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Scholary Paper (Seminar), 2004, 17 Pages
Author: Vincent Steinfeld
Subject: History - Miscellaneous
Details
Institution/College: Technical University of Darmstadt (Institut für Geschichte)
Tags: Seit, Zeit, Zeitempfinden, Technikgeschichte
Year: 2004
Pages: 17
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49102-0
File size: 464 KB
Geschichte des Zeitempfindens
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Abstract
Die Wurzeln unseres modernen Zeitbegriffs finden sich in den Städten des europäischen Mittelalters. Und zwar genauer zu Beginn des 14. Jahrhunderts, dem Jahrhundert, das den Europäern die mechanische Uhr brachte. Ziel dieser Arbeit ist es sich zu diesen Wurzeln zu begeben, den Anfängen jener Erfindung auf den Grund zu gehen, die Lewis Mumford als „the key-machine of the modern industrial age“ beschrieb. Dazu möchte ich zunächst einen kleinen Überblick über die Geschichte der Zeitmessung von den Anfängen an geben (II.). Im Spätmittelalter angekommen, soll zunächst aufgedeckt werden, worin die einzigartige Neuerung, die uns erwartet besteht. Es wird dies durch eine schematische Funktionsbeschreibung des ersten in Europa verbreiteten mechanischen Uhrentyps geschehen (III.1.). Anschließend soll der geschichtliche Kontext beschrieben werden, in dem sie entstand. Doch keine große Erfindung ohne großes Publikum. Und deswegen muss natürlich auch ausgeführt werden, wie und warum sie sich verbreitete (III.2). Daran anschließend sollen die Veränderungen beleuchtet werden, die die mechanische Uhr der mittelalterlichen Stadt brachte und wie sich diese auf das Zeitempfinden des mittelalterlichen Stadtbewohners auswirkten (IV.). Da aber auch die weitere Entwicklung dieses Instruments das Zeitbewusstsein bis in die heutige Zeit weiterverändert hat, darf natürlich eine kurze Beschreibung derselben nicht fehlen (V.). Abschließend werde ich den Versuch unternehmen, noch einmal zu verdeutlichen, welche ungeheuere Entwicklung dieses kleine Instrument ausgelöst hat, wie es uns bis heute verändert (VI.) Noch eine kleine Anmerkung: Untersucht werden sollen hier die Auswirkungen der mechanischen Uhr auf das alltägliche Zeiterleben. Deswegen wird die Entwicklung der Zeit inder Wissenschaft – ebenfalls ein sehr interessanter Prozess – in dieser Arbeit ausgeklammert. Ein Umstand, der sich leider aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Hausarbeit und aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht vermeiden ließ.
Excerpt (computer-generated)
Institut für Geschichte
Hausarbeit im Rahmen des Proseminars
„Einführung in die sozial- und kulturwissenschaftlich orientierte Technikgeschichte“
Wie die mechanische Uhr das Zeitempfinden veränderte
Vincent Steinfeld
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung ... 3
II. Am Anfang war die Sonne – Eine kleine Geschichte der Zeit ... 4
III. Die mechanische Uhr – Eine Erfindung verändert die Welt ... 7
1. Die Funktionsweise der ersten mechanischen Uhren ... 7
2. Das Aufkommen der mechanischen Uhr in Europa ... 8
IV. Loslösung von der Natur – Der Wandel des mittelalterlichen Zeitbewusstseins ... 10
V. Die Entwicklung der Uhr zum Präzisionsinstrument – Ein Ausblick ... 13
VI. Fazit ... 14
Literatur ... 16
I. Einleitung
Im Morgengrauen lässt der Hohepriester Ptahotep seinen Blick über den Flusslauf des Nil wandern. Anhand der Sterne hat er erkannt, dass der Strom bald wieder absinken und schlammgedüngte Felder hinterlassen wird. Ein günstiger Zeitpunkt für die Krönungszeremonie des neuen Pharao. Noch einmal blickt er zur aufgehenden Sonne, dann dreht er sich langsam um und bedeutet seinen Dienern: „Es ist Zeit!“ Martin Weber hat sich verspätet. Seinen Funkwecker hat er heute morgen überhört. Kein Wunder, der gestrige Tag war lang und die Nacht dementsprechend kurz. Er hat es zwar gerade noch so hingekriegt, aber auf der Uhr, die im Eingangsbereich neben der Stechuhr hängt, konnte er erkennen, dass er heute 32 Minuten zu spät ist. Die verlorene Zeit muss aufgeholt werden. „Auf, auf“, meint er im Vorbeigehen zu seiner Sekretärin, „es ist Zeit!“
Tausende von Jahren liegen zwischen diesen beiden Männern – und eine völlig verschiedene Auffassung von Zeit. Die Vorstellung von einer ablaufenden Zeit, die man verschenkt, wenn man sie nicht nutzt war den Menschen in der Frühzeit völlig fremd.
Wie aber kam es, dass sich das Zeitbewusstsein des Menschen so grundlegend wandelte? Obwohl schon die antiken Hochkulturen sich daran machten, die Zeit zu messen, befinden sich die Wurzeln unseres modernen Zeitbegriffs erst in den Städten des europäischen Mittelalters. Und zwar genauer zu Beginn des 14. Jahrhunderts, dem Jahrhundert, das den Europäern die mechanische Uhr brachte.
Ziel dieser Arbeit ist es sich zu diesen Wurzeln zu begeben, den Anfängen jener Erfindung auf den Grund zu gehen, die Lewis Mumford als „the key-machine of the modern industrial age“ beschrieb.1
Dazu möchte ich zunächst einen kleinen Überblick über die Geschichte der Zeitmessung von den Anfängen an geben (II.). Im Spätmittelalter angekommen, soll zunächst aufgedeckt werden, worin die einzigartige Neuerung, die uns erwartet besteht. Es wird dies durch eine schematische Funktionsbeschreibung des ersten in Europa verbreiteten mechanischen Uhrentyps geschehen (III.1.).
Anschließend soll der geschichtliche Kontext beschrieben werden, in dem sie entstand. Doch keine große Erfindung ohne großes Publikum. Und deswegen muss natürlich auch ausgeführt werden, wie und warum sie sich verbreitete (III.2).
Daran anschließend sollen die Veränderungen beleuchtet werden, die die mechanische Uhr der mittelalterlichen Stadt brachte und wie sich diese auf das Zeitempfinden des mittelalterlichen Stadtbewohners auswirkten (IV.). Da aber auch die weitere Entwicklung dieses Instruments das Zeitbewusstsein bis in die heutige Zeit weiterverändert hat, darf natürlich eine kurze Beschreibung derselben nicht fehlen (V.). Abschließend werde ich den Versuch unternehmen, noch einmal zu verdeutlichen, welche ungeheuere Entwicklung dieses kleine Instrument ausgelöst hat, wie es uns bis heute verändert (VI.)
Noch eine kleine Anmerkung: Untersucht werden sollen hier die Auswirkungen der mechanischen Uhr auf das alltägliche Zeiterleben. Deswegen wird die Entwicklung der Zeit inder Wissenschaft – ebenfalls ein sehr interessanter Prozess – in dieser Arbeit ausgeklammert. Ein Umstand, der sich leider aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Hausarbeit und aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht vermeiden ließ.
II. Am Anfang war die Sonne – Eine kleine Geschichte der Zeit
Will man die Anfänge der Zeitmessung beleuchten, so muss man den Blick weit in die Vergangenheit werfen. Unsere heutige Tagesaufteilung in 24 Stunden verdanken wir den Ägyptern, die bereits Tag und Nacht in jeweils 12 Stunden unterteilten. Allerdings waren dadurch die Stunden im Laufe eines Jahres unterschiedlich lang.2 Man spricht von ungleichen oder Temporalstunden im Gegensatz zu gleichen bzw. Äquinoktialstunden.
[...]
1 Mumford 1934, S. 14
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