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'Die Spinnen' und ihr Mediennetzwerk - Eine vergleichende Analyse von Film und Hörspiel

Scholary Paper (Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Amely Braunger
Subject: Communications: Miscellaneous

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V53019
ISBN (E-book): 978-3-638-48579-1
ISBN (Book): 978-3-638-70887-6
File size: 173 KB

Abstract

Im Vergleich zur Verbreitung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und seine Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern im Jahr 1440, beschreibt der Film mit der ersten öffentlichen Filmvorführung vom 22. März 1895 durch die Gebrüder Lumière noch ein recht junges Medium. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass sich unter den Klassikern in der Literatur zahlreiche Werke wiederfinden, die einer späteren Verfilmung als Grundlage dienen. Doch auch im Fundus der neueren literarischen Schöpfungen ist das Phänomen der Literaturverfilmung zu finden. Diese Umwandlung einer Geschichte von einem Medium in ein anderes beschränkt sich jedoch nicht nur auf Literatur und Film, sondern breitet sich mit der zunehmenden Technisierung unseres Medienzeitalters auf andere Medien aus. Neben der Literaturverfilmung, bei der die mit gedanklich strukturierten Bildern aufgeladene Schrift nun mit filmisch erzeugten Bildern in einen realen Raum übertragen wird, findet sich auch der umgekehrte Prozess wieder. So wird bei der Umwandlung einer Filmvorlage in ein Hörspiel auf reale Bilder verzichtet und stattdessen wieder mehr Gewicht auf Sinne gelegt, die dem Sehsinn untergeordnet sind, so z.B. die imaginäre Vorstellungskraft und das Gehör. In dieser Arbeit soll es darum gehen, den Prozess der Medien-Übertragung bzw. -Umwandlung am Beispiel des ersten Teils der „Spinnen“ von Fritz Lang näher zu durchleuchten. Dabei wird als Grundlage die Struktur des Romans herangezogen, damit im Weiteren auf den Vergleich zwischen Film und Hörspiel eingegangen werden kann, die sich jedoch nicht nur auf die inhaltliche Umsetzung beschränkt, sondern auf die jeweilige medienspezifische Umsetzung des Stoffes ausweiten wird. Um eine Gegenüberstellung der Verfilmung und Vertonung des „goldenen Sees“ zu ermöglichen, werden grundlegende medienspezifische Eigenschaften von Film und Hörspiel aufgezeigt, bevor anschließend auf Details eingehen wird.


Excerpt (computer-generated)

Universität Konstanz

„Die Spinnen“ und ihr Medien-Netzwerk:

Eine vergleichende Analyse von Film und Hörspiel

Eine Hausarbeit zum Seminar: Literaturverfilmung – Theorie und Analyse
Sommersemester 2005

von

Amely Braunger

4. Semester LKM

 

 

Inhalt

1. Zur Einführung 3
1.1 Ziele und Absichten dieser Arbeit 3
1.2 Die Person Fritz Lang und seine Kunst 4

2. "Die Spinnen" - Eine Zusammenfassung 5
2.1 Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte 5
2.2 Inhaltlicher Überblick 6
2.3 Themen und Motive 7

3. "Der goldene See" in seiner medialen Vielfalt 8
3.1 Der Roman und seine Bildsprache 8
3.2 Der Film 9
3.2.1 Das Medium Film in den 20er Jahren 9
3.2.2 Die filmische Umsetzung der Romanvorlage 10
3.2.3 Möglichkeiten des bewegten Bildes 14
3.3 Das Hörspiel 15
3.3.1 Hintergrundinformationen 15
3.3.2 Mediale Eigenarten 16
3.3.3 Warum sich "Die Spinnen" zur Vertonung eignen: Versuch einer Begründung 18

4. Abschließende Betrachtung 22

5. Quellen 23

 

 

1. Zur Einführung

1.1 Ziele und Absichten dieser Arbeit

Im Vergleich zur Verbreitung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und seine Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern im Jahr 1440, beschreibt der Film mit der ersten öffentlichen Filmvorführung vom 22. März 1895 durch die Gebrüder Lumière noch ein recht junges Medium. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass sich unter den Klassikern in der Literatur zahlreiche Werke wiederfinden, die einer späteren Verfilmung als Grundlage dienen. Doch auch im Fundus der neueren literarischen Schöpfungen ist das Phänomen der Literaturverfilmung zu finden. Diese Umwandlung einer Geschichte von einem Medium in ein anderes beschränkt sich jedoch nicht nur auf Literatur und Film, sondern breitet sich mit der zunehmenden Technisierung unseres Medienzeitalters auf andere Medien aus. Neben der Literaturverfilmung, bei der die mit gedanklich strukturierten Bildern aufgeladene Schrift nun mit filmisch erzeugten Bildern in einen realen Raum übertragen wird, findet sich auch der umgekehrte Prozess wieder. So wird bei der Umwandlung einer Filmvorlage in ein Hörspiel auf reale Bilder verzichtet und stattdessen wieder mehr Gewicht auf Sinne gelegt, die dem Sehsinn untergeordnet sind, so z.B. die imaginäre Vorstellungskraft und das Gehör.

In dieser Arbeit soll es mir darum gehen, den Prozess der Medien-Übertragung bzw. -Umwandlung am Beispiel des ersten Teils der "Spinnen" von Fritz Lang näher zu durchleuchten. Dabei werde ich als Grundlage die Struktur des Romans heranziehen, möchte mich jedoch im Weiteren auf den Vergleich zwischen Film und Hörspiel beschränken, da beide über ähnliche (technische) Voraussetzungen verfügen und dennoch grundsätzliche Unterschiede aufweisen, wodurch sich eine vergleichende Analyse für mich sehr interessant gestaltet. Um eine Gegenüberstellung der Verfilmung und Vertonung des "goldenen Sees" zu ermöglichen, werde ich zuerst grundlegende medienspezifische Eigenschaften von Film und Hörspiel aufzeigen, bevor ich auf Details eingehen werde. Zunächst sollen jedoch die folgenden biografischen Angaben zum Roman- und Filmautor Fritz Lang dabei helfen, anhand der Einbettung seiner Lebensgeschichte in einen historischen Rahmen, die Bedingungen der Entstehung seines Werkes und dessen inhaltliche Kernthematik besser erläutern zu können.

1.2 Die Person Fritz Lang und seine Kunst

Der Künstler Lang wurde am 5. Dezember 1890 als Friedrich Christian Anton Lang in Wien geboren. 1 Auf Wunsch seines Vaters begann er 1905 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule, wechselte 1908 jedoch an die Akademie der Graphischen Künste, da ihn die Arbeit des Kunstmalers faszinierte. Seine Liebe zu exotischen Ländern trieb ihn zwischen 1911/1912 zu einer Weltreise an, die ihm zahlreiche kulturelle Eindrücke bescherte und von der er viele Reisesouvenirs mitbrachte, die in seinem späteren Schaffen eine tragende Rolle spielen sollten. So gibt Lang später auf die Frage nach dem Grund der Entstehung seiner „Spinnen“ an: „Ich hatte einfach Lust, Abenteuerfilme zu drehen. Damals war ich jung und liebte alles, was exotisch war. Außerdem wollte ich meine Reisesouvenirs verwenden.“2 Als der erste Weltkrieg ausbrach, kämpfte auch Lang an der Front, bis er 1917 verletzt wurde. Nach seiner Verwundung begann er sich intensiv mit dem Thema Tod auseinander zu setzen und er schrieb seine ersten Kurzgeschichten und Filmsujets wie „Totentanz“ oder „Pest in Florenz“. Dank seiner Bekanntschaft zu den Filmproduzenten Joe May und Erich Pommer bekam er schließlich die Möglichkeit, seine ersten Drehbücher „Hochzeit im Exzentrik Club“ und „Hilde Warren und der Tod“ zu verfilmen. Die erste eigene Regie unter der Produktion von Pommer folgte schließlich 1919 mit „Halbblut“, anschließend kam der Zweiteiler „Die Spinnen“, der zu den ältesten noch erhaltenen Filmen von Fritz Lang zählt. Als der zweite Weltkrieg sich ankündigte, hatte sich Lang in Deutschland bereits seinen Namen als Filmemacher gesichert. Als Lang schließlich von Goebbels mit der Leitung der deutschen Filmindustrie beauftragt wurde, sah er sich mit seiner politisch liberalen Haltung und seiner halbjüdischen Herkunft konfrontiert, sodass er 1933 zuerst nach Paris, später nach Hollywood auswanderte, wo er beruflich schnell Fuß fasste. Obwohl Lang in den Jahren zwischen 1919 und 1960 insgesamt 43 Filme inszenierte und berufliche Erfolge zu verzeichnen hatte,3 umgab den Künstler eine eher „dunkelgraue bis tiefschwarze“4 Weltanschauung, was sich auch im fehlenden Happy End seiner Filme widerspiegelte. Die durch den Nationalsozialismus ausgelöste Beschäftigung mit den Gefahren des Machtmissbrauchs und der Frage nach der unausweichlichen Erfüllung eines vorherbestimmten Schicksals zog ihn Zeit seines Lebens in ihren Bann und wurde zur Kernthematik vieler seiner Werke.

[....]


1 Bei der Angabe der folgenden Eckdaten stütze ich mich, wenn nicht anders vermerkt, auf: Dürrenmatt, Dieter: Fritz Lang. Leben und Werk. Museum des Films: Basel 1982, S. 199.

2 Sturm, Georges: Die Circe, der Pfau und das Halbblut. Die Filme von Fritz Lang 1916-1921. Wissenschaftlicher Verlag: Trier 2001, S. 138.

3 Vgl. Dürrenmatt, Dieter: Fritz Lang, a.a.O., S. 89.

4 Zitiert aus: Heinzelmeier, Adolf: Fritz Lang. Verlagsunion Pabel-Moewig: Raststatt 1990, S. 7.


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