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Hauptseminararbeit, 2005, 21 Seiten
Autoren: Bernadette Bideau, Nicole Kaminski
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum
Tags: Entstehungskontext, Einfluss, Autoren, Verwendung, Stilmittel, Anna, Seghers’, Roman, Transit, Gesellschaftskritik
Jahr: 2005
Seiten: 21
Note: 2,7
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-48467-1
ISBN (Buch): 978-3-638-76538-1
Dateigröße: 242 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Der Roman Transit von Anna Seghers, der 1948 zum ersten Mal auf Deutsch erschien, entstand vor dem Hintergrund der Expressionismus-/Realismusdebatte. Diese Debatte entbrannte 1937 und diskutierte vor allem die Frage, wie man die Realität in der Literatur abbilden könne. Zwei Literaten taten sich in dieser Debatte besonders hervor, Georg Lukács und Bertolt Brecht. Diese Debatte beeinflusste auch Anna Seghers, die jedoch ihre eigene Theorie der realistischen Darstellungsweise in der Literatur entwickelte, die sie im Roman Transit anwendete. Sie verwendet moderne Schreibtechniken, wie z.B. die Montage oder den kinematografischen Stil, um die komplexen gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit des Faschismus und des Krieges realistisch abzubilden. Sie entwirft so ein gesellschaftskritisches Bild, das sowohl positive als auch negative Charaktere umfasst und durch die verwendeten modernen Darstellungsmethoden vielschichtig darstellt. Diese Charaktere zeigen typische menschliche Verhaltensweisen und sollen so ein universales Bild der sich in einer Extremsituation befindenden Gesellschaft darstellen. Die modernen Schreibtechniken, die sie dabei verwendet, übernimmt sie unter anderem von James Joyce, John Dos Passos und Alfred Döblin. Die Werke dieser Autoren gelten als Meilensteine der modernen Schreibweisen. In der vorliegenden Hausarbeit werden die neuen Techniken Montagetechnik, innerer Monolog, Verfremdungseffekt, Reportagetechnik sowie kinematografischer Stil anhand ihrer Verwendung in den Romanen der Vorbilder Anna Seghers’ vorgestellt. Hierfür erweist sich das Werk Ulysses von James Joyce als besonders ergiebig, weshalb die modernen Schreibtechniken an diesem Beispiel einführend erläutert werden. Seine Schreibweise findet sich auch in den Werken von Dos Passos und Döblin. Die Abhängigkeit dieser beiden Autoren von Joyce ist zwar umstritten, jedoch kaum von der Hand zu weisen. Anna Seghers’ Roman Transit vereint die oben genannten modernen Schreibtechniken. Wie sie dort eingesetzt werden, um die gesellschaftliche Realität abzubilden, soll im letzten Teil der Arbeit analysiert werden.
Textauszug (computergeneriert)
Ruhr-Universität Bochum
Germanistische Fakultät
HS Gesellschaftskritik als Schneise
durch die deutsche Literaturgeschichte
SS 2005
Der Entstehungskontext, der Einfluss anderer Autoren
und die Verwendung moderner Stilmittel in Anna
Seghers’ Roman Transit
von
Bernadette Bideau und Nicole Kaminski
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Entstehungskontext von Anna Seghers′ Roman Transit 1
2.1. Die Realismus-/Expressionismusdebatte 1
2.2. Die Kontroverse um die Stilmittel 3
2.3. Das Realismuskonzept Anna Seghers′ 4
3. Die moderne Schreibweise in den Werken der Vorbilder Anna Seghers′ 6
3.1. James Joyces Ulysses 6
3.2. John Dos Passos′ Trilogie U.S.A. 10
3.3. Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz 10
4. Die Verwendung der neuen Schreibweisen in Anna Seghers′ Transit 12
4.1. Montagetechnik, Erzählperspektiven und der Verfremdungseffekt 12
4.2. Kinematografischer Stil 14
4.3. Reportagetechnik 15
5. Schluss 16
Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung
Der Roman Transit von Anna Seghers, der 1948 zum ersten Mal auf Deutsch erschien, entstand vor dem Hintergrund der Expressionismus-/Realismusdebatte. Diese Debatte entbrannte 1937 und diskutierte vor allem die Frage, wie man die Realität in der Literatur abbilden könne. Zwei Literaten taten sich in dieser Debatte besonders hervor, Georg Lukács und Bertolt Brecht. Diese Debatte beeinflusste auch Anna Seghers, die jedoch ihre eigene Theorie der realistischen Darstellungsweise in der Literatur entwickelte, die sie im Roman Transit anwendete. Sie verwendet moderne Schreibtechniken, wie z.B. die Montage oder den kinematografischen Stil, um die komplexen gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit des Faschismus und des Krieges realistisch abzubilden. Sie entwirft so ein gesellschaftskritisches Bild, das sowohl positive als auch negative Charaktere umfasst und durch die verwendeten modernen Darstellungsmethoden vielschichtig darstellt. Diese Charaktere zeigen typische menschliche Verhaltensweisen und sollen so ein universales Bild der sich in einer Extremsituation befindenden Gesellschaft darstellen.
Die modernen Schreibtechniken, die sie dabei verwendet, übernimmt sie unter anderem von James Joyce, John Dos Passos und Alfred Döblin. Die Werke dieser Autoren gelten als Meilensteine der modernen Schreibweisen. In der vorliegenden Hausarbeit werden die neuen Techniken Montagetechnik, innerer Monolog, Verfremdungseffekt, Reportagetechnik sowie kinematografischer Stil anhand ihrer Verwendung in den Romanen der Vorbilder Anna Seghers′ vorgestellt. Hierfür erweist sich das Werk Ulysses von James Joyce als besonders ergiebig, weshalb die modernen Schreibtechniken an diesem Beispiel einführend erläutert werden. Seine Schreibweise findet sich auch in den Werken von Dos Passos und Döblin. Die Abhängigkeit dieser beiden Autoren von Joyce ist zwar umstritten, jedoch kaum von der Hand zu weisen.
Anna Seghers′ Roman Transit vereint die oben genannten modernen Schreibtechniken. Wie sie dort eingesetzt werden, um die gesellschaftliche Realität abzubilden, soll im letzten Teil der Arbeit analysiert werden.
2. Der Entstehungskontext von Anna Seghers′ Roman Transit
2.1. Die Realismus-/Expressionismusdebatte
Anna Seghers war der Auffassung, dass man seine Schreibweise den jeweiligen Lebensbedingungen anpassen müsse. Außergewöhnliche gesellschaftliche Umstände erforderten außerordentliche Schreibweisen. Nur so könne die Realität abgebildet werden. Nicht nur Anna Seghers war dieser Meinung. Viele kritische Autoren der Weimarer Republik sahen sich dazu veranlasst, "auf die geänderten sozialen und politischen Bedingungen" zu reagieren.1 Sie wollten nun vielmehr ein neues Publikum ansprechen, das Proletariat. Von nun an sollte die Literatur mehr als zuvor der arbeitenden Klasse dienen. Die Berücksichtigung dieser Schicht und ihrer Bedürfnisse stand also im Vordergrund. Mittels der Unterstützung der KPD hofften die Autoren, die sich der Arbeiterklasse verpflichtet fühlten, eine eigenständige Literatur- und Kulturpraxis aufbauen zu können. Um die Unterstützung der KPD zu erlangen, gründete sich 1928 der Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS). Der BPRS spaltete sich jedoch bald in zwei Lager, die unterschiedlicher Auffassungen waren, wie die neue proletarische Literatur auszusehen habe. Dies geschah im Rahmen der so genannten Realismus-/Expressionismusdebatte. Die Debatte entzündete sich 1937 an der Frage, ob der Expressionismus zum Faschismus geführt habe. Der Schriftsteller Alfred Kurella vertrat diese These. Dem widersprach Klaus Mann, der einen Zusammenhang zwischen Expressionismus und Faschismus vehement abstritt. Als Beleg dafür gelten zahlreiche Exilliteraten, die zunächst der Stilrichtung des Expressionismus folgten, sich jedoch nun gegen den Faschismus wehrten. Diese Tatsache widerlegt die These Kurellas, der sie im Laufe der Debatte zurücknahm.
Die Expressionismusdebatte war jedoch nur Teil der übergreifenden Realismusdebatte. In dieser ging es um die Frage, wie eine antifaschistische Literatur auszusehen habe. In der Literaturzeitschrift "Das Wort" (erschienen in Moskau von 1936 bis 1939) diskutierte man folgende Fragen:
- Inwiefern kann und soll die Literatur die Wirklichkeit abbilden?
- Welche Funktion hat die Literatur in den Klassenverhältnissen, bzw. welche Funktion soll sie einnehmen?
- Welche Verantwortung trägt ein politischer Schriftsteller? Sollten sich die Exilautoren schuldig am Faschismus fühlen und welchen Traditionen sollen sie nun folgen?
- Welche Kennzeichen hat eine Literatur von Rang, d.h., wie soll diese antifaschistische Literatur von Rang sowohl formal als auch inhaltlich aussehen?
[....]
1 Buthge, Werner: Anna Seghers: Werk – Wirkungsabsicht – Wirkungsmöglichkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart, Akademischer Verlag Hans-Dieter Heinz 1982. S. 19.
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