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Scholary Paper (Seminar), 2005, 24 Pages
Author: Petra Biffiger
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Nibelungenlied, Eine, Kritische, Auseinandersetzung, Harald, Haferlands, These, Vortrags
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 2
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-48959-1
ISBN (Book): 978-3-638-67818-6
File size: 241 KB
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Abstract
In der Regel bestand die Vortragsform der höfischen Dichtung im Vorlesen durch den Autor oder einen Vorleser. Selten mag es zu einer einsamen Lektüre gekommen sein. Wie ‘Erec’, ‘Iwein’, ‘Parzival’ usw. gehört das ‘Nibelungenlied’ zur Buchdichtung. Es gliedert sich mit seinem Inhalt über höfische Lebensformen durchaus auch in diese Reihe ein. Doch in seinem Vortrag unterscheidet es sich, laut Haferland, auffällig vom neuen höfischen Literaturbetrieb. Aufgrund des Umfanges des ‘Nibelungenliedes’ ging man bislang davon aus, dass es vor Jahrhunderten als schriftliche Dichtung verfasst und beim Vortrag abgelesen wurde. Doch war dem wirklich so? Harald Haferland, der an der Freien Universität Berlin Altgermanistik lehrt, ist diesem Problem in seinem Aufsatz über die „Mündlichkeit des ‘Nibelungenliedes’“ auf den Grund gegangen. Ziel der hier vorliegenden Arbeit ist es nun, einen Überblick über diesen Aufsatz und dessen Hypothesen zu verschaffen, kritisch dazu Stellung zu nehmen und einige neue Punkte aufzugreifen.
Excerpt (computer-generated)
Wie wurde das ′Nibelungenlied′ vorgetragen?
von: Petra Biffiger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der mündliche Vortrag ohne Schriftstütze 2
2.1 Die Eingangsinitiale der St. Galler Handschrift 2
2.1.1 Stellungnahme Haferlands 2
2.1.2 Aufsatz von Christel Meier zur Unterstützung der These von Haferland 3
2.1.3 Die fehlende Prologstrophe in der St. Galler Handschrift 4
2.1.4 Persönliche Stellungnahme 4
2.2 Der Epilog der Klage 5
2.2.1 Das in der Klage vorgestellte Überlieferungsmodell des Nibelungen 5
2.2.2 Stellungnahme Haferlands zu diesem Überlieferungsmodell 5
2.2.3 Persönliche Stellungnahme 6
2.3 Das Nibelungenlied als mündlicher Vortrag, im Sinne einer „composition in performance“ (Dichten aus dem Stegreif) 6
2.3.1 Was sind „Formeln“? 7
2.3.2 Oral-Formulaic Theory von Parry und Lord 7
2.3.3 Die Stellungnahme Haferlands zu der Oral-Formulaic Theory 7
2.3.4 Stellungnahme anderer Forscher 8
2.3.5 Was blieb von dieser Theorie noch übrig? 9
2.3.6 Persönliche Stellungnahme 9
3. Der mündliche Vortrag mit Schriftstütze 10
3.1 Der auswendig gelernte Vortrag 10
3.1.1 Die poetische Sprache 10
3.1.2 Die Funktion von Rhythmus und Reim 10
3.1.3 Die Funktion von Vers und Strophen 11
3.1.4 Die Funktion von Melodie und Tanz 11
3.1.5 Hypothese Haferlands 12
3.1.6 Die Theorie von Curschmann 14
3.1.7 Stellungnahme Haferlands zur Theorie von Curschmann 15
3.2 Der vorgelesene Vortrag 15
3.2.1 Was spricht für einen vorgelesenen Vortrag? 15
3.2.2 Was spricht gegen diese zwei Punkte für einen vorgelesenen Vortrag? 16
4. Die Repräsentivität der Handschriften A, B und C 16
4.1 Die Münchener Handschrift (A) 17
4.2 Die St. Galler Handschrift (B) 17
4.3 Die Hohenems-Lassbergsche Nibelungenlied-Handschrift (C) 18
5. Zusammenfassung 18
6. Literaturverzeichnis 20
6.1 Sekundärliteratur 20
6.2 Primärliteratur 20
1. Einleitung
In aller Regel besteht die Vortragsform der höfischen Dichtung im Vorlesen durch den Autor oder einen Vorleser. Selten mag es zu einer einsamen Lektüre gekommen sein. ‘Erec‘, ‘Iwein‘, ‘Parzival‘ usw. sind Buchdichtungen. Das ‘Nibelungenlied’ gliedert sich mit seinem Inhalt über höfische Lebensformen durchaus auch in diese Reihe ein. Doch in seinem Vortrag differenziert es sich auffällig vom neuen höfischen Literaturbetrieb.1
Das ‘Nibelungenlied’ stellt ein gewichtiger Bestandteil der deutschsprachigen Literatur um 1200 dar. Das Original des ‘Nibelungenliedes’ ist nicht erhalten, überliefert wurden aber über 35 Handschriften und Handschriftenfragmente. In den meisten Handschriften ist das ‘Nibelungenlied’ in insgesamt 39 so genannte âventiuren eingeteilt, welche als Kapitel verstanden werden können. 2 Es besteht aus 2379 Strophen, welche jeweils vier Langzeilen aufweist.3 Aufgrund des Umfanges des ‘Nibelungenliedes’ ging man bislang davon aus, dass es vor Jahrhunderten als schriftliche Dichtung verfasst und beim Vortrag abgelesen wurde. Doch war dem wirklich so? Harald Haferland, der an der Freien Universität Berlin Altgermanistik lehrt, ist diesem Problem in seinem Aufsatz über die „Mündlichkeit des ‘Nibelungenliedes’ “4 auf den Grund gegangen.
In meinem Interesse liegt es nun, einen Überblick über diesen Aufsatz und dessen Hypothesen zu verschaffen, kritisch dazu Stellung zu nehmen und einige neue Punkte aufzugreifen.
2. Der mündliche Vortrag ohne Schriftstütze
2.1 Die Eingangsinitiale der St. Galler Handschrift
In der Eingangsinitiale der St. Galler Handschrift des ‘Nibelungenliedes’ (Hs. B) wird eine Person mit einer rhetorischen Geste dargestellt. Diese Geste ist eine Variante des so genannten Fingerrings, welcher von Quintilian für den Anfang einer Rede oder für die narratio empfohlen wurde und allgemein formuliert, die Aufmerksamkeit der Zuhörer fokussieren soll.5 Für Haferland ist der unmittelbare Zeugniswert der Initiale gering anzusetzen, „da die Geste wohl kaum nördlich der Alpen und wohl schon gar nicht beim Vortrag des ‘Nibelungenliedes’ verwendet wurde.“ 6 Trotzdem lässt sich erahnen, wie sich der Illustrator den Vortrag gedacht hat: als einen Vortrag, der ohne unmittelbare Schriftstütze auskam. Haferland ist der Meinung, dass wenn es nicht so gewesen wäre, der Illustrator dem Vortragenden ein Buch zum Vorlesen in die Hand hätte geben können. Für ihn bezeugt die Initiale, dass man das ‘Nibelungenlied’ zur mündlichen Dichtung rechnen kann, mündlich in dem Sinn, dass beim Vortrag kein Vortragsskript Verwendung fand. Der Vortrag kommt so also einer aus dem Gedächtnis abgerufenen Rede gleich.7
2.1.1 Aufsatz von Christel Meier zur Unterstützung der These von Haferland
[...]
1 Vgl. Harald Haferland, Der auswendige Vortrag. Überlegungen zur Mündlichkeit des ´Nibelungenliedes´, in: Situationen des Erzählens. Aspekte narrativer Praxis im Mittelalter, hg. von Ludger Lieb und Stephan Müller, Berlin/New York 2002, S. 245 - 282, hier: S. 280.
2 Vgl. Lothar Voetz, Einführung in das Nibelungenlied. 23.08.2004. URL: http://www.blb-karlsruhe.de/blb/blbhtml/nib/einfuehrung-voetz.html (21.02.2005).
3 Vgl. Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor ins Neuhochdeutsche übers. und komm. von Siegfried Grosse (Reclams Universal- Bibliothek 644), Stuttgart 2002.
4 Harald Haferland, Der auswendige Vortrag. Vgl. ders., Das Nibelungenlied: Eine mündliche oder eine schriftliche Dichtung? Altgermanist analysiert die Memorierbarkeit der deutschen Heldendichtung. 25.11.2004. URL:http://www.fuberlin. de/presse/wissenschaft/pdw04/pdw_04_034.html (10.02.2005).
5 Vgl. Harald Haferland, Der auswendige Vortrag. S. 245.
6 Ebd., S. 246.
7 Vgl. ebd., S. 247f.
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