Bewusstsein von Generationen halten.
Märchen begleiten unseren Alltag, wenn auch zu Teilen unbewusst:
Im Wetterbericht hört man beispielsweise davon, dass Frau Holle wieder ihre Kissen ausschüttelt, Märchenfiguren begegnet man auf Sondereditionen von Briefmarken, in Karikaturen in Zeitungen und in unzähligen Parodien in Lyrik und Prosa.
Längst sind die Märchenfiguren „Bestandteil eines kollektiven Bewusstseins“1, da jeder sie von seinen Kindheitstagen an kennt. Märchen bilden eine allgemeine Bezugsebene, der sich jeder anschließen kann, vom Literaturdozenten bis zum Handwerker. Märchenhelden und –heldinnen laden dazu ein, sich mit ihnen zu identifizieren, gerade auch durch ihre persönliche Geschichte, die immer ein gutes Ende findet.2
Wie sich das Wissen um die Märchenfiguren und das Bewahren der Erzähltradition weiterentwickeln wird, ist aufgrund der zunehmenden Technisierung nahezu aller Gesellschaftsbereiche, eben auch der Kindererziehung, nur schwer abzuschätzen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt kann man allerdings davon ausgehen, dass die Gattung Märchen zumindest im Bereich Literaturrezeption die größte Schnittmenge in der deutschen Gesellschaft erreicht. Dieser Umstand lässt sich problemlos rückwirkend für die vergangenen 200 Jahre festmachen, wenn man die Auflagenzahlen der Märchensammlungen, begonnen mit den Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Gebrüder Grimm, betrachtet. Die KHM sind, aufgrund ihrer vielen Ausgaben und Übersetzungen, das meistverkaufte aller deutschen Bücher.3
Für die Zeit vor der Wende zum 19. Jahrhundert kann man den Bekanntheitsgrad der zumeist mündlich überlieferten Erzählungen nur vermuten.
Allein die bisher getroffenen Feststellungen geben Anlass zu einer weiteren Analyse der Entwicklung des Märchens, eine genauere Betrachtung seiner einzelnen Motive und Bestandteile und seiner Veränderung im Lauf der Überlieferung.
Da in dem vorgegebenen Rahmen nicht ganz ganze Spektrum der übertragenen „Märchenwelt“ erläutert werden kann, werde ich mich auf die eben genannten Punkte konzentrieren.
2. Spezifizierung: Volksmärchen und Kunstmärchen
„Ein Märchen ist eine Erzählung, die weder an die Bedingungen der wirklichen Welt (Geschichte) noch die einer möglichen Welt (die übrige Epik) gebunden ist, in der mithin das Wunderbare mit der gleichen Selbstverständlichkeit geschildert wird wie die Wirklichkeit.“4
Dieser Lexikonauszug berichtet über die Lebenswelt nahezu aller Märchen, die auch als „Zaubermärchen“ bekannt sind. In ihnen kommen Hexen vor, sprechen Tiere, gibt es unnatürliche Nahtoderscheinungen (Zauberschlaf) und so vieles mehr, was mit der Realwelt nicht in Bezug zu setzen ist, also nur bloßes Produkt der Phantasie sein kann. „Magie, Wunder, Verwandlung, Unheimliches sind im Volksmärchen nichts außergewöhnliches, sondern natürlich.“5
Eine kleine Ausnahme bilden die „Novellenmärchen“, beispielsweise „König Drosselbart“, deren äußere Umstände durchaus als real zu deuten sind. In ihnen ist nicht das Zauberhafte thematisiert, sondern das Alltägliche, beispielsweise soziale Konfliktsituationen. 6
Diese Betrachtungsweise richtet ihren Blick ausschließlich auf den Inhalt der Märchen, nicht auf ihre Entstehungsgeschichte.
[....]
1 Diederichs, Ulf: Who’s who im Märchen. München: dtv 1995. S. 7
2 Vgl. Diederichs 1995, S.7
3 Vgl. Tatar, Maria: Von Blaubärten und Rotkäppchen. Grimms grimmige Märchen. Salzburg/Wien: Residenz Verlag 1990. S. 9
4 Kohlschmidt, Werner und Wolfgang Mohr (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Erster Band: A -K. Zweite Auflage. Berlin: Walter de Gruyter & Co 1958. S. 909.
5 Franz, Kurt (Hg.): Volksliteratur im neuen Kontext. Märchen – Sage – Legende – Schwank. Baltmannsweiler: Schneider Verlag 2004. S. 7.
6 Vgl. Kohlschmidt 1958, S. 913.
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