Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens.

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Details
Autor: Elisabetta D'Amato
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Veranstaltung: Proseminar: Generationen und Generationenerfahrung nach 1945
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Germanistik)
Jahr: 2002
Seiten: 31
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 345 KB
ISBN: 978-3-638-13279-4
Auseinandersetzung der Täter-, und Mitläufergeneration mit dem II. Weltkrieg. Umfasst die Gebiete Germanistik (deutsche Kultur), Geschichte und Psychologie (da die Untersuchungen in dem Werk auf psychologischer Betrachtung basieren). Sehr dichte Arbeit - einzeiliger Zeilenabstand.300 KB
Textauszug
Alexander und Margarete Mitscherlich:
Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens.
von: Elisabetta D′Amato
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 2
2. Biographie S. 3
2.1. Alexander Mitscherlich S. 3
2.2. Margarete Mitscherlich S. 7
3. Situation nach dem 2. Weltkrieg S. 7
3.1. Bewältigung der Vergangenheit S. 7
3.2. Negation der Geschichte S. 8
4. Situation vor dem 2. Weltkrieg S. 10
4.1. Moral und Wertevorstellungen S. 10
4.2. Das Kaiserreich (1900-1914) S. 10
4.3. Der 1. Weltkrieg (1914-1918) und der damit verbundene Versailler Vertrag S. 11
4.4. Die Weimarer Republik (1918-1933) S. 11
4.4.1. Geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus S. 12
4.5. Antisemitismus S. 12
5. "Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens." S. 14
5.1. Zusammenfassung und Erläuterungen zu dem Buch S. 14
5.2. Die direkte Konfrontation mit NS-Tätern und
Mitläufern und ihre Techniken der Entwirklichung S. 17
5.3. Ursachen für den blinden Gehorsam S. 19
5.4. Fanatischer Patriotismus S. 21
5.5. Politischer und sozialer Immobilismus S. 21
5.6. Der Führer als Ich-Ideal S. 23
5.7. Ist die Trauerarbeit noch möglich? S. 24
6. Fazit S. 26
7. Quellenverzeichnis S. 28
1. Einleitung
Nachdem der zweite Weltkrieg beendet war und sich erzwungener Friede in Europa breit machte, waren die Verlierer mit schweren Bürden belastet. Eine dieser Bürden war die Verpflichtung ihrer Vergangenheit schonungslos in das erschreckende Antlitz zu schauen und den Versuch zu unternehmen, diese in irgendeiner Form ansatzweise zu ,,bewältigen". Der Begriff Vergangenheitsbewältigung wurde für diesen Umstand in Deutschland geprägt.
In dieser Arbeit wird an Hand der Erläuterungen von Alexander und Margarete Mitscherlich in deren Werk "Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens" das Verhältnis der Deutschen zu den Geschehnissen im Nationalsozialismus, eben deren Form der Vergangenheitsbewältigung, untersucht.
Dieses Buch, ein gesellschaftsanalytisches Werk, ist im Jahre 1967 erschienen.
Im Untertitel ("Grundlagen kollektiven Verhaltens") haben die Autoren das zentrale Thema dieser Sammlung einer Reihe in sich abgeschlossener Arbeiten deutlich gemacht.
Es wird analysiert inwieweit beziehungsweise ob sich die Deutschen, wobei hier der Schwerpunkt auf die ehemalige BRD gelegt wird, überhaupt mit den damaligen Ereignissen und ihrer Mitschuld daran auseinandersetzen, inwiefern also eine Vergangenheitsbewältigung stattfand. In diesem Buch werden die "psychischen Prozesse in großen Gruppen, als deren Folge sich Freiheit oder Unfreiheit der Reflexion und der Einsicht ausbreiten" , näher betrachtet. Es soll der Versuch unternommen werden, mit Hilfe psychologischer Interpretation "einigen Grundlagen der Politik näherzukommen ". Interpretiert werden soll also das, was Politik macht, nämlich menschliches Verhalten in großer Zahl.
Im Blickpunkt steht jene Generation, die den Nationalsozialismus im Erwachsenenalter aktiv miterlebt hat, die also eine aktive Rolle als Täter oder auch als "Dulder" ( oder wie allgemein geläufig, als Mitläufer) spielte und somit als kleine oder große Rädchen im Getriebe der Realisierung der nationalsozialistischen Ideale, unbeachtet der verbrecherischen Methoden, die vorgeblich als Mittel zum Zweck dienten, verhalf.
Gefragt wird nach den unterschiedlichen Umgangsformen dieser Generation mit der NS-Vergangenheit. Welche Reaktionen und alternative Identifikationsmöglichkeiten boten sich also? Fand eine Entidentifizierung mit der Geschichte des eigenen Landes statt bzw. welche Abwehrmechanismen sind in diesem Zusammenhang zu finden? Dazu muss anfangs untersucht werden, wie sich das Leben dieser Generation darstellte, wie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die das Unbegreifbare möglich machten, und die Gedankenwelt dieser Zeit aussahen, denn "das Verständnis der Motive eines Individuums bringt uns schrittweise an die unbekannte Welt des anderen heran." Die Erziehung, Werte und die Moral dieser Generation spielen eine entscheidende Rolle, um zu verstehen, was diese Generation dazu brachte sich mit den Idealen des Nationalsozialismus oder gar mit Hitler zu identifizieren und diesen Idealen bedingungslos zu dienen.
Die Autoren dieses Buches versuchten eine Antwort auf die Frage zu geben, warum die Trauer um die Millionen Opfer des Dritten Reiches nicht stattfand.
Einleitend folgt eine Biographie der beiden Autoren.
2. BIOGRAPHIE
2.1. Alexander Mitscherlich
Alexander Mitscherlich
1908 - 1982
Psychoanalytiker und Sozialpsychologe
1908: Alexander Mitscherlich wurde als Sohn
des Chemikers Harbord Mitscherlich und
seiner Frau Clara, geborene Heigenmooser,
am 20. September 1908 in München geboren.
Alexander Mitscherlich litt als Heranwachsender
unter einem autoritären, deutschnational gesinnten Vater.
1928-1932: Nach Absolvierung des Gymnasiums in Hof
studierte er an der Universität München von 1928-1932
zunächst Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie.
Damit brach er mit der Familientradition, die durch drei Generationen hindurch Naturwissenschaftler hervorgebracht hatte. Alexander Mitscherlich begann mit einer Arbeit über die subjektiven Aspekte von Luther-Darstellungen zu promovieren, die der Historiker Paul Joachimsen (ein getaufter Jude) als Dissertationsthema akzeptiert hatte. Doch sein Doktorvater Paul Joachimsen starb 1932. Die Promotion von Alexander Mitscherlich scheiterte daraufhin an der Weigerung vom antisemitischem Nachfolger von Paul Joachimsen, Karl Alexander von Müller, Arbeiten seines Vorgängers weiter zu betreuen. Mitscherlich bricht darauf sein Studium ab.
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