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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 25 Pages
Author: Christian Pfeiffer
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Osnabrück
Tags: Befreiungskriege, Kriege, Typus, Krieg, Frieden, Frühen, Neuzeit
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 30 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49453-3
ISBN (Book): 978-3-638-67741-7
File size: 186 KB
Der in den Befreiungskriegen zum ersten Mal im deutschen Raum in Erscheinung tretende "Volkskrieg" stellt einen Bruch dar in der Kontinuität der Fürstenkriege der Frühen Neuzeit und leitet eine neue Form von Krieg ein. Diese Arbeit charakterisiert den typischen Fürstenkrieg, danach den Volkskrieg. Diese Definitionen sind erforderlich, um die Forschungskontroverse im Schlussteil der Arbeit zu diskutieren.
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Abstract
Im Februar 1812 schreibt Carl von Clausewitz: „Der Krieg der jetzigen Zeit ist ein Krieg Aller gegen Alle. Nicht der König bekriegt den König, nicht eine Armee die andere, sondern ein Volk das andere, und im Volke sind König und Heer enthalten.“ Damit liefert der preußische Soldat und einer der wichtigsten militärischen Vordenker seiner Zeit die Definition eines neuen Kriegstypus, der im deutschen Raum zum ersten Mal in den so genannten Befreiungskriegen, den Kriegen gegen die Herrschaft Napoleons in den Jahren 1813 bis 1815, in Erscheinung tritt: den Volkskrieg. Dieser stellt, zusammen mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und den Revolutionskriegen einen Bruch in der Kontinuität der Fürstenkriege der Frühen Neuzeit dar und leitet eine Form von Krieg ein, den neue Charakteristika auszeichnen. Um diese Leitthese zu belegen, charakterisiert diese Arbeit ausführlich den typischen Fürstenkrieg der Frühen Neuzeit sowie den Volkskrieg, der von Clausewitz beschrieben wird. Im Anschluss diskutiert sie mit Hilfe dieser Definitionen die Forschungskontroverse und prüft die bisher vorgebrachten Argumente auf ihre Stichhaltigkeit. Waren die Befreiungskriege wirklich Volkskriege?
Excerpt (computer-generated)
Universität Osnabrück
Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften
Hauptseminararbeit, 6. (Studien-)Semester
Die Befreiungskriege als Kriege eines neuen Typus
von: Christian Pfeiffer
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 2
1. DAS WESEN UND DIE CHARAKTERISTIKA DER KRIEGE IN DER FRÜHEN NEUZEIT 3
2. DEFINITION EINES NEUEN KRIEGSTYPUS: DER VOLKSKRIEG 8
3. DIE BEFREIUNGSKRIEGE 12
( A ) DIE FORSCHUNGSKONTROVERSE UM DEN TYPUS DER BEFREIUNGSKRIEGE 13
( B) EINGESCHRÄNKTE DEFINITIONEN VON FÜRSTEN - UND VOLKSKRIEG 15
( C ) ERWEITERUNG DES BLICKWINKELS : BEURTEILUNG DES KRIEGSTYPUS ANHAND VERÄNDERTER WESENSZÜGE 17
SCHLUSS 21
BIBLIOGRAPHIE 22
Einleitung
Im Februar 1812 schreibt Carl von Clausewitz: „Der Krieg der jetzigen Zeit ist ein Krieg Aller gegen Alle. Nicht der König bekriegt den König, nicht eine Armee die andere, sondern ein Vo lk das andere, und im Volke sind König und Heer enthalten.“ 1 Damit liefert der preußische Soldat und einer der wichtigsten militärischen Vordenker seiner Zeit die Definition eines neuen Kriegstypus, der im deutschen Raum zum ersten Mal in de n so genannten Befreiungskriegen, den Kriegen gegen die Herrschaft Napoleons in den Jahren 1813 bis 1815, in Erscheinung tritt: den Volkskrieg. Dieser stellt, zusammen mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und den Revolutionskriegen einen Bruch dar in der Kontinuität der Fürstenkriege der Frühen Neuzeit und leitet eine Form von Krieg ein, den neue Charakteristika auszeichnen.
Um diese Leitthese zu belegen, charakterisiert diese Arbeit zunächst in ihrem ersten Teil den typischen Fürstenkrieg der Frühen Neuzeit und zeigt Gründe für das Führen der Kriege in dieser Epoche auf. Dieser Teil basiert vor allem auf den theoretischen Konzepten von Johannes Burkhardt und Peter Wilson. Der zweite Teil erarbeitet eine Definition des Volkskriegs, der zum ersten Mal nach der Französischen Revolution durch Clausewitz beschrieben wird.
Diese Definitionen sind erforderlich, um die Forschungskontroverse im dritten und letzten Teil der Arbeit über den Typus der Befreiungskriege diskutieren zu können. Die Arbeit greift zunächst die bestehende Forschungsdiskussion auf und prüft ihre Argumente auf Stichhaltigkeit. In einem weiteren Schritt stellt sie fest, dass die bisherige Forschungsdiskussion aufgrund von nicht miteinbezogenen Defiziten hinsichtlich der Definitionen der Kriegstypologien inhaltliche Mängel aufweist. Darum untersucht die Arbeit in einem letzten Schritt, welche neuen Wesensmerkmale die Befreiungskriege aufweisen und welchem Typus eingedenk seiner Definitionsdefizite sie eher zugeschrieben werden können.
1. Das Wesen und die Charakteristika der Kriege in der Frühen Neuzeit
Die Befreiungskriege als Kriege eines neuen Typus lassen sich nur dann aufzeigen, wenn den Kriegen in der Zeit zuvor bereits ein bestimmter Typus zugeschrieben wurde und ihre Charakteristika dargelegt werden, um einen Vergleich ziehen zu können. Darum soll hier im ersten Kapitel der Arbeit das Wesen des Krieges in der Frühen Neuzeit untersucht und typologisiert werden. Dazu wird der Autor zunächst die Gründe für die Entstehung von Kriegen in diesem Zeitalter analysieren. Die Charakteristika hinsichtlich der Kriegsführung sollen aufzeigen, an welchen Merkmale n die Kriege der Frühen Neuzeit erkannt und bestimmt werden können. Zuletzt typologisiert dieses Kapitel die Kriege der Frühen Neuzeit.
Eine der umfangreichsten neueren Theorien für die Gründe der Kriege in der Frühen Neuzeit hat Johannes Burkhardt vorgelegt. 2 Burkhardt definiert übergeordnet die Kriege der Frühen Neuzeit als Staatenbildungskriege. Allerdings ist nach seiner Überzeugung nach nicht die sich neu herausbildende Institution des modernen Staates selbst der Auslöser der fast dauerhaft stattfindenden Kriege gewesen, sondern seine Unvollkommenheit, die „Entwicklungsdefizite frühmoderner Staatlichkeit“. 3 Burkhardt unterscheidet drei Hauptdefizite, mit denen die neuen Staat en zu kämpfen hatten: das Egalitätsdefizit, das Institutionalisierungsdefizit sowie das Autonomiedefizit. Das Egalitätsdefizit unterteilt er in drei weitere Einzelpunkte. Zum einen sei es immer wieder zu den bewaffneten Konflikten gekommen, weil sich die frühneuzeitlichen Herrscher oft weniger als Führer eines einzelnen Staates verstanden haben. Vielmehr wollten sie ihren Führungsanspruch auf die ganze europäische Welt ausdehnen. 4 Diesem Punkt widerspricht Peter Wilson, dessen Arbeit besonders für die Charakteristika weiter unten maßgeblich ist. Er ist der Ansicht, der Anspruch auf eine Universalmacht bezieht sich in der Frühen Neuzeit eher auf eine Universalmacht innerhalb der sich in der Entstehung befindlichen Staaten.5 Hier muss aber die Frage aufgeworfen werden, wo die Staatsgrenzen zu ziehen sind und wer in der Frühen Neuzeit für ihre Definition verantwortlich war. Wilson bleibt die Antwort schuldig. Der Punkt der Universalmacht ist für die weitere Diskussion dieser Arbeit von besonderer Bedeutung, die beiden weiteren Punkte des Egalitätsdefizits dafür weniger wichtig. Darum sollen sie hier nur kurz angerissen werden: Es geht zum einen um die Konflikte zwischen Fürsten und den Ständen, zum anderen um die Konfliktgefahr durch das duale Reichssystem im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.6
Im Institutionalisierungsdefizit ist vor allem die Betrachtung der Instabilität an der monarchisch-dynastisch en Spitze von Bedeutung, um eine Typologisierung der Kriege der Frühen Neuzeit vorzunehmen. Instabilität konnte dann auftreten, wenn die Erbfolge eines Monarchen nicht ausdrücklich geregelt war. Ein Staat geriet unweigerlich in eine Krise, denn er war ausschließlich auf den Monarchen ausgerichtet. Laut Burkhardt wurde „stets das ganze Vertragswerk um Krieg und Frieden noch zwischen persönlichen Subjekten, noch nicht zwischen Staaten als institutionalisierten Handlungsträgern errichtet“. 7
[...]
1 Carl von Clauswitz. Bekenntnisschrift. In: Werner Hahleweg. Schriften – Aufsätze – Studien – Briefe. Dokumente aus dem Clauswitz- , Scharnhorst- und Gneisenau-Nachlass sowie aus öffentlichen und privaten Samml ungen. Göttingen 1966. S. 750.
2 Johannes Burkhardt. Die Friedlosigkeit der Frühen Neuzeit. Grundlegung einer Theorie der Bellizität Europas. In: Zeitschrift für Historische Forschung, 24. Band, 1997, S. 509 – 574.Vgl. auch Johannes Kunisch. Staatsverfassung und Mächtepolitik. Zur Genese von Staatenkonflikten im Zeitalter des Absolutismus. Berlin 1979. Kunischs These der Bellizität aufgrund des dynastischen Erbrechts hat Burkhardt aufgegriffen und in seine Theorie der Staatenbildungskriege integriert.
3 Burkhardt 1997, S. 514.
4 Ebd., S. 516ff.
5 Peter Wilson. European Warfare 1450 – 1815. In: Jeremy Black. War in the Early Modern World. London 1993. S. 194.
6 Burkhardt 1997, S. 530ff sowie 535ff.
7 Ebd., S. 539.
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