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'Der weiche Griff beim Klettern' Zum Zusammenhang von Greifverhalten und situativer Angst beim Klettern

Diploma Thesis, 2005, 193 Pages
Authors: Diplomsportwissenschaftler Alexander Henn, Robert Zepig
Subject: Sport - Sport Psychology

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2005
Pages: 193
Grade: 1,9
Bibliography: ~ 39  Entries
Language: German
Archive No.: V53674
ISBN (E-book): 978-3-638-49053-5

File size: 1844 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität der Bundeswehr München
Fakultät für Pädagogik
Institut für Sportwissenschaft und Sport
Diplomarbeit

„DER WEICHE GRIFF BEIM KLETTERN“
Zum Zusammenhang von Greifverhalten und situativer Angst beim Klettern

eingereicht von:
Alexander Henn und  Robert Zepig

2005

 

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG ... 17

2 THEORETISCHES RAHMENKONZEPT ... 18
2.1 Einleitender Teil  ... 18
2.2 Handlungstheoretische Grundlagen ... 19
2.3 Handlungstheoretisches Verständnis der Handlung  ... 20
2.3.1 Handlungssituation und Situationsdefinition  ... 20
2.3.2 Die Handlungsphasen ... 24
2.3.2.1 Die Antizipationsphase ... 26
2.3.2.2 Die Realisationsphase ... 27
2.3.2.3 Die Interpretationphase  ... 28
2.3.3 Die Regulationsebenen  ... 29
2.3.4 Zusammenfassendes zu handlungstheoretischen Grundlagen ... 31
2.4 Emotionen und Kognitionen als handlungsbestimmende Faktoren ... 32
2.4.1 Faktor Emotion ... 32
2.4.2 Faktor Kognition  ... 33
2.4.3 Zusammenfassendes zu Emotion und Kognition ... 33
2.5 Die Emotion und das Phänomen „Angst“ ... 34
2.5.1 Definitionsansätze zum Angstbegriff ... 34
2.5.2 Zusammenfassendes zum Angstbegriff  ... 36
2.6 Theorien zur Emotion Angst ... 36
2.6.1 Der kognitive Ansatz des Handlungsgeschehens  ... 36
2.6.2 Der psychoanalytische Angsttheorieansatz ... 39
2.6.3 Das Modell der Eigenschafts-Zustandsangst nach Spielberger  ... 40
2.6.4 Der Theorieansatz nach Hackfort ... 40
2.7 Kennzeichen und Funktion der Angst im Klettersport ... 42
2.7.1 Kennzeichen der Angst aus subjektiver und objektiver Sicht  ... 42
2.7.1.2 Kognitive Beobachtungserscheinungen  ... 44
2.7.1.3 Auswirkungen auf die Motorik des Kletterers  ... 45
2.7.2 Angst und Ihre Funktion im Klettersport ... 45
2.7.3 Zusammenfassendes zu Auswirkungen und Funktion der Angst im Klettersport  ... 47
2.8 Der Klettersport  ... 48
2.8.1 Geschichtlicher Hintergrund zum Klettersport  ... 48
2.8.2 Leistungsbestimmende Faktoren im Klettersport ... 49
2.8.3 Nutzungszonen einer Indoor-Kletterwand im Klettersport  ... 50
2.8.4 Zusammenhang zwischen Erfahrung im Klettersport und Schwierigkeitsgrad ... 50
2.8.5 Entstehung von Angst im Klettersport ... 51
2.8.6 Verhaltensmuster nach Auftreten von Angst im Klettersport ... 52
2.8.7 Anatomische Gesichtspunkte  ... 53
2.8.8 Die Muskulatur ... 54
2.8.9 Die Muskelphysiologie ... 55
2.8.10 Ein Ansatz zum „Weichen Griff“ im Klettersport ... 56
2.8.11 Zusammenfassendes zum Klettersport ... 57

3 PROBLEMSTELLUNG ... 58
3.1 Problemfeld „weiches Greifen“  ... 58
3.2 Überlegungen zum Problemfeld und Bildung abgeleiteter Hypothesen ... 58
3.2.1 Allgemeine Überlegungen  ... 59
3.2.1.1 Hypothese 1  ... 59
3.2.1.2 Hypothese 2  ... 59
3.2.2 trait-Angst als bestimmender Faktor für die Griffkraft ... 60
3.2.2.1 Hypothese 3  ... 60
3.2.2.2 Hypothese 4  ... 60
3.2.2.3 Hypothese 5  ... 60
3.2.3 state-Angst als bestimmender Faktor für die Griffkraft  ... 61
3.2.3.1 Hypothese 6  ... 61
3.2.3.2 Hypothese 7  ... 61
3.2.3.3 Hypothese 8  ... 61
3.2.4 Klettererfahrung als bestimmender Faktor für die Griffkraft ... 62
3.2.4.1 Hypothese 9  ... 62
3.2.4.2 Hypothese 10  ... 63
3.2.4.3 Hypothese 11  ... 63
3.2.5 Maximalkraft als bestimmender Faktor für die Griffkraft ... 63
3.2.5.1 Hypothese 12  ... 63
3.2.5.2 Hypothese 13  ... 64
3.2.5.3 Hypothese 14  ... 64
3.2.6 Klettererfahrung als bestimmender Faktor für die situative Angst ... 64
3.2.6.1 Hypothese 15  ... 64
3.2.6.2 Hypothese 16  ... 64
3.2.6.3 Hypothese 17  ... 65

4 UNTERSUCHUNGSMETHODIK ... 66
4.1 Untersuchungsdesign  ... 66
4.2 Untersuchungsverfahren  ... 66
4.3 Messmethodik und Darstellung der Untersuchungsinstrumente  ... 67
4.3.1 Messtechnik für die Griffkraft  ... 67
4.3.1.1 Der Messgriff mit Kraftsensor ... 68
4.3.1.2 Der Analog-Digital-Wandler ... 71
4.3.1.3 Das Anzeigegerät ... 72
4.3.2 Methoden zur Messung der Angst  ... 72
4.3.2.1 Einsatz des trait-Angst-Tests ... 73
4.3.2.2 Einsatz des state-Angst-Tests  ... 74
4.3.3 Kletterroute ... 75
4.4 Untersuchungsablauf und Untersuchungsaufbau  ... 76
4.4.1 Ermittlung der Ausprägung der allgemeinen Angst ... 76
4.4.2 Griffkraftmessung auf fünf Meter Höhe und Ermittlung der situativen Angst auf null Meter Höhe  ... 77
4.4.3 Ermittlung der Maximalkraft  ... 80
4.4.4 Griffkraftmessung auf 25 Meter Höhe und Ermittlung der situativen Angst auf 20 Meter Höhe ... 81
4.4.5 Ermittlung der Klettererfahrung ... 83
4.5 Beschreibung der Untersuchungsorte ... 83
4.5.1 Seminarraum der Fitnesshalle  ... 83
4.5.2 Kletterwand der Fitnesshalle ... 84
4.5.3 Kletterhalle „Heavens Gate“  ... 84
4.6 Beschreibungen der Untersuchungsstichprobe ... 85
4.7 Beschreibung der Auswertungsverfahren  ... 86
4.7.1 Bearbeiten der Rohdaten  ... 86
4.7.1.1 Vorgehen beim state-Trait-Angstinventar ... 86
4.7.1.2 Vorgehen bei den Griffkraftmessungen  ... 87
4.7.1.3 Vorgehen bei der Ermittlung der Klettererfahrung  ... 87
4.7.2 Verfahren zur Gruppeneinteilung  ... 88
4.7.3 Auswahl der statistischen Mittel  ... 88

5 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE  ... 90
5.1 Deskriptive Statistik ... 90
5.2 Statistische Auswertung ... 93
5.2.1 Korrelationsanalyse ... 93
5.2.2 Hypothese 1  ... 96
5.2.3 Hypothese 2  ... 99
5.2.4 Hypothese 3  ... 102
5.2.5 Hypothese 4  ... 106
5.2.6 Hypothese 5  ... 110
5.2.7 Hypothese 6  ... 114
5.2.8 Hypothese 7  ... 118
5.2.9 Hypothese 8  ... 122
5.2.10 Hypothese 9  ... 126
5.2.11 Hypothese 10  ... 130
5.2.12 Hypothese 11  ... 134
5.2.13 Hypothese 12  ... 138
5.2.14 Hypothese 13  ... 142
5.2.15 Hypothese 14  ... 146
5.2.16 Hypothese 15  ... 150
5.2.17 Hypothese 16  ... 154
5.2.18 Hypothese 17  ... 158

6 DISKUSSION DER ERGEBNISSE  ... 162
6.1 Grundlegende Aspekte der Diskussion  ... 162
6.1.1 Allgemeine Annahmen  ... 162
6.1.2 Annahmen zur trait-Angst als bestimmender Faktor für die Griffkraft  ... 163
6.1.3 Annahmen zur state-Angst als bestimmender Faktor für die Griffkraft  ... 164
6.1.4 Annahmen zur Klettererfahrung als bestimmender Faktor für die Griffkraft  ... 166
6.1.5 Annahmen zur Maximalkraft als bestimmender Faktor für die Griffkraft  ... 167
6.1.6 Annahmen zur Klettererfahrung als bestimmender Faktor für die situative Angst  ... 168

7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ... 170

8 LITERATURVERZEICHNIS ... 174

ANHANG ... 178
Anhang A: Einverständniserklärung für die Versuchsteilnehmer ... 178
Anhang B: trait-Angst Fragebogen mit Skala der Klettererfahrung ... 179
Anhang C: state-Angst Fragebogen zur Befragung auf null Meter Höhe ... 180
Anhang D: state-Angst Fragebogen zur Befragung auf 20 Meter Höhe ... 181
Anhang E: Routenskizze der Untersuchung ... 182
Anhang F: Bilder der Klettersteine in der Kletterroute ... 183
Anhang G: UIAA-Skala  ... 185

 

1 EINLEITUNG

„Nicht jeder eignet sich zum Klettern; ein paar kräftige Beine und eine gesunde Lunge reichen noch lang nicht aus, (…), weil (…) der gediegene Kletterer eine strenge, nicht immer angenehme Schule durchmachen muss bis er es zum selbstständigen Felsmann „ohne Furcht und Tadel“ bringt.“
(Nieberl, 1911)

Klettern ist, im Vergleich zu den klassischen Sportarten wie Leichtathletik, Fußball oder Schwimmen, eine von der Sportwissenschaft relativ selten betrachtete Sportart. Diese Arbeit stellt einen Schritt zur wissenschaftlichen Betrachtung des Sportkletterns dar. Mit Hilfe dieser Arbeit soll ein Effekt, der derzeit im Sportklettern als gegebene Tatsache präsent ist, wissenschaftlich gemessen, ausgewertet und beurteilt werden. Dieser Effekt wird im Klettersport als „weiches Greifen“ bezeichnet. Die Untersuchung beschäftigt sich dabei mit dem angewendeten Greifverhalten in Abhängigkeit von situativer Angst und der Kletterhöhe. Eine Messung von Griffkräften an Klettersteinen sowie eine Messung der situativen Angst sollen klären, ob das Phänomen des „weichen Greifens“ tatsächlich eine Beeinträchtigung der Griffkräfte darstellt. Weiterhin soll mit dieser Arbeit auf den Zusammenhang von Körper und Geist eingegangen werden, dem in der Vergangenheit immer mehr an Bedeutung zugemessen wurde und auch im Klettersport eine wichtige Rolle einnimmt. Die Psyche spielt eine wesentliche Rolle im Klettersport, da es eine Sportart mit erhöhtem Risiko ist. Die Arbeit soll des weiteren einen Beitrag leisten, als Beobachter, das Greifverhalten eines Sportkletterers zu verstehen oder nachzuvollziehen und eventuell Rückschlüsse auf leistungshemmende Faktoren sowie das Greifverhalten machen zu können.

2 THEORETISCHES RAHMENKONZEPT
2.1 Einleitender Teil

Das Erleben und menschliches Verhalten in Verbindung mit Bewegungshandeln im Sport bilden in der Sportpsychologie das Kernstück jeglicher Betrachtungen. Oftmals kommt es beim sportlichen Handeln vor, dass trotz bester physischer Vorbereitung die erwünschte Leistung nicht erreicht wird. Hierbei treten häufig psychische Probleme oder Blockaden auf welche nicht überwunden werden, und den Menschen in seinerr Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. An diesem Punkt versucht die Sportpsychologie durch psychologische Erklärungen und Hilfestellungen diese Probleme zu lösen oder ihnen entgegen zu wirken.

Der Mensch wird zum einen als ein agierendes Individuum gesehen das sein Verhalten und Erleben selbst steuern und beeinflussen kann, zum anderen kommt es aber auch zum Einfluss von biologischen, genetishen wie auch psychischen Umwelteinflüssen.

Menschliches Verhalten beim sportlichen Handeln kann demnach als eine Interaktion zwischen Individuum und Umwelt angesehen werden. Kognitiv- verhaltenstheoretische Ansätze des Individuums verstärken dabei die Kognitionen und Interpretationen welche für das Erleben und Verhalten verantwortlich sind.

Neben den messbaren Größen der Sportphysiologie (z.B. Laktat, Puls oder morphologische Ausprägung der Organe) oder der Leistungsdaten (z.B.Weite, Höhe und Schnelligkeit), entscheiden oft das (innere) Erleben oder das (äußere, beobachtbare) Verhalten, ob die Leistungsfähigkeit voll vorhanden ist oder sie beinträchtig wird (vgl. Gabler, Nitsch & Singer, 2004, S. 11ff).

2.2 Handlungstheoretische Grundlagen

Ausgangspunkt und Grundgedanke handlungstheoretischer Ansätze im Sport ist die Erkenntnis das sportlich bezogene Leistungen nicht nur durch physische (körperbauliche und konditionelle) Merkmale wie Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer bestimmt ist. Sportliches Handeln und sportliche Bewegungen sind auch maßgeblich von psychischen Vorgängen beeinflusst.

Aus Sicht der Sportwissenschaft sind Handlungskonzepte die sich auf sportliche Leistung beziehen ein Zusammenwirken von psychischen und somatischen Faktoren. Handlungstheoretische Überlegungen im Sport und in der Sportwissenschaft gehen dabei nicht von einer einfachen Reiz-Reaktions-Beziehung aus, sondern setzen eine komplexe Verhaltensorganisation unter Einfluss vielfältiger Umweltbedingungen voraus. Sollten psychischen Bedingungen jedoch eine so maßgebliche Rolle für sportliche Bewegung und Handlungen spielen, so müssen sie im sportlichen Training mit berücksichtigt werden. Dazu muss man differenzierte theoretische Modelle der psychischen Bewegungs- und Handlungsregulation betrachten.

Heutzutage beschreibt man das Praxisfeld Sport als einen Zusammenhang und Zusammenwirken vieler Faktoren. Eine geschlossene Theorie soll die Erfassung und Verdeutlichung der vielfältigen Faktoren sowie ihre funktionalen Beziehungen darstellen.

Im Fokus der sportlichen Praxis und deren Untersuchungen steht die aktive Auseinandersetzung mit Aufgaben und Umweltfaktoren, die das Handeln einer Person beeinflussen. Somit nimmt die Handlung einer Person in der sportlichen Praxis eine zentrale Rolle ein, und stellt dadurch einen Hauptpunkt der allgemeinen sportpsychologischen Betrachtung dar.

Bei der vorliegenden Untersuchung soll unter anderem der handlungstheoretische Ansatz von Nitsch und Hackfort (1981) als theoretischer Rahmen dienen (vgl. Gabler, Nitsch & Singer, 2004, S. 33ff).

2.3 Handlungstheoretisches Verständnis der Handlung

Bewegungen werden als Handlungen bezeichnet, die daraus resultieren, dass der Mensch sich mit seiner Umwelt auseinandersetzt und individuelle Situationen selbst gestaltet.

Handeln wird dabei als intentionales, organisiertes Verhalten unter subjektiven Absichten verstanden. Die Bewegungen eines Menschen kann man also als Verwirklichung des Handelns verstehen.

Nitsch (1986, S. 208) beschreibt Handeln als ein beabsichtigtes, zielgerichtetes, funktional und intentional organisiert Verhalten. Handlungen sind demnach immer mit einer Situation verbunden. Man geht von einer spezifischen Handlungssituation aus. In der Sportpraxis (z.B. im Klettersport) werden diese sportlichen Handlungen als Verwirklichung allgemeiner sportlicher Ziele durch körperliche Aktivität gesehen. Beobachter (z.B. Trainer oder Sportwissenschaftler) können das Geschehen (Handlungen) interpretieren und Rückschlüsse auf die Absichten der zu untersuchenden Person machen.

2.3.1 Handlungssituation und Situationsdefinition

In der Handlungstheorie wird jede Situation in der sportlichen Praxis als Person – Umwelt – Aufgabe Konstellation gesehen (vgl. Abb.1). Ziel des Handelns ist es die optimale Abstimmung zwischen Person-, Umwelt- und Aufgabengegebenheiten herzustellen. Alle entscheidenden Handlungsdeterminationen ergeben sich aus diesen drei Quellen (vgl. Abb.1). Sportliche Handlungen sowie verbundene Beanspruchungsphänomene (z.B. Stress oder Angst, vgl. Nitsch & Hackfort, 1981, S. 279) können sich aus dem jeweiligen Handlungskonzept erklären.

Somit kann Handeln als Optimierung in einer Situation verstanden werden. Dabei wird versucht die optimale Abstimmung zwischen den drei Faktoren aufrecht zu erhalten, herzustellen oder sie wieder aufzubauen (vgl. Nitsch & Munzert, 1997, S. 117).

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