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„Beruflichkeit“ und „Modularisierung“ als polare Bezugspunkte der aktuellen Berufsbildungsdiskussion

Subtitle: Möglichkeiten und Grenzen der strukturellen und didaktischen Reformierung des dualen Systems und die Frage nach seiner „Europafähigkeit“

Scholary Paper (Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Sven Wettach
Subject: Pedagogy - School System, Educational and School Politics

Details

Event: Proseminar Berufsbildungspolitik in der BRD – Themen und Tendenzen von den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart
Institution/College: University of Constance
Tags: Bezugspunkte, Berufsbildungsdiskussion, Proseminar, Berufsbildungspolitik, Themen, Tendenzen, Jahren, Jahrhunderts, Gegenwart
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V54236
ISBN (E-book): 978-3-638-49488-5
ISBN (Book): 978-3-638-68824-6
File size: 354 KB

Abstract

Im Laufe des letzten Jahrzehnts geriet das deutsche Berufsbildungssystem mit seinem Herzstück, dem dualen System, gegenüber weniger beruflich sondern stärker schulisch orientierten Systemen ins Hintertreffen. Die Schere zwischen Lehrplänen und Anforderung der Wirtschaft ging immer weiter auseinander. Verantwortlich hierfür wird die mangelnde Anpassungsfähigkeit an die sich dynamisch veränderten Rahmenbedingungen gemacht. Alle beteiligten Institutionen sind sich im Grunde darüber einig, dass das duale System modernisiert werden muss. Wie nicht anders zu erwarten ist, bestehen aber hinsichtlich des „wie“ und der jeweiligen Folgen für die Beruflichkeit und das duale System Kontroversen. Schließen sich Beruflichkeit und Modularisierung als unüberbrückbare Gegensätze gegenseitig aus und bedeutet Modularisierung zwangsläufig das Ende des deutschen dualen Systems und den qualitativen Niedergang der beruflichen Ausbildung? Erweist sich eine Modularisierung in Maßen, als innere Modernisierung, die die Sinnreferenz des Dualen Systems nicht zerstört, bei der der Beruf mehr als nur die Summe der erworbenen Kenntnisse bleibt, als Ausweg aus dem relativ statischen deutschen beruflichen Ausbildungssystem?


Excerpt (computer-generated)

Universität Konstanz, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik
Proseminar: Berufsbildungspolitik in der BRD – Themen und Tendenzen von den
fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart
Sommersemester 2003

„Beruflichkeit“ und „Modularisierung“ als polare Bezugspunkte der aktuellen
Berufsbildungsdiskussion:Möglichkeiten und Grenzen
der strukturellen und didaktischen Reformierung des dualen
Systems und die Frage nach seiner „Europafähigkeit“

von: Sven Wettach

 


Inhaltsverzeichnis

1 PROBLEMSTELLUNG 3

2 MODULARISIERUNG  4

2.1 WAS SIND MODULE ?  4

2.1.1 Sequenzierungskonzept  4
2.1.2 Differenzierungskonzept 4
2.1.3 Supplementierungskonzept  5
2.1.4 Fragmentierungskonzept 5

2.2 ZIELE, VORTEILE UND GEFAHREN DER MODULARISIERUNG  5

3 REFORMVORSCHLÄGE UND NEUORDNUNGEN 7

3.1 AUSBILDUNGSOFFENSIVE 2003 7

3.1.1 Die Bundesregierung 7
3.1.2 Die Wirtschaftsverbände  7
3.1.3 Die Gewerkschaften  8

3.2 BUNDESINSTITUT FÜR BERUFSBILDUNG [BIBB]  8
3.3 DEUTSCHER INDUSTRIE – UND HANDELSKAMMERTAG [DIHK]  9
3.4 NEUORDNUNG DER ELEKTROBERUFE 10

4 EUROPA 12

4.1 DÄNEMARK 12
4.2 NIEDERLANDE 13
4.3 ENGLAND  15

5 RESÜMEE  17

6 LITERATURVERZEICHNIS 19


 


 

1 Problemstellung

Im Laufe des letzten Jahrzehnts geriet das deutsche Berufsbildungssystem mit seinem Herzstück, dem dualen System, gegenüber weniger beruflich sondern stärker schulisch orientierten Systemen ins Hintertreffen. Die Schere zwischen Lehrplänen und Anforderung der Wirtschaft ging immer weiter auseinander. Verantwortlich hierfür wird die mangelnde Anpassungsfähigkeit an die sich dynamisch veränderten Rahmenbedingungen gemacht. Alle beteiligten Institutionen sind sich im Grunde darüber einig, dass das duale System modernisiert werden muss. Wie nicht anders zu erwarten ist, bestehen aber hinsichtlich des „wie“ und der jeweiligen Folgen für die Beruflichkeit und das duale System Kontroversen. Die Fragen lauten nun, schließen sich Beruflichkeit und Modularisierung als unüberbrückbare Gegensätze gegenseitig aus und bedeutet Modularisierung zwangsläufig das Ende des deutschen dualen Systems und den qualitativen Niedergang der beruflichen Ausbildung ?

In der Modularisierungsdebatte, in der häufig auf Arbeiten von Kloas, Sloane und Deißinger zurückgegriffen wird, ist zu beachten, dass der Begriff „Modularisierung“ unterschiedlich verstanden werden kann. Modularisierung in Deutschland bewegt sich im Rahmen des dualen Systems und der Beruflichkeit und damit in den unter Punkt 2.1.1 bis 2.1.3 vorgestellten Konzepten. Modularisierung wie sie England verstanden wird, verlässt diesen Rahmen. Nach einer theoretischen Betrachtung des Begriffs „Modularisierung“ werden Reformvorschläge von an der Berufsausbildung beteiligten Interessensgruppen und Veränderungen in neuen Ausbildungsprofilen vorgestellt. Im dritten Teil dieser Arbeit werden Wege beschreiben, die andere europäischen Länder in der Berufsausbildung gegangen sind.

2 Modularisierung

2.1 Was sind Module ?

Module sind standardisierte Lerneinheiten, die auf den Erwerb spezifischer (beruflicher) Kompetenzen verweisen und als curriculare Bausteine mit Lernziel- und / oder Lerninhaltbeschreibungen eine institutionalisierte Form annehmen.1 Kloas 2 verdeutlicht dies an folgendem Bild: So wie die einzelnen „Module“ Wände, Fenster, Türen, Dach [...] u.a. zur Gesamtfunktion „Wohnen“ beitragen, so sind bestimmte Module in der Berufsbildung konstitutiv für die Gesamtfunktion „berufliche Handlungskompetenz“. Und so wie etwa die Wand oder die Tür erst aus dem Gesamtzusammenhang des Hauses ihre Funktion schöpfen, gilt dies auch für einzelne Module der Berufsausbildung. Nachfolgend werden drei Modularisierungskonzepte vorgestellt, die mit dem Beruflichkeitsprinzip vereinbar sind, und eines – das Fragmentierungskonzept - bei dem dies nicht der Fall ist. Hierbei die Einteilung nach Deißinger zugrunde gelegt.3

2.1.1 Sequenzierungskonzept

Das Sequenzierungskonzept sieht Module als unselbständige, modularisierte, didaktische Einheiten eines bestimmten Themenbereichs innerhalb der Gesamtqualifikation. Hier handelt es sich lediglich um eine strukturelle Neugestaltung der Ausbildung, der Inhalt bleibt erhalten.

2.1.2 Differenzierungskonzept

Module werden in Form von Wahl(pflicht)-einheiten angeboten, so dass unterschiedliche Qualifikationsprofile bei relativ großer inhaltlicher Verwandtschaft diese Module nutzen können. Der Ziel- und Abschlusscharakter einer Ausbildung, der schließlich zu einer Gesamtkompetenz führt, wird beibehalten.4 Ein Beispiel für eine Ausbildung nach dem Differenzierungskonzept ist die zum ersten August nächsten Jahres in Kraft tretende Ausbildungsordnung zum Speditionskaufmann /-frau. Die Auszubildenden können hier drei aus sieben Wahl- Pflicht-Qualifikationen (z.B. Seeschifffahrt, Eisenbahngüterverkehr oder Luftfrachtverkehr) wählen.5

2.1.3 Supplementierungskonzept

[...]


1 Vgl. Deißinger, 1998, S. 212.

2 zit. in: Euler/ Knippel, 2000, S. 2.

3 Vgl. Deißinger, 2001, S. 198 ff.

4 Vgl. Frommberger und Reinisch, 2001, S.358.

5 Vgl. Wirtschaft und Erziehung, 5/2003, S. 207.


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