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Thesis (M.A.), 1997, 83 Pages
Author: Eveline Zurbriggen
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Dürrenmatt, Poetik, Komödie
Year: 1997
Pages: 83
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 47 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10036-6
ISBN (Book): 978-3-638-67821-6
File size: 288 KB
Friedrich Dürrenmatts Poetik der Komödie wird dargestellt und untersucht anhand der Dramen Romulus der Grosse, Der Besuch der alten Dame, Die Physiker, Der Meteor und Dichterdämmerung
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Abstract
Friedrich Dürrenmatt erlebt unsere heutige Welt als ein Ungeheures, ein Labyrinth im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Weg, dieses Labyrinth zu bewältigen, führt über das Schreiben. Freilich hebt das Schreiben das Ungeheuerliche nicht auf, sondern potenziert es geradezu, wie Dürrenmatt in seiner Poetik der Komödie darlegt. Doch: Wie und inwiefern setzt Dürrenmatt seine aus der Auseinandersetzung mit der Welt erwachsene Poetik der Komödie in seinen Dramen "Romulus der Grosse", "Der Besuch der alten Dame", "Die Physiker", "Der Meteor" und "Dichterdämmerung" literarisch um?
Excerpt (computer-generated)
Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie.
Magisterarbeit im Fachbereich ,,Neuere deutsche Literaturwissenschaft"
an der Fernuniversität Gesamthochschule in Hagen zum Thema
Friedrich Dürrenmatts Poetik der Komödie
Dargestellt an den Dramen
"Romulus der Grosse",
"Der Besuch der alten Dame",
"Die Physiker",
"Der Meteor" und
"Dichterdämmerung"
Angefertigt im Hauptfach
"Neuere deutsche Literaturwissenschaft"
von Zurbriggen Eveline
vom 17. März 1997
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 4
2. Dürrenmatts Poetik der Komödie S. 4
2.1. Dürrenmatts Weltbild S. 5
2.2. Aufgabe und Grenzen des Schriftstellers S. 6
2.3. Die Poetik der Komödie S. 7
2.3.1. Die Notwendigkeit der Komödie S. 8
2.3.2. Komödie der Handlung S. 9
2.3.3. Dramaturgie des Zufalls S. 10
2.3.4. Paradoxie und Groteske S. 11
2.3.5. Das ,,Modell Scott" S. 13
2.4. Zwischen Brecht und dem absurden Theater S. 14
3. Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie. S. 17
3.1. Figuren zwischen Komik und Groteske S. 18
3.1.1. Namen und Kosenamen S. 18
3.1.2. Die Konzeption der Figuren S. 22
3.1.3. Figurengruppierungen S. 28
3.2. Sprache zwischen Komik und Groteske S. 29
3.2.1. Wortspiele S. 29
3.2.2. Ueber- und Untertreibungen S. 31
3.2.3. Akkumulation und Gradation S. 32
3.2.4. Anachronismen S. 33
3.2.5. Kommentare S. 35
3.2.6. Wiederholungen S. 37
3.2.7. Stilebenen und Stilbrüche S. 40
3.2.8. Dialogführung S. 42
3.3. Situationen zwischen Komik und Groteske S. 45
3.3.1. Kontraste und Paradoxien S. 45
3.3.2. Wiederholungen und Variationen S. 49
3.3.3. Parodien und Anspielungen S. 53
3.3.4. Bühnenbild und Requisiten S. 56
3.3.5. Musik S. 60
3.4. Handlung zwischen Komik und Groteske S. 62
3.4.1. Einfälle und Zufälle S. 62
3.4.2. Die schlimmstmögliche Wendung S. 66
3.4.3. Motivketten und Doppeldeutigkeit S. 68
3.4.4. Aktschlüsse, Titel und Genrebezeichnungen S. 71
3.4.5. Aristotelische und nichtaristotelische Dramaturgie S. 73
4. Komik - Groteske - Tragik: ein gespannter Bogen S. 77
5. Schlussbemerkung S. 78
6. Literaturverzeichnis S. 80
1. Einleitung
Jan Matthison beklagt sich in Friedrich Dürrenmatts Wiedertäufer-Drama über die entwürdigende Art, mit der die Sache der Täufer dargestellt werde, und erklärt erbost, dass ,,der Schreiber dieser zweifelhaften und in historischer Hinsicht geradezu frechen Parodie des Täufertums nichts anderes ist als ein im weitesten Sinne entwurzelter Protestant, behaftet mit der Beule des Zweifels, misstrauisch gegen den Glauben, den er bewundert, weil er ihn verloren" (1), und Uebelohe, einer Gestalt aus ,,Die Ehe des Herrn Mississippi", zufolge ist Dürrenmatt ein ,,verlorener Phantast", ,,ein Liebhaber grausamer Fabeln und nichtsnutziger Lustspiele", der Schauspieler und Publikum ,,heimtückisch" in eine Handlung ,,hineingelistet" habe, bei der es nicht sicher sei, ,,ob er sich planlos von Einfall zu Einfall treiben liess, oder ob ein geheimer Plan ihn leitete." (2)
Friedrich Dürrenmatt, Autor und Ziel dieser zwei seiner Figuren in den Mund gelegten ironischen Selbstbetrachtung, ist zweifelsohne ein moderner Klassiker. Seine Werke, die Romane nicht weniger als die Dramen, gehören längst zum Bildungsfundus unserer Zeit, sie sind Teil des Bücherkanons in den Schulen und erfreuen sich nicht nur weltweiter Aufführungen, sondern haben mittlerweile auch in der Filmgeschichte ihren Platz. Erinnert sei hier etwa an den mit Heinz Rühmann unter dem Titel ,,Es geschah am hellichten Tag" verfilmten Roman ,,Das Versprechen", der nun im Rahmen der ,,German Classics" unter der Regie von Bernd Eichinger wiederverfilmt werden soll.
Ganz offensichtlich treffen Dürrenmatts Werke auch heute noch den Nerv der Zeit. Themen wie die atomare Bedrohung oder Kindsmisshandlungen sind in aller Munde und verleihen dem Werk Dürrenmatts eine fast schon gespenstische Aktualität. Dies freilich sollte nicht erstaunen, war er doch ein Schriftsteller - als Dichter wollte er nie bezeichnet werden - der sich mit den brennenden Fragen seiner und unserer Zeit intensiv auseinandergesetzt hat und dieser Zeit in seinem Werk Gestalt gegeben hat. So impliziert die Beschäftigung mit Dürrenmatt per se auch das Herangehen an die drängenden Probleme der Gegenwart.
Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, inwiefern und wie Friedrich Dürrenmatt seine aus der Auseinandersetzung mit der Welt erwachsene Poetik der Komödie in seinen Dramen ,,Ro-mulus der Grosse", ,,Der Besuch der alten Dame", ,,Die Physiker", ,,Der Meteor" und ,,Dichterdämmerung" umgesetzt hat.
2. Dürrenmatts Poetik der Komödie
Dürrenmatts literaturtheoretische Ausführungen stehen in engem Zusammenhang mit seinem persönlichen Weltbild. Es wird deshalb zum besseren Verständnis notwendig sein, zunächst seine Ansichten über unsere Welt zu reflektieren, um anschliessend die Konsequenzen für Dürrenmatts Literatur - in Theorie und Praxis - ziehen zu können. Dabei gilt es zu beachten, dass diese drei Bereiche (Weltbild, Literaturtheorie und literarische Praxis) einander in einem sehr komplexen Wechselverhältnis immer wieder gegenseitig beeinflusst haben.
2.1. Dürrenmatts Weltbild
In seinem 1954/55 gehaltenen Vortrag „Theaterprobleme“ charakterisiert Dürrenmatt unsere moderne Welt als ein aufgrund wachsender Bevölkerungszahlen, der Technisierung, der Medien und anonymen Verwaltungsapparate unpersönlich und unwirklich gewordenes Chaos. Der heutige Staat sei „unüberschaubar, anonym, bürokratisch geworden.“ (3) Im Gegensatz etwa zur Zeit Schillers fehlen „die echten Repräsentanten, und die tragischen Helden sind ohne Namen.“ (4) Die Welt ist voller Tragödien, „die von Weltmetzgern inszeniert und von Hackmaschinen ausgeführt werden. Aus Hitler und Stalin lassen sich keine Wallensteine mehr machen. Ihre Macht ist so riesenhaft, dass sie selber nur noch zufällige, äussere Ausdrucksformen dieser Macht sind, beliebig zu ersetzen, ...“ (5).
Als besonders gravierend empfindet Dürrenmatt die Unabsehbarkeit dieser ständigen Machtpotenzierung und der Machtmittel selber: „Die Atombombe kann man nicht mehr darstellen, seit man sie herstellen kann. Vor ihr versagt jede Kunst als eine Schöpfung des Menschen, weil sie selbst eine Schöpfung des Menschen ist. Zwei Spiegel, die sich ineinander spiegeln, bleiben leer.“ (6) Die Moderne lasse sich somit weit besser mit einem Kanzlisten oder einem Polizisten wiedergeben als mit einem Bundesrat oder Bundeskanzler, denn „die Kunst dringt nur noch bis zu den Opfern vor, dringt sie überhaupt zu Menschen, die Mächtigen erreicht sie nicht mehr. Kreons Sekretäre erledigen den Fall Antigone.“ (7)
[...]
(1) Dürrenmatt, Friedrich. Komödien II, S. 48
(2) Dürrenmatt, Friedrich. Komödien I, S. 116
(3) Dürrenmatt, Friedrich. Theater, S. 59 f.
(4) Daselbst, S. 60
(5) Daselbst, S. 59
(6) Daselbst, S. 60
(7) Daselbst, S. 60
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