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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 28 Pages
Author: Tobias Mühlberg
Subject: Theology - Biblical Theology
Details
Tags: Jahwe, Aschera, Eine, Analyse, These, Götterpaares, Jahwe, Aschera, Hand, Funde, Kuntillet, Agrud
Year: 2002
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-48393-3
File size: 665 KB
Gab es im vorexilischen Israel den Glauben an ein Götterpaar "Jahwe und Aschera"? Die archäologischen Funde von Kuntillet Agrud scheinen dies tatsächlich zu bestätigen. Doch inwieweit dieser Schluss gerechtfertigt ist, ob die Deutung der Funde wirklich unvoreingenommen passierte, und was sich aus den vorexilischen hebräischen Personennamen diesbezüglich herleiten lässt, das ist der Inhalt dieser Arbeit.
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Excerpt (computer-generated)
TU Dresden
Philosophische Fakultät
Institut für evangelische Theologie
Seminararbeit zum Thema:
„Jahwe ... und seine Aschera.
Eine Analyse der These eines Götterpaares Jahwe und Aschera an
Hand der Funde von Kuntillet Agrud.”
von
Tobias Mühlberg
SS 02
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Bedeutung der Funde von Kuntillet Agrud ... 2
3. Aschera und die Zeichnungen von Kuntillet Agrud ... 3
3.1. Bildliche Darstellung eines Götterpaares? ... 4
3.2. Aschera als Leierspielerin? ... 7
3.3. Aschera als stilisierter Baum? ... 8
4. „seine Aschera“ - Göttin oder Machtsymbol bzw. Kultobjekt? ... 11
4.1. Blick auf die hebräische Grammatik ... 12
4.2. Blick auf den Kontext ... 13
4.3. Aschera als Kultobjekt ... 14
5. Aschera und die theophoren Namen von Kuntillet Agrud ... 16
5.1. Untersuchung der Theophoren Personennamen durch J.H.Tigay ... 16
5.2. Theophore Personennamen bezüglich der Göttin Aschera ... 18
5.3. Die theophoren Personennamen von Kuntillet Agrud ... 19
6. Zusammenfassung ... 21
7. Literaturverzeichnis ... 25
1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach einem Götterpaar „Jahwe und Aschera“ in der vorexilischen Religion Israels bzw. Judas. Bei Ausgrabungen der Universität Tel Aviv wurden 1975/76 spektakuläre Inschriften und Zeichnungen gefunden, welche den Befürwortern einer Götterpaar-These enormen Auftrieb gaben.1 Die Annahme einer Paredros2 Jahwes wiederum ist in die aktuelle alttestamentliche Forschung eingebettet, welche vor allem im deutschsprachigen Raum für die Zeit vor dem Exil inzwischen pauschal von einer polytheistischen Religion ausgeht.3 Ob diese Annahme tatsächlich pauschal gerechtfertigt ist, soll die Diskussion eines wichtigen Teilproblems, die Frage nach einer Gefährtin Jahwes, zeigen. Dazu werden die Funde von Kuntillet Agrud beleuchtet, wobei in einer Dreiteilung erst nach den Zeichnungen, anschließend nach der Bedeutung der Inschriften und als Drittes nach den in den Inschriften enthaltenen theophoren Namen gefragt wird, welche ebenfalls auf interessante Art und Weise Auskunft über den Glauben dieser Zeit geben.
2. Bedeutung der Funde von Kuntillet Agrud
Die Annahme einer Gefährtin Jahwes wurde bereits durch Heranziehen ugaritischer Funde getroffen. 4 Aus diesen kann der Schluss gezogen werden, dass eine Göttin Atirat an der Seite des Göttervaters El gestanden hat.5 Allerdings wird in der aktuellen Diskussion immer mehr betont, dass der Rückgriff auf den Stadtstaat Ugarit keinesfalls überbewertet werden darf, wie es in der Vergangenheit bereits geschehen ist.6 „Der Vergleichspunkt für die Religion der Königszeit darf nicht in den um ca. 500 Jahre früheren Ugarittexten gesehen werden.“7 Diese Texte sind nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich weit von den Grenzen der Provinz Kanaan entfernt. Zwischen Ugarit und Jerusalem liegen ca. 400 km, etwa die Strecke von Jerusalem bis zum ägyptischen Memphis,8 und so betrachtete die ugaritische Liste KTU 4.96 offenbar einen kanaanäischen Händler als einen Fremden.9 Es handelt sich hier somit nicht um Primärquellen. 10 Die Funde der Universität Tel Aviv von Kuntillet Agrud bieten dagegen die Möglichkeit, sowohl zeitlich als auch räumlich die Religion der vorexilischen Königszeit näher zu beleuchten.
3. Aschera und die Zeichnungen von Kuntillet Agrud
Die 50 km südlich von Kadesh Barnea bei archäologischen Ausgrabungen gefundenen Malereien und Inschriften, ließen die Diskussion über eine Göttin an der Seite Jahwes in großer Breite aufflammen. Die markanteste Inschrift davon ist ohne Zweifel die Formulierung „Jahwe ... und seine Aschera“. Die Befürworter der These eines Götterpaares sahen sich bestärkt und zogen trotz unterschiedlichster Interpretationen den Schluss, dass besagte Malereien und Inschriften ihre These stützen:
„ Die Tonscherben oder Tonkrüge, auf denen geschrieben wurde, enthielten übrigens auch Zeichnungen verschiedener Art, darunter zwei menschliche Gestalten, die man wohl als Jahwe und seine Gefährtin ansprechen muss.“ 11
„Die weibliche Figur von Achrud stellt nicht nur die Große Göttin dar. Die Tatsache, dass sie majestätisch auf einem Thron sitzt, neben Jahwe angerufen wird und wie dieser Spenderin himmlischen Segens ist, bedeutet, dass sie für einige Kreise in Israel die Gefährtin Jahwes war [...] Die jüngsten Ausgrabungen in Achrud und el-Qom [...] beweisen, dass Aschera als Gefährtin Jahwes personifiziert war.“12
„[...] in vorexilischer Zeit [herrschte] offenbar ein Dyotheismus von El/Jahwe-Aschera vor, wobei der Göttin nach Ausweis der Segenswünsche von Kuntillet Agrud und Khirbet el-Qom die Funktion einer Segensmittlerin zukam.“13
Die angeführten Zitate weisen auf ein interessantes Charakteristikum der Diskussion um die Funde von Kuntillet Agrud bezüglich der Frage nach einer Paredros Jahwes hin: Trotz völlig unterschiedlicher und sich zum Teil widersprechender Deutung14 der Zeichnungen und Inschriften wird der gemeinsame Schluss gezogen, dass hier ein Beleg für eine göttliche Gefährtin an der Seite Jahwes in der Königszeit Israels vorhanden sei. Genau deshalb aber, weil hier unterschiedliche Deutungen zu einem gleichen Ergebnis gelangen, muss kritisch gefragt werden, ob nicht das Ziel, Belege für eine Paredros Jahwes zu finden, die Arbeitsweisen und Interpretationen bestimmt.
[....]
1 Vgl. Dietrich, W., 15; Vgl. Weippert, M., 16
2 Paredros = weibliche Göttergefährtin bzw. göttliche Ehefrau
3 Vgl. Dietrich, W., 14; Vgl. Keel, O. u. Uehlinger, C., 2; Vgl. Weippert, M., 10
4 Vgl. Frevel, C., 13
5 Vgl. Dietrich, W., 15
6 Vgl. Frevel, C., 15
7 Vgl. Ebd., 7
8 Vgl. Keel, O. u. Uehlinger, C., 456
9 Vgl. Ebd., 12, Fn. 5
10 Vgl. Ebd., 456
11 Gerstenberger, E. S., 46f.
12 Raurell, F., 83f.
13 Albertz, R., 84
14 Im ersten Zitat werden „Jahwe ... und seine Aschera“ in zwei menschlichen Gestalten erkannt, im zweiten dagegen „Aschera“ allein in einer auf einem Thron sitzenden Person. Vgl. Kapitel 3.1. u. 3.2.
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