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Hannah Arendts Verständnis von Freiheit und Politik

Scholary Paper (Seminar), 2006, 20 Pages
Author: Martin Gliemann
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,0 sehr gut
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V53949
ISBN (E-book): 978-3-638-49259-1
ISBN (Book): 978-3-638-77555-7
File size: 159 KB
Notes :
Aufgabenstellung: Ausführliche Darlegung, was Arendt unter Politik versteht und auf welche Weise die Begriffe Politik und Freiheit miteinander verbunden sind, ausführliche Ausarbeitung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum / vom aristotelischem Politikverständnis heraus und Diskussion der Frage, ob eine an Aristoteles anschließende Theorie heute noch Relevanz beanspruchen kann.


Abstract

Ausführliche Darlegung, was Arendt unter Politik versteht und auf welche Weise die Begriffe Politik und Freiheit miteinander verbunden sind, ausführliche Ausarbeitung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum / vom aristotelischem Politikverständnis heraus und Diskussion der Frage, ob eine an Aristoteles anschließende Theorie heute noch Relevanz beanspruchen kann.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden
Philosophische Fakultät, Institut für Politikwissenschaft
Proseminar: Einführung in das Studium der politischen Theorie
Wintersemester 2005 / 2006, 2. Semester

Hannah Arendt: Freiheit und Politik

von: Martin Gliemann

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Problematik der Minderheiten – Ausgangspunkt Arendts politischen Denkens 2

3. Arendts Politik- und Freiheitsverständnis 4

3.1 Das Elementare ihres Politikbegriffes 5
3.2 Das Verhältnis von Politik und Freiheit und die Fortführung ihres Politikbegriffes 7

4. Arendts Bezugnahme und Abgrenzung auf / von Aristoteles 11

5. Relevanzanspruch einer an Aristoteles anknüpfenden politischen Theorie 15

6. Fazit 16

7. Literaturverzeichnis 18


 

 

1. Einleitung

„We may inhabit this world as bodies, in need of sustenance and care, but if we are to inhabit a human world, we must be allowed to demonstrate that we are more than just physical beings; we must be able to show ourselves in speech and act as humans, to recognize and be recognized as humans.”1

Dieses Zitat beschreibt die Intention, die Hannah Arendt hatte, als sie daran ging, eine neue politische Theorie aufzustellen. Die Beantwortung der Fragen, was Arendt unter Politik versteht und auf welche Art und Weise die Begriffe Politik und Freiheit bei ihr verbunden sind, sind zentrales Anliegen dieser Arbeit. Weiterhin wird Arendts Bezugnahme auf das Politikverständnis Aristoteles’, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Denken dieser beiden politischen Theoretiker als Thema abgehandelt werden. Zum Schluss wird die Frage diskutiert, ob eine an Aristoteles anschließende Theorie heute noch Relevanz beanspruchen kann.

Die Arbeit ist so gegliedert, dass anfangs die Ursprünge Arendts politischen Denkens im Zusammenhang mit dem von ihr vollzogenen Traditionsbruch gezeigt werden. Daran anschließend wird das Elementare an Arendts Politikbegriff aufgezeigt - das Verhältnis der menschlichen Tätigkeiten Arbeiten, Herstellen und Handeln zueinander - um den Handlungsbegriff als für die Politik wesentlich herauszustellen. Danach wird ihr Freiheitsbegriff in Relation zu ihrem Politikbegriff gesetzt und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für ein gemeinsames, menschliches Miteinander erörtert. Die kritische Sicht Arendts auf die Massengesellschaft im Hinblick auf den Behaviorismus und die Überhöhung des Faktors Arbeit spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Dieser Abschnitt wird eine Bezugnahme auf Aristoteles bewusst vermissen lassen, obwohl Definitionen ihres Politik- und Freiheitsbegriffes eigentlich nur im Kontext und in der Auseinandersetzung mit der Antike möglich sind. Allerdings wird der tatsächliche Vergleich, das Aufzeigen der Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich aristotelischem Denken, in einem späteren Kapitel dieser Arbeit stattfinden. Mit dem Versuch Arendts Denken bewusst aus dem „Antike–Neuzeit–Vergleich“ herauszunehmen, soll erreicht werden, dass der Leser einen Bezug zum heutigen eher bürokratisch geprägten und fast ausschließlich auf Organisation und Sicherung des Lebens abzielenden Politikverständnis2 bekommt, um einerseits nicht in den „philosophischen Schwierigkeiten“ Arendtschen Denkens unterzugehen und andererseits die von ihr aufgezeigten Lösungsmöglichkeiten, die Politik und Freiheit betreffend, an die gegenwärtige Politik geistig adaptieren zu können.

2. Problematik der Minderheiten – Ausgangspunkt Arendts politischen Denkens

Die deutsch-jüdische Philosophin und politische Soziologin Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren. Ihr sozialdemokratisch geprägtes Elternhaus hatte durch politische Aktivitäten der Mutter Martha Cohn, die beruflich als Bildhauerin tätig war, im Umfeld des Spartakus-Bundes seine wesentliche

Prägung erfahren. Die familiären Wurzeln der deutschen Philosophin, die sich selbst allerdings bevorzugt als politische Theoretikerin, im Besonderen des Totalitarismus, sah, lagen in Königsberg, der Hauptstadt Ostpreußens, wohin die Familie Arendt 1910 wieder umsiedelte. Die junge Frau, durch ihre Mutter und deren Erziehung politisch interessiert, erfuhr die immer stärker werdende Polarisierung der Gesellschaft innerhalb der Weimarer Republik, welche eine ausnehmende Radikalisierung von rechts und damit gleichzeitig antisemitische, antiliberale und antisoziale Ausfälle gegenüber Minoritäten zur Folge hatte. Der seit Bismarck bestehende deutsche Nationalstaat hatte eine zunehmende Tendenz zur Nivellierung der Gesellschaft gezeigt, und die sich nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ausbreitende Propagierung der Einheit von Volk und Nation, von Staat und Territorium, konnte und wurde durch die Anwesenheit von Minderheiten in Frage gestellt.3 Staatenlose und Juden fielen ihr in diesem Zusammenhang als diejenigen auf, welche rechtliche und soziale Benachteiligungen innerhalb einer Nation zu ertragen hatten. Die Juden erfuhren innerhalb der Nationalstaaten von der angestammten Bevölkerung häufig eine qualitative Bestimmung, „[...] die durch Rassedenken geprägt war und einzelne Völker bzw. Nationen überhöhte und andere als minderwertig abstempelte [...].“4 Arendt erkannte, dass sich nach dem 1. Weltkrieg die Minderheitenproblematik dadurch verschärfte, dass viele Flüchtlinge nach wirtschaftlich und politisch stabileren Verhältnissen strebten und sich in die Nationalstaaten zu integrieren versuchten. Diese „Außenseiter“, im Kontext damaligen nationalen Denkens, konnten zwar am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, was nach Hannah Arendt darin bestand, zu arbeiten, Produkte herzustellen und die bestehende Infrastruktur zu benutzen, allerdings waren sie vom politischen Leben, dem öffentlichen Gemeinplatz „[...] freier Gestaltungsmöglichkeiten, in dem über die gemeinsame Welt entschieden wird [.] “5, ausgeschlossen.

[...]


1 Peterson, Terri: Philosophy Column: Hannah Arendt, recognition and human beings, in: Nursing Philosophy, 2001, Vol. 2, Issue 2, S. 183

2 Vgl. Ludz, Ursula (Hrsg.): Arendt, Hannah: Was ist Politik? , Fragmente aus dem Nachlaß, München und Zürich 1993, S. III

3 Vgl. Pilling, Iris: Denken und Handeln als Jüdin, Hannah Arendts politische Theorie vor 1950, Frankfurt am Main 1996, S. 176

4 Ebd. S. 177

5 Jaeggi, Rahel: Welt und Person, Zum anthropologischen Hintergrund der Gesellschaftskritik Hannah Arendts, Berlin 1997, S. 28


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