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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 37 Pages
Author: Daniel Mielke
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: Technical University of Darmstadt (Institut für Geschichte)
Tags: Ursprung, Untergang, Katharismus, Eine, Analyse, Anziehungskraft, Magie, Aberglaube, Ketzer, Hexen, Magische, Lebenswelten, Devianz, Europa
Year: 2005
Pages: 37
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 40 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49058-0
File size: 389 KB
Die Hausarbeit thematisiert Genese,Verbreitung und Untergang des abendl. Katharismus, wobei eine genaue Untersuchung seiner Kerygma erfolgt. Diese wird anhand signifikanter Bibelstellen erweitert, um somit die seine Faszination zu unterstreichen, welche von den Perfecti befördert wurde. Hierbei führt der Autor besonders detailliert katharische Sakramente aus - die Nähe zur Orthodoxie sollte hierdurch vorgegeben werden. Großes Interesse gilt dem Perfecta-Status und den unterschiedlichen dualist.Schulen
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Excerpt (computer-generated)
TU Darmstadt
Institut für Geschichte
Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften
Hauptseminar: Magie und Aberglaube – Ketzer und Hexen: Magische
Lebenswelten und religiöse Devianz im vormodernen Europa
„De heresi catharorum“ – Ursprung, Verbreitung
und Untergang des abendländischen Katharismus
eine Analyse seiner Anziehungskraft
eingereicht von:
Daniel Mielke
4. Fachsemester
Wintersemester 2004/05
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung ... 3
2. Die Bogomilen – ein Exkurs
2.1. Ursprung und Verbreitung ... 5
2.2. „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“1 – Glaube und sakramentale Weiheakte ... 8
3. Der abendländische Katharismus
3.1. Expansion und Untergang ... 13
3.2. Von gefallenen Engelsseelen bis Consolamentum – Glaube und Rituale ... 19
3.3. Eine elitäre Gemeinschaft ... 27
4. Fazit ... 32
5. Literatur- und Quellenverzeichnis ... 36
1. Einführung
Mitnichten war der religiöse Kosmos des Mittelalters so homogen, wie man rückblickend womöglich glauben mag. Seit den ersten Tagen ihrer Gründung kannte die Amtskirche Warnungen vor „falschen Propheten“2, also u.a. ketzerischen Bewegungen. Dies galt insbesondere für die Katharer, welche wie andere Häresien auch sich formierten, ihren Platz als „wahre Christen“ beanspruchten und zur elementaren Bedrohung der Orthodoxie erwuchsen, ehe sie gleichsam das selbe Schicksal wie manch andere Vereinigung ereilte, vor allem von der Inquisition vernichtet wurden. Nicht zuletzt geschah dies aufgrund des immensen Einflusses, welcher sich explizit in ihren Zentren (Languedoc/Lombardei) verfestigte und bald schon neben der religiösen sogar die weltliche Ordnung gefährdete. Rom galt vielerorts nicht mehr als alleiniger Garant jenseitigen Heils, zumal der Katholizismus durch schwerwiegende Verfehlungen, wie etwa Simonie mehr und mehr an Zuspruch verlor.
Die vorliegende Hausarbeit thematisiert neben Genese des westlichen Katharismus, dessen Expansion sowie Vernichtung weiterhin die verschiedenen dualistischen Schulen (radikal respektive moderat), ehe eine Analyse der Sektenstruktur erfolgt. Im Fokus der Beobachtung steht letztlich eine Bewertung in puncto Anziehungskraft. Diesem gilt vorauszuschicken, dass kein Prototyp eines Katharers existierte, weswegen im Grunde genommen auch individuelle Untersuchungen hinsichtlich sowohl sozioökonomischer als auch intellektueller Voraussetzungen gewissermaßen unnötig ist, sofern diese darauf abzielen, „typisch katharische“ Schemata zu erstellen. Die Attraktivität variierte vielmehr von Land zu Land in ihrer Zusammensetzung, konnte aber ebenfalls auf ähnlich gearteten Rückhalt zurückgreifen.
2.1. referiert zunächst über das Bogomilentum, welches als Keimzelle des späteren Katharismus gilt. „Eine Häresie, die ihre Lehrmeinung vereinfachte und eine Antwort auf das immerwährende Problem der Existenz des Bösen in einer Welt, die ein guter Gott geschaffen hat, zu geben schien, behauptete ihren Platz in einem eben erst bekehrten Volk.“3 Jene Verbindung sollte sich vielgestaltig ausprägen, wie beispielsweise im Glauben, in Ritualen oder Organisationsstrukturen. Herkunft sowie spezielle Inhalte des Manichäismus, Paulikianismus und Messalianismus werden beleuchtet, werden sie angesprochene Häresie doch extrem beeinflussen, was um 1150 zu deren Schisma führte. Allerdings hatte sie schon ungefähr zu Zeiten des Ersten Kreuzzuges von Konstantinopel nach dem Okzident ausgegriffen, nachdem sie im Klima eines politisch sowohl sozial als auch religiös äußerst instabilen Bulgariens viele Anhänger in erster Linie ob des gepredigten „sozialen Anarchismus“ gewinnen konnte.
„Das alles will ich Dir geben, wenn Du Dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“4 – Glaube und Rituale behandelt Grundkomponenten des gemäßigten bogomilischen/katharischen Dualismus. Darüber hinaus wird neben der administrativen Abfolge, jene hatte sich unter dem Eindruck fortschreitender Expansion zunehmend formalisiert, von Lokalkirchen auch über die Geisttaufe als wichtigste Zeremonie beider Ketzereien berichtet, bevor das Verhältnis östlicher Häretiker gegenüber der Amtskirche zur Sprache kommt.
Im Anschluss an das 2. Kapitel, welches über die orientalischen Wurzeln der Katharer berichtet, erfolgt in 3.1. ein Überblick über deren Wegbereiter – hochmittelalterliche häretische Armutsbewegungen, die gleichsam spätere Auffassungen dargestellter Dualisten (z.B. Selbsterlösungsprinzip) forcierten sowie die Forderung nach der Vita Apostolica radikalisierten. Von Interesse ist überdies die Frage nach der katharischen Mutterkirche Westeuropas, bevor Organisation und kirchliche Gegenmaßnahmen weiter ausgeführt werden. Abschließend soll das Katharerkonzil von 1167 behandelt werden, beförderte es doch weitreichende sektenimmanente Spannungen, von denen speziell lombardische Gemeinden betroffen waren. Weiterhin erfolgt eine Untersuchung des französischen bzw. italienischen Katharismus, um Differenzen bzgl. Anziehungskraft und etwaigen Sanktionen weltlicher/geistlicher Herren aufzuzeigen. Letzten Endes skizziert dieser Unterpunkt die Bedeutung von Frauen als Träger der Häresie, was im Fazit spezifiziert wird.
Hernach gilt besonderes Augenmerk in 3.2. Von gefallenen Engelsseelen bis Consolamentum – Glaube und Rituale neben dem radikalen Dualismus auch signifikanten Bräuchen, wobei eine Konzentration angesichts der Quellen auf Endura sowie Geisttaufe besteht. Hierbei erläutert der Abschnitt sowohl Rahmen als auch Ablauf letztgenannter, nicht ohne Besonderheiten im Umgang mit zumindest theoretisch gleichgestellten (designierten) Perfectae darzulegen. Überdies wird jeweils ein Basiswerk beider Schulen angesprochen, was Einblicke in die katharische Polemik bietet, bevor das religiöse Klima beleuchtet wird, dessen man sich bediente, um neue Anhänger zu gewinnen. Darüber hinaus informiert dieser Punkt sowohl über Verdammung des Klerus als auch Schriftkanon der Ketzer, wiewohl der Reinkarnationsgedanke sich konkretisiert.
Vor allem im Sektenaufbau verdeutlichte sich der Dualismus, wo eine von der bösen Materie sich losgelöste Oberschicht von immer noch sündhaften Nicht-Initiierten unterschied. 3.3. soll die Hierarchie der Gemeinden hervorheben, welche einerseits das Resultat metapsychischer Differenzen andererseits wahrgenommener Aufgaben war. Des weiteren betrachtet jene Passage das Alltagsleben von Vollkommenen, ihre Nahrungsaskese sowie elitäre Selbstreferenz, ehe die Eheproblematik näher erläutert wird.
Das Fazit stellt den Zusammenhang zwischen damaligem religiösem Klima und dem Leben der Bonshommes als Pauperes Christi dar. Im Anschluss werden Faktoren, welche maßgeblich die Faszination begründeten, separat behandelt.
[...]
1 Matthäusevangelium [im Folgenden:MT] 4,9.
2 hiervon berichtet MT 7,15-23.: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) [sic!] Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. »Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!« [Hervorhebung im Original, D.M.]“
3 LAMBERT, Malcolm D.: Ketzerei im Mittelalter. Häresien von Bogumil [sic!] bis Hus. München 1981, S.125.
4 MT, 4,9.
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