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Die Ölkrise 1973 - Hintergründe und Konsequenzen und ein Vergleich mit der Situation im Jahr 2004

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 32 Pages
Author: Sven Wettach
Subject: History - Newer History, European Unification

Details

Event: Hauptseminar: Die siebziger Jahre – Aspekte einer Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Institution/College: University of Constance
Tags: Hintergründe, Konsequenzen, Vergleich, Situation, Jahr, Hauptseminar, Jahre, Aspekte, Geschichte, Bundesrepublik, Deutschland
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 32
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 55  Entries
Language: German
Archive No.: V54233
ISBN (E-book): 978-3-638-49485-4

File size: 218 KB

Abstract

Befinden wir uns in einer vierten Ölkrise? Das Ölembargo von 1973 war die erste Ölkrise mit globalen Auswirkungen. 1979 und 1990 folgten Ihr noch zwei weitere. In der Presse wurde insbesondere im Jahr 2004 immer wieder der Begriff „Ölkrise“ herangezogen, um den stark gestiegenen Ölpreis zu beschreiben. Die Arbeit geht der Frage nach, in wie weit es gerechtfertigt war, diesen Begriff zu verwenden oder ob nicht andere, nicht aus einer Krise herrührende Ursächlichkeiten für den stark angestiegenen Ölpreis verantwortlich waren. Nach einer kurzen theoretischen Auseinandersetzung mit dem Begriff „Ölkrise“ wird zunächst die erste Ölkrise des Jahres 1973 sowie deren Gründe und die sich aus ihr ergebenden Folgen dargestellt. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Situation im neuen Jahrtausend analysiert und mit den entsprechenden Aspekten aus den 1970er Jahren verglichen. Die Analyse zeigt, dass der Grund für die erste Ölkrise die kurzfristige reale, politisch motivierte Angebotsverknappung seitens der Länder am Persischen Golf als politisches Druckmittel gegen eine pro-israelischen Politik der westlichen Industriestaaten war. Die Gründe für den Anstieg des Ölpreises in neuerer Zeit sind hingegen im Wesentlichen im beschränkten, kurzfristig nicht ausbaufähigen und im unter der Nachfrage liegenden Angebot zu sehen, wobei sich für Letzteres in erheblichem Maße das wirtschaftlich prosperierende Asien sowie die geringen Investitionen in Explorationsvorhaben im letzten Jahrzehnt verantwortlich zeichnen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Konstanz, Fachbereich Geschichte und Soziologie
Hauptseminar: Die siebziger Jahre – Aspekte einer
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Sommersemester 2004

Die Ölkrise 1973 - Hintergründe und Konsequenzen
und ein Vergleich mit der Situation im Jahr 2004

von: Sven Wettach

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Begriffsbestimmung 2

3 Die erste Ölkrise 3

3.1 Verlauf und Gründe  3
3.2 Exkurs: Club of Rome 5
3.3 Auswirkungen der Ölkrise 1973 6

3.3.1 Auswirkungen auf die Energiepolitik seit 1973  7
3.3.2 Auswirkungen auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit  8
3.3.3 Gesellschaftlich-umweltpolitische Auswirkungen 11

4 Das Jahr 2004  14

4.1 Die politische und wirtschaftliche Lage im Sommer 2004 14
4.2 Deutscher Energiemix  16

4.2.1 ... nach Bezugsquellen  16
4.2.2 ... nach Energieträgern  17

4.3 Rohstoffpreise  18

4.4 Der Markt: Angebot und Nachfrage  20
4.5 US-Dollar und Inflation in den Industrieländern  22
4.6 Aktuelle Auswirkungen in anderen Ländern  23
4.7 Andere Meinung  25

5 Resümee 26

6 Abbildungsverzeichnis 27

7 Literaturverzeichnis  28

7.1 Monografien, Sammelbände und Nachschlagewerke  28
7.2 Zeitungen und Zeitschriften  29
7.3 Internet  30

 


 

1 Einleitung

Das Ölembargo von 1973 war die erste Ölkrise mit globalen Auswirkungen. Ihr folgten 1979 und 1990 noch zwei weitere. In der Tagespresse und anderen Medien fiel in den letzten Wochen und Monaten immer wieder und mit zunehmender Intensität der Begriff „Ölkrise“, um den zuletzt stark gestiegenen Ölpreis zu beschreiben. Diese Arbeit soll untersuchen, ob es auch heutzutage gerechtfertigt ist, diesen Terminus zu benutzen. Dabei sollen im Folgenden nicht nur die ökonomische Folgen, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen durch die erste Ölkrise betrachtet werden.

Beginnend mit einer Auseinandersetzung um den Begriff „Ölkrise“ folgt eine kurze Darstellung der ersten Ölkrise 1973 sowie deren Gründe. Anschließend werden einige wichtige der sich damals ergebenden Folgen aufgezeigt. Hierbei liegt der Fokus auf den gesellschaftlichen Veränderungen in der Bundesrepublik. Wir werden sehen, dass sich das Arbeitsleben veränderte, da die Arbeitslosigkeit damals nicht für möglich erachtete Höhen erklomm. Die notwendig gewordene Umgestaltung der Energieversorgung und das entstandene Umweltbewusstsein führten ihrerseits zum Aufkommen einer gesellschaftlichen Diskussion und bürgerlichen Protestbewegungen, teilweise mit der Folge eines massiven Konfliktes dieser Gruppen mit dem Staat und schließlich zur Bildung einer neuen Partei. Im zweiten Teil dieser Arbeit wird unsere heutige Situation analysiert und mit den entsprechenden Aspekten aus den 70er Jahren verglichen. Während im ersten Teil hauptsächlich gesellschaftliche Folgen und Veränderungen betrachtet wurden, werden für das Jahr 2004 im Wesentlichen ökonomische Aspekte untersucht. Dies liegt darin begründet, dass sowohl wirtschaftliche Ursachen als auch Auswirkungen schneller sichtbar sind, während soziale Folgen erst später, im weiteren Verlauf eines Ereignisses zu Tage treten.

Neben gelegentlichen Ausblicken auf mögliche Zukunftsszenarien um weitere Konfliktpotentiale aufzuzeigen, wird zum Ende noch eine von der Meinung des Autors abweichende Ansicht zur Begründung des derzeitig hohen Ölpreises vorgestellt. Aufgrund der Aktualität wurde im zweiten Teil der Arbeit hauptsächlich auf wirtschaftspolitische Tageszeitungen (Handelsblatt und Financial Times Deutschland) als Referenz zurückgegriffen.

2 Begriffsbestimmung

Da diese Arbeit untersucht, ob auch die derzeitige Situation die Bezeichnung „Ölkrise“ verdient, ist es notwendig zuerst zu definieren, was eine Ölkrise ist. In der Literatur wurden die Geschehnisse im Oktober 1973 und den folgenden Monaten übereinstimmend als Ölkrise bezeichnet. Was charakterisierte diese Ölkrise?

Prägende Kennzeichen dieser Ölkrise waren das unvorhergesehene, überraschende Eintreten der Angebotsverknappung durch die OPEC und das Fehlen einer Alternative für die betroffenen, d.h. Erdöl importierenden, Länder. Die Industriestaaten waren auf Öllieferungen angewiesen und diese kamen zu einem überragenden Anteil aus den OPEC-Ländern. Ein weiteres wichtiges Element einer Krise könnte eine einsetzende Diskussion über Handlungsalternativen, wie man den als Krise bezeichneten Zustand verändern könnte, sein. Diese Diskussion war 1973 durch die Veröffentlichungen des „Club of Rome“ im Gang und wurde durch die Geschehnisse im Oktober und den folgenden Wochen bestärkt und hielt noch über Jahre hinaus an. Eine Verknappung des Angebots alleine ist nur eine notwendige Bedingung für eine Krise, jedoch noch keine hinreichende. Wäre dies der Fall, wäre jeder Nachfrageüberhang auf einem Markt als Krise anzusehen.

3 Die erste Ölkrise

3.1 Verlauf und Gründe

Der Ökonom Jean-Marie Chevalier1 teilt die Ölkrise in zwei Phasen auf: die erste Phase datiert er von 1970 bis zum Beginn des israelisch-arabischen Krieges im Oktober 1973. Sie ist durch eine Vielzahl von Abkommen gekennzeichnet. Die zweite Phase beginnt nach Chevalier mit dem Oktoberkrieg und endet mit der Aufhebung des Ölembargos Anfang 1974.

Im ersten Abkommen einigten sich die USA mit den Ländern des Persischen Golfs am 14. Februar 1971 in Teheran auf einheitliche Preise, den Wegfall aller Rabatte und auf bestimmten Qualitätsstufen für Rohöl. Mit den Mittelmeerländern kommt es am 02. April1971 in Tripolis zu einem vergleichbaren Abkommen. Im Sommer desselben Jahres am 15. August das Bretten-Woods-System2 und hoben die Goldeinlösepflicht des Dollars auf. Hierauf kam es zu einer starken Abwertung der US-Währung, die wiederum zu einem Kaufkraftverlust der ölexportierenden Ländern führt. Im Abkommen von Genf vom 20. Januar des folgenden Jahres wurde die Dollar-Abwertung durch eine Anhebung der in Dollar notierenden Listenpreise um 8,49 Prozent teilweise kompensiert. Im Juni 1973 wurde als Reaktion auf eine erneute Dollar-Abwertung ein neues Abkommen in Genf unterzeichnet, das eine sofortige Anhebung der Listenpreise um 11,9 Prozent vorsah.

Im Oktober 1973 brach zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn ein neuer Krieg aus. Als der arabische Angriff nicht zum erwarteten Sieg führte, beschlossen am 16. Oktober mehrere Erdöl exportierende Länder Öl als Waffe einzusetzen: die Exporte wurden mit sofortiger Wirkung um mindestens fünf Prozent gesenkt, um dann jeden Monat, den die im Sechstagekrieg eroberten arabischen Gebiete noch nicht befreit waren, um weitere fünf Prozent. Tatsächlich lag der Rückgang der Ölförderung im Oktober 1973 aber weit über den veranschlagten fünf Prozent. Besonders die wichtigen Förderländer Saudi-Arabien, Irak und Kuwait drosselten ihre Förderung um über 20 Prozent.3

[...]


1 Vgl. Chevalier, J.-M., Energie – die geplante Krise. Ursachen und Konsequenzen der Ölknappheit in Europa, Frankfurt a.M. 1976.

2 Auf der Konferenz von Bretton Woods (USA) im Juli 1944 konzipiertes Festkurssystem für die Nachkriegszeit. Wechselkurspolitisches Merkmal des Bretton-Woods-System war die Verpflichtung der Mitgliedsländer mit dem Internationalen Währungsfonds Paritäten zu vereinbaren und die Schwankungen ihrer Währungen innerhalb bestimmter Schwankungen zu halten. Quelle: Gabler Bank-Lexikon, 11. Auflage, Band 1, Wiesbaden 1996, S. 306.

3 Vgl. DER SPIEGEL, Nr. 45/2003, S. 30.


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