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Termpaper, 2006, 22 Pages
Author: Janine Pohle
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Leipzig
Tags: Ruth, Klüger, Eine, Jugend, Autobiografie
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 2.0
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49193-8
File size: 117 KB
Zusatz zum Titel: Zur Identität Ruth Klügers und ihrem Umgang mit der jüdischen Katastrophe. Gliederung und Konzentration auf Fragestellung wurde als gut bewertet Distanz zum Gegenstand wurde nicht beachtet
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Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Seminar: Autobiographie nach 1945
3. Fachsemester
Ruth Klüger "weiter leben. Eine Jugend"
von: Janine Pohle
Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 1
1. Identitätsproblem Ruth Klügers S. 2
1.1 Ihre österreichische Identität S. 3
1.2 Ihre jüdische Identität S. 4
1.3 Ihre deutsche Identität S. 5
1.4 Ihre amerikanische Identität S. 6
2. Der Umgang mit der jüdischen Katastrophe S. 6
2.1 Das Problem des Umganges mit der NS- Vergangenheit/Auschwitz S. 7
2.2 Revisionismus des jüdischen Schicksals S. 9
2.3 Die Beispiele Christoph und Gisela S. 10
2.4 „Postkartenmotiv“ S. 11
2.5 Die Verkitschung der jüdischen Katastrophe S. 12
3. Ihr Anliegen mit dem Buch S. 14
4. Meine Meinung zu dem Buch/ Schlusswort S. 16
5. Quellenverzeichnis S. 19
Einleitung
„Ein Buch, das still ist und zugleich alarmierend wirkt.“ 1 So denkt Marcel Reich- Ranicki über das Buch von Ruth Klüger „weiter leben. Eine Jugend“. Ich habe dieses Zitat von ihm als Thema dieser Arbeit gewählt, weil es absolut zutrifft. Es sagt alles Nötige über dieses Buch aus und ich stimme der Meinung Marcel Reich- Ranickis völlig zu. Es ist kein gewöhnliches Buch über die Judenverfolgung oder den Holocaust. Nein, es stellt viele Bücher, die von derselben Problematik handeln, in den Schatten. Mit ihrem Buch hat Ruth Klüger „ neue Worte, einen neuen Ton, eine neue Aufrichtigkeit [in den] Auschwitz- Diskurs“ 2 gebracht. Es handelt nicht nur von ihrer individuellen Lebensgeschichte, sondern ist von so einer Vielseitigkeit geprägt, die einfach beeindruckend ist. In die Beschreibung ihres Werdeganges fließen Reflexionen, kritische Bemerkungen und Hinterfragungen zu dem Thema Auschwitz, Judenverfolgung und Vergangenheitsbewältigung ein. Die Autorin selbst steht sich selbstkritisch gegenüber, übt andererseits aber auch Kritik an zeitgenössischen Diskursen.
Ich glaube, Reich- Ranicki hat das Wort „alarmierend“ gewählt, weil er derselben Meinung ist wie Ruth Klüger. Das Buch rüttelt den Leser sprichwörtlich wach. Es soll ihm die Augen öffnen und die Relevanz aufzeigen, dass Vergangenheit oder deutsche Geschichte nicht verdrängt oder gar vergessen werden darf. Diese Tatsache sollte sich der Leser immer wieder ins Gedächtnis rufen und verinnerlichen, und die Erinnerungen an die Geschichte zum Teil seines Lebens machen. Ruth Klüger weist ihre Leser immer wieder auf die Probleme und Fehler hin, die der Auschwitz- Diskurs nach sich zieht. So berichtet sie beispielsweise von Menschen, die das Vergangene nicht ernst genug nehmen oder das jüdische Schicksal mit anderen Verbrechen vergleichen. Solche Vergleiche sind aber unakzeptabel, denn Auschwitz ist einmalig. Ich denke, sie will die Leser warnen: Die aufgezeigten Fehler der Menschen sind vielleicht die eigenen. Jeder sollte seine Haltung zum Thema überdenken und hinterfragen. Alles, was sie wünscht, ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema und der nationalsozialistischen Geschichte, welche einfach nicht vergessen werden darf. Mit „alarmierend“ ist also gemeint: Reflektiert eure Haltung und Handlungen! Steht dem Thema nicht gleichgültig gegenüber!
Das Wort „still“ bezieht sich meines Erachtens auf die Problematik Holocaust und Vergangenheitsbewältigung. Diesem Thema wurde bzw. wird einfach zu wenig Beachtung geschenkt. Es ist noch nicht genug über Auschwitz gesagt wurden und man kann auch nie genug darüber sagen, denn die Vergangenheit vergeht nicht. Auschwitz muss allgegenwärtig sein und in den Alltag, in das eigene Handeln einbezogen werden. Eine zweite, plausible Interpretation des Wortes „still“, so finde ich, könnte folgende sein: Das Buch ist „still“, weil die Autorin Ruth Klüger die Grausamkeiten und die Untaten während ihrer Lageraufenthalte nur sehr wenig beschreibt. Doch das tut sie bewusst nicht, denn darauf kommt es ihr nicht an. Sie möchte nicht in die Opferrolle „gesteckt werden“ und Mitleid erregen. Ihr Anliegen ist die Auseinandersetzung, das Nachdenken über die Problematik Auschwitz. Deshalb befasse ich mich nachfolgend intensiv mit der Frage, wie Ruth Klüger mit der jüdischen Katastrophe und der Vergangenheitsbewältigung umgeht. Zuvor jedoch möchte ich kurz auf das Identitätsproblem Klügers eingehen und ihre verschiedenen Identitäten erörtern. Anschließend komme ich zu den Problemen des Umgangs mit der nationalsozialistischen Geschichte. Hier werden Klügers zahlreiche Kritiken und ihre Vorstellungen der Vergangenheitsbewältigung einfließen. Probleme, wie der Revisionismus der jüdischen Katastrophe und das beispiellose Handeln der Menschen, am Beispiel von Christoph und Gisela werden dabei nicht außer Acht gelassen. Außerdem wird der Bruch zwischen der jüdischen und der deutschen Welt, am Beispiel des „Postkartenmotivs“ beleuchtet. Des weiteren wird dem Problem der Verkitschung der jüdischen Katastrophe besondere Beachtung geschenkt. Anschließend folgt der Punkt 3, in dem ich erörtere, was Ruth Klüger mit ihrem Werk „weiter leben“ bezwecken und erreichen möchte. Das Schlusswort stellt meine Meinung zum Buch dar. Auf die Frage, ob es sich bei dem Buch um eine Autobiografie handelt, bin ich nicht eingegangen, denn es ist ohne Zweifel eine Autobiografie.
1. Identitätsproblem Ruth Klügers
„An Identitäten fehlt es [Ruth Klüger] nicht.“ 3 Die Autorin des Werkes „weiter leben“ hat ein Identitätsproblem, denn sie fühlt sich keiner genauen Identität zugehörig. Sie selbst bezeichnet sich als einen Menschen, der „nirgendwo lange tätig ist und oft auszieht, aus Städten und Wohnungen“.4 Dies könnte, meiner Meinung nach, aus der Zeit der Judenverfolgung resultieren, die sie selbst, als Jüdin, miterleben musste. Schon als Kind musste sie ihren Geburtsort Wien aufgrund der Deportation der Juden verlassen. Später war ihr Leben durch weitere „Judentransporte“ und durch Flucht gekennzeichnet. Schon damals konnte bzw. durfte sie nie lange an einem Ort verweilen. Ich würde sie deshalb auch als heimatlos bezeichnen, doch keineswegs als identitätslos. Sie hat vier wesentliche Identitäten, auf die ich nachfolgend eingehen möchte: die österreichische, die jüdische, die deutsche und die amerikanische.
1.1 Ihre österreichische Identität
[...]
1 Feuchert, Sascha: Erläuterungen und Dokumente. S.149
2 Heidelberger- Leonard, Irene: weiter leben. Eine Jugend. S.80
3 Feuchert, Sascha: Erläuterungen und Dokumente. S.156
4 Klüger, Ruth: weiter leben. Eine Jugend. S.9
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