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Auslandsdirektinvestitionen in Tschechien und Polen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 54 Pages
Authors: Felix Bachofer, Marielle Dannenman
Subject: Geography / Earth Science - Economic Geography

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 54
Grade: 2,5
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V53770
ISBN (E-book): 978-3-638-49129-7

File size: 3660 KB
Notes :
Sehr ausführliche Hauptseminararbeit über ADI in Polen und Tschechien. Der einführende theoretische Teil ist sehr gründlich und im Haupteil wird nach Herkunftsländern, Unternehmen, Wirtschaftszweigen und der regionalen Verteilung differenziert. Ebenso ist ein Fallbeispiel vorhanden.


Abstract

Durch die EU Osterweiterung am 24. Mai 2004 um 10 neue Mitgliedstaaten, eröffneten sich Europa, besonders auch Deutschland durch die Nähe zu Mittel- und Osteuropa (MOE), ganz neue wirtschaftliche Perspektiven. Nach einem Jahrzehnt des Transformationsprozesses haben die MOE-Länder eine Industriestruktur erreicht, die zwischen den nördlichen und südlichen EU-15 Mitgliedstaaten einzuordnen ist. Mit dieser Annäherung an die Wirtschaftsstruktur verbessern sich schließlich auch die Bedingungen für Auslandsdirektinvestitionen (ADI). Denn nach ZSCHIEDRICH (2000: 206) belegen internationale Erfahrungen, dass die Mitgliedschaft in Freihandelszonen oder Wirtschaftsgemeinschaften wie der Europäischen Gemeinschaft, den ADI-Fluss vergrößern. Sowohl die Beitrittsländer als auch die Mitgliedstaaten der EU-15 legen große Erwartungen in die zukünftige Entwicklung der Direktinvestitionen. Jedoch ist der Kapitalfluss von vielen Bestimmungsfaktoren abhängig und kann nicht als Allheilmittel in punkto Verbesserung mikro- und makroökonomischer Bedingungen angesehen werden. In wie weit ausländische Direktinvestitionen ein Hoffnungsträger der MOE-Länder sind, soll am Beispiel Tschechiens und Polen aufgezeigt werden. Hierfür wird zuerst eine theoretische Grundlage geschaffen um in den Begriff der Direktinvestitionen einzuführen. Da die Wirkungen der ADI nur in Abhängigkeit von Formen, Typen und Motiven dargestellt werden können, wird anschließend noch auf die verschiedenen Theorien der Direktinvestitionen eingegangen. Darauf folgen die Entwicklung und die Auswirkungen der ADI-Zuströme in Tschechien und Polen. Zuletzt sollen alle diese Faktoren noch an einem Fallbeispiel in Tschechien anschaulich verdeutlicht werden.


Excerpt (computer-generated)

Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Geographisches Institut
Hauptseminar „Altindustrieregionen Europas: Strukturen und Entwicklungsperspektiven“
Sommersemester 2005

Auslandsdirektinvestitionen in Tschechien und Polen

von: Felix Bachofer und Marielle Dannenman

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  - 3 -

2. Grundlagen - 3 -

2.1. Begriff der Auslandsdirektinvestitionen  - 3 -

2.1.1. Definition  - 3 -
2.1.2. Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen  - 4 -
2.1.3. Arten und Formen der Direktinvestitionen  - 4 -
2.1.4. Statistische Erfassung - 6 -

3. Theorien der Direktinvestitionen  - 8 -

3.1. Theorie des monopolistischen Vorteils  - 8 -
3.2. Produktzyklushypothese nach Vernon  - 9 -
3.3. Standorttheorie  - 10 -
3.4. Behavioristische Theorie - 10 -
3.5. Internalisierungstheorie - 11 -
3.6. Eklektisches Paradigma - 11 -
3.7. Uppsala – Modell der Internationalisierung - 13 -
3.8. Zusammenfassende Überlegungen zu den Theorien - 13 -

4. Motive für die Auslandsdirektinvestitionen - 14 -

4.1. Beschaffungsorientierte Motive  - 15 -
4.2. Absatzorientierte Motive - 15 -
4.3. Umweltorientierte Motive  - 16 -
4.4. Strategische Motive - 16 -
4.5. Kostenorientierte / Effizientorientierte Motive  - 16 -

5. Einflussfaktoren  - 17 -

5.1. Marktgröße  - 17 -
5.2. Faktorkosten  - 17 -
5.3. Infrastruktur - 18 -
5.4. Entfernung - 18 -
5.5. Risikoeinschätzung - 19 -
5.6. Agglomerationsvorteile - 19 -
5.7. Spezifische Determinanten im Transformationsprozess  - 20 -

5.7.1. Markterschließung - 21 -
5.7.2. Privatisierung  - 21 -

6. Entwicklung der Auslandsdirektinvestitionen  - 22 -

6.1.1. Entwicklung in Polen  - 23 -

6.1.1.1. ADI nach Wirtschaftszweigen  - 25 -
6.1.1.2. ADI nach Herkunftsländern und Unternehmen  - 25 -
6.1.1.3. ADI nach Zielregionen - 26 -

6.1.2. Entwicklung in Tschechien  - 27 -

6.1.2.1. ADI nach Wirtschaftszweigen  - 29 -
6.1.2.2. ADI nach Herkunftsländern und Unternehmen  - 29 -
6.1.2.3. ADI nach Zielregionen - 30 -

7. Auswirkungen der Auslandsdirektinvestitionen auf das Empfängerland  - 31 -

8. Fallbeispiel: Regionales Cluster in Brno (Brünn)/Südmähren - 33 -

9. Fazit - 36 -

10. Literaturangaben - 37 -

11. Anhang  - 40 -

 



 

1. Einleitung

Durch die EU-Osterweiterung am 24. Mai 2004 um 10 neue Mitgliedstaaten, eröffneten sich Europa, besonders auch Deutschland durch die Nähe zu Mittel- und Osteuropa (MOE), ganz neue wirtschaftliche Perspektiven. Nach einem Jahrzehnt des Transformationsprozesses haben die MOE-Länder eine Industriestruktur erreicht, die zwischen den nördlichen und südlichen EU-15 Mitgliedstaaten einzuordnen ist. Mit dieser Annäherung an die Wirtschaftsstruktur verbessern sich schließlich auch die Bedingungen für Auslandsdirektinvestitionen (ADI). Denn nach ZSCHIEDRICH (2000: 206) belegen internationale Erfahrungen, dass die Mitgliedschaft in Freihandelszonen oder Wirtschaftsgemeinschaften, wie der Europäischen Gemeinschaft, den ADI-Fluss vergrößern. Sowohl die Beitrittsländer als auch die Mitgliedstaaten der EU-15 legen große Erwartungen in die zukünftige Entwicklung der Direktinvestitionen. Jedoch ist der Kapitalfluss von vielen Bestimmungsfaktoren abhängig und kann nicht als Allheilmittel in punkto Verbesserung mikro- und makroökonomischer Bedingungen angesehen werden. In wie weit ausländische Direktinvestitionen ein Hoffnungsträger der MOE-Länder sind, soll am Beispiel Tschechiens und Polen aufgezeigt werden. Hierfür wird zuerst eine theoretische Grundlage geschaffen um in den Begriff der Direktinvestitionen einzuführen. Da die Wirkungen der ADI nur in Abhängigkeit von Formen, Typen und Motiven dargestellt werden können, wird anschließend noch auf die verschiedenen Theorien der Direktinvestitionen eingegangen. Darauf folgen die Entwicklung und die Auswirkungen der ADI-Zuströme in Tschechien und Polen. Zuletzt sollen alle diese Faktoren noch an einem Fallbeispiel in Tschechien anschaulich verdeutlicht werden.

2. Grundlagen

2.1. Begriff der Auslandsdirektinvestitionen

2.1.1. Definition

Auslandsdirektinvestitionen, in der Literatur auch als ausländische Direktinvestitionen (ADI) bezeichnet, sind Kapitaleinlagen, die ein Betrieb oder ein Unternehmen als Investor im Ausland einbringt. Diese Direktinvestitionen können verschiedener Form sein: Neugründung oder Erwerb eines Unternehmens bzw. einer Zweigniederlassung im Zielland, Beteiligung und Erweiterung oder Ausstattung und Modernisierung desselben in Form von Anlagemitteln oder Zuschüssen. Ziel einer solchen Kapitalanlage ist es auf die Geschäftstätigkeit des zu gründenden oder bereits bestehenden Unternehmens Einfluss zu nehmen und die Geschäftsführung zu kontrollieren. (LESER 2001: 142). Durch diese Kontrolle soll nicht nur die Ertragszielung beeinflusst, sondern auch versucht werden eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Folglich sind bei Direktinvestitionen finanz- und leistungswirtschaftliche Motive von Bedeutung: finanzwirtschaftlich gesehen sollen zukünftige Kapitalerträge erzielt werden; aus leistungswirtschaftlicher Sicht wird die Einflussnahme auf die Gestaltung des Leistungsprozesses verfolgt mit dem Ziel einer entsprechenden Rendite (PLUM 1995: 6). Jedoch lassen sich Direktinvestitionen nicht auf einen Kapitaltransfer reduzieren: mit den Kapitaleinlagen werden viele unternehmensspezifische Faktoren, wie technisches, organisatorisches und kommunikatives Wissen sowie Humankapital in das Empfängerland übertragen (PLUM 1995: 8).

2.1.2. Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen

Portfolioinvestitionen hingegen stellen ausschließlich den Ankauf von Wertpapieren eines Unternehmens oder Betriebs dar. Der finanzielle Aspekt ist dabei ausschlaggebend, denn Motiv dieser Investitionen ist es, sich an den laufenden Erträgen zu beteiligen und nicht die Beteiligung an der Erzielung der Erträge (KU(?)IĆ & HECKMANN 2000: 258). Dabei spielt das Kontrollmotiv keine Rolle, sondern Risiko- und Renditeüberlegungen stehen im Vordergrund (PLUM 1995: 6). Jedoch ist schwer zu unterscheiden, wann durch Direktinvestitionen Kontrolle ausgeübt werden soll und wann nicht. Als Maß der Einflussnahme wird der Umfang der Kapitalbeteiligung herangezogen. Eine eindeutige Abgrenzung zu den Auslandsdirektinvestitionen ist aber nicht möglich, weil die Beteiligungshöhe nicht zwingend ausschlaggebend sein muss für das Maß der Kontrolle. Denn selbst bei einer geringen Beteiligungshöhe ist eine große Einflussnahme möglich, z. B. wenn die Kontrolle verschiedener Prozesse oder Entscheidungen vertraglich festgeschrieben ist (PLUM 1995: 7).

2.1.3. Arten und Formen der Direktinvestitionen

Auf den Zusammenhang mit den Investoren im Empfängerland bezogen, gibt es zwei Arten von Direktinvestitionen: additive und substitutive. Von additiven Direktinvestitionen spricht man, wenn die Kapitalanlagen zusätzlich zum Investitionsvolumen im Empfängerland vollzogen werden. Substitutive Direktinvestitionen verdrängen indirekt oder sogar direkt inländische Investoren oder Unternehmen im Empfängerland (PLUM 1995: 9). Eine weitere grundsätzliche Differenzierung der Art der Direktinvestitionen ist die Klassifizierung in horizontale und vertikale. Bei den zuerst genannten wird das gleiche Produkt weiterproduziert, nur der Standort der Produktion wird ins Ausland verlegt. Dadurch werden schließlich auch neue Märkte erschlossen und beliefert, die Produktionsmenge steigt, damit verbunden Skalenerträge und die Gewinne. Bei vertikalen Direktinvestitionen werden ausschließliche einzelne Produktionsschritte ins Ausland mit den geringsten Faktorkosten (vgl. 5.2.) verlagert.

Eine weitere Einteilung der Direktinvestitionen sind die realisierten Formen der Kapitalströme. Denn nicht selten nehmen diese Realisierungsformen Einfluss auf die Auswirkungen der Direktinvestitionen. Da durch Unternehmenszusammenschlüssen und – Aufkäufen (mergers and aquisitions = M&A) häufig nur ein Eigentümerwechsel ohne direkte Investitionseffekte stattfindet, bevorzugen die Empfängerstaaten den Neuaufbau von Produktionsstätten der global players (ZSCHIEDRICH 2001: 212). Diese Greenfield Investments, also Neugründungen bzw. Beteiligungsaufstockungen ziehen eine additive Wirkung nach sich, weil auch andere Betriebe an diesen Standort angelockt werden. Übernahmen oder Beteiligungen an bereits bestehenden Unternehmen (M&As) hingegen haben oft substitutive Auswirkungen, weil andere Unternehmer durch den Aufkauf verdrängt werden. Jedoch kann eine solche Art der Direktinvestition mit verbundener Verdrängung auch bei Neugründung von Unternehmen auftreten. Wenn den Investoren des Empfängerlandes nur der inländische Kapitalmarkt für Investitionen zugänglich ist und der ausländische Investor ebenfalls dort seine Direktinvestitionen investiert, kann dies zu einer Verdrängung des heimischen Investors führen. Nur wenn die heimischen Investoren ihre Finanzquellen auf dem internationalen Kapitalmarkt oder sogar im Geberland haben, können sie bestehen bleiben (PLUM 1995: 10).

Selbst M&As müssen nicht zwingend substitutive Direktinvestitionen nach sich ziehen. Werden die Verkaufserlöse als freiwerdende Mittel für neue Investitionen genutzt, erfolgt eine direkte additive Wirkung. Es kann genauso indirekt zu neuen Investitionen kommen, wenn es in Folge der Direktinvestitionen zu einer Steigerung der Nachfrage nach dem freiwerdenden Mittel im investierten Ausland kommt. Außerdem bleibt unklar, welche Entwicklung das ausländische Unternehmen ohne Direktinvestitionen genommen hätte. Denn viele Untenehmen wären ohne Kapitalunterstützung oder Beteiligung ausländischer Investoren nicht weiter wettbewerbsfähig gewesen (PLUM 1995: 11). Die Auslandsdirektinvestitionen können sich sogar so auswirken, dass Investoren im Empfängerland angeregt werden Kapital anzulegen. In diesem Fall würden die ausländischen Unternehmen einen Anreiz für die heimischen Betriebe darstellen indem sie im Empfängerland neue Märkte und Gewinnchancen ermöglichen. Durch die Direktinvestitionen können ebenfalls neue Investitionen im vor- und nachgelagerten Bereich angezogen werden, wie z. B. im Vorprodukt- oder Absatzbereich. In diesem Fall spricht man von den komplementären Auswirkungen der Auslandsdirektinvestitionen, weil es im Empfängerland zu zusätzlichen Investitionen kommt (PLUM 1995: 12).

Außer den Greenfield Investments und den M&As gehören schließlich noch Unternehmensbeteiligungen von mehr als 10% zu den Realisierungsformen der Direktinvestitionen. Da im internationalen Rahmen Direktinvestitionen als Kontrolle ausländische Betriebe definiert werden, muss die Beteiligungshöhe den Schwellenwert von 10 % übersteigen. Des Weiteren können langfristige Kreditvergaben an ausländische Firmen und Joint Ventures eine Form der Direktinvestitionen darstellen. Joint Ventures stellen Partnerschaftsunternehmen in- und ausländischer Anteilseigener dar, mit einer Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung des einen Partners (ZSCHIEDRICH 2001: 212). So können Kapital, Maschinen, Anlagen, Ausrüstungen, Management, Know-How, Experten und Führungskräfte im kaufmännischen Bereich weniger schwierig transferiert werden, Direktinvestitionen durch den investierenden Partner besser überprüft und Negativeffekte weitgehend vermieden werden (LESER 2001: 365).

2.1.4. Statistische Erfassung

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