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Hauptseminararbeit, 2005, 20 Seiten
Autor: Raluca Bibescu
Fach: Amerikanistik - Literatur
Details
Institution/Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Anglistik II)
Tags: Vorstellung, Kritik, Interpretationen, Erzählung, Ligeia, Edgar, Allan, Edgar, Allan, Poetry, Prose, Literary, Theory
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-48548-7
ISBN (Buch): 978-3-638-79709-2
Dateigröße: 203 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Literaturwissenschaft scheint mannigfaltige Möglichkeiten gefunden zu haben, sich Edgar Allan Poes “Ligeia” zu nähern und immer wieder neu zu entdecken. Seit der Erscheinung der ersten Ausgabe im Jahre 1938 versuchen Kritiker die Kurzgeschichte mittels Literaturtheorien, die zu verschiedenen Schulen gehören, zu interpretieren. Im Allgemeinen ist die Literaturkritik um Ligeia zweigeteilt wenn es darum geht, die Erzählung wörtlich oder allegorisch zu lesen. Die Kritiker, die die Geschichte wörtlich verstehen, halten sie für eine übernatürliche Erzählung, eine Horrorgeschichte. Diese sind sich meist einig, dass die Erzählung vom Sieg des menschlichen Willen über den Tod handelt. Doch stellt sich auch bei dieser Verstehensweise die Frage, ob der Höhepunkt der Erzählung wirklich von der Auferstehung von den Toten handelt, oder nur von den Halluzinationen eines opiumabhängigen Erzählers. Aus der Fülle von allegorischen Interpretationen kann die Autorin im Rahmen dieser Arbeit nur drei vorstellen und ihre Schwachpunkte aufzeigen. Der feministische Ansatz geht davon aus, dass Ligeia in der Reinkarnationsszene es endlich schafft, sich von den patriarchalen Zwängen einer von Männern regierten Gesellschaft zu befreien. Mit ihrem starken Willen hat sie die Kraft, die Ketten dieser Gesellschaft zu durchbrechen, die sie zu einem Mann gebunden haben, der sie nur als ein Gemälde beschreiben kann. Eine ganz und gar gegenteilige Auffassung vertreten die Kritiker, die den männlichen Erzähler als einen unterdrückten, schwachen Mann sehen, der sich Ligeia nur unterordnen kann. Die dritte allegorische Interpretation, die vorgestellt wird, vertritt die Meinung, dass Ligeia ein bloßes Hirngespinst des Autors ist – sie ist die Muse, die ihn inspiriert während er dichtet. Ziel dieser Arbeit ist es, diese verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten vorzustellen und Kritiken auszuarbeiten. Damit möchte die Autorin beweisen, dass diese Erzählung keineswegs zur Trivialliteratur gehört und damit nicht bloße Unterhaltung, sondern ein präzise und minutiös ausgearbeitetes Werk, das jedem Individuum und jeder Generation ermöglicht, eine Botschaft darin zu entdecken, gerade weil es keine universale Interpretation liefert.
Textauszug (computergeneriert)
Heinrich - Heine - Universität Düsseldorf
Anglistik II, Amerikastudien
Hauptseminar „Edgar Allan Poe:
Poetry, Prose, and Literary Theory“
Vorstellung und Kritik verschiedener Interpretationen der
Erzählung "Ligeia" von Edgar Allan Poe
von: Raluca Bibescu
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Wörtliches Verstehen 2
a) Übernatürliche Ebene 3
b) Psychologisch-rationale Verstehensweise 5
3. Allegorische Interpretationen 7
a) Feminist reading 8
b) Unterdrückung des männlichen Erzählers 12
c) Der Dichter und seine Muse 14
4. Ausblick 16
5. Bibliographie 17
1. Einleitung
Die Literaturwissenschaft scheint mannigfaltige Möglichkeiten gefunden zu haben, sich Edgar Allan Poes “Ligeia” zu nähern und immer wieder neu zu entdecken. Seit der Erscheinung der ersten Ausgabe im Jahre 1938 versuchen Kritiker die Kurzgeschichte mittels Literaturtheorien, die zu verschiedenen Schulen gehören, zu interpretieren. Im Allgemeinen ist die Literaturkritik um Ligeia zweigeteilt wenn es darum geht, die Erzählung wörtlich oder allegorisch zu lesen. Die Kritiker, die die Geschichte wörtlich verstehen, halten sie für eine übernatürliche Erzählung, eine Horrorgeschichte. Diese sind sich meist einig, dass die Erzählung vom Sieg des menschlichen Willen über den Tod handelt. Doch stellt sich auch bei dieser Verstehensweise die Frage, ob der Höhepunkt der Erzählung wirklich von der Auferstehung von den Toten handelt, oder nur von den Halluzinationen eines opiumabhängigen Erzählers.
Aus der Fülle von allegorischen Interpretationen kann ich im Rahmen dieser Arbeit nur drei vorstellen und ihre Schwachpunkte aufzeigen. Der feministische Ansatz geht davon aus, dass Ligeia in der Reinkarnationsszene es endlich schafft, sich von den patriarchalen Zwängen einer von Männern regierten Gesellschaft zu befreien. Mit ihrem starken Willen hat sie die Kraft, die Ketten dieser Gesellschaft zu durchbrechen, die sie zu einem Mann gebunden haben, der sie nur als ein Gemälde beschreiben kann. Eine ganz und gar gegenteilige Auffassung vertreten die Kritiker, die den männlichen Erzähler als einen unterdrückten, schwachen Mann sehen, der sich Ligeia nur unterordnen kann.
Die dritte allegorische Interpretation, die ich vorstellen möchte, vertritt die Meinung, dass Ligeia ein bloßes Hirngespinst des Autors ist – sie ist die Muse, die ihn inspiriert während er dichtet. Ziel dieser Arbeit ist es, diese verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten vorzustellen und ihre Schwachpunkte auszuarbeiten. Damit möchte ich beweisen, dass diese Erzählung keineswegs zur Trivialliteratur gehört und damit nicht bloße Unterhaltung, sondern ein präzise und minutiös ausgearbeitetes Werk, das jedem Individuum und jeder Generation ermöglicht, eine Botschaft darin zu entdecken, gerade weil es keine universale Interpretation liefert.
2. Wörtliches Verstehen
Wenn man die Erzählung Ligeia wörtlich versteht, geht man zunächst einmal von der ersten, übernatürlichen Ebene aus, auf der man sie als fantastische Literatur oder als Horrorgeschichte auffasst.
In seinem Aufsatz “A Plea for Literalism” erklärt Joseph Lauber, ein wichtiger Vertreter des Verstehens auf der übernatürlichen Ebene, wie der Epigraph von Glanvill ein wörtliches Verstehen unterstützt wenn er behauptet:
"[The Glanvill epigraph] indicates that it announces the major theme, the power of the human will and its capacity to triumph over death. It is a theme that can only exist within the context of a literal reading". Lauber fährt fort und sagt, dass "Ligeia makes perfect sense when read literally, and Poe gives no clear hint that it should be read otherwise".1
Auf einer nächsten Verstehensstufe hinterfragt man als Leser den unzuverlässigen Erzähler in Ligeia und kann, muss aber nicht, zu dem Schluss kommen, dass der Erzähler ein Mörder und Psychopath sein könnte, der seine Verbrechen vor dem Leser verheimlicht und übernatürliche Ereignisse vortäuscht. Diese zwei Interpretationen bewegen sich auf der wörtlichen Verstehensstufe, doch scheinen sie im Gesamtverständnis der Erzählung gänzlich zu divergieren: Entweder ist der menschliche Wille so groß, dass er alle anderen Mächte besiegen und gottähnliche, übernatürliche Kräfte entwickeln kann, oder das menschliche Bewusstsein ist eine so leichte Beute für Gefühle und Betäubungsmittel, dass es noch nicht einmal unterscheiden kann zwischen Realität und Halluzination. Die Erzählung lässt tatsächlich zwei sich anscheinend ausschließenden Interpretationen zu, die jedoch beide ironischerweise zwei Hauptgedanken Poes in sich vereinen. Poe hat sowohl Horrorgeschichten geschrieben, die das Übernatürliche thematisieren, als auch Geschichten über die menschliche Psyche und das Bewusstsein.
a) Übernatürliche Ebene
[...]
1 LAUBER, JOHN, ′Ligeia′ and Its Critics: A Plea for Literalism", In Studies in Short Fiction 4:28-32.
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