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Hauptseminararbeit, 2005, 20 Seiten
Autor: Silvia Bannenberg
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Institut für Deutsche Sprache)
Tags: Gleichberechtigung, Sprache, Gleichbehandlung, Frauen, Männern, Sprache, Sprachverwendung, Politik
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 24 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-49162-4
Dateigröße: 190 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich 09, Institut für Deutsche Sprache
Hauptseminar: Sprachverwendung in der Politik
Sommersemester 2004
"Gleichberechtigung" durch Sprache? Zur Gleichbehandlung
von Frauen und Männern in der deutschen Sprache
von: Silvia Bannenberg
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: ‚Gleichberechtigung’ und Sprache 3
2. Möglichkeiten der Gleichbehandlung bei Personenbezeichnungen 5
2.1. Beidbenennung 6
2.2 Neutrale Bezeichnungen 9
2.3 Weitere Vorschläge 11
3. (In-)Kongruenz 13
3.1 Gleichbehandlungsvarianten und syntaktische Wiederaufnahme 13
3.2. ‚Problematische’ Pronomen 15
3. Schlussbemerkung 18
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung: ‚Gleichberechtigung’ und Sprache
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“, heißt es in Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, und weiter in Absatz 3: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes [...] benachteiligt oder bevorzugt werden.“1 Was hat nun Sprache mit der – wie aus dem Zusatz zu Artikel 3, Absatz 2 deutlich wird („Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“) – noch immer nicht erreichten gesellschaftlichpolitischen Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu tun? Inwiefern kann und soll Sprache vielleicht zu ihrer Verwirklichung beitragen?
Girnth geht davon aus, dass Sprache und gesellschaftliche Wirklichkeit einander gegenseitig bedingen: „Die gesellschaftliche Wirklichkeit manifestiert sich in Sprache, gleichzeitig wird sie aber überhaupt erst durch Sprache ermöglicht und hergestellt.“2 Das bedeutet zum einen, dass über Sprache bestimmte, der Gesellschaftsordnung zugrundeliegende Wertvorstellungen und Denkmuster transportiert werden (vgl. Girnth: 3), die auf diese Weise „die kognitiven Funktionen wie Wahrnehmung, Bewertung von Sachverhalten, Gedächtnisspeicherung oder Problemlösung ihrer Sprecherinnen und Sprecher“3 beeinflussen. „Dies kann konkrete Auswirkungen haben, denn wahrscheinlich wird auch die gesellschaftliche Situation der Geschlechter auf die Art und Weise, wie Frauen in der jeweils zu betrachtenden Sprache vorkommen, mit beeinflußt.“ (Ebd.) Doch nicht nur die Gesellschaft beziehungsweise gesellschaftliche Veränderungen prägen die Sprache – und damit Wahrnehmung, Denken und Handeln ihrer Sprecherinnen und Sprecher –, auch die Sprache kann die Gesellschaft beeinflussen und so gesellschaftliche Veränderungen (mit) herbeiführen, die dann wiederum auf die Sprache zurückwirken. Wenn nun in einer Gesellschaft Frauen gegenüber Männern diskriminiert wurden und werden, so muss dies folglich Einfluss auf die Sprache genommen haben und nehmen und sich (auch) über die Sprache weiter fortsetzen. Hier kann und sollte Sprachkritik ansetzen, die sich im Gegensatz zur Sprachwissenschaft nicht nur mit dem ‚Sein’, dem Ist-Zustand einer Sprache beschäftigt, sondern damit, wie Sprache aussehen, wie sie verändert und benutzt werden sollte. „Daß diese Veränderung stets auf eine Verbesserung im Sinne einer Emanzipation von der Macht der Sprache und der Sprache der Mächtigen zielen sollte, versteht sich – hoffentlich – von selbst.“4 Sprachkritik ist deshalb nicht von Sachkritik zu trennen; sie hat (meistens) einen Anspruch politischer oder gesellschaftlicher Veränderung beziehungsweise Einflussnahme. Schiewe und Schoenthal sehen die feministische Sprachkritik in der Tradition der aufklärerischen sprachkritischen Bemühungen des 18. Jahrhunderts (vgl. ebd.: 272): Dahinter steht in beiden Fällen eine Auffassung, die Sprache und Denken in engen Zusammenhang bringt: Sprache einerseits als Spiegel, als Ausdruck historisch gewachsenen Denkens, Sprache andererseits als Hindernis, eine sich wandelnde oder schon gewandelte Wirklichkeit wahrzunehmen, Sprache aber auch als Hilfsmittel, an dieser Wandlung mitzuwirken. (Schoenthal, zit. nach Schiewe: 272 f.) Die vorliegende Arbeit möchte einen Überblick geben über Möglichkeiten der sprachlichen Gleichbehandlung in der deutschen Sprache, die zu einem Großteil aus der feministischen Sprachkritik hervorgegangen sind. Den Schwerpunkt werden Sprachsystem, das heißt vor allem die Schriftsprache, und nur zum Teil der Sprachgebrauch bilden; auf das Kommunikationsverhalten von Frauen und Männern kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Viele interessante Bereiche, etwa die Rechtssprache oder Titel und Berufsbezeichnungen, können im Rahmen dieser Arbeit leider nur am Rande oder gar nicht berücksichtigen werden.5
2. Möglichkeiten der Gleichbehandlung bei Personenbezeichnungen
Im Allgemeinen gilt seit de Saussure der Zusammenhang zwischen Form und Inhalt eines Wortes, also auch derjenige zwischen Genus und Sexus, als arbiträr.6 Eine Ausnahme bilden allerdings Personen- und teilweise auch Tierbezeichnungen: „Bei ihnen ist das Genus vom Sexus her, das heißt biologisch motiviert.“ (Samel: 64) Die semantische Eigenschaft [weiblich] oder [männlich] wird also bei Personenbezeichnungen meistens durch das grammatische Genus ausgedrückt – feminines Genus für Frauen, maskulines für Männer –, wodurch eine Beziehung „zwischen grammatischem Genus der Bezeichnung und natürlichem Geschlecht der Person“ (ebd.: 65) hergestellt wird.
[...]
1 Zitiert nach der Sondertaschenbuchausgabe: Verlag C. H. Beck (red. Verantwortung) (351998): Grundgesetz. Textausgabe. München: Beck/dtv, S. 13.
2 Girnth: Heiko (2002): Sprache und Sprachverwendung in der Politik. Tübingen: Niemeyer, S. 6.
3 Samel, Ingrid (22000): Einführung in die feministische Sprachwissenschaft. Berlin: Erich Schmidt, S. 3.
4 Schiewe, Jürgen (1998): Die Macht der Sprache. Eine Geschichte der Sprachkritik von der Antike bis zur Gegenwart. München: Beck, S. 25.
5 Einen guten Überblick über die (west-)deutsche feministische Sprachkritik liefert: Schoenthal, Gisela (1998): „Von Burschinnen und Azubinnen. Feministische Sprachkritik in den westlichen Bundesländern.“ In: Dies. (Hg.): Feministische Linguistik – Linguistische Geschlechterforschung. Ergebnisse, Konsequenzen, Perspektiven. Hildesheim u. a.: Olms, S. 9-31. Für Österreich vgl.: Doleschal, Ursula (1998): „Entwicklung und Auswirkungen der feministischen Sprachkritik in Österreich seit 1987.“ In: Schoenthal 1998: S. 87-115. Für die Schweiz vgl.: Peyer, Ann u. Wyss, Eva Lia: „‚JazzmusikerInnen – weder Asketen noch Müsli-Fifis’. Feministische Sprachkritik in der Schweiz, ein Überblick.“ In: Schoenthal 1998: S. 117-154.
6 Einen kurzen Überblick zu Genustheorie und -forschung geben Samel: 58-64, und Bär, Jochen A. (2004): „Genus und Sexus. Beobachtungen zur sprachlichen Kategorie ‚Geschlecht’“. In: Karin M. Eichhoff-Cyrus: Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur Geschlechterforschung. Mannheim u. a.: Duden-Verlag, S. 160-171; vgl. außerdem Hausherr-Mälzer, Michael (1990): Die Sprache des Patriarchats. Sprache als Abbild und Werkzeug der Männergesellschaft. Frankfurt a. M. u. a.: Lang, S. 154-159.
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