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Der Antisemitismus in den 'Meistersingern' von Richard Wagner

Presentation (Elaboration), 1998, 12 Pages
Author: Dr. Sabine Busch-Frank
Subject: Theater Studies

Details

Category: Presentation (Elaboration)
Year: 1998
Pages: 12
Grade: 2
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V53917
ISBN (E-book): 978-3-638-49235-5
ISBN (Book): 978-3-640-20378-9
File size: 145 KB
Notes :
Die Person Richard Wagners und seine vielfach belegten antisemitischen Äußerungen führten immer wieder dazu, in seinen Werken nach einem Niederschlag seiner judenfeindlichen Weltsich zu recherchieren. Die Arbeit überprüft in diesem Zusammenhang seine Oper "Die Meistersinger von Nürnberg"


Abstract

Richard Wagners Antisemitismus ist ein vielbesprochenes Thema – sowohl im Hinblick auf die politische Realität des Hauses Wahnfried im Dritten Reich nach dem Tod des Komponisten wie im Kontext seiner Schriften und seines Opernschaffens. Das vorliegende Referat geht auf Spurensuche in Libretto, Musik und Werkkontext von Wagners komischem Opernwerk „Die Meistersinger von Nürnberg“, in dessen Rezeptionsgeschichte die Person des Stadtschreibers Beckmessers wiederholt als Judenkarikatur aufgefasst wurde. Weiter wirft das Referat einen schlaglichtartigen Blick auf Wagners persönliches Verhältnis zu Juden und die Wirkungsgeschichte seiner „Meistersinger“ im „Dritten Reich“.


Excerpt (computer-generated)

Der Antisemitismus in den „Meistersingern“
von Richard Wagner

von: Sabine Busch-Frank

 


GLIEDERUNG

1. Wagners Verhältnis zu Juden 1

2. Die „Meistersinger von Nürnberg“ - ein antisemitisches Stück?  3

2.1. Sachs als Rassentheoretiker ?  4
2.2. Beckmesser als verfolgter Jude ?  5
2.3. Sicht des Judentums in den Meistersingern  8

3. Die Wirkungsgeschichte der Meistersinger im „Dritten Reich“  10

Schluss  10

AUSFÜHRUNG


 

 

1. Wagners Verhältnis zu Juden

Richard Wagners Verhältnis zum Judentum zeigt sich zunächst in seinem Privatleben und in seinem Bekanntenkreis als sehr offen und durchaus positiv: Vom jüdischen Musiker Meyerbeer erfuhr er während seiner Pariser Zeit (1839 - 1842) erhebliche Unterstützung, der jüdische Philologe Samuel Lehrs war ein enger Freund der Pariser Zeit, der Pianist und Komponist Karl Tausig, der Musikschriftsteller Heinrich Porges, der Pianist Josef Rubinstein, Hermann Levi, der Dirigent des ersten Parsivals und Angelo Neumann, der Mann der das „Ring“- Tourneetheater durchführte, waren eng mit Wagner befreundet - und Juden. Gegen dieses Bild vom Judenfreund sprechen natürlich Wagners antisemitische Äußerungen. Einige Antisemitismen wurden von Cosima überliefert: So nahm Wagner zum Beispiel beim Brand des Wiener Ringtheaters (mit vielen jüdischen Opfern) Hitlers Gedanken der „Endlösung der Judenfrage“ vorweg, wenn er anregt, alle Juden in einer Vorstellung von Lessings „Nathan“ zu verbrennen. 1

Doch schlimmer als dieser „Privatantisemitismus“, der bis zur Veröffentlichung der Tagebücher Cosimas ziemlich unbekannt und somit kaum prägend gewesen sein dürfte, ist das Pamphlet, das Wagner mit „Das Judentum in der Musik“ (1850 unter dem Pseudonym K. Freigedank) veröffentlichte. Dort stellt er verschiedene antisemitische Thesen auf: Es bestünde eine unbewusste Empfindung im Volke, die sich als Abneigung gegen das jüdische Volk äußere. Seine Vorwürfe gegen das Judentum kritisieren deren finanzielle Vormacht, ihre angebliche Uneignung zur Kunst, (auch als künstlerisch Abgebildeter!), ihre – so Wagner - abstoßende Sprache: „In dieser Sprache, dieser Kunst kann der Jude nur nachsprechen, nachkünsteln, - nicht wirklich redend dichten oder Kunstwerke schaffen.“2 Weiter schreibt Wagner: „Steigert der Jude seine Sprechweise [...] gar zum Gesang, so wird er uns damit geradewegs unausstehlich.“3

Als Beispiele führt Wagner Mendelsohn, Meyerbeer (Ungenannt) und Heine an. Die Lösung, die Wagner allen Juden empfiehlt ist „aufhören, Jude zu sein“4 Seiner Meinung nach kann dieses Ziel in einem harten Kampf erreicht werden. Daher sein Appell: „Nehmt rückhaltlos an diesem selbstvernichtenden, blutigen Kampfe teil, so sind wir einig und untrennbar! Aber bedenkt, dass nur Eines Eure Erlösung von dem auf Euch lastenden Fluche sein kann, die Erlösung Ahasvers: Der Untergang!“5 Diese geballte Ansammlung von Vorurteilen, die Wagner mit der scheinbaren Kompetenz des Kunstschaffenden gibt, offenbart natürlich eine starke antisemitische Tendenz.

Allerdings befindet er sich seinerzeit damit in „bester“ Gesellschaft: Auch Luther, die Grimms, Goethe, Maria Theresia, Voltaire6 und andere Geistesgrößen waren sich nicht zu schade für antisemitische Hetze. Doch entschuldigen lässt sich Wagners Antisemitismus natürlich auch damit nicht. Der einzige Unterschied zum Antisemitismus des dritten Reiches ist, dass Wagner den Juden die Assimilation empfiehlt, um sich so aus der rassenbedingten Determinierung zu lösen. Bei den Rassentheoretikern des dritten Reiches ist das nicht möglich: da blieb nur die „Endlösung“ als Ausweg. Dass Wagner nach seinen überlieferten Schriftdokumenten Antisemit war, wird niemand leugnen. Doch floss diese Haltung auch in seine Werke ein? Am Beispiel der „Meistersinger“ soll das überprüft werden.

2. Die „Meistersinger von Nürnberg“ - ein antisemitisches Stück?

[...]


1 Katz J. „Richard Wagner. Vorbote des Antisemitismus“ Königstein/Ts, 1985, S. 148

2 Wagner, R „Die Kunst und die Revolution. Das Judentum in der Musik. Was ist deutsch?“, (Hrsg. Tibor Kneif), München 1975, S. 58.

3 S.o. S. 60

4 S.o. S. 70

5 S.o. S. 77


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